Vorschau: FC Bayern München – Eintracht Frankfurt

Wieder verliert man gegen Real Madrid mit 2:1. Trotz guter Leistung schaffen es die Bayern nicht, ihre Chancen zu nutzen und stehen jetzt in Madrid vor einer Herkulesaufgabe. Dazu sind mit Robben und Boateng zwei erfahrene Leistungsträger verletzt. Die Enttäuschung sitzt bei vielen Fans und auch den Spielern tief. Nun gilt es, sich gegen Frankfurt schnellstmöglich von dem Negativereignis zu erholen.

Zwischen den beiden Champions-League-Halbfinals gegen Real Madrid steht nämlich noch eine Bundesligapartie an. Vor dem Rückspiel in Madrid treffen die Bayern auf Eintracht Frankfurt. Damit kommt Niko Kovac das erste Mal nach der Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Bayern nach München.

Seit der Meisterschaft hat die Bundesliga nicht mehr die größte Priorität. Wir haben bereits in den letzten beiden Vorschauen auf die Bundesligapartien gewarnt, diese Spiele ernst zu nehmen, um im Rhythmus zu bleiben. Das Gleiche fordert auch Jupp Heynckes. Und seine Mannschaft hat dies bisher perfekt umgesetzt. Nach dem erfolgreichen Spiel gegen Gladbach folgte eine gute Leistung gegen Hannover mit einem 3:0-Sieg trotz Mega-Rotation.

Besonders erfreulich für viele Bayernfans war das Debüt von Lars Lukas Mai gegen Hannover 96. Nach langer Zeit durfte mal wieder ein Talent aus der eigenen Jugend sein Bundesliga- und Startelfdebüt bei den Profis feiern. Mai zeigte dabei eine durchaus solide Leistung. Zu Beginn wirkte er noch etwas nervös und musste sich im Spielsystem der Profis erst einmal zurechtfinden. Das sind aber alles Punkte, die bei einem Debüt vollkommen normal sind. Angesichts der Verletzung von Jerome Boateng wird Mai wahrscheinlich auch gegen Eintracht Frankfurt wieder von Beginn an auflaufen.

Eigentlich ist dieses Bundesligaspiel auch nur eine weitere Partie, die gespielt werden muss, jedoch ist das Duell gegen Eintracht Frankfurt kein ganz normales Spiel am Ende der Saison. Nach den ganzen Streitigkeiten der Führungsetagen rund um die Verpflichtung von Niko Kovac als neuen Cheftrainer zur kommenden Saison liegt eine gewisse mediale Brisanz in der Partie. Sicherlich werden an diesem Tag die ganzen Augen auf Niko Kovac gerichtet sein.

Nebenbei ist die Partie auch die Generalprobe für das DFB-Pokalfinale am 19. Mai in Berlin. Wer Jupp Heynckes die letzten Wochen beobachtete, wird aber wissen, dass er das Thema wahrscheinlich runter spielen und trotz der sich bietenden Generalprobe die Rotationsmaschine wieder anwerfen wird. Die Partie gegen Real Madrid ist dafür einfach zu wichtig. Wir werden wahrscheinlich wie bereits gegen Hannover eine B-Elf bei den Bayern sehen. Wenn man es überhaupt eine B-Elf nennen darf, immerhin schoss die vermeintliche B-Elf in den letzten zwei Bundesligaspielen 8 Tore.

Die Lage beim Gegner

Eintracht Frankfurt spielt bisher eine sehr gute Saison. Wie bereits letztes Jahr, konnte sich die Mannschaft von Niko Kovac im oberen Teil der Tabelle festsetzen. Im Vergleich zur letzten Saison brachen die Hessen in der Rückrunde nicht so stark ein. Aktuell liegt die Eintracht mit 46 Punkten auf Platz sieben. Einen Punkt hinter RB Leipzig. Das Ziel der Frankfurter ist mit Sicherheit die Qualifikation für das Internationale Geschäft. Dafür reicht ihnen Platz sieben, weil sie selbst mit den Bayern im Pokalfinale stehen. Da man sich allerdings nur als Gewinner des DFB-Pokals direkt für die Europa-League qualifiziert, ist Frankfurt gut beraten, sich auch mindestens Platz sieben in der Abschlusstabelle zu sichern.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Hessen im Saisonendspurt aber noch kräftig punkten. Zuletzt waren die Ergebnisse in der Liga alles andere als zufriedenstellend. Den letzten Sieg konnte die Mannschaft aus der Main-Metropole am 27. Spieltag gegen Mainz 05 feiern. Seitdem gelang kein Sieg mehr. Besonders die beiden Niederlagen bei Leverkusen (4:1) und gegen die Hertha (0:3) offenbarten Schwächen in der Defensive.

