Vorschau: Hannover 96 – FC Bayern München

Die sportlichen Sorgen des FC Bayern

Inhaltsverzeichnis

Zum Ende des Jahres geht es für die Bayern nochmal Schlag auf Schlag. Nachdem sich der FCB mit einem Unentschieden gegen Ajax den Gruppensieg der Champions League holte, heißt es in der Liga: Punkte lassen verboten! Leipzig und Frankfurt warten schon darauf, die Münchner zu ärgern. Doch auch Hannover ist nicht zu unterschätzen.

Wenn man sich die Situation des FC Bayern vergegenwärtigen möchte, so reicht ein Blick auf die Aussagen der Verantwortlichen nach dem Spiel gegen Ajax. Während Salihamidžić sich erneut sichtlich dabei abmühte, die passenden Worte zu finden, war Niko Kovač fast schon euphorisch. Ein “großes Kompliment” machte der Trainer seinen Spielern. “Wir haben heute ein sensationell gutes Spiel gesehen. (…) Das war Werbung für den Fußball”, fuhr der gebürtige Berliner fort.

Salihamidžić hingegen sah keinen Grund für Freude. “Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht. Wir sind Erster in der Gruppe. Das ist aber das einzig Positive an dem Spiel”, so der Sportdirektor. Es ist ein Widerspruch, der bezeichnend ist. Die beiden Personen, die den Übergang in eine neue Zeitrechnung aktiv mitgestalten sollen, scheinen mit ihren Rollen überfordert zu sein.

Immerhin strahlt Kovač eine Grundsouveränität aus, die Salihamidžić gänzlich fehlt. Doch es ist auch nicht die Art und Weise, wie der Trainer etwas sagt. Es ist viel mehr das, was er sagt. Hört man ihm dieser Tage genau zu, so gibt es Anlass zur Sorge.

Bayern als sehr bemühter Außenseiter

Denn so verständlich es auch ist, dass der Trainer sich vor die Mannschaft stellt und das Weiterkommen als Gruppensieger verteidigt, so absurd ist es auch, mit welcher Deutlichkeit er seine Zufriedenheit zur Schau stellt. Ist das wirklich der Anspruch des FC Bayern?

Gegen Ajax ließ Kovač seine Mannschaft bewusst tiefer auflaufen. Die Niederländer sollten den Ball haben, Bayern wollte kontern. Das ging zunächst ganz gut auf. Fast nie verfielen die Münchner in Passivität. Sie liefen zwar tief, aber sehr aggressiv an und schoben in den richtigen Augenblicken auch mal heraus. Insofern war die Anfangsphase durchaus etwas beeindruckend.

Doch Ajax stellte sich zunehmend darauf ein, passte Kleinigkeiten an und wurde im eigenen Spiel sicherer. Spätestens in der zweiten Halbzeit übernahmen sie das Ruder komplett und gingen verdient in Führung. Bayern schaffte es nicht, die Aktivität und Aggressivität im Pressing aufrechtzuerhalten. Im Gegenteil. Sie ließen sich mit zunehmender Spieldauer hinten reindrücken und verloren somit auch die Kontrolle an den Gegner. Kovačs Bayern wirkte wie ein sehr bemühter Außenseiter, der auf das nötige Glück angewiesen war.

Der Fortschritt bleibt aus

Dabei war die Mannschaft durchaus gewillt, dieses Spiel zu gewinnen. Nur war auch während der Ergebniskrise zu erkennen, dass die Spieler wollen. Die Einstellung passt. Was fehlt, ist eine Struktur, die dem Team nicht nur Halt, sondern auch eine Ordnung gibt. Kovač präsentierte im Laufe der Saison viele gute Ansätze. Das direkte Spiel ins letzte Drittel und anschließendes Gegenpressing vom Anfang der Spielzeit, aber auch die tiefere und lauernde Staffelung vom Mittwochabend – er variierte durchaus in einigen Details und probierte einiges aus.

Und doch fehlt die richtige Balance. In längeren Phasen ohne Ball verfallen seine Bayern in Passivität, in längeren Phasen mit Ball fehlt oftmals die entscheidende Idee, um sich in den Strafraum zu kombinieren. Lediglich in den Umschaltmomenten nach Ballgewinnen sind die Bayern im Moment stark. Nur versuchen sie, diese Situationen bewusst zu provozieren, verlieren sie oft die Kontrolle über das Spiel. Auch gegen Ajax konnte man wieder beobachten, dass Phasen, in denen der Fokus auf direktes Spiel bei Ballgewinnen lag, auch schnell zu Chaos führen. Das liegt den Spielern im Kader nicht.

Kovač ist bemüht, findet aber nicht die richtige Balance.
(Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Spielerisch fehlt es den Kovač-Bayern vor allem an Genauigkeit. Pässe kommen zu ungenau oder es fehlt an Schärfe. Das 4-2-3-1 gibt den Münchnern zwar eine bessere Grundstruktur, aber gleichzeitig fehlt es dem ballführenden Spieler in zu vielen Momenten an Anspieloptionen. So berechtigt die Kritik an einigen Einzelspielern auch ist, so sehr muss man festhalten, dass es gruppentaktisch keinen Fortschritt zu erkennen gibt.

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Individuelle Fehler

Im Fußball werden gern die individuellen Fehler beschworen, wenn es darum geht, einen Punktverlust zu rechtfertigen. Gerade Jérôme Boateng und Franck Ribéry sind derzeit dafür anfällig und werden vielerorts zu Recht kritisiert. Und doch muss man mit Einzelkritik vorsichtig sein. Durch die Instabilität der gesamten Mannschaft wird es sogar Gegnern wie Fortuna Düsseldorf erlaubt, deutlich mehr Angriffe bis zum Schluss auszuspielen.

