Vorschau: Eure Fragen zum Spiel in Paderborn

Der SC Paderborn empfängt am Dienstagabend den großen FC Bayern. Ein Szenario, das die blau-schwarzen seit der Saison 2014/15 nicht mehr kennen. Seitdem ging es nämlich nur abwärts. In der Vorschau blicken wir mit Hilfe einiger Leser-Fragen auf die Partie.

Im Mai 2017 schien der sportliche Abstieg für den SC Paderborn perfekt zu sein. Nachdem der Klub 2015 aus der Bundesliga abgestiegen war, ging es nur noch bergab. Nur die Lizenzverweigerung für den TSV 1860 München führte dazu, dass der SCP in der 3. Liga bleiben durfte und jetzt spielt die Mannschaft eine hervorragende Saison.

Wir haben auf Twitter Fragen gesammelt und hangeln uns damit durch die wichtigsten Themengebiete. Natürlich lag der Fokus dabei vor allem auf dem Rekordmeister, doch auch die Paderborner bekommen in dieser speziellen Vorschau ihren Platz.

Q&A: Pokal-Viertelfinale gegen Paderborn

Grundsätzlich kann man laufstarke und aggressive Paderborner erwarten. Im DFB-Pokal haben sie sich bisher ausschließlich gegen Zweitliga-Mannschaften durchgesetzt und das bisweilen sogar souverän. Häufig nahmen sie die Rolle des Underdogs an. Gegen den Ball standen sie diszipliniert und suchten dann schnelle Umschaltsituationen, die hierzulande gerne als “überfallartig” bezeichnet werden. Ich würde da von einer typischen deutschen Mannschaft sprechen.

Bayern darf sich deshalb auf einen Gegner freuen, der auf diese Partie brennt und der von Sekunde 1 versuchen wird, alles zu versuchen, um das Geschehen lange offen zu halten. Der Rekordmeister wird den Ballbesitz haben und sich dann Chancen erarbeiten müssen, die es zu nutzen gilt. Ein ganz klassischer Pokalabend, wenn der FC Bayern gegen einen unterklassigen Klub spielt.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich Paderborn zu selten in dieser Saison sehen konnte, um eine hundertprozentige Analyse abzugeben. Mein Eindruck war allerdings, dass die Paderborner eine typische deutsche Mannschaft sind.

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Hinten agieren sie mit einer Viererkette, davor oft mit zwei Sechsern. Vorne variiert es zwischen zwei und einer Spitze. Gegen den Ball standen sie zumindest dann immer relativ diszipliniert, wenn ich zugesehen habe. Aggressivität, Laufstärke, eine gute Zweikampfführung und viel Tempo nach vorne sind mir aufgefallen.

Ich finde nicht, dass diese Mannschaft wie ein drittklassiges Team auftrat. Auch der Fast-Abstieg ist ihnen nicht anzumerken. Für mich gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem SC Paderborn und einem durchschnittlichen Zweitliga-Team.

Ergänzung/Präzision: Ich möchte mit typisch deutsch nicht sagen, dass sie ausschließlich gegen den Ball agieren. Gerade in der 3. Liga sind sie immer Favorit. Aber sie nehmen ihre Rolle im Pokal schon gerne an. Ohne sich zu verschanzen, aber kompakt, strukturiert und aggressiv.

Ich sehe kein Szenario, in dem Paderborn den FC Bayern schlägt. Selbst wenn die Münchner unkonzentriert, fahrig und ohne Motivation spielen, sind die Chancen für den Underdog viel zu gering.

Trotzdem hoffe ich, dass Paderborn lange dagegen hält und den FCB damit etwas fordert. Ich traue ihnen das schon zu. Wenn ich aber irgendeine Chance benennen müsste, dann die Chancenverwertung kombiniert mit einer lange nicht mehr gesehenen Arroganz. Das würde mich aber sehr überraschen.

Paderborn wird nicht ins offene Messer rennen. Ihre einzige Chance auf ein gutes Ergebnis ist eine gut gestaffelte, kompakte Mannschaft, die mit enormer Laufarbeit und gesunder Aggressivität ständig Zweikämpfe provoziert. Also ist meine Antwort ganz klar: Konter!

