Patreon-Kolumne: Wie ist Kingsley Coman zu ersetzen?

In der Schlussphase des Duells zwischen Bayern München und Hertha BSC blieb den Verantwortlichen des Rekordmeisters kurz das Herz stehen. Kingsley Coman, gerade eingewechselt, schien sich im Zweikampf verletzt zu haben. Nur wenige Stunden später dann die Gewissheit: der Franzose wird sehr wahrscheinlich den Rest der Saison verpassen. Wir analysieren die Bedeutung des Ausfalls sowie Möglichkeiten der Kompensation.

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Der FC Bayern und seine Flügelspieler – seit nun mehr als 10 Jahren ist das eine ganz besondere Geschichte. Fehlten Ribéry und Robben in der Vergangenheit, waren die Erfolgschancen stark limitiert. Daran hat sich mit fortschreitendem Alter aber zumindest ein bisschen was geändert.

Die Statistiken sprechen für sich

Im Fokus standen in dieser Saison andere Spieler. Zu Beginn war es Thiago, der die fehlende Struktur im Mittelfeld unter Trainer Ancelotti irgendwie kaschieren konnte. Nach dessen Verletzung rückte James immer mehr in den Mittelpunkt. Der Kolumbianer glänzte im Zentrum und stieg schnell zum Schlüsselspieler auf.

Im Schatten Ribérys, der sich in der Hinrunde ebenfalls verletzte, ging jedoch noch ein anderer Bayern-Spieler durch die Decke. Seit seiner Verpflichtung wurde fortlaufend diskutiert, ob er überhaupt das Niveau habe, um Robbery eines Tages zu beerben. Gerade unter Ancelotti fehlte das Vertrauen des Trainers komplett.

Der Ribéry-Ausfall war dann aber, so paradox das klingen mag, ein Glücksfall für Kingsley Coman und den FC Bayern. Coman entwickelte sich mit dem Vertrauen des Trainers und regelmäßiger Spielzeit zum bestens Eins-gegen-Eins-Spieler der Bundesliga.

4,2 Dribblings gewann der Franzose pro 90 Minuten. Kein Spieler mit mehr als 500 Minuten kann diesen Wert toppen. Aber auch seine Erfolgsquote spricht für sich. 57,5% seiner Duelle gewinnt er, während Leipzigs Bruma (4 erfolgreiche Dribblings/90 Minuten) auf 54% kommt und Dortmunds Pulisic (3,3 erfolgreiche Dribblings/90 Minuten) nicht mal die Hälfte seiner Dribblings gewinnt (43%). Auch der von vielen zurecht gelobte Leon Bailey (Leverkusen) erreicht Comans Quote nicht. Er gewinnt 2,7 Dribblings in 90 Minuten und ist damit zu 56,25% erfolgreich.

So richtig spannend ist dann aber der Vergleich mit den eigenen Teamkollegen. Bis man in dieser Statistik Robben und Ribéry findet, dauert es eine Weile. Letzterer gewinnt lediglich 30% seiner Dribblings. Speziell bedeutet dies, dass der 34-Jährige nur 1,4 von 4,6 Versuchen pro 90 Minuten erfolgreich gestaltet.

Robben ist mit 1,3 erfolgreichen Dribblings (von 3,8 Versuchen) und einer Quote von 34% zwar leicht besser in seiner Selektion, aber auch nicht wirklich effektiver. Beide zusammen gewinnen also deutlich weniger Eins-gegen-Eins-Situation als Kingsley Coman.

Allein daraus formuliert sich ein riesiges Problem, das der FC Bayern nun in der Schlussphase der Saison hat. Ausgerechnet in der Phase, in der die Titel in den Pokalwettbewerben entschieden werden, fehlt ihnen ein Spieler, der auf der Außenbahn Durchbrüche kreiert. Coman – und das muss so klar gesagt werden – war der Gamechanger des FC Bayern.

