FC Bayern München Frauen - USV Jena 2:1 (2:0), 19.4.2015, HGK, Stadion an der Grünwalderstraße

FC Bayern Frauen – USV Jena 2:1 (2:0)

An einem sonnigen, aber auch eisig windigen Sonntag begrüßten die FC Bayern Frauen den Tabellenachten USV Jena in der Hermann-Gerland-Kampfbahn an der Grünwalder Straße.

Um die zwischenzeitlich vorbeigezogenen Frankfurterinnen wieder vom zweiten Rang verdrängen zu können und den Status des einzig ungeschlagenen Teams der Allianz Frauenfußball-Bundesliga aufrecht zu erhalten, war ein Heimsieg Pflicht für den FCB.

Die Aufstellung: Bayern im 3-5-2

Bayern-Coach Tom Wörle bescherte gleich zwei Spielerinnen deren saisonbezogenes Startelfdebüt: Carina Wenninger war ebenso nach langer Verletzung zurück in die Anfangsformation gekehrt wie Lena Lotzen. Im 3-5-2-Stammsystem spielte Wenninger für die am Knie verletzte Viktoria Schnaderbeck in der zentralen Innenverteidigung flankiert von Raffaella Manieri links und Caroline Abbé rechts. Auch Mana Iwabuchi stieß zurück in den Kader, nahm aber auf der Bank Platz. Noch während des Aufwärmens verletzte sich Katharina Baunach und stand Wörle somit kurzfristig und außerplanmäßig nicht zur Verfügung. Das Tor hütete Tinja-Riikka Korpela, die Flügelverteidigung wurde wie üblich von Gina Lewandowski links und Leonie Maier rechts übernommen. Maier war rechtzeitig zum Match wieder fit geworden. Auf der Doppelsechs führten Melanie Behringer und Melanie Leupolz Regie, wobei Behringer wie gewohnt die horizontalere Rolle im defensiven Mittelfeld ausfüllte, während Leupolz vertikaler die Achterräume bespielte. Lena Lotzen spielte als zweite Stürmerin neben der Wandspielerin Vivianne Miedema, rochierte häufig mit Dagny Brynjarsdóttir, die eine spannende Mischung aus sehr offensiver Acht und Zehn beziehungsweise falscher Neun spielte.
Aufstellung, Formation FC Bayern München Frauen - USV Jena, 19.4.2015

Jena im 3-4-1-2

Gästetrainer Daniel Kraus schickte seine Mädels in einer spannenden 3-4-1-2-Formation aufs Feld, die derjenigen der Bayern nicht unähnlich war. Auch Jena agierte mit Ria Percival links, Ivonne Hartmann zentral und Carolin Schiewe mit einer Dreierkette vor Torhüterin Stenia Michel. Im Mittelfeldband davor besetzten Karoline Heinze den linken und Julia Arnold den rechten Flügel. Im defensiven Mittelfeld spielte Jena mit einer klaren Doppelsechs bestehend aus Lina Hausicke, die in der Arbeitsteilung für die linke Seite zuständig war, und ihrem Pendant auf rechts Susann Utes. Die Spielmacherposition nahm zentral davor Iva Landeka ein. Amber Hearn und Ivana Rudelic bildeten den Doppelsturm. Rudelic hatte allerdings einen enorm großen Aktionsradius, ließ sich häufig neben Landeka fallen und pendelte zwischen Sturm und offensivem Mittelfeld.

Falls Ihr es verpasst habt:

