Unsere Lieblingstrikots: Meisterfeiern im Mai

Maurice Trenner 27.12.2021

Meine Beziehung zu dem Trikot

Die Auswahl eines Lieblingstrikots aus der scheinbar unendlichen Anzahl fällt schwer. Mein erstes Trikot ist das Heimtrikot aus den späten 90er-Jahren in dem Elber & Co. in dunkelblau die Liga verzauberten. Das schönste Trikot ist für mich das Heimtrikot der Saison 2017/18, das klassisch und elegant in rot mit dünnen weißen Längsstreifen gehalten ist. Die beste Causal-Wear für außerhalb des Stadions stellt meiner Meinung nach das dunkelblaue Away-Shirt mit pinken Akzenten der Saison 2015/16 dar.

Doch wenn es um mein persönliches Lieblingstrikot geht, dann schwingt auch ein gewisser Hauch Nostalgie und Sentiment mit. Daher fällt die Wahl auf das Heimtrikot der Münchner von 2003 bis 2005. 

Mein erstes Heimspiel des FC Bayern war der 33. Spieltag der Saison 2002/03. Ein perfekter Tag an dem die Sonne für die Krönungsfeier des bereits seit einigen Wochen feststehenden deutschen Meisters über dem Olympiastadion lachte. Wie auch heute üblich spielten die Münchner im letzten Heimspiel der Saison im Trikot der neuen Saison, das mir mein Onkel als besondere Überraschung vor dem Spiel besorgt hatte. Als Flock hatte er mir die Nummer 13 von Michael Ballack ausgesucht, der in seiner ersten Saison in München erheblichen Anteil an der souveränen Meisterschaft hatte und den ich als tragischer WM-Held 2002 ins Herz geschlossen hatte.

Das Trikot

Ein Bayern-Trikot ist immer noch am schönsten in Rot und Weiß, so auch das Heimtrikot der Jahre 2003 bis 2005. Der Hauptteil des Trikots ist in einem deutlich aufgehellten Rot gehalten, wobei die Ärmel weiß mit roten Adidas-Streifen sind. Es ist keine besondere Schönheit, aber ein sehr solides Trikot mit dem der Designer zwar sicher keinen Award gewann, jedoch auch kein sonderliches Wagnis einging. Fünfzehn Jahre später wirken vor allem der weite Schnitt, das grob aufgestickte Logo und die Mesh-Optik des Flocks aus der Zeit gefallen.

Michael Ballack bleibt in den Erinnerungen des Autos für immer mit diesem Trikot verbunden.
(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)

Eine weitere Besonderheit: Erst im Sommer 2002 hatten die Münchner ihren Hauptsponsor von einem deutschen Automobilkonzern zum Marktführer in Sachen Telekommunikation gewechselt und das Trikot ist das erste Heimtrikot, das nur diesen Sponsor trug.

Die Bilanz des Trikots

Nach dem ersten Spiel, das direkt im ersten Titel endete, erlebte das Trikot ein turbulentes Dasein. In der ersten richtigen Saison 2003/04 kamen die Münchner nicht wirklich in Schwung und wurden in der Abschlusstabelle nur Zweiter hinter Werder Bremen. Die Hanseaten dominierten die Liga mit ihrem torgefährlichen Angriff Ailton, Klasnic und Micoud. Da halfen auch die 20 Scorerpunkte von meinem Flock-Star Ballack nicht. 

Dabei fühlten sich die Münchner im Heimtrikot sogar sehr wohl und führten die Heimtabelle der Saison mit drei Punkten Vorsprung an. Die einzige Niederlage im Olympiastadion war allerdings eine ganz bittere Stunde als der Rekordmeister 1:3 gegen den direkten Konkurrenten verlor, der damit die Meisterschaft auch rechnerisch sicher hatte.

Zur neuen Saison änderte sich vieles an der Säbener Straße. Mit Felix Magath stand ein neuer Übungsleiter an der Seitenlinie und das Starensemble rund um die Neuverpflichtungen Lucio und Frings mussten Medizinbälle schleppen. Nur das Heimtrikot blieb das gleiche. 

In der ersten Saison unter dem Schleifer Magath zogen alle an einem Strang und die Münchner feierten das Double. Mit der Saison endete nicht nur die Dienstzeit des Trikots sondern auch die des Olympiastadions. Mit einem fulminanten 6:3-Erfolg besiegte man den fränkischen Erzrivalen Nürnberg und bekam die Meisterschale überreicht. So schloss sich der Kreis mit einem freudetrunkenen Samstag im Mai.

Im nächsten Artikel unserer Serie geht es um Traumata, klassisches Design und den spöttischen Kommentar eines Kollegen in Indonesien.

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