Durch das Weiterkommen im DFB-Pokal wurden die zuletzt schwächeren Ergebnisse etwas kaschiert. Bereits zum zweiten Mal in Folge stehen die Frankfurter damit im Pokalfinale und wollen sich diesmal krönen, um der Amtszeit von Niko Kovac ein positives Ende zu setzen. Alles in allem ist die Entwicklung bei der Eintracht sehr positiv. Das Team um Fredi Bobic und Bruno Hübner leistete gute Arbeit und konnte Niko Kovac durch kluge Transfers ein schlagkräftiges Team bereitstellen.

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Die Spielweise

Die größte Stärke der Eintracht ist mit Sicherheit ihre Flexibilität. Niko Kovac schaffte es, dem Team nicht nur eine gute Organisation in der Defensive zu vermitteln, sondern auch ein solides Ballbesitzspiel zu implementieren. Frankfurt scheut nicht davor zurück, auch einmal selbst die Initiative in einem Spiel zu übernehmen. Gerade in der zweiten Hälfte des Hinspieles waren die Hessen die aktivere Mannschaft und die Bayern verteidigten vermehrt.

Wenn Frankfurt dann durch längere Ballbesitzphasen versucht das Spiel zu machen, lassen sie häufig den Ball in ihrer ersten Linie zirkulieren und versuchen Lücken im Verteidigungsbund zu finden. Wird der Ball dann zu den Offensivspielern gespielt, geht es meist etwas schneller und es werden vermehrt Ablagen und vertikale Pässe genutzt. Gerade mit Hasebe und Mascarell besitzt Frankfurt zwei Akteure, die prägend für das Aufbauspiel der Eintracht sind. Hasebe wurde von Kovac in die Abwehr zurückgezogen und besticht dort mit intelligenter Positionierung und präzisen Pässen ins Mittelfeld. Mit Mascarell, De Guzman oder auch Kevin-Prince Boateng befinden sich im Mittelfeld Akteure, die auch unter Druck den Ball gut verarbeiten können.

In der Regel nutzt Niko Kovac ein 3-4-3 oder 3-1-4-2 in Ballbesitz, andere Staffelungen sind aber stets möglich. In der defensiven Phase bilden die Frankfurter dann eine Fünferabwehrkette und nutzen unterschiedliche Staffelungen davor. Die Hessen verteidigten bereits in einem 5-3-2; 5-2-3 oder einem 5-4-1. Meist liegen nur wenige Unterschiede zwischen den Formationen. Diese Nuancen sind aber entscheidend für den Erfolg der Eintracht. Diese Details sind Anpassungen an den Gegner. Gerade jene Anpassungen machen die Hessen diese Saison so stark.

Während der Gegner den Ball hat, agiert das Team von Niko Kovac mit recht vielen Mannorientierungen. So hat man zwar direkten Zugriff auf die Gegenspieler und kann jene sofort unter Druck setzen, allerdings findet Frankfurt dabei nicht immer die richtige Balance und lässt sich gerne mal zu leicht aus der Position ziehen. Diese Probleme kamen vor allem bei den letzten Niederlagen gegen Hertha BSC und besonders gegen Bayer Leverkusen zum Tragen.

Fabian und De Guzman orientieren sich hier zu sehr an den Mittelfeldspielern der Leverkusener und rücken heraus, dies führt dazu, dass Leverkusen zwischen den Linien sehr viel Raum vorfindet. Brandt und Havertz schaffen es anschließend, das Herausrücken von Falette geschickt zu bespielen.

