round-up

Rot-Weißes Round-Up: Brian Laudrup

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spieler, der zwei Jahre lang für den FC Bayern spielt, am Ende mit mindestens einer Meisterschaft auf der Autogrammkarte “nach Hause” geht, ist groß. Unser heutiges Geburtstagskind Brian Laudrup war einer der wenigen, denen das Kunststück gelang, in zwei Saisons nur den Ligapokal zu gewinnen.

Der 1969 geborene Däne startete seine Karriere bei Brondby IF, ehe er 1989 zu Bayer 04 Uerdingen nach Deutschland wechselte. Auf Anhieb fand sich der Stürmer in der Bundesliga gut zurecht und erzielte in 34 Spielen sechs Tore. Mit seinen Leistungen schoss sich Laudrup schließlich auch auf den Einkaufszettel des FC Bayern, der ihn im Sommer 1990 verpflichtete. Seine zwei Jahre in München begannen erfolgreich, in Laudrups erstem Spiel konnte der Supercup gegen Kaiserslautern gewonnen werden. Die Ernüchterung folgte jedoch kurz darauf, als man am 04. August in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen die FV 09 Weinheim mit 0:1 verlor. In der Bundesliga lief es für Jupp Heynckes Mannen zwar besser, am Ende reichte es jedoch auch hier nur zu Platz zwei. Laudrup fand seine Position in der Mannschaft. Hinter Topstürmer Roland Wohlfahrt kam er zumeist als hängende Spitze zum Einsatz und erzielte insgesamt neun Tore in seiner Premierensaison in München. Auch im darauffolgenden Jahr verletzte der Däne sich schwer und verpasste den Großteil der Hinrunde – im Nachhineine womöglich ein Faktor bei Jupp Heynckes’ Entlassung nach dem Abrutschen auf Platz 12. Auch unter Nachfolger Lerby bzw. später Ribbeck kam Laudrup zu Einsätzen, entschloss sich aber 1991 den Verein zu verlassen.

Es folgten zwei Jahre in Italien, wo er für Florenz und Mailand spielte, aber nie wirklich zufrieden wurde. Das änderte sich mit seinem Wechsel zu den Glasgow Rangers 1994. Für die Schotten bestritt Laudrup in vier Saisons 116 Spiele und erzielte 33 Tore. Dreimal gewann er die schottische Meisterschaft und einmal den Pokal. 1998 war der Ruf der Premier League lauter und er zog weiter zum FC Chelsea – ein “großes Missverständnis”, wie er im Nachhinein feststellte. Nach der Hinrunde zog er zurück in die Heimat – doch auch beim FC Kopenhagen kam er nicht zurecht. Am Ende der Saison teilte man ihm mit, dass er kein Teil der Planungen des Klubs wäre. Enttäuscht kehrte Laudrup Dänemark den Rücken und wechselte zu Ajax Amsterdam. Doch auch bei seiner letzten Karrierestation erlebte er eine Enttäuschung. Nach einer guten Saison 1999/00 verletzte er sich schwer an der Achillessehne und musste seine Karriere frühzeitig beenden.

2010 erhielt der Bruder von Michael Laudrup die Diagnose Lymphdrüsenkrebs – über seinen aktuellen Gesundeheitszustand konnten wir leider nichts herausfinden. Wir gratulieren in jedem Fall zum 46. Geburtstag, den der Däne am Sonntag feiert.

Miasanrot.de stellt regelmäßig am Dienstag und Freitag in einem Round-Up lesenswerte Texte und Fundstücke rund um den FC Bayern zusammen. Gewidmet wird jedes Round-Up einem ehemaligen Bayern-Spieler, der am jeweiligen Tag (oder kurz zuvor/danach) Geburtstag hat.

Presseschau

Analysen zum Achtelfinal-Hinspiel

Mit dem 0:0 in Lwiw startete der FC Bayern in die K.O.-Phase der Champions League. Es war ein umkämpftes Spiel am Dienstagabend, das jede Menge Stoff für Analysen offerierte. Neben unserer eigenen, in der wir uns der alternativen taktischen Ausrichtung, Schweinsteigers Rolle und der Foulstatistik widmen, ist auch die der “SZ” lesenswert. Johannes Aumüller schreibt über Schräubchen, die nicht greifen, und arbeitet die wesentlichen Punkte gut heraus. Zudem finden sich hier einige Stimmen nach dem Spiel. Tobias Escher formuliert für die “Welt” ein Stück weit populistischer – hier ist von “Mainstream-Spielweise” die Rede – seine Argumentation, warum das Zusammenspiel Alonso/Schweinsteiger nicht funktioniert, ist aber schlüssig. Constantin Eckner, sonst ebenfalls für “Spielverlagerung.de” an den Tasten, widmet sich in seiner Analyse für den “Focus” vermehrt der Rolle Lewandowskis und stellt die These auf, dass Müller ohne ihn wirkungslos sei.