Die Gäste zeigten in der Anfangsphase keinerlei Respekt, stellten die Bayern in einem engagierten Mittelfeldpressing zu und ließen die Wörle-Elf nur schwer ins Spiel kommen. Auch defensiv behielten sie ihre 3-4-1-2-Raumaufteilung bei, schoben jedoch aggressiv auf die direkten Gegenspielerinnen und konnten so Ballverluste erzwingen und Torabschlüsse verzeichnen. Bayern versuchte sich mit viel Laufarbeit und Schnittstellenpässen aus der Umklammerung zu befreien. Die ganz feinen Kombinationen wurden zwar vermisst, dennoch erarbeiteten sich die Roten schnell die Feldhoheit und kamen mit langen Bällen immer wieder in die gefährlichen Zonen. Lena Lotzen vergab nur knapp die Chance zum 1:0 per Kopf (12.) und schon nach einer viertel Stunde konnte Melanie Behringer die fünfte Ecke für die Roten treten. Abstöße Jenas verteidigte Bayern in einem 5-2-3, wobei sich Brynjarsdóttir mit ins Angriffsband einreihte. Bei einer ähnlichen Szene wie schon gegen Potsdam geriet Korpelas Pass auf Manieri etwas zu kurz. Als Manieri daraufhin noch vor der Gegnerin zum Ball springt und zum „Zidane“ ansetzt, stockte der HGK kurzzeitig hörbar der Atem. Wie man es von ihr auch in brenzligen Situationen kennt, bevorzugte sie auch hier die spielerische Lösung und leitete mit langem Ball eine tolle Kontergelegenheit ein, bei der Michel nur knapp vor Miedema den Ball erreichte, die links die Linie entlang gesprintet war. Zwar blieben die Münchnerinnen in dieser Szene noch glücklos, doch schon kurz darauf erzielte Melanie Behringer das 1:0 durch einen direkt verwandelten Freistoß.

Auch die Gäste konnten in Person von Amber Hearn wieder in den Strafraum eindringen, Korpela hat zunächst noch etwas Probleme mit dem hohen Ball und der Abstimmung mit Wenninger, kann das Leder aber im Nachfassen sichern. Kurz darauf unterbindet Wenninger nach Ecke Bayern Jenas Konter als Wellenbrecherin weit in der gegnerischen Hälfte. Wie man besser kontert, führten anschließend die Gastgeberinnen vor. Behringer setzt sich im linken Halbraum durch, spielt links raus auf Lotzen, die scheint das Abspiel auf Brynjarsdóttir, die hinter nur einer Verteidigerin in der Zentrale lauert, schon zu vertändeln, findet dann aber doch noch den idealen Passweg, Brynjarsdóttir schafft es, den etwas zu kurz geratenen Ball zu verarbeiten und netzt ein zum 2:0 (25.).

Anschließend zeigt sich Jena sichtlich beeindruckt vom Rückstand und verliert reihenweise die Bälle. Von der druckvollen Anfangsphase ist nun nichts mehr zu sehen. Die Bayern lassen dagegen zeitweise nur noch Wenninger und Manieri in der eigenen Hälfte und greifen kollektiv an. Erst als Rudelic sich vermehrt ins Mittelfeld fallen lässt und Jena in der Schlussphase wieder aufs Pressing setzt, bekommt der USV wieder etwas Zugriff. Lotzen zieht auf der anderen Seite von außerhalb des Strafraums noch mal knapp über den Querbalken, Lewandowski bedient sich statt des Kopfes im Fünfmeterraum „der Hand Gottes“ und wird dafür mit Gelb verwarnt. So geht es in die Halbzeitpause.

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Unverändert kommen beide Teams aus der Kabine und auch die Kräfteverhältnisse bleiben zunächst dieselben. Behringer schießt von der linken Seitenlinie ans Außennetz, Leonie Maier zeigt ein sehenswertes Dribbling, bleibt aber hängen, Brynjarsdóttir kann relativ unbedrängt im rechten Halbraum aufs Tor zulaufen, schießt jedoch aus Rücklage über das Ziel hinaus. Insgesamt verflacht die Partie etwas. Viele Fouls, Zweikämpfe, Luftduelle und unkontrollierte Bälle lassen keinen rechten Spielfluss aufkommen. Eine halbe Stunde vor Schluss kommt Jena zu seiner besten, aber stark abseitsverdächtigen Chance. Rudelic läuft aggressiv auf Korpela zu, lupft den Ball dann aber nicht nur über die Torhüterin, sondern auch über das Tor hinweg. Glück für die Bayern. Nun scheint es, als wollte Jena nur noch nach Hause, doch damit hatte das Team die Rechnung ohne seinen Trainer gemacht. Kraus trieb seine Mannschaft von der Seitenlinie an, brachte in der 70. Minute Vivien Beil für Karoline Heinze, die die zentrale Defensive verstärkte. Dafür ging Lina Hausicke aus dem defensiven Mittelfeld in den Sturm, bevor sie dort in der 79. Minute durch Christina Julien ersetzt wurde.

