SG Dynamo Dresden – FC Bayern München 1:3 (0:1)

Jan Trenner 17.08.2015

Doch vor unserer Testspiel-Analyse einige Worte zur Situation bei Dynamo Dresden, die dieses Benefizspiel überhaupt nötig machte. Die SGD kämpft mit den Lasten eines Darlehens des Unternehmers Michael Kölmel. Etwa sieben Millionen Euro retteten die Dresdner zur Jahrtausendwende – bis 2016 muss nun die Rückzahlung erfolgen, was unter den sportlichen Gesichtspunkten (sowie Ausschluss aus dem DFB-Pokal 2013/2014) einer Mammutaufgabe gleicht. Während der FC Bayern auf seine Antrittsgage verzichtete und Dynamo Stadioneinnahmen verbuchen konnte, sammelten die Fans fast 130.000€ über die Aktion »Ein Herz für Dynamo«. Heute Abend kamen etwa 2 Millionen Euro hinzu. Für die Vereine kam ein Testkick zwischen erstem und zweiten Spieltag der gerade erst gestarteten Bundesliga-Saison heraus.

Falls Ihr es verpasst habt:

Pep Guardiola nutzte die Chance und brachte neben Perspektivspielern auch diejenigen auf den Rasen, die derzeit einen Schritt von der Mannschaft entfernt sind und am Wochenende nicht spielten. So hütete Sven Ulreich das Tor, Dante besetzte eine Position in der Defensive. Auch Sebastian Rode stand in der Startformation, wie Kimmich, Højbjerg und der 17-jährige Fabian Benko. Er schaffte zur laufenden Spielzeit den direkten Sprung von Bayerns U17 zu den Bayern Amateuren. Auf der Bank saßen Lucas Scholl, Patrick Weihrauch, Julian Green, Philipp Steinhart und Felix Pohl. Lewandowski, Neuer und Boateng blieben in München. Gerade für Dante und Rode war es eine Standortbestimmung, da sie es am Wochenende nicht in den Kader für das Spiel gegen den Hamburger SV geschafft haben.

Der FC Bayern agierte sehr hoch und nur mit Dante und Rafinha als Absicherung während Kimmich mit Lahm den Spielaufbau bestimmte. Gegen das 4-3-3 der Gastgeber versuchten Robben, Götze und Højbjerg aus ihrer zentralen Position mit etwas Tiefe nach vorn zu stoßen. Auch Benko, dem besonders zu Beginn anzumerken war, dass er sich erst ins Spiel hereinfinden muss, verhielt sich zurückgezogener. Die Marschroute war somit klar: Mit Kombinationen vor die Viererkette der Dresdener gelangen und mit Tempo zwischen die Verteidiger stoßen oder über Diagonalbälle entstehende Räume auf den Außenbahnen nutzen. Dies funktionierte gut und Arjen Robben hatte bereits zu Beginn zwei Großchancen (9. und 14.), bevor er in der 17. Minute zum 1:0 traf. Pierre-Emile Højbjerg steckte den Ball auf den Holländer durch, der nach Sprint am Dresdner Keeper Wiegers ins rechte untere Eck einschob. Zuvor geriet die mutige Defensivausrichtung der Bayern ins Wanken, als Dresden zwischen dem linken Verteidigerpärchen auf die Außenbahn spielte und einen großen Raum entblößte. Ulreich verhinderte das Tor (14.). Im Anschluss verflachte die Partie nicht so, wie man es von einem Test- bzw. Benefizspiel erwarten könnte, obwohl die letzten 25 Minuten der ersten Hälfte den ersten 20 Minuten hinterher hinkten. Auch die Spieler der SGD agierten mutig, was ihnen die ein oder andere gefährliche Offensivaktion ermöglichte (22., 23.). Gleichzeitig fanden sie in ihre Kombinationen oder unterbanden Pässe im Münchner Mittelfeld. Mit einer knappen Halbzeitführung nach attraktivem Beginn ging es in die Pause.