Lewandowski-Diskussion: Nebenschauplatz oder langfristiges Problem?

Der Start in die Rückrunde lief für Robert Lewandowski alles andere als gut – so viel lässt sich auf jeden Fall feststellen. Die Medien tendierten in den letzten Tagen jedoch dazu, aus dem Thema eine große Geschichte zu machen und einen Keil zwischen Trainer und Stürmer zu treiben. Immer wieder hieß es, Guardiola sei vom Wechsel des Polen von Anfang an nicht überzeugt gewesen. Wie viel Wahrheit an dieser Geschichte wirklich zu finden ist, weiß wohl nur Pep selber. Durch zuletzt sehr geringe Einsatzzeiten gehen Schlagzeilen wie diese natürlich leichter von der Hand – wir werden uns jedoch in den kommenden Monaten, nach der Rückkehr der Langzeitverletzten, daran gewöhnen müssen, Woche für Woche von frustrierten und murrenden Top-Stars zu lesen, die auf der Bank sitzen. Lewandowski ist momentan ein Beispiel – wir glauben weiter an seine Explosion.

Thiago ist zurück in München

Am Dienstag war es endlich so weit: Nach einigen Monaten Behandlung bei seinem Arzt Dr. Roman Cugat in Barcelona, kehrte Thiago am Dienstag an die Säbener Straße zurück und konnte am Mittwoch und Donnerstag bereits erste Laufeinheiten absolvieren. Eine zeitliche Einschätzung, wie lange es wirklich noch dauert, bis wir den Spanier wieder auf dem Spielfeld sehen, ist äußerst schwierig. Optimistische Prognosen sprechen von Ende März, die Methode “Badstuber” dürfte am Ende zwar die konservativere, aber bessere sein: Trainingseinstieg im Lauf des April und dann schrittweiser Aufbau bis zur Rückkehr zum Saisonstart 2015/16.

“SZ” über Expansion nach China

Die “Süddeutsche Zeitung” veröffentlichte am Mittwoch einen lesenswerten Bericht über die Expansionspläne des FC Bayern im Reich der Mitte, wo vor kurzem eine Partnerschaft mit dem Staatsfernsehen präsentiert wurde. Insgesamt erhofft sich der FCB in China, dass die laut Internationalisierungsvorstand Jörg Wacker etwa 170 Millionen Fußball-Fans möglichst bald in rot-weißen Trikots herumlaufen.

Abonniere unsere Beiträge!



Twitter & Facebook

Folge uns über Social Media

Du willst die aktuellsten und wichtigsten News zum FC Bayern lesen? Folge uns auf Twitter @miasanrot oder like unsere Facebook Seite.

Folgen

Leserkommentare
  1. Hach, Brian Laudrup, damals einer meiner Lieblingsspieler, hätte ihn gerne viel länger beim FCB gesehen. Effenberg, der gleichzeitig mit ihm nach Florenz wechselte, war ja damals auch ganz angetan, Zitat: “Wenn Brian eine Frau wäre, würde ich ihn heiraten”… ;-)

  2. Hans

    Wenn wir jetzt mal das Wolfsburg-Spiel außen vor lassen. Mir ist Folgendes aufgefallen:

    Letztes Jahr im Hinspiel gegen ManU, auch im Hinspiel gegen Real und jetzt gegen Donezk:

    Die Bayern dominieren das Spiel eigentlich, haben im Mittelfeld ein klares Übergewicht, sie kombinieren gut, kurz vor dem Strafraum ist jedoch Schluss. Da fehlt es dann an der zündenden Idee und vielleicht auch der Einzelaktion, die dann den Unterschied bringen könnte. Was meint ihr, woran das liegt? Gegen ManU war es ja beispielsweise so, dass sie sehr tief standen und sich deshalb kaum Chancen ergeben haben. Gegen Donezk hatte ich auch den Eindruck, dass der letzte Pass irgendwo gefehlt hat. Darüber hinaus wurde hier ja auch schon häufig festgestellt, wo dringend die Bayern ein frühes 1:0 brauchen, um ihr Spiel aufziehen zu können. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass wir, wenn wir in den ersten 20 Minuten das Tor gemacht hätten, das Spiel locker mit 3:0 hätten gewinnen können.

