Vorschau: VfB Stuttgart

Das letzte Spiel vor der nächsten Länderspielpause steht an. Nach dem glanzvollen Sieg gegen den Arsenal FC kommt es zum Abschluss von sieben Spiel in 22 Tagen zum Duell mit dem VfB Stuttgart. Es ist erst das dritte Heimspiel seit Mitte Oktober.

Die Schwaben zeigten sich mit drei Siegen aus vier Pflichtspielen unlängst ergebnisverbessert. Zuletzt gewann die Mannschaft von Neu-Trainer Alexander Zorniger zu Hause gegen beide Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt, sowie im Pokal gegen Carl Zeiss Jena. In Leverkusen allerdings verlor Stuttgart trotz 2:0 bzw. 3:1 Führung am Ende noch mit 3:4.

Bisheriger Saisonverlauf

Pressing ist das System der Stunde. Wie fast alle Bundesligisten setzt auch Alexander Zorniger mit seinen Stuttgartern auf ein Pressing-System. Wobei die Variante, die gegenwärtig beim Dauerrivalen gespielt wird, höchstens noch von Bayer Leverkusen praktiziert wird. Stuttgart presst hoch und geht früh mit vielen Spielern auf den Ballführenden. Alle Mannschaftsteile sind gefordert. Die Abwehrreihe steht daher extrem aufgerückt – ähnlich wie bei Bayern München – allerdings nicht weil Stuttgart das Spiel gestaltet, sondern weil sie den Ball (wieder) erobern wollen. Als Ausgangssituation für diese Herangehensweise dient ein 4-3-3 System. Zuletzt mit Schwaab als alleinigen 6er und Gentner und Dié auf den beiden 8er-Positionen. Je nach Gestaltung spielt Zorniger dann mit einer 1-2 Staffelung in der Offensivreihe. Gegen Darmstadt z.B. mit Didavi auf der 10er-Position und den zwei echten Spitzen Werner und Harnik.

Die Idee, die Zorniger verfolgt, liest sich auf dem Reißbrett gut. Allerdings zeigten sich gerade am Beginn der Saison große Anpassungsschwierigkeiten. Schlug das Pressing fehl, ergaben sich auf der ballfernen Seite große Räume für Kontersituationen. Auch durch die hohe Staffelung der Abwehrreihe bedingt. All das mit der Folge, dass Stuttgart in den Spielen gegen Köln und Frankfurt förmlich überlaufen wurde. Das passierte nicht oft, Stuttgart hat nach Bayern, Dortmund und Wolfsburg die wenigstens Schüsse aufs Tor pro Spiel zugelassen (11.5), aber wenn der Gegner zu Möglichkeiten kam, waren es fast 100%ige Torchancen. 23 Gegentore haben die Schwaben bereits kassiert. Der höchste Wert in der Bundesliga und nach Sunderland und Bournemouth sogar der drittschlechteste Wert in den europäischen Top-5-Ligen. 66 Chancen für die gegnerischen Mannschaften ließ Stuttgart bisher zu: Jede dritte führte zu einem Gegentor. Ein für sich genommen katastrophaler Wert, der aber gut zeigt, wie sich die Spielweise von Zorniger auf die Ergebnisse der Stuttgarter auswirken.

Das Hauptproblem ist an dieser Stelle wohl, dass das System von Zorniger nicht zu 100% zum vorhanden Spielermaterial passt. Klein, Sunjic, Baumgartl und Insua sind nicht der Inbegriff von schnellen Spielern, die im Notfall große Räume alleine abdecken können. Hinzu kommen immer wieder individuelle Aussetzer. An dieser Stelle muss auch Torwart Przemyslaw Tyton genannt werden, der bereits am dritten Spieltag eine rote Karte bei einer Rettungsaktion kassierte. Auch gegen Darmstadt waren einige unsichere Aktionen zu sehen, die sich aber mit guten Rettungsaktionen in der zweiten Halbzeit abwechselten. Dennoch ist durch den Abgang von Ulreich sicherlich kein Fortschritt auf der Position zu erkennen.