Zur zweiten Spielhälfte betraten Starke, Vidal, Müller und Weihrauch für Ulreich, Robben, Lahm und Benko den Platz. Nach schnellem Umschalten legte Højbjerg auf links zu Arturo Vidal, dessen Schuss für den Dresdner Torhüter leicht aber unhaltbar abgefälscht wurde und in der 48. Minute zum 2:0 für die Bayern führte. In der 61. Minute wehrte Tom Starke mit dem Fuß das mögliche 2:1 der Dresdner ab. Wieder war es ein weiter Ball auf die freie Außenbahn inklusive Hereingabe. Guardiola rotierte weiter und brachte in der 63. Minute Alonso, Benatia und Alaba für Højbjerg, Kimmich und Rafinha. Dennoch konnte der FC Bayern wieder Fahrt aufnehmen, an den Spielbeginn anknüpfen und sich Chancen erarbeiten. Das Kombinationsspiel wurde flüssiger und auch aus einer solchen langen Kombination konnte Bernat in der 74. Minute auf Vorlage von Müller auf 3:0 erhöhen. Für die letzten zehn Minuten durften Green, Scholl, Steinhart und Pohl auf den Rasen. In der 86. Minute feierte Dynamo Dresden den Treffer zum 1:3 durch Testroet. Der Abschlag vom SGD-Keeper Wiegers überspielt Benatia, der junge Pohl kann den folgenden Zweikampf nicht gewinnen und Testroet läuft alleine auf das Tor zu. Tom Starke war in dieser Szene chancenlos.

Der FC Bayern verabschiedete sich mit einem 3:1 aus Dresden und wird sich nun auf das Auswärtsspiel gegen Hoffenheim am Samstag vorbereiten.

Testspielnotizen

  • Matthias Sammer machte es im Halbzeit-Interview deutlich: Besonders zum Saisonbeginn und für diejenigen, die derzeit einen Schritt von der ersten Elf entfernt stehen, seien Rhythmus und Spielpraxis entscheidende Faktoren. Auch deswegen hat Pep Guardiola die Partie sehr seriös vorbereitet. Das Spiel in Dresden war nun auch für diejenigen die Chance sich zu zeigen, die es nicht in die Startformation geschafft hatten.
  • Aus ebenjenem Grund trugen die FCB-Spieler während der Partie Brustgurte mit Positionstrackern. Die Auswertung dieser Daten erlaubt dem Trainerteam eine Leistungsmessung im Spielbetrieb. In offiziellen Begegnungen der UEFA und DFL ist ein Live-Tracking nicht erlaubt.
  • Abgesehen vom jungen Fabian Benko, der vor der Dresdner Kulisse sehr nervös agierte, wollten sich Højbjerg, Kimmich, Rode, Dante und Rafinha präsentieren. Mit hoher Zweikampfintensität und forderndem Spiel gelang ihnen das zumeist. Während Højbjerg zweit Tore für Robben sowie Vidal auflegte und sich aus der Distanz probierte, fiel Kimmich durch einige harte Foulspiele in der Zentrale auf. Ansonsten ließ er die gewohnte Übersicht walten.
  • Der FC Bayern begann das Spiel maximal offensiv und ließ nur Dante und Rafinha als absichernde Spieler zurück. Die Außenverteidiger-Positionen agierten auffallend sehr hoch, was zu einer Vielzahl an Anspielstationen im Mittelfeld beitrug, aber die Absicherung bei Ballverlusten gefährlich machte. Bereits in der Anfangsviertelstunde versuchten die Gastgeber aus Dresden mit einem Pass in die Schnittstelle zwischen Dante und Højbjerg über links in diesen Raum zu stoßen und hatten damit Erfolg. Ulreich machte sich groß und verhinderte ein Gegentor. Zu Beginn der zweiten Hälfte musste Starke rettend eingreifend.
  • In der zweiten Hälfte durfte sich Patrick Weihrauch zeigen. Er ist inzwischen 21 Jahre alt und scheint nach einem geplatzten Transfer zum SV Sandhausen im Sommer karrieretechnisch festzuhängen. In den letzten zwei Spielen der Bayern Amateure erzielte er fünf Treffer und auch gegen Dresden zeigte er einige gelungene, schnelle Kombinationen mit Vidal.
DYNAMO DRESDEN – FC BAYERN 1:3 (0:1)
Dynamo Dresden Wiegers – Teixeira (46. Modica), Hefele (46. Aosman), J. P. Müller (87. Hagemann), Kreuzer – Andrich, Moll – Landgraf, Dürholtz (71. Fetsch), J. Müller – Väyrynen (71. Testroet)
Bank Blaswich, Lambertz, Hartmann
FC Bayern München Ulreich (46. Starke) – Lahm (46. Vidal), Rafinha (63. Benatia), Dante (81. Steinhart), Bernat (81. Scholl) – Kimmich (63. Alonso), Hojbjerg (63. Alaba) – Benko (46. Weihrauch), Rode (81. Pohl), Götze (81. Green) – Robben (46. Müller)
Bank Costa
Tore 0:1 Robben (17.), 0:2 Vidal (48.), 0:3 Bernat (74.), 1:3 Testroet (86.)
Karten
Zuschauer 30.730

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