    1. Erich_B

      Das ist seit vergangenen Jahr auf hohem Niveau ein Thema…. das war auch gegen Arsenal nicht anders: 2:0 war der Endstand, jedoch hat davor auch Kroos mit einem sehenswerten Weitschuss die Tür aufgemacht.
      Das zieht sich gegen hochklassige Gegner schon so ein wenig hin… mir fallen einige andere Beispiele ein:
      0:1 in Moskau war auch so ein Spiel. Der Elfmeter für Bayern war dann der Unterschied.
      1:0 gegen ManCity, hier war es Boateng mit einem Fernschuss.

      Es ist ja nicht so das man gegen Donezk keine Chancen hatte, man muss halt nur mal die gewisse Effizienz an den Tag legen…

      Da war man in der Saison 12/13 unter Jupp Top, jedoch war eventuell da der Anspruch an das schöne Spiel nicht so hoch (ich weiß, ist jetzt arg populistisch – sorry :-) )

      1. Jo

        Tja, ich weiß jetzt nicht was die Spielanlage oder schönes bzw. unschönes Spiel mit der Chanceneffizienz zu tun haben?

        Zu der Frage warum das auf hohem Niveau ein Thema sein könnte hätte ich eine Vermutung:
        Weil dort das Niveau hoch ist!? :-))

        Deshalb würde ich auch z.B. das Manchester-Spiel nicht mit Donezk vergleichen. Da war ManU trotz damaliger Formschwäche ein ganz anderes Kaliber. Wir haben uns dort enorm schwer getan die massive Abwehr überhaupt mal ins Wanken zu bringen.

        Gegen Donezk sah dass zumindest in der ersten Halbzeit ganz anders aus. Wir hatten da eine gute, klare Spielanlage (mit einem übrigens starken Alonso!), haben die Linien der Ukrainer ein ums andere mal überspielt und sind ständig in die gefährlichen Räume gekommen.
        Was dann gefehlt hat war wie Hans beschreibt tatsächlich der letzte Pass, oder die Effizienz bei den vorhandenen Chancen. Ich sehe das auch so, wenn wir in den ersten 20 Minuten in Führung gehen bleibt das nicht bei einem Tor.

        Nun ist Chanceneffizienz ja durchaus statistisch beschreibbar.Ich brauche im Schnitt vielleicht 5 Torschüsse und zwei Großchancen um zu einem Tor zu kommen. Wenn das ein Mittelwert ist, heißt das, dass ich einzelnen Spielen natürlich deutlich davon abweichen kann.
        Es gibt zwei wesentliche Faktoren die Abweichungen vom Mittelwert erklären können. Form und Zufall.

        Der Zufall ist immer wirksam und entscheidet z.B. mit, ob man die erste Chance nach 20 Minuten nutzt. Ab dann befänden wir uns in einem neu aufgesetzten Spiel. Für Bayernverhältnisse heißt das: Es kann deutlich werden.
        Umgekehrt: Wert weiß wie das Spiel gegen Hamburg ausgegangen wäre, wenn der Schiedsrichter keine Lust auf Elfmeter gehabt hätte? Gerade Handelfmeter scheinen ja nur nach dem Zufallsprinzip gepfiffen zu werden.

        Die aktuelle Form, die sich in Themen wie Handlungsicherheit und -schnelligkeit, Selbstvertrauen usw. auswirkt, beeinflusst (man mag auch hier den Zufall als erhöhte Wahrscheinlichkeit mit beschreiben) die Effizienz natürlich ebenfalls.

        Das ist ein auch in unserer Situation greifbarer Fakt. Ich würde die aktuelle Form als weder schlecht noch gut beschreiben. Zumindest ist sie sicher nicht optimal und dann wäre es schon sehr erstaunlich wenn die Chancenverwertung optimal wäre.

      2. Erich_B

        Ich gebe dir bei allem was du schreibst recht, und letztendlich war meine Aussage auch nicht 100% ernst gemeint.