Das führt wiederum dazu, dass die Belastung vor allem für die Innenverteidiger ungleich höher ist als in den letzten Jahren. Je mehr Angriffe bis zur Viererkette durchkommen, umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler gemacht werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Boateng, der im Prinzip gar keine so schlechte Saison spielt, vor allem unter der gruppentaktischen Schwäche seiner Mannschaft leidet.

Ein paar Zahlen unterstützen diese These. Kein Innenverteidiger des FC Bayern hat in der Liga so viele erfolgreiche Tacklings pro 90 Minuten wie Boateng (1,6). Mit 1,5 Interceptions liegt er mit Süle auf Augenhöhe (Hummels kommt auf 2,3). Auch bei den Fouls sind Süle und Boateng gleichauf (0,5 – Hummels mit 0,3). 2,4 Klärungen sind nach Süle (3,3) der Bestwert des gesamten Kaders. In der Bundesliga hat Boateng eine Zweikampfquote von 70% (Süle 71%, Hummels 62%). Und trotz dieser beachtlichen Zahlen sind es teils katastrophale Fehler des ehemaligen Weltmeisters, die zu Gegentoren führen.

Quarterback beim FC Bayern? Undankbar!

In der Champions League hat er mit nur 54% gewonnenen Zweikämpfen einen deutlich schlechteren Wert. 0,7 Mal lässt er sich pro 90 Minuten in der Liga ausdribbeln. Das sind immer noch keine Horrorzahlen und doch fehlt Boateng einiges zur Normalform. Allerdings zeigen diese Zahlen eben auch, dass er es nicht gänzlich verlernt haben kann. So ist das bei vielen Spielern des Kaders.

Prinzipiell ist es einfach, die fehlenden Prozente an Einzelspielern festzumachen. Letztendlich ist der Trainer aber dafür verantwortlich, zu analysieren, woran diese Fehler liegen. Schaut man sich einige Fehler der letzten Spiele nochmal an, so muss man zu dem Schluss kommen, dass den Bayern gegen den Ball zu oft die Disziplin fehlt. Unkontrolliertes Herausrücken, das aus der Gier nach Ballbesitz resultiert und zu große Abstände der Mannschaftsteile sind hier zu nennen. Hinten reinstellen ist eben doch nicht so einfach. Vor allem dann, wenn die eigene Mannschaft der eigentliche Favorit ist.

Mit Ball sind die Passwege in vielen Szenen immer noch zu weit. Auch hier lässt sich die vermeintliche Rückentwicklung von Spielern wie Boateng oder Hummels differenzierter erklären. Ein Pass besteht in der Regel aus zwei wesentlichen Komponenten: Passgeber und Passempfänger. Boateng bezeichnete sich selbst unter Guardiola einst als Quarterback. Wenn die Mitspieler ihn aber nicht schützen, indem sie das Pressing des Gegners stören und es zu lange dauert, bis sich eine Passgelegenheit ergibt, so bleiben auch die genialen Pässe zunehmend aus. Quarterback beim FC Bayern zu sein, ist deshalb die undankbarste aller Rollen.

In die Winterpause retten

Das bedeutet, dass das Spiel der Bayern auch an der Bewegung in letzter Linie krankt. Durch Müller wurde das ein wenig besser. Und doch sind Gegenspieler viel schneller an den Bayern dran als noch in den letzten Jahren. Kommen dann noch vereinzelte Mannorientierungen hinzu, ist das Chaos perfekt.

Im Moment ist die Mannschaft des FC Bayern einfach zu abhängig von Einzelaktionen und Standards. Ohne Comans (Welt-)Klasse und Thiagos Mut im Mittelfeld wäre das Spiel gegen Ajax vermutlich anders ausgegangen. Ajax schwächte sich zudem selbst in einer Phase, in der sie drauf und dran waren, das Spiel komplett zu kippen. Zu allem Überfluss half auch Kovač dabei, indem er seinen schnellsten und effektivsten Offensivspieler hinter Lewandowski herausnahm und dafür Müller auf den Flügel schob.

Es ist eben die Souveränität, die nicht nur Salihamidžić in Interviews, sondern auch Kovač bei seinen Entscheidungen und den Bayern in ihrem Spiel abgeht. Gäbe es eine Grundstruktur, die den Bayern Halt, Sicherheit und mehr Optionen in Ballbesitz sowie mehr Stabilität ohne Ball gibt, so wäre die Lage deutlich weniger angespannt. Man kann Kovač nicht vorwerfen, dass er sie nicht sucht. Einzig scheint er nicht dazu in der Lage zu sein. So entsteht das Gefühl, dass sich der FC Bayern nur noch in die Winterpause retten kann und will. Mit Thiago, Coman, Gnabry und Lewandowski gibt es zumindest einige Spieler, die in der Offensive allein für den Unterschied sorgen können und so Hoffnung machen. Wie gefährlich wären die erst, wenn sie noch strukturierter und gemeinschaftlicher auftreten würden?

Auf der nächsten Seite geht es um das Spiel am Wochenende.

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Leserkommentare
  1. Herrispezial

    Wie oft musste ich nun schon bei Euch lesen, dass die spielerische Entwicklung unter Kovac ausbleibt? Wann zieht Ihr endlich die Schlussfolgerung, dass der Trainer gehen muss? So kann es doch nicht weitergehen. Zumal spätestens seit gestern für mich mit Ten Hag eine Alternative in Aussicht steht (neben van Bommel). Aber Kovac kann der Mannschaft offensichtlich stabilen Defensivfussball beibringen (in der Hoffnung, dass man dann mit der Qualität vorne schon irgendwie das eine Tor macht) noch Kombinationsfussball lehren. Letztlich scheitert er damit komplett. Und ist damit auch noch zufrieden.

    1. Mehmet68

      Naja, ich finde das insgesamt schon sehr deutlich. Die Tendenzen sind ja sehr klar zwischen den Zeilen zu lesen. Als Journalist würde ich mich mit solchen plakativen Forderungen auch schwer zurückhalten.