Kingsley Coman verletzte sich gegen Hertha schwer.
(Foto: Guenter Schiffmann / AFP / Getty Images)

Spielte er von Anfang an, erspielten sich die Bayern mit viel Druck Chancen. Sie waren weniger leicht auszurechnen und deutlich flexibler. Coman war sicher dominant in seinem Spiel, aber er wusste sich auch selbst rauszunehmen. Dann ging eben mal über rechts die Post ab oder es wurde auf ihn verlagert.

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Genau das bekam Ribéry zuletzt nicht hin. Er fordert jeden Ball und ist in seinem Spiel zu dominant, obwohl er das Tempo nicht immer gehen kann. Er leitet damit zu viele gefährliche Kontergelegenheiten des Gegners ein.

Die taktische Entwicklung Comans ist hingegen bemerkenswert. Er positioniert sich gut, findet die richtigen Räume und weiß mittlerweile ganz genau, wann er ins Dribbling gehen kann und wann nicht. Diese bewusste Dosierung, die ihm zu Beginn noch oft zum Verhängnis wurde, hat er mittlerweile sehr gut balanciert. Ist er ausreichend abgesichert, geht er auch mal ins Risiko.

Ein selbstbewusster, spielfreudiger und extrem effektiver Coman wird den Münchnern fehlen. Auch wenn der 21-Jährige in Zukunft weiter an seiner letzten Aktion arbeiten muss, war er der Schlüssel im sonst nicht selten behäbigem Offensivspiel seiner Mannschaft.

Das belegen auch die Zahlen. Mit Coman in der Startelf gewannen die Bayern in dieser Saison 88% ihrer Pflichtspiele. Ohne ihn waren es lediglich knapp 70%.

War die Kaderplanung schlecht?

Dass dieser Ausfall die Münchner nun so hart trifft, hat aber nicht nur den Grund, dass Robben und Ribéry ein gewisses Alter erreicht haben. An guten Tagen sind sie immer noch in der Lage, den FC Bayern eine Klasse besser zu machen.

Diese guten Tage lassen sich aber besser planen und steuern, wenn rotiert werden kann. Das wird nun ob der Personaldecke schwieriger und das kann man der Klubführung durchaus vorwerfen. Mit drei echten Flügelspielern in die Saison zu gehen, war nicht gut durchdacht.

Allein schon deshalb, weil auch bei Robbery nicht damit gerechnet werden konnte, dass sie eine ganze Saison fit bleiben. Hier muss man sich entweder fragen, weshalb kein weiterer Spieler verpflichtet wurde oder wieso Gnabry nach Hoffenheim verliehen wurde.

Es darf durchaus angezweifelt werden, ob dieser jetzt einen großen Unterschied machen würde, wenn es auf internationaler Bühne gegen die absoluten Top-Teams geht, aber zumindest in der Bundesliga hätte er den Unterschied machen können, während Robben und Ribéry geschont werden.

Gnabry gewann in der Liga 54% seiner Dribblings. 3,3 erfolgreiche Duelle von 6,1 Versuchen sind ein Topwert, der nicht nur die Klasse im Eins-gegen-Eins unterstreicht, sondern auch für die Selektion seiner Dribblings spricht. Seine Torgefahr ist darüber hinaus bekannt. 2,6 Abschlüsse hat er pro 90 Minuten und das reichte trotz seiner Verletzung zu 4 Toren in 1049 Minuten. Seine 4 Torvorlagen ergänzen eine gute Bilanz.

Er wäre zumindest eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Spätestens jetzt. Auch wenn man solche Situationen nicht immer vorhersehen kann, so hätte man sie in diesem Fall zumindest schon früher einbeziehen sollen.

Welche Alternativen bietet der Kader jetzt?

Trotz allem hat dieser Kader aber auch jetzt noch die Möglichkeiten, den Ausfall irgendwie zu kompensieren. Die Bundesliga ist durch. In Freiburg haben die Münchner bewiesen, dass es national in vielen Fällen auch ohne echte Flügelspieler geht. Das sieht dann nicht immer gut aus, ist aber zweckmäßig, um Kräfte zu schonen.