        Problem ist das der Fußball zu einem großen Teil aus Glück besteht, es gibt so viele Faktoren die sich nicht kontrollieren lassen aber Einfluss auf ein Spiel nehmen.

  3. Hans

    @ERICH_B

    Man muss aber fairerweise sagen, dass es auch unter Jupp schlechte Spiele und einiges an Glück gab: In der Vorrunde 3:1 gegen Bate Borisov verloren, gegen Valencia 1:1. Dann im Achtelfinalrückspiel gegen Arsenal hätte man mit etwas Pech auch ausscheiden können. Gegen Barca im Hinspiel waren drei der vier Tore irregulär, außerdem war Messi angeschlagen und im Rückspiel nicht dabei. Gegen Dortmund im Finale hatte man in den ersten 20 Minuten richtig Glück. Wenn Dortmund nicht die ewige Abschlussschwäche hätte, hätten die da locker zwei Tore machen können. Dann tritt Dante Reus im Sechzehner in den Bauch, es gibt Elfmeter, aber keine Karte für Dante (er hatte schon Gelb und hätte folgerichtig Gelb/Rot sehen müssen).

    Das Problem ist ja immer, dass die Leute die Geschichte immer vom Ende her sehen: Bayern hat das Triple geholt, also war alles gut und richtig. Natürlich waren die Bayern in diesem Jahr die weltbeste Mannschaft, aber deshalb sollte man die Probleme, die es durchaus gab, nicht klein reden.

    Ich merke es in meinem Bayern-Freundeskreis auch immer wieder, dass die Leute eigentlich doch noch skeptisch sind, was Pep angeht. Das wird dann überdeckt, wenn sie gut spielen, sobald es aber nicht läuft, werden er und sein System in Frage gestellt. Dann kommen dann so Sprüche wie “warum spielen sie nicht einfach so wie unterm Jupp”.

    Die Kritik an Pep wird erst verstummen, wenn er die Champions League gewinnt.

    1. Jo

      @Hans: Dito!.

      Ich denke ehrlich gesagt, wenn es sich auch ziemlich abgehoben anhört, dass ziemlich viele Leute ein intellektuelles Problem mit Guardiola haben. Sprich: Sie verstehen’s einfach nicht.

      Da du den Bayern-Freundeskreis ansprichst. Ich habe auch den seltsamen Eindruck, dass Pep bei den Nicht-Bayernanhängern ein besseres Standing als bei den eigenen Fans hat.

      Wenn die Kritik dann tatsächlich erst verstummen sollte, wenn er die CL gewinnt sieht’s ja wirklich schlecht für ihn aus. Die Wahrscheinlichkeit dass das in seiner Amtszeit noch geschieht ist ja nicht gerade riesig. Was für mich jetzt erstmal nichts mit seiner Person zu tun hat, sondern einfach aus der Erfahrung wie die CL funktioniert.

      1. Hans

        Das liegt meiner Ansicht nach auch an tief verwurzelten, kulturellen Unterschieden, wie man Fußball sieht: Die Deutschen mögen es vor allem, wenn man kämpft und Laufbereitschaft zeigt. Um es etwas pauschaler auszudrücken: Es ist den meisten lieber, wenn man ein knappes Spiel nach aufopferungsvollem Kampf knapp mit 2:1 gewinnt, als dass durch “Schönspielerei” 4:0 gewonnen wird. Das äußert sich beispielsweise auch an solchen Aussagen wie “Pokalfight”, was ja sehr positiv bewertet wird.

        Außerdem fällt mir wiederholt Folgendes auf: Haben die Bayern nach 30 Minuten noch kein Tor gemacht oder keine klare Torchance generiert, heißt es oft von den Kommentatoren: “Die Bayern haben Ballbesitz ohne Ende, aber es kommt nix bei rum!”

        Die Kritik an Peps Stil deute ich auch so: Da kommt ein Spanier und will uns Deutschen hier zeigen, wie wir Fußball spielen sollen. Dazu kommt noch, dass in meinem Bayern-Freundeskreis viele Entwicklungen unter Pep kritisch gesehen werden: Da wird gesagt, er hätte Lahm nie ins Mittelfeld ziehen sollen, auf seiner alten Position war er doch immer viel besser. Dann wird kritisiert, dass er zu viele Mittelfeldspieler hätte usw.