      Ich persönlich finde die gemäßigtere “Schreibe” hier bei MSR gut, den Rest kann ja die Blöd schreiben.

  2. Rob

    “Die beiden Personen, die den Übergang in eine neue Zeitrechnung aktiv mitgestalten sollen, scheinen mit ihren Rollen überfordert zu sein.

    Immerhin strahlt Kovač eine Grundsouveränität aus, die Salihamidžić gänzlich fehlt.”

    Jetzt sagt Brazzo endlich mal was gscheites und vollkommen richtiges und ihr kritisiert ihn schon wieder. Die Worte hätten so auch von Sammer kommen können und ihr hättet euch auf euren “Mahner” wieder einen abgewichst.

  3. Marlene Dietrich

    Gut geschrieben, Justin, danke!

  4. dicker-bäcker

    Habe ich es geträumt, oder hat UH bei der JHV nicht gesagt, dass allen klar wo die Probleme liegen?
    Das unsere „ältere“ Stars ein Problem mit einem neuen und jungen Trainer haben?
    Das es ein Übergang ist, und sich alle erst finden müssen?
    Das ein neuer Trainer halt eben nicht am Anfang die Weltmeister-Stars auf die Bank-Tribüne setzen kann, und dass es so auch bei neuen Einkäufen sein wird?

    Ich habe echt die Hoffnung dass sich alle – Trainer und Mannschaft – als Team fangen, eine Anständige Saison spielen, und dann mit neuer Verstärkung richtig stark in die Saisan 19/20 starten…

  5. Turbo Batzi

    Statistisch spielt Boateng keine schlechte Saison. Schnitzer die zu Gegentoren oder Großchancen führen, sind leider nur bedingt herauszulesen. Von dem psychologischen Aspekt, wieder eine Führung in der Schlussphase durch eine dumme Aktion abzugeben, nicht zu sprechen.

    Gleichzeitig eröffnet der Blick auf die Zahlen, dass Martínez mindestens ähnlich gute Werte aufweist und eine Alternative auf der IV Position sein kann, nun aber wohl keine Rolle mehr spielt.

    Wenn ein Trainer zu der Erkenntnis kommt, gutes Spieler-Material konsequent zu Gunsten einer halbwegs funktionierenden Startelf kalt zu stellen, hat er entweder ein gewaltiges Ego oder ist ein fachlich limitierter Übungsleiter.

  6. wipf1953

    Immer wieder überraschend, mit welcher Gewissheit von vielen die Überzeugung verbreitet wird, Kovac sei “nicht fähig”, der Mannschaft Dieses und Jenes beizubringen. “On top” kommt dann noch der Vorwurf, “Spieler kaltzustellen”.

    Die Unzulänglichkeiten im Bayernspiel sind weder Kovac verborgen geblieben, noch dem Rest der Vereinsführung.

    Kommt denn keiner der ewigen Kovac-Kritiker mal auf die Idee, dass der Trainer aktuell diejenigen Spieler spielen lässt, denen er zutraut, die Fehler am besten abzustellen? Die erstens mit ihm an einem Strang ziehen, um die Saison passabel zu Ende zu spielen, und die zweitens dem speed, den gute Gegner entwickeln, noch am besten was entgegensetzen?

    Das gehört doch nun wirklich zum Trainer-Einmaleins in jeder Mannschaftssportart, dass sich erst mal die Kerntruppe einspielen soll.

    1. Beobachter

      Ich gestehe, bei mir ist es eine Mischung aus Beobachtung der Gegenwart und der Vergangenheit. Das mit dem Kaltstellen ist tatsächlich äußerst spekulativ, aber dass man ähnliche (schädliche) Muster mit ganz unterschiedlichem Personal und in den verschieden erfolgreichen Phasen durchweg immer wieder sieht, heißt für mich: entweder interessiert es ihn nicht oder er kann es nicht abstellen. Dann kommt da noch die Vergangenheit ins Spiel, nämlich Verhaltensweisen als Trainer von Kroatien und Frankfurt.

      Aber gut: Zuletzt wurden ja positive Entwicklung in der Defensive beobachtet worden – die sind bei mir leider nocht nich angekommen.

    2. Beobachter

      Ach so: habe ich erwähnt, dass ich Kovacs Grundansatz für Nonsense halte (bspw. hinten reinstellen und das auch noch gegen Ajax!)? Dann jetzt. Ich halte auch die Analyse, Ballbesitz sei out, für falsch, glaube aber auch, dass Kovac das gar nicht kann. Da ist es dann konsequent, etwas anderes zu versuchen. Allerdings bekommt er das auffällig lange auch nicht hin. Mag am unpassenden Personal liegen, aber ich denke einfach, die Aufgabe ist (noch) eine Nummer zu groß. Ich bezweifle, dass Kovac da jemals reinwachsen wird, aber da mag ich mich täuschen.

      1. Rainer

        @Beobachter…genau kurz und exakt auf den Punkt gebracht. +1

      2. Kurt

        Da wird er vielleicht noch reinwachsen, aber sicher nicht mehr in der jetzigen Bayernamtszeit.

        Es ist gut, dass die Unruhe größtenteils aus dem Verein ist, aber mehr als ein durchwurschteln kann ich nicht mehr erwarten in dieser Saison. Man sollte sich jetzt nach Optionen umhören und dann im Sommer getrennte Wege gehen.

    3. Anton

      “Kommt denn keiner der ewigen Kovac-Kritiker mal auf die Idee, dass der Trainer aktuell diejenigen Spieler spielen lässt, denen er zutraut, die Fehler am besten abzustellen?”