Das ist noch unwahrscheinlicher als ein Ausscheiden selbst.

Da ich nur selten 3. Liga schaue und sonst nur die Auftritte im DFB-Pokal gesehen habe, kann ich mich nur auf die wenigen Eindrücke und Statistiken berufen. Zingerle hat bisher ausschließlich in der Liga im Tor gestanden. Keine Ahnung, ob er im Pokal ausnahmsweise ran darf. In 23 Spielen kassierte er 25 Gegentore und 9 Mal blieb er zu Null. Wenn ich Paderborn gesehen habe, fiel er weder durch Glanzparaden noch durch Fehler auf. Deshalb würde ich einfach mal auf einen soliden Torhüter für Paderborner Verhältnisse tippen. Stingl und Fesser haben bisher kaum gespielt. Allein deshalb ist schon keine Bewertung möglich.

Ich würde tatsächlich Zingerle sagen. Der Torhüter dürfte die wenigste Arbeit haben und im Normalfall wird es nicht an Ulreich hängen, ob der FC Bayern gegen Paderborn weiterkommt.

Sonst fand ich Lukas Boeder ganz spannend. Wobei er als Rechtsverteidiger nicht so gut ist wie in der Innenverteidigung.

Im Prinzip gar nichts. Aber er spielt in den letzten Monaten großartig und sollte so oft auflaufen, wie es nur geht.

Der Stellenwert ist gering. Bayern wird diese Partie mit so wenig Aufwand wie möglich gewinnen wollen und dann ist das auch schon abgehakt.

Wenn ich hier schreibe, dass Bayern das locker gewinnen wird, ist das okay. Es ist ja auch sehr wahrscheinlich und als Fan darf man diese Perspektive einnehmen. Respekt gehört aber dazu. Besonders bei den Verantwortlichen, die sich dahingehend zurückhalten werden.

Kann man schon, aber das ist für mich keine ernsthafte Option mit Zukunftspotenzial, wenn du hier auf Lewandowski und Wagner anspielst. Das nimmt den Bayern die spielerische Qualität im Zehner-Raum und man wird in einem Flanken-Chaos versinken. Eine Alternative für die letzten Minuten in anderen Spielen ist es aber sicherlich, wenn man kein spielerisches Durchkommen sieht.

Generell präferiere ich immer Martínez. Vidal war sehr lange sehr wichtig und kann uns immer noch helfen, aber ich sehe im Sommer den richtigen Zeitpunkt für einen Abschied gekommen. Gerade weil er an das Niveau von 2016 aus vielerlei Gründen nicht mehr herankommen wird. Das wäre aber ein eigenes Artikelthema.

Hummels und Boateng.

Eine gesunde Mischung wäre angemessen. Einige Ausfälle zwingen ihn ja eh zur Rotation. Ich würde gerne Coman, Kimmich, Rudy und Bernat sehen.

Sehr spannendes Thema. Eigentlich auch etwas für einen eigenen Artikel. Ich möchte dennoch antworten und etwas ausholen. Die Frage ist ja, wofür Rudy geholt wurde. Ich würde sagen, dass er Thiagos Rolle im Mittelfeld entlasten sollte. Entweder indem er ihm Minuten abnimmt oder indem er neben ihm eine zusätzliche kreative Quelle ist.

Letzteres hat er zu Beginn der Hinrunde sehr gut gemacht. Die gegnerischen Teams haben sich stets auf Thiago fokussiert und so konnte Rudy mit seinen Freiheiten glänzen. Resultat waren schöne Vertikalpässe und einige sehenswerte Seitenverlagerungen. Gegen den Ball deuteten sich schon damals kleinere Probleme an.

Als Thiago sich verletzte, kam auch bei Rudy der Bruch. Gerade gegen Hoffenheim hat man gesehen, dass es derzeit einfach ist, Rudy zuzustellen. Damit war er oft überfordert. Auch weil seine Teamkollegen ihm nicht helfen konnten. Er braucht im Idealfall einen Kreativspieler neben sich, der ihm Räume öffnet. Dann funktioniert er am besten.