Die im wahrsten Sinne des Wortes zentralere Rolle werden aber Thiago, James und Müller spielen. Sie haben das Team auf ihre Art und Weise schon mehrfach durch die Saison getragen. Von ihnen wird es jetzt abhängen, ob man den Coman-Ausfall kollektiv kompensieren kann oder eben nicht.

Wenn Heynckes den Mut hat, alle drei in den großen Spielen aufzustellen, ist der FC Bayern immer noch in der Lage, flexiblen und temporeichen Fußball zu spielen. Das liegt an den verschiedenen Qualitäten, die dieses Dreieck mit sich bringt. Sie ergänzen sich einfach sehr gut.

Thiago ist der Strukturgeber. Er bietet sich zwischen den Linien an und verteilt die Bälle in gefährliche Zonen. Der Spanier überlädt Räume, verlagert das Spiel und transportiert den Ballbesitz nicht nur vom ersten ins zweite, sondern auch von da ins Angriffsdrittel. Vor allem aber nimmt er James wichtige Arbeit im Achter-Raum ab.

Der Kolumbianer kann sich dann nämlich endgültig auf seine Kernposition im Zehner-Raum, aber auch im rechten Halbraum konzentrieren und muss den Spielaufbau nicht mehr so stark mitbestimmen. Vorne sorgt er für Abschlüsse und letzte Pässe. Doch er zieht auch Gegenspieler auf sich, die dann Räume für Lewandowski oder Müller öffnen.

Letztgenannter wird zunehmend stärker. Müller ist nicht nur zurück, sondern auch wichtiger denn je. Gerade jetzt, wo die Flügelspieler schwächeln oder verletzt sind, lebt der FC Bayern von seinen Läufen, von seiner Mentalität und von seiner Spielintelligenz. Der Raumdeuter kann endlich wieder in seiner Rolle als freies Element brillieren und er gewinnt den Münchnern damit Spiele.

Mal als Torschütze, mal als Vorbereiter und mal, weil er einen völlig absurden Weg geht, der einen Mitspieler in eine optimale Position bringt. Müller ist aber auch als sogenannter Typ auf dem Platz absolut unerlässlich. Er gibt niemals auf, er geht voran und er motiviert seine Mitspieler.

Der Angreifer coacht seine Offensivkollegen, organisiert das Pressing mit, gibt Kommandos und übernimmt Verantwortung. Wenn Müller Form und Einstellung in die großen Spiele transportieren kann, ist ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Coman-Kompensation gegangen.

Mit James, Thiago und Müller auf dem Feld gibt es viele Möglichkeiten, hinter die gegnerische Abwehr zu gelangen.

Müller interpretiert seine Rolle ohnehin immer sehr zentral. Kimmich wird dann zum offensiven Flügelspieler auf der Außenbahn. Die defensive Absicherung erfolgt durch eine Art Dreierkette hinten, die durch Martínez komplettiert wird. Nicht ungefährlich, aber oft effizient. Der Spanier muss einen großen Raum alleine verteidigen, ist jedoch der einzige Spieler im Kader, der das kann.

Das Dreieck James, Müller und Lewandowski ist nicht nur in der Lage, die richtigen Räume zu erlaufen, sondern auch kombinativ hinter die Kette des Gegners zu kommen.

Thiago bildet ein weiteres Element, das aus tieferen Zonen unterstützend absichert, aber auch aktiv dabei hilft, enge Situationen aufzulösen, zu verlagern und Mitspieler mit komplizierten Pässen zu finden. Eine Option wäre, dass die Bayern im Zentrum Kimmich auf den Außen freispielen, der dann (wie in der Grafik) die einlaufenden Spieler finden kann. Allerdings muss die Heynckes-Elf hier an ihrer Strafraumbesetzung arbeiten.