      Dann nimm dir doch das Spiel vom Mittwoch als bestes Beispiel.
      Ein Kimmich auf der 6 war erst einmal eine “Notlösung”, weil der vom Trainer nach eigenen Worten so hochgeschätzte Thiago verletzt war. Die Doppelsechs ist ja nicht schlecht. Und warum sitzt dann ein Thiago in Amsterdam eine Stunde auf der Bank, statt neben einem Goretzka den 6er zu geben? Stattdessen wird dann mit Gnabry der beste Spieler der 1.Halbzeit für Thiago vom Platz genommen.
      Ein Ribery gehörte spätestens zur Halbzeit raus und ein Coman rein. Oder willst du allen Ernstes behaupten, dass der liebe Franck in der Lage war, das irgendetwas zu bewegen oder abzustellen?
      Warum denn dann nicht die Doppelsechs mit Thiago und Goretzka und Coman und Gnabry auf den Flügeln.
      Und Kimmich wieder auf der rechten AV-Position. Stattdessen legt man in der 1.Hälfte die link Seite lahm und nach dem ersten Wechsel dann die rechte. Jeder weiß, wie “wohl” sich Müller auf Rechtsaußen fühlt.
      In einem Kommentar habe ich gelesen, Gnabry müsse wohl erst zweimal Weltfußballer werden, ehe er nicht mehr kurz nach der Halbzeit ausgewechselt wird.
      Man kann sich auch selbst jedes Tempo aus dem Spiel nehmen – das ist ja wie bei Löw, der nimmt gegen die Niederlande auch alle drei schnellen Stürmer vom Platz und wundert sich dann, dass das Spiel fast in die Hose geht.
      Man konnte es doch am Mittwoch sehen, erst haben die Ajax-Spieler einen Gnabry nicht in den Griff bekommen und später einen Coman nicht. Aber die andere Seite war immer ziemlich problemlos zu verteidigen. Wehe die beiden hätten zusammen gespielt – mit einem Thiago als Antreiber, zwei aggresiven AV und einem Müller auf der 10.

      Ein Kovac behauptet im Interview, dass Thiago vor seiner Verseltzung der beste Spieler im Mittelfeld war, und er froh ist, dass er wieder fit ist – und dann setzt er ihn in so einem Spiel auf die Bank.
      Ich habe es schon einmal geschrieben – am Saisonende werden Spieler den Verein verlassen, an die im Moment noch gar keiner denkt- nicht nur Robben und Ribery. Und ich hoffe, dass ich mich irre.

      1. MG

        “Ein Kovac behauptet im Interview, dass Thiago vor seiner Verseltzung der beste Spieler im Mittelfeld war, und er froh ist, dass er wieder fit ist – und dann setzt er ihn in so einem Spiel auf die Bank.”

        Was weisst Du denn über den Fitnesszustandvon Thiago ? Hast Du da Einblick ?

      2. Anton

        Entweder der Spieler ist fit – sonst gehört er nicht auf die Bank. Gegen Werder wurde der langzeitverletzte Coman auch schon in der 1. Halbzeit eingewechselt – weil er fit war. Ein Thiago stand sowohl in Bremen als auch gegen Nürnberg schon auf dem Platz.
        Ein Trainer, der einen Spieler einsetzt, der nicht fit ist, gehört da nicht hin.

    4. Olorin

      “Kommt denn keiner der ewigen Kovac-Kritiker mal auf die Idee, dass der Trainer aktuell diejenigen Spieler spielen lässt, denen er zutraut, die Fehler am besten abzustellen?”

      Natürlich stellt Kovac die Spieler auf, denen er das am besten zutraut…andernfalls würde er ja die Mannschaft sabotieren. Tatsache ist aber, dass er damit nicht sehr erfolgreich ist.
      Übrigens wird mir das Thema “Fehler” viel zu hochgejazzt. Auch vor vier Jahren hat Boateng riskant gegrätscht und dabei hin und wieder auch gefoult. Auch vor vier Jahren haben wir unter Druck mal gefährliche Fehlpässe gespielt. Der Unterschied ist: damals hatte die Mannschaft eine Struktur, die diese Fehler auffangen konnte. Es gab mehr Passoptionen, so dass die Gefahr von Fehlpässen geringer war. Das Gegenpressing war konsequenter und kollektiver, so dass nach einem Ballverlust es für die Gegner schwierig war, Gefahr zu erzeugen. Wir haben 20 Meter höher verteidigt: wenn da mal ein Spieler bei einer Grätsche zu spät kam gab es (maximal) gelb, heute gibt es Elfmeter, weil uns fast jeder Gegner in den eigenen Strafraum zurückdrängen kann. Fehler gehören zu diesem Sport und zu Menschen dazu. Selbst die beste Mannschaft in ihrem besten Spiel wird immer Fehler machen. Die Frage ist nicht: “warum macht der FC Bayern Fehler?”, sondern “warum münden 70 % dieser Fehler in einem Gegentor?”. Eine Spielweise, die nur funktioniert, solange keiner einen Fehler macht, ist unbrauchbar. Eine hypothetische “perfekte” Mannschaft, die nie einen Fehler macht, würde völlig unabhängig von der Spielweise jedes Spiel mit einer hohen zweistelligen Anzahl an Toren gewinnen.

      1. Beobachter

        +1 Danke

      2. Marlene Dietrich

        Diese Seite braucht mehr Olorins.

