Bayern stottert, walzt Mainz aber nieder

Daniel Trenner 31.08.2019

Obwohl der wiedergenesene Thiago zurückkehrte, überraschte Kovač, indem er die Schalke-Aufstellung nicht einfach zurück rotierte.

Falls Ihr es verpasst habt:

Stattdessen startete Kimmich abermals im defensiven, während Thiago und Coutinho die Rollen im offensiveren Mittelfeld übernahmen. Den formschwachen Müller und Tolisso blieb also nur die Bank. Dazu kam Ivan Perišić für Serge Gnabry zu seiner Startelfpremiere. Gnabry war wohl angeschlagen.

1. Halbzeit

Trotz guter Anfangsphase mit einer ersten Chance durch Lewandowski, gelang es Mainz wie so vielen anderen Teams direkt mit ihrer ersten Chance in Führung zu gehen: Pierre-Gabriel flankte von der rechten Seite, wo Pavard Boëtius zu einfach köpfen ließ.

In der Folge gelang Bayern lange Zeit absolut nichts. Fehlpass um Flanke plätscherte das Spiel vor sich hin, bis erst in der 30. Minute nach einem hohen Ballgewinn Perišić trotz aller Freiheiten im Strafraum nicht einnetzen konnte. Nun wurde das Spiel der Münchner etwas besser. Alaba scheiterte noch mit einem Freistoß aus 18 Metern und Perišić konnte den Rebound nicht verwerten. Dann schlug in der 36. Minute wiederum Perišić von der Außenlinie eine lupenreine Bananenflanke in den Rückraum, die Pavard nicht ganz unähnlich zu seinem Tor bei der Weltmeisterschaft 2018 volley verwertete. 

Thiago positionierte sich in dieser Phase tiefer und half so Bayerns lahmendem Aufbau. In der 44. Minute konnte Hack den durchbrechenden Lewandowski nur mit einem Foul stoppen. Diesmal schoss Alaba seinen Freistoß besser und traf von halbrechts perfekt in den rechten Winkel. Kurz vor Halbzeitpfiff konnte Thiago fast noch auf 3:1 erhöhen, schoss aber zu hoch.

2. Halbzeit

Unverändert kamen die Bayern aus der Kabine. Thiago spielte weiterhin tiefer, wodurch die Grundordnung mehr zum 4-2-3-1 tendierte. Pavard schlug in der 54. Minute eine effetvolle Flanke, die Perišić per Kopf in den Winkel schlug.

Lewandowski hätte in der 62. Minute eigentlich bereits das 4:1 erzielen müssen, Niakhaté rettete aber auf der Linie. Zwei Minuten später fiel es dann trotzdem: Kimmichs Ecke segelte an allen vorbei, sodass Coman aus 6 Metern nur noch den Fuß hochhalten musste.

Das Spiel war nun gelaufen und der Arbeitstag der beiden Offensiv-Neuzugänge ebenfalls: Davies und Müller kamen für Perišić und Coutinho. Trotzdem hörten die Bayern nicht auf mit dem Toreschießen. Müller flankte niedrig in den Rückraum, wo Lewandowski den Ball beeindruckt annahm und abschloss (78.). 3 Minuten später schoss Alphonso Davies abermals gegen Mainz 05 ein Bundesligator: Nachdem Lewandowski den Ball schön auf Müller chippte, legte dieser quer und der Kanadier musste nur noch einschieben. Zwischenzeitlich kam Mickaël Cuisance noch zu seinem Bayern-Debüt. Am Ende steht ein 6:1 für die Bayern, das aufgrund der individuellen Überlegenheit verdient war, insgesamt aber auch über einige Probleme hinwegtäuschte.

Dinge, die auffielen:

1. Absurde Abstände

Es mutete wie eine sehr logische Veränderung an: Um zu verhindern, dass die Achter sich zu hoch positionieren und den defensiven Mittelfeldspieler alleine lassen, ließ Kovač statt zwei Dynamikern, gleich drei Kreativköpfe im Mittelfeld ran.

Das Ergebnis war jedoch erschütternd.

Statt Kontrolle im Mittelfeld, besserem Positionsspiel und mehr Optionen im Aufbau, wurde es allenfalls noch schlechter. Das verschiebt die Schuldfrage immer mehr Richtung Trainerteam.

Situationen, wo Kimmich noch in der eigenen Hälfte den Ball hat, von gleich mehreren Gegenspielern angelaufen wird und der nächsthöhere Spieler sich 30 Meter entfernt ihm mit dem Rücken zugewandt positioniert, waren der Regelfall.