      2. bsg

        @Hans

        Auf jeden! Das quillt einem überall entgegen. Das ist so eine ganz eklige chauvi-nationalistische Scheiße, die da bei rauskommt. Wenns gut läuft: “Och naja so sans halt die Südländer, immer für ein schickes Tänzchen gut und mit dem Kader ja sowieso zu erwarten.”, aber sobald irgendwas nicht 100% läuft, brechen sich die Vorbehalte Bahn und alle Dämme. Das warum jedes Migrantenkind schon weiß, du musst dich halt doppelt so doll anstrengen, damit aus dir was wird.

        rage ende

    2. DasDing

      Bei der Schilderung des Barca-Spiels übertreibt hier aber jemand gewaltig: Erstens waren nicht drei, sondern zwei Tore irregulär (2:0/3:0, das 1:0 würde höchstens im Basketball abgepfiffen, aber nie im Leben im Fußball), beziehungsweise nur eines (das 2:0) wirklich eindeutig. Auch über das 3:0 kann man nämlich durchaus streiten, zb. ein auf sehr ähnliche Weise zustandegekommener Treffer von Podolski im Rematch Bayern-Arsenal letztes Jahr wurde ebenfalls als regulär gewertet.
      Zweitens bekam Bayern auf der anderen Seite zwei recht deutliche Handelfmeter verweigert, damit ist die Bilanz also insgesamt ausgeglichen. Bevor man anderen vorwirft, Fakten zu verkürzen oder zu ignorieren, sollte man vielleicht erst einmal vor der eigenen Haustür kehren.

      Ähnlicher Fall bei der Bewerung des Finalspiels: es war (wie die meisten Finals) ein knappes Spiel, ohne jeden Zweifel, aber über die meiste Zeit waren die Bayern überlegen. Wo der BVB zwei Tore in der Anfangsphase hernehmen soll, fällt mir leider nicht ein – Ich habe mir das Spiel schon mehrfach angeschaut, und die Dortmunder waren in den ersten 25 Min. zwar dominant, aber nur bei 2,3 Abschlüssen konnten sie wirklich Gefahr entwickeln. Auch eine Mannschaft ohne Abschlussschwäche macht da im Normalfall nicht unbedingt ein Tor draus, vor allem nicht, wenn man noch den Faktor Neuer in die Gleichung mit einbezieht. Und zu Dante: Strafstoß heißt nicht zwangsläufig gelbe Karte, und in dieser Situation hatte Reus ja nichtmal einen Nachteil (er wäre wahrscheinlich eh nicht mehr an den Ball gekommen, und wenn doch, hätte er ihn nicht verwerten können). Bei einer richtig strengen Regelauslegung des Schiedsrichters wäre das Spiel damals wohl mit neun gegen neun zuende gegangen, und das gilt auch für so manch anderes internationale Finale. Es ist schon vernünftig, Karten bei Endspielen manchmal eher in der Tasche zu lassen als sonst.

      Und sicher betrachten manche Leute die Geschichte zu stark von ihrem Ende her, und ignorieren hinterher so manchen Umstand (Ich zb. verdränge manchmal gern, dass ich im Winter 2013 noch keineswegs an den CL-Triumph geglaubt hatte, und noch vor dem VF gegen Juve 12/13 tendenziell von einem Ausscheiden gegen die später deutlich besiegten Italiener ausgegangen bin). Andere allerdings betrachten dafür CL-Finals zu stark von ihrem Anfang her und übersehen dann, dass Bayern über 90 Minuten gesehen stärker war und das Endergebnis die Leistung beider Teams ganz gut widerspiegelte.

      Nach dem Geraderücken dieser Angelegenheiten nun noch ein paar Worte zum Thema Glück: Natürlich spielt dieses fast immer eine Rolle, selbst Barca in der stärksten Saison (10/11) hätte mit etwas Pech schon im Achtelfinale gegen Arsenal fliegen können. Entscheidend ist allerdings nicht dieser Umstand, sondern das VERHÄLTNIS zwischen Glücksmomenten und klaren, sauber herausgespielten Siegen. Und wenn man nun die K.O.-Runde von Heynckes II mit derjenigen der ersten Guardiola-Saison vergleicht, sieht dieses Verhältnis folgendermaßen aus: Bei Heynckes gab es in sieben Spielen fünf klare Siege, das knappe, aber letztlich Leistungsgerecht gewonnene Finale, und eine richtig schwache Vorstellung gegen Arsenal, wo man mit Pech sogar hätte rausfliegen können. Bei Guardiola hatten wir zwei Siege bei nur in Teilen überzeugenden Leistungen, zwei spielerisch ziemlich maue Unentschieden und zwei Niederlagen, davon eine deutlich. Rechnet man diese Saison mit dazu, kann man bei den Rumpelunentschieden gleich noch den dritten Strich machen.

