during the DFB Cup Final match between FC Bayern Muenchen and VfB Stuttgart at Olympiastadion on June 1, 2013 in Berlin, Germany.

Vorschau: FC Bayern München – VfB Stuttgart

Tobias Trenner 11.05.2018

Die Bayern haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Alles begann mit Carlo Ancelotti, der in der zweiten Saison das Ziel, die Champions League zu gewinnen, erreichen wollte. Doch schon früh zeichnete sich ab, dass sich der spielerische Niedergang der Münchner weiter fortsetzte.

Im Vergleich zur ersten Saison unter dem Italiener stimmten dieses Mal aber auch die Ergebnisse nicht mehr. Als man dann in Paris chancenlos unterging und große Teile der Mannschaft sich gegen Ancelotti stellten, zogen die Verantwortlichen die Reißleine. Nach einigen Tagen der Unsicherheit wurde bekanntgegeben, dass Jupp Heynckes noch einmal zurück aus der Rente kommen würde, um die Bayern ein letztes Mal zu trainieren.

Dass der FC Bayern diese Saison mit der Meisterschaft und dem möglichen DFB-Pokal-Sieg abschließen wird, ist ein sehr großer Verdienst von Heynckes. Er schaffte es, die Mannschaft wieder zusammenzuschweißen und die Leistungen auf ein Topniveau zu heben.

Jeder Anhänger des FC Bayern sollte Heynckes für diese nicht selbstverständliche Saison danken. Zwar klappte es letztlich nicht mit dem großen Ziel in der Champions League, aber man war in zwei Spielen gegen Real Madrid überlegen und schied wegen individueller Fehler aus. Nach dem desaströsen Auftritt in Paris im November war das nicht zu erwarten.

Die Leistung der Mannschaft und des Trainers sollte wieder einmal gelobt werden. Auch wenn es nicht für das Triple reichte, so muss man trotzdem anerkennen, dass diese Generation an Spielern nach fünf Meisterschaften in Folge kein bisschen an ihrem Hunger auf Erfolg verloren hat.

Der VfB Stuttgart

Auch der VfB Stuttgart hat eine turbulente Saison hinter sich. Nach dem Aufstieg ging man mit wenigen Erwartungen in die Saison. Kurz vor Beginn der neuen Spielzeit wurde plötzlich der Sportdirektor gewechselt. Jan Schindelmeiser musste gehen, Bayerns ehemaliger Kaderplaner Michael Reschke übernahm. Die Hinrunde lief alles in allem in Ordnung. Wie zu erwarten war, spielte der VfB eher im unterem Mittelfeld der Liga, dies lag aber auch zum Teil an fehlendem Spielglück.

Zur Winterpause konnte mit Mario Gomez dann ein echter Coup gelingen. Der Nationalspieler kehrte zu seinem Jugendclub zurück, mit dem er 2007 die Meisterschaft feierte. Die Erwartungen an Gomez waren dementsprechend groß.

Zu Beginn der Rückrunde blieben die Ergebnisse aus. Trotzdem war die Entlassung von Hannes Wolf etwas überraschend. Der Neue, Tayfun Korkut, hatte einen schwierigen Start. Beim ersten Training versammelten sich die Fans am Gelände und schwiegen. Das alles kreierte eine sehr seltsame Stimmung rund um den VfB. Mittlerweile ist davon nichts mehr zu spüren.

Unter Tayfun Korkut schaffte es die Mannschaft, stabiler zu werden und verlor nur eine Partie, nämlich in Dortmund. Aktuell steht der VfB auf Platz acht in der Tabelle. Mit einem Sieg in München wäre der Sprung auf Platz sieben noch möglich und damit eventuell die Qualifikation zur Europa League, wenn der FC Bayern das Pokalfinale gewinnt.

Was änderte sich unter Korkut? Im Vergleich zum Vorgänger Hannes Wolf spielen die Schwaben deutlich risikoärmer. Die Stärke des VfB liegt in der Defensive. Die meisten Teams bissen sich an Stuttgarts Abwehr die Zähne aus. Dabei lässt Korkut seine Mannschaft im 4-4-2 auflaufen. Defensiv stehen die beiden Viererketten sehr eng, der Fokus liegt auf dem Verschließen der Mitte.