      3. Liza

        #miasanolorin

      4. MG

        könnte ja sein, dass es noch nicht für 90 min. reicht…

      5. Anton

        MG – das beste Beispiel war doch Coman, da hieß es vorher, vielleicht reicht es für die letzten 20 min als Starteinsatz -und dann steht er nach 38 min auf dem Feld und gibt fast eine Stunde Vollgas – warum? Weil er es kann! Wenn er es nicht könnte, hat er auf der Bank nichts zu suchen.
        Was macht der Trainer denn, wenn sich einer seiner beiden 6er nach 15 min verletzt! Spielt er dann mit 10 Mann oder wechselt er für die nächsten 75 min einen Thiago ein.
        Kein Trainer kann es sich es in dieser “Peisklasse” leisten, einen Spieler auf die Bank zu setzen, der nicht fit ist.
        Und wenn er seiner Spielphilosophie wirklich treu ist, dann muss er wenn er auf Konter spielt und einen Gnabry- warum auch immer – als ersten rausnimmt, einen Coman bringen, denn der ist von der Schnelligkeit der Konterspieler. Thiago ist ein begnadeter Fußballer aber kein Konterspieler.
        Aber er weiß auch, dass ein Ribery nach 60 min auf dem Zahnfleisch geht und er dann einen Coman braucht.
        Aber wenn er doch sowieso einen Müller auf rechts stellt, wo der sich ja so sauwohl fühlt, hätte er das auch später machen können, wenn er schon meint, einen Gnabry wieder auswechseln zu müssen.
        Irgendwie hat man das Gefühl, dass es da bei einigen Personalien – siehe Jogi – um alles mögliche, aber nicht um das Leistungsprinzip geht.

      6. Beobachter

        Die Wechseln kommen mir immer wieder mal recht politisch vor, nach dem Motto, ergibt zwar gerade keinen Sinn, aber damit X oder Y nicht weint… aber das ist hoch spekulativ.

      7. Olorin

        Wow, danke für die Bestätigung, freut mich :)

      8. Gerdl20

        @BEOBACHTER
        Gut erkannt! Für den Trainer ist es viel einfacher Gnabry nach 60 min. auszuwechseln,als einen Ribery!
        Er geht da den Weg des geringsten Widerstandes.

    5. Osrig

      “Kommt denn keiner der ewigen Kovac-Kritiker mal auf die Idee, dass der Trainer aktuell diejenigen Spieler spielen lässt, denen er zutraut, die Fehler am besten abzustellen?”

      Da genau liegt doch der Fehler in der Herangehensweise!!
      Die Spieler sollen keine Fehler machen, was – wie @Olorin weiter unten gut ausführt – ein Ding der Unmöglichkeit ist, aber auf den bzw. die Fehler des Cheftrainers wird nicht geschaut.
      Wir haben doch zwei Probleme: Zum einen fremdeln unsere ballbesitzgewöhnten Spieler mit dem vorgegebenen System und machen deshalb Fehler. Zum anderen – und für mich entscheidend – liegt in Vorgabe des Systems durch den Trainer der Fehler.
      Die Spieler können noch so gut agieren, sie werden die Schwächen des System Kovac nicht kompensieren können!! Sie sind systemimmanent und werden für Mannschaften wie den FCB zum Problem, weil diese systemimmanenten Fehler uns ins Mittelmaß absinken lassen, anstatt uns weiter nach oben entwickeln zu lassen.
      Und zu glauben, man könne durch eine sehr defensive Struktur mit “hinten dicht machen” und nach vorn schnell kontern, die großen Erfolge feiern, ist m. A. n. ein Trugschluß, weil dieses System zu leicht ausrechenbar und zu blocken ist.
      Schnelligkeit nützt nichts, wenn der Gegner sich auf diese Vorgehensweise einstellt und keinen Raum lässt. Und selbst wenn man hochsteht, lässt sich ein Konter durch gute Raumaufteilung unterbinden.
      Nein, der Fehler liegt im System Kovac, und nicht bei den Spielern.

      1. Beobachter

        +1
        Und: Ich weiß nicht ob ich mich da täusche, aber auch in der Ansprache individueller Fehler / unpassender Bewegungsmuster etc. scheint es zu haken. Ich weiß nun nicht, ob Kovac nichts oder zu wenig oder es falsch sagt oder die Spieler nicht auf ihn hören, aber man sieht manche “Merkwürdigkeit” recht lange, was bei den letzten Trainern nicht so war, ganz extrem ja bei Pep, der sich die Spieler noch im Spiel (oft erfolgreich) zur Brust nahm :D

        Vielleicht täusche ich mich aber auch und das soll so…

  7. Aber hallo welcher Phantast hat denn gedacht das das nach sechs erfolgreichen Jahren mit derselben Altersstruktur einfach so weitergeht.
    Wenn es überhaupt ein Trainer schafft neue und junge Spieler einzubauen dann ist es Kovac.
    Lass den doch mal ein Jahr ohne Meisterschaft zur Not.
    In der Rückrunde wird es schon anders laufen wenn Tolisso wieder zurück ist und man denn überschätzten James wieder gehen lässt. Mit einem entsprechenden Abgang von Hummels würde dann auch endlich Ruhe einkehren
    Und die Rentner Flügelzange die in keinem Bundesligaspiel mehr durch eins zu eins Situationen überzeugte auch das Zeitliche endlich segnet.
    Nach wie vor war es für mich offensichtlich dass man einen Krieg gegen Kovac entfacht hat nach sieben überragenden spielen so ab zu kacken das kann mir keiner mit einem desolaten Trainer oder sonstigen taktischen Problemen erklären. Für mich steht fest wenn sie jetzt wieder einen so guten Trainer für den Umbruch in die Wüste schicken dann ist für mich Bayern München endgültig gestorben

  8. Herrispezial

    Kovac diskreditiert sich doch selbst durch widersprüchliche Taten und Aussagen. Nach dem Spiel hat er gesagt, dass man tief stehen wollte, um dann schnell zu kontern. Und was macht er dann? Er nimmt den besten Konterspieler vom Platz. Kann man ja machen, wenn man glaubt, dass Gnabry nicht länger kann. Aber wen bringt er dann? Den bestmöglichen Ersatz als Konterspieler? Das wäre Coman. Eingewechselt wird aber Thiago. Wenn man einfach keine Linie erkennen kann und er diese nicht einmal nach dem Spiel glaubhaft darstellen kann, weil sein in-Game-Coaching seiner Linie widerspricht, dann ist einfach irgendwann die Glabwürdigkeit erschüttert. Da reicht es dann nicht, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man ja viele Torchancen hatte und diese nicht nutzt. Die Frage von Olorin bringt es schon auf den Punkt: Warum resultieren auf Fehlern so viele Gegentore? Und warum vergeigen wir so viele Chancen? Das liegt ja nicht ausschließlich an der Unfähigkeit der Spieler, sondern an der Spielweise, die der Mannschaft abverlangt wird.