Möglich wäre natürlich auch, dass sie sich direkt durchkombinieren oder den eingerückten Ribéry auf der anderen Seite bedienen. In solchen Situationen ist der Franzose nämlich weiterhin sehr stark. Nicht so gut läuft es bei ihm, wenn er ohne viel Raum auf die Kette zulaufen muss.

Heynckes muss weiter gut rotieren

Jupp Heynckes ist quasi als Dauermoderator gefordert. Er wird wichtige Entscheidungen treffen müssen. Lässt er das benannte Dreieck ran, das vom großartigen Javi Martínez abgesichert wird, oder opfert er einen von ihnen für Vidal? Auch Vidal kann – speziell in den Auswärtsspielen der UEFA Champions League – einen großen Mehrwert bieten.

Dann muss der Chilene aber in höheren Zonen agieren als neulich in Freiburg. Er kann den gegnerischen Strafraum überladen und die Halbfeldflanken von James und/oder Thiago, aber auch die Hereingaben von Kimmich verwerten. Das und die Ballgewinne im direkten Gegenpressing machen ihn an guten Tagen zur Maschine, der man einige leichtfertige Ballverluste durchaus mal verzeihen kann.

Vidals Vorstöße müssen ausreichend abgesichert werden.

Wichtig wäre dann jedoch, dass der Chilene von seinen Teamkollegen etwas abgesichert wird. In der Grafik sieht man, dass seine Vorstöße einen großen Raum öffnen, den Thiago so nicht hinterlassen würde. Entweder vertraut man darauf, dass auch das noch von Martínez aufgefangen wird, oder Ribéry und Alaba sind etwas wachsamer. Vidal kann eine Waffe sein, aber auch ein Risiko. Trainerteam und Mitspieler müssen ihn deshalb richtig einsetzen.

Heynckes wird hier abwägen müssen, welche Offensivbesetzung gegen welchen Gegner benötigt wird und ob er den Fokus eher auf eine gute Absicherung oder auf die Offensive legt. Fakt ist, dass der FC Bayern Coman schmerzlich vermissen wird. Sein Ausfall ist der Worst Case und führt dazu, dass die Münchner ihr Spiel anpassen müssen.

Doch sie haben weiterhin ihre Möglichkeiten. Sie haben technisch begabte Spieler im Zentrum, die Robbery entlasten können, eine beeindruckende Physis, einen intakten Kader, dessen Einstellung bemerkenswert ist und sie haben Müller – einen Spielertypen, den in Europa kein anderes Team hat.

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Leserkommentare
  1. Ich bin großer Bayernfan und fand den Artikel sehr gut, wobei war er ziemlich lang !!! Macht aber weiter so!!!!!!!!!!!!!!

  2. mimikri

    Für mich ist eigentlich Robben der Spieler, der in großen Spielen der leistungsfähigere der beiden “Alten” ist. Gerade in Verbindung mit Müller (und wenn Kimmich eher defensiv gebunden ist) sehe ich das als erfolgreicher an. Die Verbindung bräuchte natürlich ein Gegengewicht auf der anderen Seite, sonst kann sich der Gegner zu stark darauf konzentrieren. M.E. hätte eine Aufstellung mit James, Thiago und Ribery ja quasi 3 Spielmacher – möglicherweise zuviel des Guten. Ich erinnere mich noch gut, dass Riberys Rolle in den großen Spielen des Triplejahres eher wenig vom dribbelnden Flügelspieler hatte, sondern mehr die des Spielmachers vom Flügel. Ich könnte mir daher sogar eher ein linkes Flügeldreieck mit Thiago-James und Alaba vorstellen – und die rechte Seite mit Robben, Müller und Kimmich.

