VfB Stuttgart – FC Bayern München 0:1 (0:0)

Christopher Trenner 16.12.2017

Zuletzt verloren die Münchner gegen einen Aufsteiger im Jahre 2010. Damals 0:2 beim FC Kaiserslautern.

Falls Ihr es verpasst habt

Jupp Heynckes behielt seinen Rotationsstil der vergangen Wochen bei. Im Vergleich zum Spiel gegen Köln unter der Woche änderte der Bayerntrainer auf sechs Positionen: Süle, Alaba, Rudy, Müller und Ribery bekamen eine Pause. Ebenso wie Starke, der vom wiedergenesenen Ulreich ersetzt wurde. Ebenfalls in die Startelf rückten Hummels, Kimmich, Martinez, Coman und James. Taktisch blieb es beim 4-2-3-1 der letzten Wochen.

VfB Stuttgart - FC Bayern, GrundformationenVfB Stuttgart – FC Bayern, Grundformationen

Beim VfB Stuttgart stellte Hannes Wolf nach der Niederlage gegen Hoffenheim auf zwei Positionen um: Aogo spielte statt Insua, im Sturm begann Terodde für den verletzten Donis. Von der spielerischen Anlage behielt Wolf das zuletzt sehr häufig eingesetzte 3-5-2 bei.

Die Partie begann munter. Der FC Bayern hatte bereits in der ersten Spielminute durch Lewandowski einen Abschluss, aber auch der VfB hatte durch Akolo in der Anfangsphase eine gute Chance. Terodde setzte seinen Mitspieler sehenswert per Hacke ein (4.).

Nach dem verheißungsvollen Auftakt verflachte die Partie aber relativ schnell. Den Münchnern gelang es nur selten, sich aus dem aggressiven Mittelfeldpressing der Schwaben zu befreien. Meist ergab sich eine strukturelle Überzahl für den VfB im Mittelfeld, welche die Münchner spielerisch nur selten auflösen konnten. James versuchte als Achter sehr tief zu stehen, um das Problem der Unterzahl etwas aufzulösen. Tolisso, der nominell der rechte Außenstürmer war, stand auch tiefer als sein Pendant Coman auf der Gegenseite.

Nach einem Ballverlust im Mittelfeld schaltete James sofort um und schickte Tolisso steil, der konnte das Eins-gegen-Eins-Duell mit Zieler aber nicht für sich entscheiden. Es war nach der Chance von Lewandowski am Anfang des Spiels die größte Chance für die Bayern bis dato. Da waren allerdings auch schon 36 Minuten gespielt. Es zeigt, wie gut der VfB spielte.

Wenig später hatten die Münchner durch einen Eckball eine weitere Möglichkeit, welche aber ungenutzt blieb. Somit blieb es einer relativ ereignisarmen und torlosen ersten Hälfte.

Trotz der zahlreichen spielerischen Probleme verzichtete Heynckes auf einen personellen Wechsel zur Halbzeit.

Eine taktische Änderung deutete sich bereits Ende der ersten Hälfte an, an der Heynckes auch in der zweiten Hälfte festhielt. Kimmich positionierte sich deutlich zentraler, fast als zusätzlicher Sechser. Tolisso zog sich weiter zurück. Ziel war es, das Aufbauspiel der Münchner zu verbessern.

Die erste gute Chance nach der Pause gab es nach 15 Minuten. Tolisso nutzte den Platz vor dem Strafraum und passte zu Coman links im Sechzehner. Der Franzose, bisher wenig im Spiel, zog mit rechts aus spitzem Winkel ab. Zieler hatte aber keine Probleme den Ball abzuwehren.

Wenig später reagierte Jupp Heynckes personell und brachte Müller für Tolisso. Kurz darauf kam noch Süle für Hummels, der sich während der gesamten Partie häufig streckte und dehnte.

Zwischen beiden Wechseln hatte Boateng per Fernschuss noch einen guten Abschluss. Zieler war allerdings erneut auf dem Posten.

Ab der 65 Minute hatten die Münchner sukzessive mehr Ballbesitz. Der VfB konnte das Pressing nicht mehr so konstant aufrecht erhalten. Die Folge waren längere Ballstafetten der Bayern. Rafinha konnte sich so mehr in die Offensive einschalten. In einer Szene legte er dabei ab auf Coman, der kurz auf den eingerückten Müller durchsteckte. Müller selbst zog sofort ab und verwandelte ins linke untere Eck.

In der 89. hatte Badstuber auf der Gegenseite die große Chance auf den Ausgleich. Ulreich konnte die Hände aber noch hochreißen. Auf der Gegenseite verpassen Müller und James nach Konterchancen die Entscheidung.

In der dritten Minute der Nachspielzeit haute Süle über den Ball und traf in der Schwungbewegung klar Ascacibar. Ittrich entschied sich mit Hilfe des Videobeweises für Elfmeter. Akolo trat an gegen Ulreich, konnte den Ball aber nicht im Tor unterbringen. Direkt im Anschluss erfolgte der Schlusspfiff. Somit kürte sich der ehemalige Stuttgarter Sven Ulreich spät zum Spieler des Spiels.