    1. Axel

      Vielleicht gibt es irgendeine Statistik die besagt, Gnabry verletze sich meist nach der 50. Minute. Und um Verletzungen zu verhindern, wird er dann lieber vorzeitig ausgewechselt….

      Mit dieser brandneuen Erkenntnisse sind dann hier wirklich alle Gründe für die gegenwärtige Situation genannt und mehrfach gewendet worden. Man kann sie so zusammenbauen, dass Kovac kaum Schuld trägt (wohl aber Aussetzer wie der von Boateng, Versemmeln von 100%igen etc.), oder so, dass Kovac an allem Schuld trägt (Fehlpässe wg fehlenden Positionsspiels, tiefe Verteidigung ohne die nötigen Strukturen für Konterspiel etc.).

      Und was machen wir nun? Unsere Unzufriedenheit wird immer größer, das Vertrauen in eine Wende zum richtig Guten immer kleiner. Bald wird der BVB Herbstmeister, wir werden uns in die Winterpause “retten” und im sonnig-sandigen Katar (und in allen drei Wettbewerben, ja, selbst der Meisterschaft!!) zu überwintern, um danach noch einmal “richtig anzugreifen”. Wie ich es jetzt schon hasse, diesen Satz von Spielern, Trainer und HS hören zu müssen. Genauso wie die, es werden “ideale Trainingsbedingungen herrschen”, die Mannschaft wird “voll mitziehen” und “brennen”, man wird “auch im taktischem Bereich gut arbeiten”. Dann wird im “schwierigen Wintertransfermarkt” noch jemand verpflichtet, der uns “ganz sicher weiterhilft”, es dann aber wohl doch nicht tut.

      Meiner Ansicht nach gibt es genau zwei Wege, um aus dieser Lage rauszukommen: Entweder geht Kovac, oder er wagt etwas richtig Neues und geht dabei auch die Gefahr ein zu scheitern. Weiterwurschteln wie bisher ist murks (Kurt, Du kannst das bestimmt mit passenderen Adjektiven ausdrücken ;)

      1. Herrispezial

        Wenn Gnabrys Verletzungsanfälligkeit tatsächlich im Laufe des Spiels steigen sollte, dann kann man das doch auch als Grund für seine Auswechslungen benennen. Damit ist an der Stelle Ruhe. Aber warum dann Thiago und nicht Coman, wenn man doch eigentlich kontern wollte?

        Und vermutlich hast Du Recht. Es wird wieder die üblichen Durchhalteparolen geben – und am Ende bleibt es so wie es ist. Warum sollte es auch besser werden? Das ginge m.E. nur, wenn wir 2-3 Spieler holen, die die Qualität des Kaders spürbar verbessern, um das Prinzip “vorne machen wir schon mehr Tore als wir hinten fangen” besser umsetzen zu können.

      2. Turbo Batzi

        Ich hoffe sehr, dass man sich in der Winterpause nicht hinter irgendwelchen pseudo Zugängen versteckt.

        Der Kader ist – bis auf 1 IV Position vielleicht – gut genug, um vorne mitzuspielen und in der CL ein bisschen Dampf zu machen.

        Mit Gnabry, Thiago, Coman hat man 3 Offensivspieler, die stärker als letztes Jahr sind und eigentlich nur sorgsam im richtigen Korsett losgelassen werden müssen. Lewandowski spielt seine vielleicht beste Saison bei uns. Bis auf ggf. Pavard würde man aus meiner Sicht mit jedem Neuzugang bloß Kovac reinwaschen. Das was zur Verfügung steht, ist mehr als ausreichend und sollte – Verletzungspech ausgeklammert – im Wüstensand entsprechend effektiv aktiviert werden.

      3. Anton

        Herrispezial, es würde ja schon reichen, wenn er dann seine Besten einfach mal zusammen auf den Platz läßt. Wir leisten uns eine Thiago und einen Coman 60 min auf die Bank zu setzen, wir leisten uns den besten Spieler der 1.Halbzeit als ersten vom Pltz zu holen – und nicht zum ersten Mal.
        Und auch als er fit war, konnte man einen James öfter auf der Bank als auf dem Feld sehen.
        Sollte ein Davies wirklich so gut sein, wie es behauptet wird – dann soll er bloß die Klappe halten, sonst sitzt er neben James.
        Wenn unsere Spieler alle fit sind, dann ist das einzige Problem – die besten auf den Platz zu stellen.

    2. Herrispezial

      @Anton: Ja, das ist in der Tat ein Problem.

  9. Raptor

    Um mal eine weitere Anregung zu geben:
    Ein Trainer muss weiter als nur an das aktuelle Spiel denken.
    Die Rekonvaleszenten langsamer zurück zu führen halte ich nicht für so falsch.
    Mal sehen, wer am Wochenende spielt und wann und wie gewechselt wird.
    In der Bundesliga kann sich der FCB in nächster Zeit keinen Ausrutscher mehr erlauben.

    1. Anton

      Einfach mal so die diversen Leistungsdaten – auch die der Rekonvaleszenten ansehen!

  10. Raptor

    Jetzt wichtig in der Bundesliga nichts mehr liegen zu lassen, und trotzdem das Risiko erneuter Verletzung so gut es geht zu meiden.
    Ziel muss sein die Wintervorbereitung mit einem kompletten,gesunden und voll belastbaren Kader zu bestreiten.
    Dann kann man die Aufholjagd angehen. Die Meisterschaft darf man jetzt auf keinen Fall abschreiben. Richtig schöner Reizpunkt!

