Aleksandar Pavlović jubelt nach dem Sieg des FC Bayern gegen den BVB mit beiden Armen in der Luft.
Bild: Alex Grimm/Getty Images

Szenenanalyse: Wie ein Taktik-Kniff rund um Pavlović und Musiala den Sieg gegen den BVB brachte

Justin 05.03.2026



Der FC Bayern München tat sich in der ersten Halbzeit gegen den BVB schwer, zu klaren Torchancen zu kommen. Zwar hatte das Team von Vincent Kompany in den meisten Phasen die Spielkontrolle, doch vorn gelang es nur selten, die Angriffe zu Ende zu spielen.

Ein Grund dafür war, dass man Dortmund zu selten in Unterzahlsituationen bringen konnte. Vor allem im Zentrum war der BVB immer wieder schnell an den Gegenspielern. Das änderte sich in der zweiten Halbzeit – auch weil sich die Rolle von Aleksandar Pavlović veränderte.

Im ersten Durchgang spielte der Sechser sehr zentral. Die Rollenverteilung mit Joshua Kimmich ist mittlerweile eingespielt. Kimmich lässt sich häufig in die Abwehrkette fallen, wenn der Pressingdruck größer wird und Pavlović hält die Mitte, um dort eine verlässliche Anspielstation zu sein und die Bälle klug zu verteilen.

Wurde der Druck umspielt und zog sich der BVB zurück, spielten beide zentral vor der Abwehr. Um sie herum gab es aber mitunter zu wenig Bewegung, um den Gegner ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen. Das änderte sich mit einer taktischen Anpassung und der Einwechslung von Jamal Musiala.

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FC Bayern in Dortmund: Eine Umstellung half enorm

Denn im zweiten Durchgang hatte Pavlović seine meisten Aktionen nicht mehr in zentralen Räumen, sondern auf dem linken Flügel. Dort kippte er immer wieder neben die Innenverteidiger. Das wiederum erlaubte Konrad Laimer, sich noch aktiver im linken Halbraum einzubringen und dort offensiv Druck zu machen.

Vor allem aber brachte es den Bayern mehr Spielstärke auf einer Position, die der BVB einigermaßen aggressiv presste. Nach etwas mehr als einer Stunde brachte Kompany zudem Musiala, der im Mittelfeldzentrum wiederum den „Verlust“ von Pavlovićs Spielstärke auffing und dort immer wieder die Zwischenräume besetzte, um Dortmunds Zuordnungen durcheinander zu bringen.

Den Beleg für den Erfolg dieser Umstellungen lieferte die Entstehung zum 3:2-Siegtreffer von Kimmich. Nicht die direkte Entstehung zwei oder drei Pässe vor dem Treffer, sondern der Spielaufbau viele Sekunden zuvor.

Der Spielaufbau vor dem Tor zum 3:2

Die Ausgangslage war ein Freistoß in der eigenen Hälfte. Jonathan Tah führte ihn aus und bekam den Ball vom bereits außen positionierten Pavlović zurück. Dann ergab sich folgende Situation:

Dortmund orientiert sich in der Arbeit gegen den Ball nach vorn. Gerade hatten sie den Ausgleich erzielt und so spekulierten sie auf einen möglichen Sieg kurz vor Schluss. Die neue Ausrichtung der Bayern stellte den BVB in der Arbeit gegen den Ball aber vor massive Probleme.

  • Blau: Pavlović bindet Brandt
  • Rot: Laimer bietet sich tief an und zieht damit Bensebaini aus der Fünferkette
  • Schwarz: Díaz bindet Couto
  • Grün: Musiala und Kane sind in Überzahl gegen Anton
  • Gelb: Stanišić und Olise sind eine akute Gefahr für Svensson
  • Lila: Kimmich bindet Guirassy

All das führt zu einem großen Problem in letzter Linie. Durch das Herausrücken von Bensebaini muss die restliche Kette des BVB eigentlich auf die rechte Seite verschieben. Doch Schlotterbeck und Svensson sind verhalten, weil ein zu starkes Verschieben den anderen Flügel für eine Verlagerung öffnet. Ein weiteres Problem für die Dortmunder ist nämlich, dass niemand Druck auf den ballführenden Spieler machen kann, ohne einen großen Raum zu öffnen.

Läuft Guirassy an, ist Kimmich plötzlich frei. Läuft Brandt an, ist Pavlović frei. Deshalb sieht sich Marcel Sabitzer intuitiv in der Pflicht, weiter aufzurücken. Denn er hat nominell keinen Gegenspieler. Das trifft auch auf Felix Nmecha zu, der im Zentrum ebenfalls vor einer kniffligen Entscheidung steht: Schiebt er auf Sabitzers Position oder lässt er sich fallen, um die Vierer- wieder zur Fünferkette aufzufüllen und Anton gegen Musiala und Kane zu helfen?