    1. Vorstellbar. Allerdings halte ich es für wahrscheinlicher, dass Heynckes Robben (wie schon 2013) auf die Bank befördert. Aktuell bin ich ehrlichgesagt auch eher Team-Ribéry, der zwar viel unnötiges Zeug macht, aber mehr Ertrag liefert, als Team-Robben, der zuletzt zwar besser wurde, aber zu wenig Impact hatte. Gegen Besiktas war aber immerhin ein Fingerzeig, dass da noch was geht.

      Da kann Heynckes natürlich von Spiel zu Spiel entscheiden. Kommt Robben wieder in eine gute Form, würde ich auch über diese Alternative nachdenken. Danke für die Ergänzung.

      1. Olorin

        Inwiefern liefert Ribéry denn mehr Ertrag als Robben? Rib hat in 1090 Spielminuten in Buli und CL 2 Tore und 0 Vorlagen geliefert, das ist für einen Offensivspieler selbst bei einem durchschnittlichen Bundesligisten zu wenig. Robben kommt zwar im Dribbling kaum noch durch (wie aus dem Artikel schön hervorgeht), aber zumindest ist er noch halbwegs torgefährlich

      2. Jo

        “Aktuell bin ich ehrlichgesagt auch eher Team-Ribéry, der zwar viel unnötiges Zeug macht, aber mehr Ertrag liefert, als Team-Robben, der zuletzt zwar besser wurde, aber zu wenig Impact hatte.”

        Kann nicht dein Ernst sein? Die Scorer von Robben kommen zwar nicht mehr an seine Glanzzeiten heran, aber von Ribery trennen ihn ja regelrecht Welten.

      3. In der Rückrunde kam von Robben nicht mehr viel. Wenn er wieder regelmäßig so spielt wie gegen Besiktas, denke ich gerne über Alternativen nach. Aktuell sehe ich Müller, James und Kimmich rechts stärker. Dafür bringe ich dann das „Opfer“ Ribéry auf links. Wenn Robben wieder regelmäßig Robben ist, würde ich ohnehin etwas machen, was Jupp nicht machen wird. Lohnt sich also kaum, das in Betracht zu ziehen.

      4. Olorin

        “Wenn Robben wieder regelmäßig Robben ist, würde ich ohnehin etwas machen, was Jupp nicht machen wird. Lohnt sich also kaum, das in Betracht zu ziehen.”

        Was wäre das? Spann uns doch nicht so auf die Folter ;)

      5. Jo

        “Wenn Robben wieder regelmäßig Robben ist, würde ich ohnehin etwas machen, was Jupp nicht machen wird.”
        Die AS Rom Gedächtnisvariante?

      6. So ähnlich wäre cool, ja.
        Ulreich
        Boa, Javi (auch mal vorstoßend), Mats
        Robben, Josh, Thiago, Alaba
        James
        Müller, Lewy
        Wäre gegen den Ball flexibel: Entweder 442 mit Kimmich rechts oder 532 oder 541 und offensiv sowieso durchschlagskräftig mit vielen Asymmetrien.

  3. Mogician

    Wie seht ihr denn die Verletzungsanfälligkeit von Coman? Auf mich macht er leider einen relativ anfälligen Eindruck, zumal schon so früh in seiner Karriere. Auch diese “Muskelverletzungen” machen mir immer Sorge. Was genau hinter einer “Muskelverletzung” steckt, erfährt man ja meistens nicht, mal abgesehen von Muskelrissen und Faserrissen.

    Kommt nur mir das so vor. Wie ist eure Einschätzung?

    1. Olorin

      Seh das wie du, Comans viele Verletzungen gefallen mir auch gar nicht. Und fast genauso schlimm: die beiden sicheren Sommerzugänge Gnabry und Goretzka haben ebenfalls bereits eine für ihr junges Alter bemerkenswerte Verletzungshistorie. Ich hab die Befürchtung, dass wir schon am nächsten Glasknochen-Kader basteln. Wir sollten mal anfangen, Verletzungsresistenz als Kriterium bei Transfers zu berücksichtigen.