    1. Done

      Absolut richtiger Punkt! Belastungssteuerung war ja schon beim Heiland himself nicht die Kernkompetenz, wer wills also seinen Anhängern verdenken, hier keinen Zugang zu haben? Vielleicht gehen uns ja diesmal im April nicht die Spieler aus? Und an diejenigen, die hier aufschreien:”ja, aber im April sind wir mit dieser Spielweise nirgends mehr im Rennen!” sage ich: abwarten! Mit dem bisher praktizierten hats ja für den so ersehnten ganz großen Wurf ja auch nicht gelangt, warum also nicht mal was neues probieren? Es mag dem ein oder anderen an Ästhetik mangeln, ok. Kann ich gut nachvollziehen, geht mir ähnlich.
      Ich fand die Ballstafetten gegen ManCity oder Arsenal unter Pep auch geil… nur ist Pep, falls es dem ein oder anderen entgangen ist, nicht mehr hier. Es bringt also nichts, ihm ständig nachzutrauern.

      Dass Thiago oder Coman bei ihrer hinlänglich bekannten Verletzungsanfälligkeit nicht sofort nach der Genesung wieder über 90 Minuten gehen müssen, ist in meinen Augen kein Nachteil, zumals ja auch so reicht, um die Minimalziele (Ergebnisse) zu erreichen.

      Nochmal: ich finds auch nicht schön, kann aber Kovac verstehen, wenn er so entscheidet.

      1. Beobachter

        Das hat doch niemand verlangt, dass Thiago und Coman 90 Minuten gehen sollen. Nur sinnvolle Wechsel.

      2. Osrig

        @Done:
        Wir “Pepisten” trauern nicht dem – wie schriebst Du? – “Heiland himself” hinterher, sondern der Spielidee und die Spielweise, welche unsere Jungs unter “dem Meister” auf den Rasen gebracht haben.

        Ok, ein bisschen betrübt es mich doch, das Guardiola nicht verlängert hat, aber noch mal: Es geht nicht um Pep persönlich, sondern um die Art, wie er Fussball spielen lässt.
        Und dieses System, mit dem Begriff “Dominanzfussball” wohl am Besten beschrieben, ist meines Erachtens dem Konter- und schnell-Vertikalfussball überlegen! Nicht notwendiger Weise in einer einzelnen Partien, aber auf jeden Fall über eine ganze Spielzeit betrachtet. Das es für mich auch noch bei der Ästhetik Vorteile hat und schöner anzuschauen ist, ist ein positiver Nebenaspekt. Entscheidend ist aber die höhere Erfolgschance mit diesem System.

        Es ist in meinen Augen daher fahrlässig, jetzt – weil es “mit dem ganz großen Wurf” nicht geklappt hat – ein System zu installieren, dass absehbar schwächer ist und unter dem Strich mehr verlorene Punkte und Spiele mit sich bringt, als das bisherige System unter Guardiola und Heynckes.

        Schnelle Ballstafetten und ein gutes Pass- und Positionsspiel gern auch mit frühem Pressing wird übrigens nicht nur Guardiola schulen können! Er ist vielleicht der beste Trainer für dieses System, aber nicht der einzige.
        Kovac wiederum hat Zeit genug gehabt, zu zeigen, wie er spielen lassen möchte, und sein System ist vom Dominanzsystem so weit weg, wie Nürnberg von der Meisterschaft dieses Jahr. Na klar, mit viel Glück könnte der Club es theoretisch schaffen, aber realistisch betrachtet werden die Franken eher absteigen.
        Natürlich ist das Beispiel sehr pointiert, aber vom Verhältnis her sehe ich die Chancen, durch “sich hinten rein stellen” und nach vorn kontern, “den ganz großen Wurf” zu schaffen ähnlich minimal wie eine Meisterschaft von Nürnberg.
        Und das System hängt vom Trainer ab, nicht von den Spielern!

      3. Doppel-Tee

        “Belastungssteuerung war ja schon beim Heiland himself nicht die Kernkompetenz, wer wills also seinen Anhängern verdenken, hier keinen Zugang zu haben?”

        Ich dachte, der Mythos, dass die vielen Verletzten von Guardiolas schlechter Belastungssteuerung herrühren, hätte sich nach zweieinhalb Pep-freien Jahren endlich verflüchtigt.
        Coman hat sich seinen Syndesmosebandriss im ersten BuLi-Spiel (unter Trainer Niko Kovač!) doch nicht wegen schlechter Belastungssteuerung zugezogen.

        “Mit dem bisher praktizierten hats ja für den so ersehnten ganz großen Wurf ja auch nicht gelangt, warum also nicht mal was neues probieren?”

        Weil das Neue derzeit gerade einmal für den ganz kleinen Wurf (CL-Platz) reicht.
        Weil man, wenn man seine Ziele nur zu 90% erreicht, nicht alles über den Haufen schmeißt, sondern an den fehlenden zehn Prozent arbeitet.
        Als Kovac hier antrat, sprach er davon, das Spiel des FC Bayern variabler zu gestalten.
        Ich dachte, er meinte damit, situationsbedingt den Gegner auch mal kommen zu lassen, um ihn dann auszukontern, ansonsten aber das dominante Ballbesitzspiel beizubehalten.
        Stattdessen sind wir nun (überspitzt ausgedrückt) eine Kontermannschaft, die nicht gut kontern kann (weil das Spielermaterial dafür nicht ausreichend vorhanden ist), in den meisten Spielen auch keine Gelegenheit dazu hat (weil der Gegner das Spiel nicht machen will), und im Ballbesitz stets versucht, den Ball schnell nach vorne zu spielen, damit dort Spieler (von denen einige über ihrem Zenit sind) allein mit ihrer individuellen Klasse Tore erzielen oder zumindest vorbereiten.
        Statt eines starken Pressings, dessen Zweck es ist, möglichst schnell wieder in Ballbesitz zu gelangen, um dann den Gegner auch mal laufen zu lassen und damit auch zu ermüden, sind unsere Spieler es, die hinterherlaufen.
        Wie viele Spiele gab es in den vergangenen Jahren, in denen der Gegner über 2/3 der Spielzeit zumindest das Ergebnis niedrig halten konnte, und dann doch noch dem hohen läuferischen Aufwand Tribut zollen musste? Mittlerweile sind wir es oft, die am Ende erschöpft sind, während der Gegner noch nachlegen kann.