Player to watch

Makoto Hasebe, Jonathan De Guzman und Ante Rebic. Frankfurt besitzt einige interessante Akteure. Allerdings fallen alle drei aufgrund von Sperren oder Verletzungen für das Spiel gegen die Bayern aus. Ein Letzter, der dann noch übrig bleibt, ist Omar Mascarell. Mascarell stammt aus der Jugendakademie von Real Madrid. Allerdings spielte er meist nur für die zweite Mannschaft der Königlichen. Nach Leihen zu Derby County und Sporting Gijon landete er 2016 in Frankfurt und konnte dort sofort überzeugen.

Mascarell ist der Denker und Lenker der Frankfurter. Zumeist läuft er als Sechser auf und sorgt dafür, dass sie in Ballbesitz nicht die Verbindungen verlieren. Er bietet sich geschickt an und kurbelt so das Kombinationsspiel der Hessen an. Auch defensiv überzeugt er durch seine gute Spielübersicht, durchschnittlich fängt er 2,5 mal pro Spiel den Ball ab und hat eine Erfolgsrate von 83% bei Tacklings. Mascarell ist eines der Gesichter der Frankfurter Entwicklung.

Die Eintracht holte Mascarell für nur 1 Millionen Euro aus Madrid. Unter Niko Kovac entwickelte er sich schnell zu einem wichtigen Bestandteil des Erfolgsteams, hatte diese Saison aber bereits mit Verletzungen zu kämpfen. Für die Bayern wird es wichtig sein, die Konter der Frankfurter zu kontrollieren und die Mannschaft von Niko Kovac nicht ins Spiel kommen zu lassen.

Durch Bayerns gutes Positionsspiel werden sie sicherlich nach Seitenwechsel die Möglichkeit erhalten, den Defensivverbund der Frankfurter zu knacken. Mit Blick auf das Rückspiel gegen Real Madrid wird Jupp Heynckes wahrscheinlich kräftig rotieren. Die Devise wird lauten, nur keine weiteren Verletzten, um gegen Real Madrid mit allen verfügbaren Akteuren noch einmal anzugreifen. Trotzdem wird das Team von Jupp Heynckes wie immer professionell an das Spiel herangehen und versuchen auch diese Partie zu gewinnen.

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Leserkommentare
  1. Systemrelevant

    Empfehlung, da gerade gehört: Die aktuelle Folge vom Tribünengespräch vom Rasenfunk-Podcast. Dort sind Sammer und Henkel von Eurosport bei Max zu Gast. Da MSR auch öfters im Rasenfunk zu hören sind wird das bestimmt kein Problem sein das hier zu erwähnen?!

    Zum Spiel morgen fällt es mir schwer was zu sagen, außer die Hoffnung dass die Liste der Verletzten nicht länger wird. Der Blick geht seit gestern schon komplett auf Dienstag.

    1. Osrig

      Vielleicht wäre es auch ein Fehler – so lobenswert es auch sein mag – , jetzt die Spieler mit wenig Einsatzzeiten und Nachwuchsspieler einzusetzen! Besser wäre es doch, die Erste Elf aufzustellen, die auch am Dienstag in Madrid auflaufen dürfte! So könnten die Jungs im Rhythmus bleiben, wie es so schön heißt, mit Blick auf Real noch an Abläufen feilen, und vor allem sich ein gutes Gefühl für Dienstag verschaffen!

      1. kita

        Ich glaube dass Ribery immer noch im Sauerstoffzelt ist. Bloß nicht aufstellen.
        Ulle, Tolisso (er muss am Dienstag rechts ran!), Süle, Wagner, Rudy, Bernat,
        Thiago & Lewandowski (als Strafe für die gezeigten Leistungen), plus 3 Nachwuchsspieler.

  2. FR7

    Bitte, bitte, keine weiteren Verletzten mehr.

    Meine fünf Thesen zum Heimspiel gegen Frankfurt:

    1. Wagner trifft.
    2. Die Bayern spielen nicht zu Null.
    3. Bayern erzielt ein Tor nach einem Standard.
    4. Mai, Tolisso und Rudy stehen erneut in der Startelf.
    5. Es werden drei gelbe Karten verteilt.