Die Rolle von Pavlović und Musiala

Letztlich läuft Brandt durch, während sich Pavlović gleichzeitig noch weiter nach außen fallen lässt. Sabitzer schiebt nach vorn auf Kimmich, der auf die Sechs rückt. Guirassy will den Passweg zwischen Tah und Upamecano zustellen und auch Nmecha orientiert sich nach vorn.

Diese Situation erkennt ein Spieler wie Musiala sofort. Der 23-Jährige schiebt sich in den Rücken von Sabitzer und somit in einen großen zentralen Raum, der nun über Umwege bespielbar ist. Anton kann ihm nicht folgen, weil Kane immer noch bei ihm ist.

Tah eröffnet auf Kimmich, der sofort von Brandt und Sabitzer angelaufen wird. Pavlović ist in der Schnittstelle aber direkt anspielbar und Kimmich legt mit links sofort heraus auf den Flügel. Was zudem gleichzeitig passiert: Laimer macht einen Schulterblick ins Zentrum und sieht, dass sich Musiala dort anbietet.

Der Außenverteidiger reagiert blitzschnell, dreht um und sprintet wieder in die andere Richtung, um die Mitte zu öffnen. Interessant: Bensebaini entscheidet sich nicht dazu, den Laufweg von Laimer aufzunehmen. Stattdessen schiebt er nun auf Pavlović, der keinen Gegenspieler hat.

Bayern überfordert den BVB mit seinen Laufwegen

Mit gegenläufigen Bewegungen und schnellem Passspiel gelingt es den Bayern in dieser Situation, maximale Überforderung bei den Dortmundern herbeizuführen. Wir sind jetzt nur einen Pass weiter in der Szene und es lässt sich erahnen, wie viele Entscheidungen der BVB hier gleichzeitig treffen muss. Und jede einzelne dieser Entscheidungen kann fatale Folgen für den weiteren Verlauf haben.

Im Fußball geht es oft darum, Überzahlsituationen herzustellen und genau das machen die Bayern hier hervorragend.

Denn Pavlović bringt den Ball nun ins Zentrum zum komplett freien Musiala. Und damit nicht genug: Durch den ebenfalls freien Laimer haben die Bayern eine Zwei-gegen-eins-Überzahl gegen Anton und ein Drei-gegen-zwei auf dem Flügel, wenn man Díaz außen noch mit reinnimmt.

Musiala dreht etwas unglücklich auf. Vermutlich, weil er vorher nur einen Schulterblick in Richtung BVB-Tor gemacht, aber die Position von Nmecha nicht im Auge hat. Nmecha kann ihn deshalb unter Druck setzen und so wichtige Zeit für Dortmund gewinnen. Bayern muss auf den Flügel und Díaz dribbelt nach innen. Das bringt dem BVB wichtige Sekunden, um sich wieder zu sortieren.

Am Ende verlagern die Münchner auf die rechte Seite, wo Michael Olise den Ball ins Zentrum bringt und Kimmich sehenswert vollendet. Auf dem Weg zum Tor brauchte es zwischen dem starken Spielaufbau und dem Abschluss also auch einige glückliche Momente. Aber die Art und Weise, wie die Münchner hier das BVB-Pressing aufgelöst haben, ist stellvertretend für die vor allem im zweiten Durchgang starke Leistung.

Aleksandar Pavlović und Jamal Musiala: Eine wichtige Achse für die Gegenwart und Zukunft

Zumal die Szene auch zeigt, wie wichtig die Spielstärke von Pavlović und Kimmich ist. Beide waren von Dortmund kaum zu pressen. Sie bewegten sich klug und spielten viele wichtige Pässe auf dem Weg zum Sieg.

Und auch die Rolle von Musiala ist nicht zu unterschätzen. Zwar gab es jüngst etwas Kritik, diese ist aber allenfalls als oberflächlich einzuschätzen. Viel wichtiger für das Trainerteam wird die Erkenntnis sein, wie spielentscheidend Musiala auch dann sein kann, wenn er keine eigenen Torraumszenen hat.

Mit seiner Qualität, enge Räume zu bespielen und das Pressing aufzulösen, ist er hervorragend dafür geeignet, Pavlović und Kimmich zu entlasten und ihnen die Freiheit zu geben, sich dem Pressing auch mal durch abkippende Bewegungen zu entziehen. Pavlović und auch Musiala bilden eine elementar wichtige Achse der Gegenwart, aber auch und vor allem der Zukunft.

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