Tooouni Crows oder WE LOVE LONDON – der FC Bayern zu Gast im Emirates Stadium

Felix Trenner 20.02.2014

FC Bayern bei Arsenal in London

In puncto Aufstellung schien Guardiola eben genau auf Arsenals Stärken zu reagieren. Lahm wurde auf seine „alte“ Stammposition in der rechten Verteidigung zurückgezogen, um den zuletzt bärenstarken Cazorla einzubremsen. Dafür rückte Martínez auf die Sechser-Position. Robben ersetzte links außen den verletzten Franck Ribery. Auf Londoner Seite hatte Podolski das Nachsehen gegenüber Oxlade-Chamberlain, zudem spielte der bullige und kopfballstarke Sanogo für Olivier Giroud im Sturmzentrum.

Die Mannschaften kannten sich ja aus dem letzten Jahr, insofern begann das Spiel komplett ohne Abtasten, sondern mit einem beachtlichen Fernschuss von Toni Kroos, den Szczęsny gerade noch entschärfen konnte. Wirklich beeindruckend war dann allerdings, wie sehr sich die Bayern in der Anfangsphase, man muss es sagen, an die Wand spielen ließen. Nur 38 Prozent Ballbesitz in den ersten 10 Minuten, keine seriös ausgespielte Aktion nach Vorne und eine Vielzahl kleinerer und größerer Abwehrfehler waren das Resultat des konsequenten Arsenal-Pressings, welches sehr nah am Strafraum der Bayern begann. In der 8. Minute führte ein Stellungsfehler von Lahm und Boateng und das anschließende, zu harte Einsteigen des Innenverteidigers gegen Özil zum berechtigten Elfmeter und der großen Chance für die Londoner, ihre beeindruckende Leistung der ersten Viertelstunde zu krönen. Und hier bewahrheitete sich wieder einmal die alte Regel vom Gefoulten, der nicht selber schießen sollte. Den unplatzierten Elfmeter des Nationalspielers parierte Manuel Neuer mit einem starken Reflex. Diese große vergebene Chance auf die Führung sorgte für einen Wandel im Spiel. Zunehmend wurden die Bayern sicherer im Mittelfeld, wenn auch ein Rückpassfehler von Alaba in der 23. Minute fast zum 1:0 für den Gastgeber führte. Der unheimlich starke Neuer konnte auch hier die Oberhand gegen Oxlade-Chamberlain behalten. Der entscheidende Knackpunkt dann in der 37. Minute: Nach einer spektakulären Ballannahme (nach Standardlupfer von Kroos über die Abwehr) wird Robben im Strafraum von Szczęsny gefällt – Rot für den Torhüter und berechtigter Elfmeter für den FC Bayern. Und auch hier eine fragwürdige Schützenentscheidung: der in der Defensive unsicher wirkende Alaba tritt an und trifft nur den Außenpfosten. Wer schießt jetzt in Zukunft für die Roten vom Punkt?

In der zweiten Halbzeit stellt Guardiola um: Für den stark Platzverweis-Gefährdeten Boateng kommt Rafinha, Lahm rückt wieder ins Mittelfeld. Sicherlich auch eine Reaktion auf die Auswechslung von Cazorla nach dem Platzverweis von Szczęsny. Und gegen 10 Londoner starten die Bayern in gewohnter Manier ihr Kombinations- und Passspiel im Mittelfeld – was dazu führte, dass Arsenal kaum noch aus der eigenen Hälfte kam und in der 54. Minute den Sieg einleitete. Über ihn selbst und Lahm kommt der Ball zu „Tooouni Crows“ (Zitat BBC), der den Ball aus 20 Metern direkt nimmt und ihn wunderbar ins kurze Kreuzeck hämmert. Was in der Folge passiert, ist, dass die gewohnt unheimliche Dominanz im Mittelfeld noch unheimlicher wird. Die zehn Londoner können einem beinahe leidtun, so wie sie vor allem die rechte Seite über Rafinha und Robben schwindlig spielt. Toni Kroos, über den vor allem in der zweiten Halbzeit jede Offensivaktion lief, hatte in 45 Minuten mehr Ballkontakte als die gesamte Mannschaft des FC Arsenal – eine Statistik, die alles über das Spiel sagt. In der 64. Minute kommt Thomas Müller für den von den Möbelpackern in der Londoner Innenverteidigung harsch behandelten Mandzukic. Und gerade als man in der Schlussphase den Eindruck gewinnt (womöglich auch auf Londoner Seite), dass die Bayern auch mit einem 1:0 zufrieden wären, spielt Lahm zwei Minuten vor dem Ende einen wunderbaren Chip auf den komplett freistehenden Müller, der in Goalgetter-Manier verwandelt. Für die Aktion entscheidend, wenn auch nur auf den zweiten Blick zu sehen: Der kreuzende Pizarro (für Thiago gekommen) nimmt Koscielny mit, wodurch Müller komplett freigespielt wird. Eine Aktion, die fast an einen Spielzug aus dem American Football erinnert. In der Nachspielzeit verpasst Toni Kroos, der Mann des Spiels, mit einem Flachschuss die Entscheidung über den Viertelfinaleinzug und trifft nur den Außenpfosten.

Insgesamt war es wieder einmal ein herausragendes Fußballspiel zweier Mannschaften, die sich auf ähnlichem Niveau begegneten – und von denen eine durch eine (korrekte!) Schiedsrichterentscheidung geschwächt wurde. „Der Platzverweis hat natürlich unseren gesamten Matchplan umgeworfen, wir waren bis dahin etwas besser als der FC Bayern“, meinte auch Arsene Wenger nach dem Spiel. So gehörte den Münchenern die zweite Halbzeit, in der man möglicherweise noch ein Tor mehr hätte erzielen können – genügend Chancen waren da. Allerdings kann man nach diesem Hinspiel-Ergebnis beruhigt nach Hause fliegen – und in drei Wochen die Chefwarner Sammer und Guardiola wieder ihre Arbeit verrichten lassen.

FC Arsenal – FC Bayern 0:2 (0:0)
Arsenal Szczesny – Sagna, Mertesacker, Koscielny, Gibbs (31. Monreal) – Flamini – Oxlade-Chamberlain (74. Rosicky), Özil, Wilshere, Cazorla (39. Fabianski) – Sanogo
Bank Podolski, Giroud, Jenkinson, Gnabry
FC Bayern Neuer – Lahm, Boateng (46. Rafinha), Dante, Alaba – Martínez – Robben, Thiago (79. Pizarro), Kroos, Götze – Mandzukic (65. Müller)
Bank Starke, Van Buyten, Contento, Schweinsteiger
Tore 0:1 Kroos (54.), 0:2 Müller (88.)
Karten Gelb: Sanogo, Rosicky / Boateng, Mandzukic; Rot: Szczesny (37./Notbremse)

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