Trotzdem würde ich das nicht als einzige Ausrede gelten lassen. Die Erwartungshaltung darf schon sein, dass er weniger Fehler macht, sicherer auftritt und noch dominanter in seinem Spiel wird. Dafür hat er in den nächsten Wochen noch etwas Zeit. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass er Bayern helfen kann.

Zu Kimmich: Ich glaube, dass das Zufall war. Genauso wie mit David Alaba. Tiefere Gedanken werden nicht dahinterstecken.

Zu Tolisso: Ich glaube, dass seine Leistungen stetig besser werden. Er ist kein Schlechter, nur jemand, der gemeinsam mit Vidal auf dem Platz keinen Sinn ergibt. In Kombination mit James und Martínez oder mit Thiago und Rudy wäre er sicherlich sehr gut aufgehoben. Ich sehe in ihm aber trotzdem mehr Potential, sich in Bayerns Spielstil einzubinden, als bei Arturo Vidal.

Ulreich ist ja klar. Davor sehe ich Kimmich, Boateng, Hummels und Alaba. Auch daran dürfte derzeit nicht viel zu rütteln sein. Martínez, sollte er fit sein, ist zurecht gesetzt. Nur er kann im taktisch defizitären Mittelfeld die große Problemzone vor der Abwehr verteidigen. Im Idealfall wird Thiago wieder fit, der als Bindeglied zwischen Abwehr und Sturm so sehr fehlt. Auf der zweiten Achterposition sähe ich gern James, aber ich befürchte, dass Heynckes Vidal bringen wird.

Das wäre angesichts der spielerischen Klasse von Thiago nicht fatal, aber schade. James und Thiago wäre ein traumhaftes Duo, das durch Martínez perfekt abgesichert wäre. Davor stehe ich zu der Aussage, dass Ribéry für sein dominantes Spiel zu viele Fehler macht. Deshalb sehe ich speziell in Istanbul Coman als bessere Alternative. Rechts würde ich zwischen einem eingerückten Müller, der mit James und Kimmich tolle Dreiecke bilden könnte, und Robben entscheiden. Je nach Form. Vorne ist Lewandowski gesetzt.

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Leserkommentare
  1. Kramnik

    Sehr schöne Vorschau. Das kann man ruhig häufiger machen. Vielleicht kann man sich für die Nachberichte was kreatives einfallen lassen. Sowas muss ja nicht jedes Spiel gemacht werden, ab und zu bringt dies aber eine ganz angenehme Abwechslung. Ich denke dies hilft auch neue Diskussion anzuregen. Teilweise dreht man sich doch ziemlich im Kreis (bei mir wäre das die Ribery Thematik).

  2. cj

    Passendes Format für dieses Spiel und Zustimmung bei allen Antworten. Die Hoffnung auf eine positive Überraschung in der CL würde ich auch mit den Namen Thiago, James und Coman verknüpfen.

    1. Done

      “positive Überraschung in der CL”

      Die Wettanbieter (und die machen sowas profissionell) fänden dies offenbar weniger überraschend.

      1. cj

        Der Wettanbieter fährt eine risikolose Strategie, indem er die Quote auf Basis der Wetteinsätze errechnet. Ja, aus meiner Sicht werden Bayerns Chancen in der öffentlichen Wahrnehmung etwas überschätzt und ich wäre sehr positiv überrascht, wenn sie ins Finale kämen.

  3. cj

    Wenn Kimmich wieder besser in Form kommt, würde ich sogar die Variante mit Tolisso als formal rechts aussen in Anbetracht ziehen, um Kimmich und James mehr Freiheiten zu geben. Die Zeit in der man mit Robbery die CL gewinnen konnte ist einfach abgelaufen…

  4. Done

    Zur Frage “Doppelspitze”:
    “Kann man schon, aber das ist für mich keine ernsthafte Option mit Zukunftspotenzial, wenn du hier auf Lewandowski und Wagner anspielst. Das nimmt den Bayern die spielerische Qualität im Zehner-Raum und man wird in einem Flanken-Chaos versinken. Eine Alternative für die letzten Minuten in anderen Spielen ist es aber sicherlich, wenn man kein spielerisches Durchkommen sieht.”