Auch die Bayern hatten mittlerweile gewechselt. Laura Feiersinger war für Vivianne Miedema gekommen (66.) und ersetzte diese positionsgetreu, füllte ihre Rolle aber anders aus. Während Miedema als klassische Strafraumstürmerin und Wandspielerin Anspiele in der letzten Linie verarbeitet, Bälle für nachstoßende Mitspielerinnen prallen lässt und permanent für Tiefe sorgt, brachte Feiersinger mehr Ballkontrolle in die Partie, traf mit Ball gute Entscheidungen und setzte ihren Körper engagiert in den Zweikämpfen ein. Nach einem Steilpass von Lotzen konnte sie sogar durch die letzte Linie Jenas durchbrechen, wird aber noch knapp vom Ball getrennt. Umso verwunderlicher war es, dass Wörle sie bereits zwanzig Minuten nach ihrer Einwechslung wieder vom Feld nahm. Knapp zehn Minuten vor dem Schluss verwandelte Jenas Rechtsaußen Julia Arnold eine Ecke von rechts direkt. Korpela konnte den Ball zwar parieren und nach vorn katapultieren, doch offenbar hatte dieser die Torlinie zu diesem Zeitpunkt bereits überquert. 2:1-Anschlusstreffer. Die Bayern gerieten jetzt nochmal sichtlich ins Schwimmen. Für Feiersinger brachte Wörle Nora Holstad als souveräne Wellenbrecherin auf der Sechs eine Linie vor ihrer eigentlichen Position ins Spiel. Normalerweise ist sie die Abwehrchefin in der Abwehrzentrale und ihre Einwechslung tat dem in dieser Phase hektischen Bayernspiel gut. Sofern Feiersinger sich keine Verletzung zugezogen hatte, wären die sichtlich erschöpfte Lena Lotzen oder die umtriebige Brynjarsdóttir in der Offensive die näherliegenden Auswechselkandidatinnen gewesen. So kam Beckmann noch für Lotzen, die ein, zwei schöne Soli am Ball zeigte. Jena versuchte in den Schlussminuten mit aller Macht noch einen Punkt mitzunehmen, spielte die eigenen Gelegenheiten aber nicht aus und gab die Bälle überhastet wieder her. Die Bayern fingen sich dagegen, verteidigten abgeklärt, ließen bei Freistößen viel Zeit von der Uhr rieseln und brachten das Ergebnis über die Zeit.

So gewinnen die Bayern nicht souverän aber dennoch verdient das vorletzte Heimspiel der Saison und verbringen die kommende Woche wieder auf dem zweiten Tabellenplatz. Nach der dreiwöchigen Spielpause war nicht zu erwarten gewesen, dass die Gastgeberinnen Jena an die Wand kombinieren würden und so ist der Sieg und die drei Punkte ein mehr als anständiges Ergebnis zu diesem Zeitpunkt in der Saison.

Drei Punkte, die auffielen:

1. Ab durch die Mitte

Hatte man zu Saisonbeginn bzw. während deren Verlauf häufig Gina Lewandowski oder Viktoria Schnaderbeck und später Leonie Maier viele Läufe über die Flügel machen und Flanken ins Zentrum schlagen sehen, ging ein Großteil der Angriffe gegen Jena durch die Mitte. Obwohl mit Mana Iwabuchi die Edelzehnerin erneut nicht auf dem Platz stand, zeigte sich das Bayernspiel über Behringer, Leupolz, Brynjarsdóttir und Lotzen hochflexibel. Schon eingangs wurden die vielen Rochaden im Zehnerraum angesprochen. Brynjarsdóttir wich ebenso wie Lotzen, die eine riesige läuferische Leistung zeigte, häufig auf die Flügel aus oder zog Jenas Doppelsechs mit klugen Läufen weg von der Abwehrlinie. So boten sich für Lotzen und Miedema immer wieder Räume in Überzahl vor dem gegnerischen Strafraum. Zusätzlich überluden Lewandowski und Maier je nach Situation die Halbräume auf ihrer Seite. War man diese Flexibilität kombiniert mit Ballsicherheit eine Linie weiter hinten von Behringer und Leupolz schon gewohnt, zeigte sich, dass Brynjarsdóttir nun voll integriert ist im Bayernspiel und auch Lotzen von Sekunde Eins nach ihrer Verletzung wieder voll da ist. Für Mana Iwabuchi wird es schwer, sich wieder zurück in die Mannschaft zu spielen, wenngleich Tom Wörle aufgrund der Verletzung von Vanessa Bürki weitere Offensivkräfte gut gebrauchen kann.