      Im Übrigen war auch die CL-Runde 11/12 trotz schwächerem Kader insgesamt um einiges stärker als die von 13/14.

      Skepsis gegenüber Guardiola gibt es darum durchaus auch bei mir. Nicht etwa, weil ich ihn für inkompent halten würde – ganz im Gegenteil: In Bezug auf fußballerischen Sachverstand und intellektuelle Problemlösungsfähigkeit ist Pep meiner Ansicht nach sogar der momentan weltweit stärkste. Das Problem ist jedoch, dass die ganzen innovativen Ideen aus seinem Gehirn, die in der Bundesliga ja funktionieren, in den wirklichen Schlüsselspielen auf dem Platz aus irgendwelchen mir unbekannten Gründen nicht richtig umgesetzt werden. Nur einmal, beim Pokalfinale, war das anders (wobei auch da natürlich Glück mit reinspielte).

      Damit meine Skepsis gegenüber Guardiola verschwindet, muss er die CL nicht gewinnen (den CL-Sieg kann man nicht planen, da die Konkurrenz dafür zu stark ist und K.O.-Runden von ihrem Verlauf her auch immer etwas kontingent sind). Aber es muss möglich sein, in der K.O.-Phase der CL mal 2 oder 3 wirklich überzeugende Leistungen in Folge abzuliefern, und nicht immer nur in der Liga oder in Gruppenspielen. Die vielen guten Ideen, die sonst zu sehen sind, auch mal konsequent umsetzen wenn es wirklich darauf ankommt, und in der K.O.-Runde auch mal nicht nach Hierarchie aufstellen und einen formschwachen Ribery oder einen formschwachen Alonso auf Teufel komm raus in die Startelf zu setzen – das kann doch nicht zuviel verlangt sein!

      1. Jo

        Man kann das Thema K.O.-Spiele natürlich aufmachen, Bezüglich der “hierarchischen” Aufstellungspolitik habe ich auch schon meine leichten Zweifel angemeldet.
        Allerdings muss man auch sagen, dass zum Thema Pep und K.O.-Runden bisher ja gar nicht so viele Erfahrungen vorliegen.
        Konkret stehen hier drei abgeschlossene Runden aus dem letzten Jahr zu Buche.
        Arsenal im ersten Spiel war hervorragend, im zweiten hat man es halt nachhause gebracht.

        Was die folgenden beiden Runden betrifft sind die für mich gar nicht unter dem Thema Aufstellung, Taktik o.ä abgespeichert. Hier war für mich (leider) der Coachingfehler des Jahrzehnts maßgebend. Und der war bekanntlich nach der Meisterschaft den tollen Lauf der Mannschaft durch die die “Die Meisterschaft ist gewonnen, alles vorbei”-Rhetorik abzuwürgen.

        Den Vorgang an sich begreife ich bis heute nicht, allerdings können wir wohl zuversichtlich davon ausgehen, dass Pep seine Lehren daraus gezogen hat.
        Ich denke/hoffe er wird wenn es zum Schwur kommt diesmal sein Ding durchziehen. Ob mir “sein Ding” dann allerdings gefälllt? Da kann man bei ihm nie sicher sein ((-;

  4. Hans

    @DASDING

    Dante hat Reus in den Bauch getreten! Wenn das nicht Gelb ist, weiß ich’s auch nicht!

    Das Hinspiel letzte Saison gegen Arsenal fand ich übrigens ziemlich gut von uns. Vorletztes Jahr hat auch keine Mannschaft gegen uns hinten den Beton angerührt, wie das ManU getan hat.

    Zur Triple-Saison muss man denke ich auch noch dazu sagen, dass es die Reaktion auf eine Saison mit drei zweiten Plätzen gewesen ist. Dieser unbedingte Wille hat sicher auch noch das ein oder andere Prozent freigesetzt.