    2. Jo

      Es sieht eben so aus als ob Coman auch in dieser Hinsicht ein würdiger Nachfolger für Robbery wird. Dass er mal eine Saison durchspielt würde ich Stand heute nicht erwarten.
      Mit der evtl. geplanten Kombi Coman/Gnabry auf LA kann das nächstes Jahr unterhaltsam werden. Die werden uns vsl. leider nicht den Gefallen tun passgenau nacheinander auszufallen.

  4. Kramnik

    Robben auf Links und das Flankenmassaker wird gestartet.

  5. Osrig

    Wie der Ausfall von Coman gut zu kompensieren ist, hat Justin im Grunde schon klar beschrieben:

    “Das Dreieck James, Müller und Lewandowski ist nicht nur in der Lage, die richtigen Räume zu erlaufen, sondern auch kombinativ hinter die Kette des Gegners zu kommen.”

    Das ist meines Erachtens der richtige Weg!
    Gutes Positions- und Kombinationsspiel mit schnellen Pässen, mit denen Lücken eröffnet und ausgenutzt werden können.
    Gut “getimed” und mit der entsprechenden Dynamik ausgeführt macht solch Pass-Spiel ein Eins-zu-Eins-Aktionen überflüssig, welche trotz aller Gewandtheit und Schnelligkeit selbst bei einem so fähigen Spieler wie Coman immer mit einem hohen Risiko eines Ballverlustes einhergeht. Und auf solche Ballverluste sind doch die ganzen “Schnellen-Umschalter” ausgerichtet und lauern nur darauf!

    Schnelles Positions- und Kombinationsspiel, am besten mit nur ein, maximal zwei Ballberührungen, sollte nicht nur auf die Flügel beschränkt bleiben, sondern im gesamten Angriffsdrittel aufgezogen werden, um größtmögliche Offensivwucht zu erreichen. Ohne Zweifel kommt es dabei auf eine besonders gute Spieleröffnung aus unserer Abwehr oder dem defensiven Mittelfeld heraus an, doch wenn ich die öffnenden Pässe von Boateng und Hummels sehe, aber auch von Thiago, dann bin ich durchaus zuversichtlich. Unübertroffener Meister in dieser “Disziplin” ist für mich übrigens Alonso, weshalb ich seine Entscheidung, aufzuhören, noch immer etwas bedauere.
    Nur nebenbei erwähnt, es müssen ja nicht immer diese “Laserpässe” sein, die Jungs können sich auch ganz gut aus der eigenen Abwehr herauskombinieren. Was vermutlich immer wichtiger werden wird, wo doch das frühe Pressing zunehmend zum Stilmittel unserer Gegner wird.

    Zu Coman noch ein paar Worte: Auch ich erkenne an, dass sich unser junger Franzose gut entwickelt und zweifelsohne einer der besten Dribbler ist, die es gibt. Er ist gut, aber er muss noch viel lernen. Und Erfahrung, gerade international in den Stadien der großen Konkurrenten in Europa, muss er auch noch sammeln. Jedenfalls kann mir kaum vorstellen, dass er in den Top-Begegnungen der CL mit seinen 21 Lenzen schon so unerschrocken agieren kann, wie ein Robben oder Ribery! Das wäre geradezu unheimlich! Hinzu kommt meines Erachtens, dass erfolgreiche Dribblings und Durchbrüche an der Aussenlinie keineswegs der Königsweg zum Erfolg sind! Über 4 Dribblings gewinnt Coman durchschnittlich, aber wieviel gefährliche Aktionen kann er danach kreieren? Und aus wieviel dieser gefährlichen Aktionen entwickelt sich auch tatsächlich ein Tor? Da werden die Quoten doch immer schlechter! Um nicht falsch verstanden zu werden: Coman ist gut, auch torgefährlich und in seinen Statistiken vorne weg! Aber selbst die guten Werte bedeuten eben nicht, dass er quasi im Alleingang unsere Spiele entscheidet! Zumal über 50% gewonnene Dribblings eben auch bedeuten, dass er in fast der Hälfte der Situationen den Ball verloren hat.