2. Korpela im Formtief

Am Gegentreffer hatte Torhüterin Korpela keine Schuld — das gleich vorweg. Dennoch leistete sich die Finnin diesmal genauso wie gegen Potsdam einige Unsicherheiten. Ein richtiger Bock war nicht dabei und auch sicherte Korpela viele Bälle im zweiten Versuch, dennoch stimmte oft die Abstimmung mit ihren Vorderleuten nicht. Zum Teil musste sie erst wild gestikulieren, um die eigene Abwehr zurück aus dem Deckungsschatten des Pressings zu zitieren, was allerdings eher ein Fehlverhalten der Feldspielerinnen ist. Mit Carina Wenninger fehlte dennoch sichtlich die Eingespieltheit. Die Selbstverständlichkeit ist dahin. Vielleicht klärte Korpela deshalb oft per Befreiungsschlag oder Wegfausten, obwohl ein Abfangen oder Aufnehmen möglich gewesen wäre. Das ist sicher die bessere Lösung, als einen Schuss durchrutschen zu lassen, doch wer an die Korpela aus der Hinrunde denkt, mag sich wundern, wie wenig von der souveränen Abgeklärtheit und der Strafraumbeherrschung in 2015 übrig geblieben ist. Das sticht auch deshalb ins Auge, weil die Verteidigung weiterhin unaufgeregt ihren Job macht und nur selten Sicherheit über Ballkontrolle wählt. Die Kritik mag überraschen und ist hoffentlich alsbald schon wieder hinfällig, wenn Korpela zu alter Stärke zurückfindet. Gemessen an dem hohen Standard, den sie selbst gesetzt hat, ist sie allerdings nicht haltlos.

3. Kein Spielfluss

Dass die Bayern in den letzten drei Wochen kein Pflichtspiel gemeinsam bestritten und auch in dieser Formation noch nie zusammengespielt hatten, merkte man dem Spielfluss deutlich an — bzw. dem Fehlen eines solchen. Doch auch Jena trug erheblichen Anteil daran. Die Gäste zeigten sich aggressiv, pressten gerade in der ersten Hälfte hoch, schlugen die Bälle weg und bedienten sich einer großen Anzahl an Fouls, um die Bayern nicht ins Rollen kommen zu lassen. Ein legitimes Mittel eines Underdogs, der dafür allerdings auch dreifach mit Gelb verwarnt wurde. Dennoch drückten die Bayern ihren Stiefel durch, setzten wie so häufig auf kluge Schnittstellenpässe in die Tiefe und lösten in letzter Linie das Pressing auf die Anspielstationen mehrfach durch smarte Vertikalläufe mit dem Ball am Fuß auf. Der FC Bayern ist nicht zufällig die einzig ungeschlagene Mannschaft im Wettbewerb. Das hat das Team auch an diesem Spieltag wieder gezeigt.

Am kommenden Sonntag reist der FC Bayern zum Tabellenletzten, dem Herforder SV, bevor am 10. Mai die SGS Essen zum Saisonabschluss in der HGK erwartet wird.

FC Bayern – USV Jena 2:1 (2:0)
FC Bayern MünchenKorpela – Lewandowski, Manieri, Wenninger, Abbé, Maier – Behringer, Leupolz – Brynjarsdottir – Lotzen (79. Beckmann), Miedema (66. Feiersinger (86. Holstad))
BankZinsberger, Baunach, Iwabuchi, Stengel
USV LenaMichel – Percival, Hartmann, Schiewe – Heinze (70. Beil), Hausicke (79. Julien), Utes, Arnold – Landeka – Rudelic, Hearn
BankGornowitz, Krafczyk, Brosius
Tore1:0 Behringer (20.), 2:0 Brynjarsdóttir (25.), 2:1 Arnold (81.)
KartenGelb: Lewandowski (40.) / Hartmann (57.), Rudelic (82.), Julien (84.))
SchiedsrichterRiem Hussein (Bad Harzburg)
Zuschauer520
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