Neue Versandpolitik bei Südkurventickets verstärkt Schwarzmarkt

Vor etwa drei Wochen berichteten wir über eine Änderung des FC Bayern im Bereich des freien Ticketverkaufs an Mitglieder in der Woche vor.

Statt wie bisher ein Abholformular zu bekommen und damit direkt am Spieltag die Tickets im Kassencanyon West gegen Vorlage des Personalausweises zu erhalten, werden Buchungen für Südkurvenkarten nun per DHL verschickt. Dadurch spart sich der FC Bayern Personal an den Spieltagen und verhindert eine größere Ansammlung von abholbereiten Fans, wenn viele Personen gleichzeitig ankommen und auf ihre Tickets erhalten möchten.

Tickets auf nicht erlaubten Plattformen

Nach der für viele Fans kurzfristigen Verkaufsaktion der über 400 Karten für das Eröffnungsspiel gegen Wolfsburg kam es am Freitagmorgen zum ersten angekündigten und rechtzeitig bekannten Kartenverkauf. Trotz phasenweiser massiver Probleme bei der Erreichbarkeit des Shop und den Ladezeiten gingen 465 Karten an Fans. Diese werden nun verschickt und landen zeitnah im Briefkasten der Besteller.

Es dauerte nicht lange – genauer gesagt bis 07:45 Uhr – bis die ersten Südkurvenkarten dort auftauchen, wo man sie nicht sehen möchte: Im Internetauktionshaus eBay. Auch Viagogo, von denen sich der FC Bayern seit dieser Spielzeit losgesagt hat, enthält Karten für die Partie gegen den VfB Stuttgart. Start- bzw. Sofortkaufpreise von einhundert und mehr Euro. Von Vereinsseite ist der Ticketkauf nur »zum privaten Gebrauch« zugelassen. Ein gewerblicher oder kommerzieller Weiterverkauf ist untersagt, wie Absatz 5.1 und 5.2 der Ticketing-AGB klarstellt:

Der Erwerb zum gewerblichen oder kommerziellen (d.h. mit Gewinn) Weiterverkauf ist ohne vorherige Zustimmung durch den FCB untersagt […] Sollte der FCB feststellen, dass der Kunde ohne Zustimmung Tickets zu kommerziellen oder gewerblichen Zwecken bezogen und/oder kommerziell oder gewerblich weiterveräußert und/oder Ansprüche kommerziell oder gewerblich abgetreten hat (insbesondere über eBay, anderen Internetplattformen oder an Ticketagenturen), kann der FCB die entsprechenden Tickets für den Eintritt sperren und dem Ticketinhaber/Kunden entschädigungslos den Zutritt zum Stadion verweigern bzw. ihn des Stadions verweisen, einen zukünftigen Verkauf von Tickets jeder Art dem Kunden gegenüber verweigern, ein Hausverbot aussprechen sowie für jeden Verstoß gegen das Verbot nach Ziffer 5.1. die Zahlung einer angemessenen Vertragsstrafe iHv bis zu maximal EUR 2.500 fordern, es sei denn, der Kunde hat den Verstoß nicht zu vertreten.
FC Bayern: Allgemeine Geschäftsbedingungen Ticketing, am 05.09.2014

Versand sollte diskutiert werden

Im August schrieben wir im Beitrag zu den Änderungen bereits von der Problematik und einem möglichen Tagesordnungspunkt beim Treffen des Arbeitskreises Fandialog, der vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart zusammenkommt. Mit Blick auf die in unseren Augen steigende Anzahl an Angeboten auf unerlaubten Plattformen könnte diese Diskussion bzw. der Anstoß zu weiteren Gesprächen entscheidend für die gerechte Verteilung von Freiverkaufskarten an interessierte Mitglieder sein.

Beim Spiel gegen den VfB Stuttgart kommt der Arbeitskreis Fandialog erneut zusammen. Hier soll der Versand bzw. die Abholung auf die Tagesordnung gesetzt werden. Es wäre absolut wünschenswert, wenn eine Wahlmöglichkeit entsteht und man als Fan zwischen diesen beiden Optionen – Versand oder Abholung – auswählen kann.
Versand statt Abholung – Änderung beim freien Ticketverkauf, Miasanrot.de am 14.08.2014

Mit der neu eingeführten Versandpolitik besitzt der Verein keine Möglichkeit zur Kontrolle bei der Ticketverwendung. Was man an Arbeit an den Abholkassen spart, müsste man wohl am besten direkt wieder in die Überwachung anderer, unerlaubter Verkaufsmöglichkeiten investieren, um eine gerechte Verteilung an Fans zu ermöglichen und Weiterverkäufer auszuschließen. Die pure Ankündigung des Verbots und die Ansetzung einer Vertragsstrafe hindert die Vielzahl an Geschäftstätigkeiten mit FC Bayern Karten nicht.