        Bayern spielt seit Wochen schlechten Fußball, die Gegentore fallen mit Ansage (Wie viele Chancen hatte der BVB beispielsweise bevor sie ihre hochverdiente Führung erzielten? Wie lange bekam man den Ball gegen Ajax nicht aus der eigenen Hälfte bevor das verdiente 1:1 fiel) und der Trainer redet von schlechter Chancenverwertung und individuellen Fehlern.
        Unter Guardiola gewann man souverän die Liga, stellte etliche Rekorde auf, und scheiterte in der CL (mit Ausnahme des Halbfinales 2014) und einmal im Pokalhalbfinale nur knapp und oft trotz drückender Überlegenheit tatsächlich an mangelnder Chancenverwertung. Da hieß es dann oft, Pep spielt zu offensiv und seine Mannschaft ist zu konteranfällig.

        Wir müssen auch gar nicht über Guardiola reden (der eine Mannschaft auf dem Zenit zur Verfügung hatte), Heynckes, ja, sogar Ancelotti hat einen Fußball spielen lassen, der dem Team eher lag.

        Ich mag Niko Kovač. Ein wirklich sympathischer Mensch, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Auch kein schlechter Trainer, wenn ich seine Arbeit in Frankfurt betrachte.
        Aber seit Rehhagel hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass ein Trainer so fehl am Platze beim FC Bayern ist, wie er. (Klinsmann ist ein Sonderfall, den halte ich auf dem Trainerposten generell für fehlbesetzt, eher ein Erneuerer, der Dinge umkrempelt, alte Zöpfe abschneidet, Ideen hat, die er selbst nicht wirklich umzusetzen vermag)

        Aber vielleicht irre ich mich ja, und Niko überrascht mich doch noch (obwohl der Glaube daran von Spiel zu Spiel schwindet).
        Die Mannschaft muss nicht spielen wie unter Guardiola, aber ein stabiles dominantes System, das darauf ausgelegt ist, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, statt nur auf solche zu lauern, das die individuellen Stärken der Spieler zur Geltung bringt, statt sich darauf zu verlassen, dass diese sich in jeder taktischen Ausrichtung bemerkbar machen, das wünsche ich mir.

  11. Rainer

    @OSRIG..“Und dieses System, mit dem Begriff “Dominanzfussball” wohl am Besten beschrieben, ist meines Erachtens dem Konter- und schnell-Vertikalfussball überlegen! Nicht notwendiger Weise in einer einzelnen Partien, aber auf jeden Fall über eine ganze Spielzeit betrachtet.“ …das ist richtig. Und es braucht sicher einige Transfers, um ein Spielsystem radikal zu ändern. Ich sehe seit dem Versuch anders zu spielen keine Verbesserungen. (Erzielte Tore, Gegentore, Passgenauigkeit oder Passeschwindigkeit etc.) würde mich jedoch gerne korrigieren lassen. Es gibt für Situationen wie die unseres Vereins z.Z. viele Zitate wie z.B.“wenn Du etwas anders macht, ohne das es besser wird, solltest Du besser etwas anderes machen“. Oder einfach:“Versuch macht klug“. Aber Kovac will es einfach nicht einsehen.Zudem geht es mir auch nicht nur um Ergebnisse, sondern um die Freude am Zuschauen generell. Ich bin schließlich kein Fan unseres FCBs geworden, weil der Verein soviele Trophäen gewonnen hat, sondern aufgrund der tollen Spiele, die ich seit meiner Kindheit gesehen habe. Und ja,es gibt sicherlich nicht nur Pep, der ein Dominanzsystem lehren kann.

  12. Kurt

    Müller <3 Kimmich <3

    1. Gerdl20

      Alaba <3 Müller <3 Felipe <3 Kimmich <3

  13. Raptor

    Das ist doch schon nah dran an der oft geforderten Aufstellung!

  14. Gerdl20

    Coman ist so eine Waffe!
    Aber gegen Leipzig wird wohl wieder Ribery spielen,nach seiner Pause heute.

  15. Gerdl20

    Beste Halbzeit in dieser Saison. Und das nach 30 min.

  16. cj

    Leute, habe Ajax nicht gesehen, aber heute finde ich das schon dominant. In der heutigen Aufstellung ist das schon eine richtig, richtig gute Mannschaft.

  17. Gerdl20

    Gott,ich liebe es Thiago spielen zu sehen.

    1. Dinzinger

      Technisch einer der besten Spieler, die wir JE hatten. Einfach ein Traum, der Mann hat so viel Talent, da kommen einem die Freudentränen.

  18. Chicken

    Chancenverwertung allerdings mangelhaft.

  19. Gerdl20

    Muss Lewy auf Müller spielen..hasse solchen eigensinn!

  20. Tom Resch

    Gutes Spiel von uns gegen sehr schwache 96er…aber die Chancenverwertung ist wieder übel. Müsste 4 oder 5 – 0 stehen!!
    Hoffentlich machen die Jungs noch was für die Tordiff.
    17 Torschüsse nach 45 Min. !!

    1. Kurt

      Meiner Meinung nach sind das heute keine sehr schwachen 96er. Bayern spielt einfach mal wieder richtig gut. Benfica und Nürnberg waren schwach, aber irgendwann kann man ja auch mal wieder anerkennen, dass unsere Jungs es doch draufhaben.

      Man sieht einfach Pressing, was uns vorher total abging.

  21. Gerdl20

    Thiago bringt soviel Struktur ins Spiel! Da ist Wahnsinn.

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