    1. DasDing

      Gut, dass die Triple-Saison Saison auch aus einer speziellen Situation hervorgegangen ist, lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Aber auch wenn es tatsächlich so etwas wie eine Freak-Saison war, setzt sich das Ganze dann doch im Kopf fest, da man nunmal seit 12/13 weiß, wozu diese Mannschaft rein potenziell in der Lage ist. Dazu kommt, dass durch die herausragenden Leistungen der Hinrunde zumindest bei mir sehr hohe Erwartungen geweckt, und ich finde es halt ausgesprochen ärgerlich, dass man es in der (wichtigeren) Rückrunde bisher überhaupt nicht schafft, im ersten Halbjahr gezeigte zu wiederholen und weiterzuentwickeln.

      Das sollte eben auch keine generelle Kritik an Guardiola sein, denn eigentlich bin ich mittlerweile ziemlich überzeugt von seiner Spielidee und kann das Gerede in den Medien á la “ständig nur Ballgeschiebe” auch nicht mehr hören (zumal man ja auch leicht herausfinden kann, dass “Ballgeschiebe” ganz und gar nicht das Ziel von Guardiolas Spielkonzept ist).

      Solche Spiele wie gegen Rom sind ja nun auch eindeutig eine Konsequenz der Spielweise Guardiolas, und nicht das Resultat von Glück oder individueller Klasse – man konnte gegen die Römer ja wunderbar erkennen, wie die Maßnahmen, die etwa Marti Perarnau in seinem Buch beschreibt (zb. eine Seite überladen, dann auf die vom Gegner nicht mehr kontrollierbare Gegenseite verlagern und vors Tor durchspielen) auf dem Platz umgesetzt wurden und zum Erfolg führten. Nur frage ich mich, warum man das in K.O.-Spielen bisher nie so konsequent umgesetzt bekam. Und das Donezk-Spiel war allgemein auch überhaupt nicht Guardiola-Like, sondern von der Ausrichtung her fast schon erzkonservativ. Und da frage ich mich dann halt schon, was das zu bedeuten hat, und ob Guardiola nicht in K.O.-Spielen teils der Mut und das Vertrauen in die eigenen Ideen verlässt.

      1. Hans

        Natürlich war das Rom-Spiel großartig, aber da würde ich auch sagen, dass das zu stark gehyped wurde. 7:1 gegen den Vizemeister Italiens hört sich natürlich super an. Ich hab’ mir aber eben noch mal alle Tore auf YouTube angesehen: Von den sieben Toren waren vier haltbar bzw. klare Torwartfehler. Dann sind wir bei 3:1, was schon wieder ganz anders aussieht.

      2. DasDing

        Bei sieben Treffern hilft im Normalfall natürlich auch der Gegner etwas mit – trotzdem sollte man das Ganze nicht so stark auf den gegnerischen Torwart verkürzen. Hätte dieser besser gehalten, hätten die Bayern wohl auch den Druck in der 2.HZ weiter aufrechterhalten, eben weil man dann noch nicht bei 5:0 gewesen wäre. Und so wäre am Ende vielleicht kein 7:1, aber vermutlich doch ein sehr deutliches Ergebnis herausgekommen.

        Der springende Punkt ist nämlich, dass es ein ums andere Mal gelang, die Abwehr der Römer auszuspielen, zumeist indem man sie durch Überladung auf den (aus Bayernsicht) linken Flügel lockte und dann präzise Bälle auf den mit meist nur einem Gegenspieler rechts stehenden Robben schlug. Und um etwas Abwechslung hereinzubringen, nutzte man auch mehrfach die Überzahl auf dem linken Flügel aus, um sich dort mit hoher Geschwindigkeit durchzukombinieren. Beeindruckend war auch, wie teils mehrfach kurz hintereinander schnelle Ballrückgewinnungen erzielt wurden.

        So konnte man in der ersten Halbzeit zahlreiche torgefährliche Situationen kreieren – dass es in der zweiten dann weniger wurden und die Abschlusszahl für 90 Minuten nicht so hoch ausschaut, dürfte der frühen, sehr hohen Führung geschuldet sein – wie gesagt, wäre dieser Fall nicht eingetreten, hätte man den Druck einfach aufrechterhalten können. Darum denke ich nicht, dass das Spiel insgesamt zu sehr gehyped wurde, es war schon ein ausgesprochen starker Auftritt, bei welchem die eigenen Konzepte hervorragend umgesetzt werden konnten – kein Vergleich mit so einem Auftritt wie am Dienstag.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Miasanrot.com — Der FC Bayern München Blog