Auch die beiden Stürmer Gomez und Ginczek sorgen dafür, dass es für den Gegner schwierig wird, durch die Mitte anzugreifen. Der VfB zeigt während der defensiven Phasen ein hohes Maß an Disziplin. Sie verschieben sehr sauber, sichern den Nebenmann gut ab und können in den entscheidenden Räumen immer Druck auf den Ballführenden ausüben.

Eine Szene aus der Partie gegen Hoffenheim am letzten Spieltag: Gegen die Mannschaft von Julian Nagelsmann wurden die Flügel zwar freigelassen, allerdings kontrollierte der VfB den Sechserraum und verhinderte so ein schnelles Kombinationsspiel der TSG.

Mit Ball hingegen erhält man von den Schwaben aktuell keine spielerischen Highlights. Sehr viel ist darauf ausgerichtet, über lange Bälle auf die beiden Stürmer Gomez und Ginczek gefährlich zu werden. Die Flügelspieler Thommy und Gentner rücken meistens weit ins Zentrum, um die zweiten Bälle und Abpraller zu gewinnen und die Unordnung des Gegners für schnelle Vorstöße zu nutzen. Zwar ist der VfB offensiv deshalb auch nicht wirklich gefährlich, jedoch reicht oftmals ein einziges Tor, da sie defensiv wohl aktuell zu den stärksten Teams der Liga gehören.

Player to watch

Hier könnte man natürlich Neuzugang Mario Gomez nennen. Oder aber auch Holger Badstuber, der am Samstag sicherlich wieder mit viel Applaus in München empfangen wird. Allerdings müssen wir die Beiden wohl keinem Bayern-Fan vorstellen.

Aus fußballerischer Sicht ist besonders Benjamin Pavard sehr interessant zu beobachten. Der junge französische Innenverteidiger, der bereits letztes Jahr mit dem VfB in der zweiten Liga aktiv war, hat eine steile Entwicklung genommen. Er durfte bereits für die französische Nationalmannschaft debütieren und kann sich berechtigte Hoffnung machen, auch im Sommer in Russland dabei zu sein.

Pavard ist absoluter Leistungsträger bei den Stuttgartern. Er besitzt alle Fähigkeiten, die ein moderner Innenverteidiger besitzen muss. Defensiv ist sein Stellungspiel sehr gut, auch athletisch und in der Zweikampfführung ist er bereits sehr weit. Nicht umsonst verdrängte er den langjährigen Stamminnenverteidiger Timo Baumgartl auf die Position des Rechtsverteidigers.

Im Vergleich zu Baumgartl besitzt Pavard überdurchschnittliche Fähigkeiten im Spielaufbau. Sein Passspiel ist exzellent. Er kann nicht nur die simplen Pässe präzise spielen, sondern schafft es auch, eine Vielzahl an scharfen flachen Pässen zwischen die gegnerischen Linien an den Mann zu bringen. Aktuell bleiben diese Fähigkeiten aufgrund des Spielstils etwas auf der Strecke, jedoch ist Pavard der wohl unterschätzteste Innenverteidiger in der Bundesliga. Man darf bezweifeln, dass Michael Reschke ihn über den Sommer hinaus in Stuttgart halten kann.

Die Zukunft des FC Bayern

Da nun der letzte Bundesliga-Spieltag bevorsteht, möchten wir auch einen Blick auf die nahe Zukunft des FC Bayerns werfen. Mit Niko Kovac steht ein neuer Trainer bereit, am Dienstag wurde des Weiteren bekannt gegeben, dass Holger Seitz die Amateure übernimmt. Damit sind nun nach langem hin und her die wichtigsten Trainerpositionen besetzt.

Trotzdem wirkt das Vorgehen des Vereins bei den Trainerentscheidungen etwas ungeplant. Mit Niko Kovac hat man einen Kandidaten für die Profis verpflichtet, der zwar gute Bilanzen bei seiner letzten Station in Frankfurt vorzuweisen hat, aber im Vergleich zu Nagelsmann oder Tuchel nicht über mehr Erfahrung oder Erfolge verfügt.

Der Gedanke, dass Kovac nur aufgrund seiner Vergangenheit beim FC Bayern Trainer wurde, lässt sich nicht verwerfen. Es wirkt aktuell nicht so, dass der Verein einen klaren Plan verfolgt. Auch die vielen Personalrochaden im Jugendbereich sprechen nicht für Kontinuität in der Arbeit.