    Also hüten wir uns davor, ihn zu sehr in den Himmel zu heben, denn es wird ihm nicht gut tun, wenn die Erwartungshaltungen ins Riesenhafte steigen, weil er in den Medien geradezu als Lebensversicherung und einzige FCB-Chance auf den großen Titel dargestellt wird. Denn das ist er nicht!

    1. wipf1953

      Sehr guter Beitrag, OSRIG!

    2. Er ist in dieser Saison besser als Ribery und besser als Robben. Er verliert weniger Bälle als Ribéry (lässt sich belegen), er hat mehr Torbeteiligungen pro 90 und er ist im Dribbling und in der Geschwindigkeit besser. Es sagt niemand, auch ich nicht, dass er schon uneingeschränkte Weltklasse ist. Aber er wäre in dieser Saison der Spieler gewesen, der auf den Außen den Unterschied macht. Eher als Robben und Ribéry.

      1. Übrigens: Finde mal einen Dribbler, der mehr als 58% aufweisen kann. Da wird’s auch in Europa eng. ;)

      2. Josef

        Gibt schon noch einige, aber unser King ist mit seinen Dribbel-Werten Teil einer exklusiven Gesellschaft:

        Neymar 66%
        Messi 70%
        Hazard 81%
        Douglas Costa 76%
        Thauvin 71%
        Sané 66%
        Dybala 71%

      3. Ibiza

        Danke, Josef. Wo findet man die im Internet?

        Schön wäre zur noch besseren Einordnung der bisher genannten Werte dann noch die jeweiligen erfolgr. Dripplings/90min deiner Vergleichskandidaten…

      4. Josef

        Findest du alles bei whoscored.com.

        Die von dir gesuchten Daten sogar noch leichter (die Prozente musste ich mir erst ausrechnen).
        Ich glaube ich habe die Spieler in der Reihenfolge der Dribblings pro 90 Minuten aufgeschrieben, Neymar zum Beispiel hat mit Abstand die meisten, Dybala ist was die Anzahl angeht nicht unter den Top 10.

      5. Ju

        Hinzuzufügen wäre noch, dass der King laut WhoScored in dieser Saison sogar auf 61% kommt. Und da sind die Ancelotti Werte noch mit drin. Ich lehne mich denke ich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich ihm eine unter Jupp eine Erfolgsquote von knapp 70 % unterstelle – für einen 21 jährigen Wahnsinn.

    3. FR7

      “Gut “getimed” und mit der entsprechenden Dynamik ausgeführt macht solch Pass-Spiel ein Eins-zu-Eins-Aktionen überflüssig…”

      Das sehe ich völlig anders. Eins-zu-Eins Aktionen sind der einfachste und schnellste Weg eine Defensive zu überwinden. Gefahr kam in den letzten gesamten Jahren in Europa nicht etwa von Trios die im offensivem Mittelfeld im Dreieck gespielt haben sondern eben besagte Eins-gegen-Eins Spieler auf den Außen wie Messi, Ronaldo, Neymar, Robben, Bale, Ribéry, Hazard, Sanchéz und co. Explosivität ist, sofern korrekt ausgeführt und gut getimed, nicht zu verteidigen. Darum kostet ein Spieler mit solchen Fähigkeiten auch ein Vermögen. Bei Coman haben wir wirklich Glück gehabt, wäre er aktuell noch bei Juventus mit und hätte genau die gleichen Spiele mit den gleichen Scorerpunkten gespielt, wäre er für Bayern nicht bezahlbar. So jemand landet dann bei City, United, Real oder Barca.