Die Statistiken lassen sich auch in der Offensive an Ironie kaum mehr überbieten. Auch hier hantiert die Mannschaft von Zorniger in ganz eigenen Spähren. Stuttgart hat in den ersten acht Spielen in sieben Partien mehr Chancen herausgespielt als der Gegner – Höhepunkt war das Spiel gegen Schalke mit 19 (!) Chancen, welches mit 0:1 verloren wurde. Trotz der Überlegenheit in vielen Spielen konnte lediglich gegen Hannover gewonnen werden. In den letzten drei Partien hatten sie nicht mehr Chancen als der Gegner, aber verbuchten zwei Siege. Stuttgart spielte sich in bisher elf Partien 146 Torchancen heraus – sogar drei mehr als der Tabellenzweite Borussia Dortmund. Der VfB schießt pro Spiel nur 0,8 Mal weniger auf das Tor als der FC Bayern. Theoretisch müssten sie sich zwischen 28-34 Treffern bewegen. Die Realität zeigt 17. Die Chancenverwertung der Schwaben ist mit abenteuerlich noch wohlwollend beschrieben und mit ihr größtes Problem. Obwohl Zorniger es in den letzten Wochen geschafft hat Timo Werner besser ins Spiel zu integrieren – er traf zuletzt drei Mal – vergibt die Offensivreihe zu viele Möglichkeiten. Top-Torjäger ist Daniel Didavi mit vier Treffern. Zugleich auch mit vier Assists bester Vorbereiter bei den Stuttgartern. Bitter für die Schwaben waren zuletzt die Ausfälle in der Sturmreihe. Kostic fehlte in den letzten vier Bundesligapartien. Dieser soll am Wochenende aber wieder im Kader stehen. Neu im Lazarett ist Harnik, der sich am Wochenende gegen Darmstadt am Knie verletzt hat. Dort wartet Daniel Ginczek auf ihn, der nach seiner Bandscheiben-OP noch in der Reha ist. Durch die Ausfälle dürfte Zorniger sein Spielsystem anpassen und vielleicht auf ein 4-3-3 mit Kostic und Didavi auf den Flügelpositionen setzen. Aber auch eine leicht defensivere 4-3-2-1 Variante mit Werner als alleinige Spitze ist denkbar.

Worauf muss der FC Bayern achten?

  • Wie bereits erwähnt, sollte sich der FC Bayern vom Tabellenplatz 15 nicht blenden lassen. Stuttgart lässt wenig Chancen zu und kreiert auf eigener Seite viele Möglichkeiten. Das Pressing funktioniert oft und wird eine gewisse Umstellung auf Bayern-Seite erfordern. Schließlich haben fast alle Gegner in den letzten sechs Spielen auf eine Fünferabwehrkette gesetzt. Es wird auf Seiten der Münchner eine hohe Pressingresistenz gefodert sein. Stuttgart spielte bisher im Durchschnitt 31% der Zeit einer Partie im letzten Drittel.
  • Es wird eine Partie mit hoher Intensität werden. Die Stuttgarter zeigten von allen Teams in der Bundesliga die meisten Sprints im Schnitt: 244 pro Spiel.
  • Die agressive Spielweise der Stuttgarter drückt sich auch in den Karten aus. Bereits 33 gelbe Karten und drei Platzverweise kassierten die Stuttgarter. Der FC Bayern rangiert mit seinen 17 gelben Karten und der Ampelkarte von Jerome Boateng aus dem Spiel gegen Hoffenheim im oberen Mittelfeld der Fairplay-Tabelle.
  • Auf dem Papier deutet sich eine Torreiche Partie an. In den letzten 10 Auswärtsspielen der Stuttgarter sind pro Spiel mehr als 2,5 Tore gefallen.

Statistik zum Spiel: Bayern hat wettbewerbsübergreifend die letzten 13 Spiele gewonnen. In 12 erzielten sich mindestens zwei Tore.

Mögliche Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Benatia, Boateng, Alaba – Vidal (Kimmich), Thiago – Robben, Douglas Costa, T. Müller – Lewandowski

VfB Stuttgart: Tyton – Klein, Sunjic, Baumgartl, Insua – Serey Dié, Schwaab, Gentner – Didavi, Kostic – Ti. Werner

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