    Zwei richtige Thesen waren es zum Heimspiel gegen Real Madrid.
    Meine Trefferquote liegt bei 56%. (Insg. 112 von 200 richtig)

  3. Rainer

    Es ist echt schade, das Serge Gnabry sich erneut verletzt hat. Ich hätte ihn gerne bei der WM gesehen. Hoffentlich berücksichtigen unsere Kaderplaner die Verletzungsanfälligkeit von Coman, Robben, Gnabry und Ribéry bei der Zusammenstellung des Teams für die kommende Saison.
    Wäre super, wenn J.H. heute mal die nominierten Nachwuchskräfte einsetzt. Ich hätte auch gerne mal Oliver Batista Meier in einem Bundesligaspiel gesehen.

  4. Hotte

    Wie schlecht ist diese Liga eigentlich, wenn wir mit unserer A-Jugend mit 4:1 gegen einen Europacup-Aspiranten gewinnen?

  5. FR7

    Ich sehe das so wie Ribéry es in seinem letzten Facebook Post formuliert hat: Die Schlacht wurde verloren, aber noch nicht der Krieg. Pathetisch, dennoch korrekt. Tolisso wünsche ich mir in der Startelf, kein anderer Spieler im Kader bringt so eine Dynamik mit. Alle die es könnten sind verletzt. Das morgige Spiel ist wie gemacht für einen Box-to-Box Spieler der läuft bis die Lunge pfeift und zudem auch außerhalb des Strafraums Gefahr ausstrahlt. Ich finde nicht die Rechtsverteidiger-Position, sondern Navas ist die größte Schwachstelle bei Real Madrid. Der lässt Bälle oft abklatschen oder pariert mit den Fäusten. Ein Tolisso wäre prädestiniert für Fernschüsse auf Navas, während Lewandowski und Müller derweil auf die zweiten Bälle lauern können. Hat man zur Halbzeit noch kein Tor erzielt oder liegt man gar zurück, kann man getrost alles auf eine Karte setzen. Denn eines steht fest, Jupp wird nicht still und leise gehen, sondern mit einem riesigen Knall. Mit einem Spiel an das man sich noch lange erinnern wird. Martinez oder James könnte dann raus, Wagner rein, ein juppsches 4-4-2. Alaba und Kimmich dann das machen lassen was sie eh am liebsten tun, flanken. Außer bei Standards ist Real Madrid ist diese Saison sehr anfällig bei Angriffen durch der Luft. Ramos und Varane können unmöglich Lewandowski, Wagner und Müller gleichzeitig verteidigen. Kommt ihnen Casemiro zur Hilfe, stehen in 14. Zone Tolisso/Thiago und James in Gleichzahl mit Kroos und Modric bereit, für Real Madrid hieße das Alarmstufe Rot. Problem ist aber folgendes: Ronaldo wird treffen. Das tut er immer, vor allem zuhause und das in einer atemberaubenden Konstanz. Die Bayern müssen im Grunde die gleiche Leistung wie letzten Mittwoch abrufen, nur ohne dieses Mal ohne einen einzigen Fehler. Ramos hat auf der PK bereits den Matchplan angekündigt. Sie werden stabil stehen und sich dem bayrischen Druck freiwillig aussetzen, um dann gezielt zu Kontern und mit möglichst wenig Pässen vor Ulreichs Tor zu gelangen. Das wird ihnen mindestens einmal gelingen, die Bayern sind seit Saisonbeginn schon anfällig für Konter und Fehler unter hohem gegnerischen Pressing. Seit dem Achtelfinal Rückspiel 2016 gegen Juventus Turin glaube ich an alles. Bayern München muss um jeden Preis das 0:1 erzielen und in Führung gehen, ansonsten ist das Weiterkommen fast unmöglich. Aber auch nur fast. Mein Gefühl ist deutlich positiver als noch vor dem Hinspiel. Man hat nichts zu verlieren und sich im Hinspiel die weiße Weste eh schon verschmutzt, wen kümmert es also noch wenn man sich nun im Schlamm wälzt?

    Meine mit fünf Thesen zum Champions League Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid:

    1. Ribéry trifft.
    
2. Ronaldo trifft auch.
    3. Es gibt einen Platzverweis.
    4. Es fallen mindestens drei Tore.
    5. Der FC Bayern erreicht das Finale der Champions League.

    Drei richtige Thesen waren es beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.
    
Meine Trefferquote liegt bei 56%. (Insg. 115 von 205 richtig)

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