Ein weiterer Punkt könnte ein stärkerer Fokus auf das Bewerben der in dieser Spielzeit gestarteten eigenen Plattform für den Ticket-Zweitmarkt sein. Vermutlich wird dies keinen Effekt auf die kommerziellen Anbieter von Tickets haben, da sie auf Gewinn aus dem Wiederverkauf aus sind, aber noch diejenigen Bayern-Fans überzeugen, die den Zweitmarkt bisher nicht kennen und stattdessen auf anderen Kanälen nicht selbst genutzte Karten weitergeben. Aktuell liegt beim Kauf von Tickets zwar ein Informationsblatt bei, welches über den ausschließlich privaten Gebrauch der Karten informiert, aber ein Hinweis auf den Zweitmarkt findet man nicht.

Der FC Bayern steht nach vielen fanfreundlichen Veränderungen in den letzten Monaten an einem weiteren Punkt, bei dem er nur gemeinsam mit seinen Anhängern und in einer offenen Diskussion Lösungen erarbeiten kann. Ein unkontrollierbarer und aus Gewinntrieb bedienter Markt an Eintrittskarten beeinträchtigt die Kartenvergabe an diejenigen leidenschaftlichen Fans, die gern ein Spiel in der Allianz Arena besuchen wollen und die erlaubten Möglichkeiten in Anspruch nehmen.

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Leserkommentare
  1. Ralph

    Vorweg: Wenn bei einem Produkt die Nachfrage so viel höher ist als das Angebot, so kann man es niemals allen Recht machen. Dem FCB gebührt ein Dank für Online-Ticketing (gemeint sind hier: die 400 SK-Tickets in der Spielwoche) und Zweitmarkt.

    Ich habe letzte Saison sehr häufig beim Online-Ticketing “Glück” gehabt, und “musste” einige Male bei viagogo kaufen.

    Für die bisherigen Spiele Wolfsburg, Stuttgart und demnächst Manchester habe ich auf den Zweitmarkt zugegriffen und jeweils ein SK-Ticket ergattert. Was ich sagen will: Ich möchte behaupten, den Markt einig wenig einschätzen zu können, und sehe zwei Punkte, an denen nachgebessert oder zumindest überlegt werden könnte.

    1. Die Zweitmarkt-Beschränkung auf Mitglieder sollte stärker gegeben sein, insbesondere bei nachgefragten Spielen. Wolfsburg war zu Beginn komplett offen, Stuttgart und Manchester erst einige Tage vor dem Spiel. Paderborn ist aktuell noch begrenzt. Wenn die Karten sogar Mitglieder-beschränkt blitzschnell weg sind (wie bei Stuttgart), warum dann öffnen? Zumal nach meinen Erfahrungen die Stehplatz-Tickets zumindest letzte Saison bei viagogo immer erst 1-2 Tage vorm Spiel weiterverkauft wurden.

    Und umgekehrt: Wenn sich über 100 Karten ansammeln, die anscheinend kein Mitglied (wie aktuell bei Paderborn) will, warum dann nicht gleich öffnen?

    -> Zweitmarkt i.d.R. nur für Vereinsmitglieder.

    2. Vor allem bei Wolfsburg war bei viagogo einiges zu utopischen Preisen zu kaufen. Warum? Weil das eTicket-Verfahren den Weiterverkauf extrem erleichtert: Man musste kein Mitglied sein, konnte beim FCB kaufen und sofort weiterverkaufen.

    Ich persönlich würde lieber noch einen Euro mehr zahlen (für Personal- und Druckkosten beim Verein), und mein Ticket dann gegen Vorlage eines Ausweises vor Ort abholen. Nichts dämmt meines Erachtens den Weiterverkauf so sehr ein wie die Notwendigkeit, sich vor Ort ausweisen zu müssen.

    -> Keine eTickets, sondern Ticket gegen Ausweisvorlage vor Ort.

    Und noch ein allgemeiner Punkt zur Ticketnachfrage:

    Wenn ich bei Facebook in die Tauschbörsen schaue, seh ich immer wieder Leute, die jede Menge Tickets zum Tausch anbieten können. Das sind i.d.R. Leute, die Tickets aus Fanclubs nicht los werden. Ich bin selbst schon über Fanclubs an Karten gekommen, ohne Mitglied dieser Fanclubs zu sein. Vielleicht bräuchte man mal eine faire, ehrliche Analyse, ob alle FCs wirklich so viele Tickets brauchen, wie sie kriegen?

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