Mit drei 1:0-Siegen verabschiedet sich der FC Bayern aus der englischen Woche in den Weihnachtsurlaub. Bevor dieser endgültig angetreten werden kann, folgt aber noch das Pokalheimspiel gegen den Borussia Dortmund.

Drei Dinge, die auffielen

1. Strukturelle Unterzahl

Gefühlt war es ein Spiel von neun Münchnern gegen elf Stuttgarter, so sehr setzte den Münchnern das Mittelfeldpressing der Schwaben zu. Die Münchner verstanden es über einen langen Zeitraum nicht, spielerische Mittel gegen das Pressing zu entwickeln. Das Trio Martinez, Vidal und Tolisso bildete zu selten Dreiecke und verpasste zu oft die schnelle Seitenverlagerung. Die Schwaben verschoben zum Teil radikal und öffneten viel Raum auf der ballfernen Seite. Allerdings wurde dieser zu selten bespielt. Eine Passquote von nur 82% in der ersten Halbzeit sind Ausdruck dieser Probleme.

Zum Teil erinnerte der Auftritt an den FC Bayern unter Heynckes im Jahre 2012 bzw. 2013, als man sich häufig gegen hoch pressende Gegner schwer tat. Eine Ursache kann man in der Personalsituation sehen. Thiagos Fehlen ist hier an erster Stelle zu nennen, aber auch das Formtief von Rudy, der nicht an die Leistungen des Spätsommers anknüpfen kann. So ergibt sich ein Vakuum, welches Heynckes noch nicht wirklich aufzulösen vermag.

2. James ist ein Gewinn für die Mannschaft

Der Transfer von James Rodriguez wurde von vielen Beobachtern mit einer hochgezogenen Augenbraue bewertet. Mittlerweile dürfte niemand mehr zucken. James ist eine Bereicherung für den FC Bayern.

In einem zähen Spiel setzte der Kolumbianer die Akzente. Mit einer überragenden Passquote, angesichts des Pressings der Schwaben, leitete James die wenigen Möglichkeiten der Bayern ein. Dabei war es äußerst hilfreich, dass er sich sehr weit zurückzog, um das Problem der Bayern spielerisch zu lösen. Hier zeigte sich sein sehr großes Spielverständnis. Einfaches, aber kluges Verschieben öffnete viele Passrouten.

Mit einer Passquote von fast 97% zur Halbzeit und drei Keypässen führte James die Offensive der Bayern. In der zweiten Hälfte sackten seine Zahlen etwas ab. Das Hin und Her in den letzten 15 Minuten ließ eine saubere Struktur nicht mehr zu. Hätte er kurz vor dem Elfmeter das entscheidende 2:0 gemacht bzw. aufgelegt, wäre Bayern wohl sicher auf der Siegerstraße gewesen und hätte nicht mehr zittern müssen.

3. Durchwachsene Hinrunde

Mit dem Spiel gegen Stuttgart endet eine turbulente und durchwachsene Hinrunde. Drei Trainer waren zwischenzeitlich für den FC Bayern verantwortlich. Es herrschte viel Unruhe auf dem Platz, direkt neben dem Platz und auf der Tribüne. Dass die Tabellenkonstellation dennoch eine annehmbare ist, liegt mehr an der Schwäche der anderen Mannschaften bzw. der Bundesliga generell, als an der eigenen Stärke. Im Vergleich zur Vorsaison unter Ancelotti steht ein Punkte weniger in den Büchern, im Vergleich zu 2015/16 sogar fünf Punkte. Abgesehen von der numerischen Ausbeute fehlte es aber auch an den spielerischen Glanzlichtern. Wirklich überzeugende Siege gab es nur selten.

Für Jupp Heynckes wird es jetzt in der kurzen Winterpause darum gehen, dass Team variabler aufzustellen. Spielerische Defizite und fehlende Variabilität wurden von vielen Gegnern aufgezeigt.

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VfB Stuttgart – FC Bayern 0:1 (0:0)
VfB Stuttgart Zieler – Beck (81. Brekalo), Pavard, Badstuber, Baumgartl, Aogo (81. Asano) – Akolo, Ascacibar, Gentner, Özcan – Terodde (47. Kaminski)
Bank Grahl – Grgic, Sessa, Insua
FC Bayern Ulreich – Kimmich, Boateng, Hummels (69. Süle), Rafinha – James, Martinez, Vidal – Tolisso (65. Müller), Lewandowski, Coman (84. Alaba)
Bank Starke – Bernat, Rudy, Ribery
Tore 0:1 Müller (79.)
Karten Gelb: Aogo, Beck – Boateng, Rafinha
Schiedsrichter­ Patrick Ittrich (Hamburg)
Zuschauer 58.900 (ausverkauft)

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