    Ich würde da eher an Lewa/Müller denken. Verbunden mit einem Mittelfeld aus Thiago/James/Coman/Martinez hätte man dann sicher keine spielerischen Einbußen im 10er-Raum. Wenn dann der Gegner das Zentrum erfolgreich zumacht und man da nicht weiterkommt, könnte man mit Robben/Ribery auf die Flügel fokussieren.

    1. Wobei ich Müller und Lewy nicht als Doppelspitze sehe. Müller ist mehr so hängende Spitze/Halbraumstürmer/Außenspieler/Zehner-Hybrid.

      Coman—–Lewy
      ————James—Müller
      Alaba————————Kimmich
      —————Thiago————————
      ————————Javi——————-
      IV + TW

      Um es mal ganz entfernt darzustellen. Mit Asymmetrie kann man hier viele schöne Dreiecke kreieren.

      1. Osrig

        Genau, Dreiecke!! Wenn die Jungs dann den Ball in diesen Dreiecksstrukturen den Ball schneller laufen lassen, dann wissen unsere Gegner gar nicht mehr, wohin sie eigentlich als erstes pressen sollen ^^
        So kann man diese ganzen Frühpresser- und Vorneverteidiger-Teams gepflegt auseinander spielen!

    2. Ju

      Die Sache mit der Doppelspitze ist ja, dass das letztendlich immer eine Kombination aus Zielspieler und einem weiteren Spieler ist, der je nach Spielweise irgendwas zwischen verkapptem Zehner und Bewegungsstürmer spielt. Während das mit Müller erwiesenermaßen ausgezeichnet funktioniert, kommen bei der Kombination Wagner/Lewandowski dahingehend Zweifel auf, ob Lewandowski bereit wäre, “um den Zielspieler herum” zu spielen. Zweifellos kann er das und hat es in Dortmund auch schon gespielt. Ich kann mir das im Moment aber nur bei einem Flankenfestival ab der 80. Minute vorstellen.

      Da Justin schon die für eine Doppelspitze nötige Asymmetrie anspricht: Die im Moment neben dem klassischen 4-4-2/4-2-3-1 gängigste Variante, um mit zwei Stürmern zu spielen, ist das 3-1-4-2/5-3-2, wie es mit Nagelsmann, Kovac und (manchmal) Tuchel jene Trainer präferieren, die bei uns im Gespräch sind. Vor allem Tuchels Mischsystem mit pendelnder Viererkette würde zu unserem Kader wie Arsch auf Eimer passen. Kimmich als spielmachender Flügelverteidiger. Alaba in der Aufbaudreierkette und dann aggressiv nachstoßend, Müller als Freigeist und trotzdem drei zentrale Mittelfeldspieler …. Darauf ein Halleluja.

  5. BayernExpat

    Tolle Idee, dieses Format.

  6. FR7

    Bei so einer Langeweile wie sie aktuell in der Liga vorherrscht könnte man meinen sich wenigstens auf Pokalspiele freuen zu können. Denkste. Die Bayern machen business as usual und kommen selbst mit angezogener Handbremse weiter.

    Meine fünf Thesen zum Pokalspiel gegen Paderborn:

    1. Die Paderborner erzielen kein Tor.
    2. Bayern München trifft nach einem Standard.

    3. Lewandowski trifft.
    4. Es wird mindestens ein Münchner verletzungsbedingt ausgewechselt.
    5. Coman und James spielen von Beginn an und sind beide jeweils an einem Tor beteiligt.


    Gegen Mainz trafen drei Thesen zu.

    Meine Trefferquote liegt weiter bei 58%. (Insg. 72 von 125 richtig)

    1. Eigentor

      Oha, eine für Heynckes-Verhältnisse ungewohnt humorlose Aufstellung.

    2. Eigentor

      Halbzeit. Coman überragend. Kimmichs Tor genial.

  7. Herrispezial

    Bin schon gespannt auf die Interviews nach dem Spiel. Trotz des Spielstandes sind alle immer noch bissig und mit jeder schlechten Aktion zutiefst unzufrieden. Diese Einstellung ist höchst professionell und zeigt sehr deutlich den Unterschied zwischen Heynckes und Ancelotti.

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