Niko Kovac stand in den letzten Jahren für keine besondere Spielphilosophie. Die Entwicklung von 2009-2016 mit Trainern, die auf ein dominantes Ballbesitzspiel setzen, wird scheinbar nicht mehr so konsequent fortgesetzt. Carlo Ancelotti war dafür schon der Vorbote. Hier stellt sich die Frage, ob Kovac wirklich der richtige Kandidat für die nun anbrechende Phase der Bayern ist.

Andererseits muss eine Anpassung des eigenen Stils nicht schlecht sein. Auch wenn der Kader der Münchner in den letzten Jahren für dominanten Fußball stand, so zeigte Heynckes in dieser Saison, dass auch ein wechselnder Rhythmus – wie gegen Real Madrid – sehr erfolgversprechend sein kann. Kovac hat die große Chance, seine eigenen Ideen beim FC Bayern umzusetzen. Im Vergleich zur Frankfurt-Zeit muss er sich aber stark an die nun höhere Qualität seiner Spieler anpassen.

Der Generationswechsel ist zudem in vollem Gange. Mit Serge Gnabry und Leon Goretzka kommen zwei talentierte Akteure im Sommer hinzu. Allerdings sollte man aufpassen und nicht in alte Muster verfallen. Um den kleinen Abstand auf Teams wie Real Madrid, deren finanzielle Hemmschwelle geringer ist, zu verringern, muss gute und vorrausschauende Arbeit geleistet werden.

Neben deutschen Talenten sollte man weiter versuchen, internationale Talente frühzeitig nach München zu lotsen. Des Weiteren benötigt die Mannschaft auch direkte Verstärkungen, James Rodriguez ist dafür das wohl beste Beispiel. Der FC Bayern ist dabei schon auf dem richtigen Weg, die Transferpolitik der letzten beiden Jahre brachte Spieler wie Niklas Süle oder den angesprochenen James nach München.

Eine klarer formulierte Spielphilosophie würde allerdings dabei helfen, einen ausgewogeneren Kader zu haben. Aktuell hat man beispielsweise mit Tolisso, Vidal, Goretzka und theoretisch Renato Sanches vier ähnliche Spielertypen im Kader, eigentlich zu viel. Zumindest wenn man vom bisherigen Stil ausgeht. Vielleicht hat Kovac auch hier gewisse Vorstellungen. Spätestens nach der Sommervorbereitung wird man endgültig bewerten können, wie der Kader aufgestellt ist. Eine gewisse Flexibilität kann dennoch gerade im Mittelfeld nicht schaden.

Letztendlich sollte sowohl für Spieler als auch für Mitarbeiter die Qualität entscheidend für eine Verpflichtung sein und nicht der Stallgeruch oder die Nationalität. Niko Kovac ist ein guter Bundesliga-Trainer und er hat die Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen. Aktuell wirkt er aber wie eine C-Lösung. Seine Frankfurter Mannschaft war zwar flexibel und gut, aber es darf die Frage gestellt werden, ob dieses eine Jahr nun tatsächlich ausreicht, um sich für den FC Bayern zu qualifizieren.

Ob er es schafft, aus der Mannschaft die fehlenden Prozente heraus zu kitzeln, um den geringen Abstand auf Real Madrid aufzuholen, wird sich zeigen. Skepsis ist erlaubt, aber Kovac hat – wie jeder andere auch – einen Vertrauensvorschuss verdient, den er nun nutzen kann, um ein neues Zeitalter beim FC Bayern zu starten.

Mach’s gut, Jupp!

Erstmal endet am Samstag aber eine turbulente Bundesliga-Saison. Mit dem VfB Stuttgart wartet noch ein letzter, sehr unangenehmer Gegner. So wie man die Bayern unter Jupp Heynckes kennt, werden sie am Samstag versuchen ein Feuerwerk für die Fans und zu Ehren ihres Trainers abzubrennen.

Für einen Augenblick ist die Zukunft dann egal. Jupp Heynckes bestreitet sein diesmal wirklich letztes Bundesliga-Spiel als Trainer. Wir alle verneigen uns vor einer der größten Trainerpersönlichkeiten in der Geschichte des FC Bayern und der Bundesliga.

Danke Jupp für alles was du die letzten Jahre für den FC Bayern getan hast. Wir wünschen dir ein Denkmal an der Säbener Straße und dass die Freundschaftsdienste für Uli nun endlich aufhören mögen!

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