      “Jedenfalls kann mir kaum vorstellen, dass er in den Top-Begegnungen der CL mit seinen 21 Lenzen schon so unerschrocken agieren kann…”

      Warum kannst du dir das nicht vorstellen? Er war gegen Juve im Achtelfinale top, gegen Psg hochkonzentriert und einer der besten. Wie soll so ein junger Bursche lernen in den Topspielen zu spielen wenn man ihn nicht in Topspielen spielen lässt? Dembele war auch nicht älter als Coman als er uns im Pokal-Halbfinale ordentlich nassgemacht hat. Ich behaupte: Wären Coman und Ribéry beide fit und Bayern bestreitet morgen eine Halbfinal Begegnung, spielt Coman und nicht Ribéry. Und das ist auch gut so, einfach rein ins kalte Wasser werfen den Jungen. Gut, dass Jupp seinem Nachfolger an dieser Stelle bereits viel Moderationsarbeit abnimmt. Es wäre viel kniffeliger für den neuen Trainer nächste Saison auf Coman als Stammspieler zu setzen und Ribéry nur als Backup, nachdem es diese Saison andersherum gelaufen wäre.

      1. Olorin

        Nur dass Ronaldo schon lange kein solcher 1gg1 Spieler auf dem Flügel mehr ist. Faktisch ist CR7 ein verkappter Mittelstürmer, der in den Strafraum zieht und dort seine Abschlussstärke ausspielt. In meinen Augen hat Real keinen wirklichen Flügeldribbler, wenn Bale nicht auf dem Platz steht. Das wird halt kompensiert durch die extrem ballsicheren Außenverteidiger, das überragende Mittelfeld und große Effektivität im Angriff.

        Ansonsten glaube ich nicht, dass Ribéry nochmal ein entscheidender Faktor für uns auf CL-Niveau wird, zu deutlich hat er in meinen Augen in den letzten anderthalb Jahren. Und von dem vermeintlichen Aufbäumen in wichtigen Spielen, das so oft beschworen wird, hat man letztes Jahr auch nichts gesehen, warum dann jetzt auf einmal? Es gibt nichts, was darauf hindeutet. Übrigens, weil es mich interessiert hat: Ribs letzte Torbeteiligung (Treffer oder Assist) in der KO-Runde der CL ist fast auf den Tag genau drei Jahre her: am 11.3.2015 das Tor zum 3:0 beim 7:0-Achtelfinalrückspiel gegen Schachtar Donezk. Seitdem nix mehr. Ich hoffe sehr, dass ich mich täusche, aber ich halte das Hoffen auf Rib für ein reines Luftschloss. Es wird entweder ohne ihn gehen müssen-oder gar nicht.

      2. FR7

        Du hast mein Kommentar wohl ein wenig missinterpretiert. Ich sprach nicht von aktuell sondern von den letzten Jahren und da war Ronaldo einer der top 3 Dribbler der Welt. Er ist jetzt genauso wie Robben und Ribéry älter geworden und hat nicht mehr diesen Antritt und Geschwindigkeit in den Dribblings. Ich weiß ja nicht wie viele Spiele von Real Madrid geschaut hast aber ihr Spiel ist selbstverständlich weiterhin von Dribblings geprägt, Marcelo allein dribbelt gefühlt mehr als der gesamte Rest der Mannschaft. Dann hast du da noch Asensio und Isco die auch sehr stark am Ball und dribbelfreudig sind. Ribéry wird ganz eindeutig kein entscheidender Faktor mehr für uns, genau das habe ich doch geschrieben(?). :D

      3. Olorin

        Ja, natürlich wird bei Real auch weiterhin gedribbelt. Ich meinte aber, dass sie keinen expliziten ‘Spezialisten’ dafür mehr haben, wie die in deinem Kommentar hervorgehobenen Robbéry, Neymar und Co.

        Der Absatz über Ribéry war eine allgemeine Anmerkung zu den Kommentaren hier, unter anderem zu Justin weiter oben, das war nicht auf dich bezogen. Hätte ich vielleicht kennzeichnen sollen ;)

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