Dabei muss Thiago nach Jahren auf der Sechs wissen, wie schwer das Spiel dort ist, wenn sich niemand anbietet. Dennoch stand er derartig hoch, dass dies gewollt sein muss. Doch es kann nicht zum Plan des Trainerteams gehören, den Aufbauspielern sämliche Zuspieloptionen zu nehmen.

So allerdings wurde ein hoher Ball um den anderen auf die Außenpositionen geschlagen, wo Mainz den Bayern gerade so viel Raum ließ, dass wieder und wieder eine Halbfeldflanke der nächsten folgte. Die eine schlechter als die andere. Ganz gleich wie unbesetzt der Strafraum auch war.

In der 2. Hälfte besserte sich das ganze immerhin. Thiago spielte nun merklich tiefer, sodass es endlich einen Verbindungsspieler im Mittelfeld gab. Zudem war auch schlicht die Qualität der Flanken klar höher. Pavard jagte seine in der ersten Hälfte noch mehrfach mitten ins Nichts, während er beim 3:1 mit Auge und Gefühl seinen Abnehmer fand. So konnte man zwar mehr Abschlüsse und Tore erzielen, doch sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass Mainz sich erstens mitte der zweiten Hälfte selbst aufgab und zweitens schlichtweg nicht in der Lage ist, der individuellen Klasse des FC Bayern über 90 Minuten etwas entgegenzusetzen. Vielmehr zählen die Nullfünfer in dieser Saison klar zu den Abstiegskandidaten in der Bundesliga und dafür war der bayerische Auftritt im Mittelfeld zu wenig.

2. Perišićs Preis

Vielerorts belächelt war die Leihe Ivan Perišićs eigentlich nur logisch. Ein routinierter Flügelstürmer, der schon alles gesehen hat, vergrößert einen zu schmalen Kader. Betrachtet man die Auswirkungen, die sein erster Startelfeinsatz mit sich brachte, nimmt diese Logik allerdings Schaden. Statt Gnabry einfach eine Pause zu geben, zwang er Coman zum Wechsel auf rechts. Kingsley Coman ist der beste Linksaußen der Liga. Ob es wirklich eine gute Idee ist, bloß für einen routinierten Neuzugang seinem gefährlichsten Flügelstürmer seine beste Position zu rauben? Comans Spiel ist viel variantenreicher, als einige noch immer glauben mögen, doch auf rechts hat sein Spiel tatsächlich viel von einem One-trick-pony: Einem flankenden Sprinter.

Passend dazu kam Perišić in der 29. und 34. Minute zu gleich zwei Abschlusssituationen, wo ein inverser Flügelstürmer mit seinem rechten Fuß besser abgeschlossen hätte, der Kroate sich den Ball aber erst auf den linken Fuß legen musste.

Muss Coman auf die rechte Seite, damit ein talentierter Jugendspieler wie Davies sich wohler fühlt, ist das sehr logisch und lobenswert, doch von einem Ivan Perišić würde man erwarten, dass er auch auf der rechten Seite eine gute Leistung bringen könnte.

3. Flanken & Standards

6:1. Das klingt super. Doch bröselt man die Tore einzeln auf und stellt es in einen größeren Kontext mit dem 3:0 auf Schalke, dann zeichnen sich wieder bedenkliche Entwicklungen ab.

Das 1:1: Ein Kunstschuss nach einer Flanke.
Das 2:1: Ein (wunderschöner) Freistoß.
Das 3:1: Ein Kopfball nach einer Flanke.
Das 4:1: Ein Eckballtor.
Dazu die ersten Tore auf Schalke: Das 1:0 ein Elfmeter, das 2:0 ein Freistoß.

Natürlich hat das auch positive Aspekte: Nach drei Spielen hat Bayern mit zwei direkt verwandelten Freistößen bereits mehr Freistoßtore, als in so mancher Saison insgesamt. Zudem ist es eine oft unterschätzte Waffe, Gefahr aus Freistößen zu erzeugen. Dennoch bleibt der Eindruck, dass Bayern nur aus ruhenden Bällen und Flanken treffen mag. Dabei sind gerade Flanken für den Gegner recht simpel zu verteidigende Situationen. 28 waren es am Ende an der Zahl.

Mannschaften, die nicht aus dem Spiel heraus treffen können, scheitern im Laufe der Saison irgendwann eigentlich immer. Und das ist dann vielleicht die bittere Erkenntnis des sonst weitestgehend erfolgreichen Saisonstarts.

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