Testspiel: FC Bayern München 0:1 Real Madrid (0:0)

Justin Trenner 04.08.2016

Am 5. August nehmen auch die letzten Urlauber des FC Bayern wieder ihre Arbeit an der Säbener Straße auf. Deshalb musste der Trainer der Münchner auch im letzten Spiel der USA-Reise auf einige Akteure verzichten. Franck Ribéry stand zudem ebenfalls nicht im Kader. Der Franzose fehlte mit Adduktorenbeschwerden, soll nach Angaben des Vereins aber bald wieder trainieren können.

Falls Ihr es verpasst habt:

Ancelotti setzte vor Ulreich auf eine Viererkette bestehend aus Rafinha, Feldhahn, Martínez und Alaba. Davor wurde es schon interessanter. Alonso bekleidete die Sechser-Position hinter Thiago und Vidal. Lahm sowie Bernat besetzten zunächst die Flügel und Green agierte als einzige Spitze. Der Ausfall von Ribéry führte also dazu, dass Ancelotti auf ein 4-1-4-1 beziehungsweise 4-3-3 änderte. Es war zudem die erste Partie, in der dem Italiener kein einziger Flügelspieler zur Verfügung stand. Der Lösungsansatz des Trainers war, dass die Außenverteidiger noch höher standen als in den vergangenen Partien und Lahm sowie Bernat eher einrückend agierten.

Auch Real Madrid spielte in einer relativ unspektakulären Formation. Vor Torwart Casilla spielten Marcelo, Varane, Ramos und Carvajal. Das Mittelfeld war mit Casemiro, Lucas Vázquez, Modric, Isco und James ebenso namhaft besetzt. Im Angriff setzte Zidane auf Morata. Die Spanier versuchten in ihrem 4-3-3 konsequent die Flügel zu überladen und so der noch nicht optimal besetzten Viererkette der Münchner zu schaden.

Beide Mannschaften verteidigten in der Anfangsphase hoch und so gab es auch den ersten großen Test für die Aufbaustruktur des deutschen Rekordmeisters. Sowohl Real als auch die Bayern versuchten sehr vertikal zu spielen und schnell für die Führung zu sorgen. Nachdem die Elf von Ancelotti dann jedoch etwas Kontrolle über die Partie bekam, ließ sich Zidanes Mannschaft in ein tieferes Mittelfeldpressing fallen. Eine Halbchance von Green (8.) sowie ein gefährlicher Freistoß von Alaba (10.) waren die ersten Höhepunkte der Begegnung.

Bayern dominierte in der Folge die Partie und kam speziell über schnelle Seitenverlagerungen sowie guten Kombinationen übers Zentrum ins letzte Drittel. Nach einem starken langen Ball von Alonso hatte Vidal die nächste gute Gelegenheit (12.). Die erste kleine Chance für Real gab es in der 15. Minute als Isco sich über die rechte Bayern-Seite durchsetzte, aber anschließend keinen Mitspieler im Zentrum fand. Interessant zu beobachten war, dass Ancelotti gegen den Ball diesmal auf ein 4-1-4-1 setzte statt auf das bisher übliche 4-4-2.

Immer wieder schafften es die Bayern sich gut nach vorne zu kombinieren, aber gefährliche Situationen resultierten daraus zu selten. Es war wieder ein Freistoß von Alaba, der zu einem gefährlichen Torabschluss führte. Der Ball ging aus ungefähr 25 Metern aber nur an den Pfosten (26.). Das erste Mal aus dem Spiel heraus gefährlich wurde es, als Green nach gutem Zuspiel von Alaba frei vor dem Tor des Gegners auftauchte. Der Abschluss blieb aber harmlos (29.).

Es war trotz der wenigen Strafraumdurchbrüche ein sehr guter Auftritt der Bayern. Speziell Thiago hatte richtig Spaß am Spiel. Der Spanier hatte nach sehenswerter Einzelleistung per Fernschuss sogar die Gelegenheit seinen Auftritt zu krönen, doch Casilla parierte stark (34.). Bis zur Halbzeit passierte dann nicht mehr viel und so ging es mit dem für Real Madrid glücklichen 0:0 in die Pause.

Zidane brachte für den zweiten Durchgang Kovacic, Asensio und Nacho für Modric, James und Varane. Die Bayern verzichteten zunächst auf einen Wechsel. Die erste Halbchance nach dem Seitenwechsel hatte Real durch einen ungefährlichen Volley von Morata (52.). Am generellen Spielverlauf änderte das jedoch nichts. Carlo Ancelottis Mannschaft war weiterhin dominant, während die Königlichen auf ihre Umschaltmomente warteten. In der 56. Minute wechselte der deutsche Meister das erste Mal. Für den überzeugenden Alonso kam Benko.

Der machte wiederum den ersten größeren Fehler und schenkte Marcelo unnötiger Weise den Ball. Mit einem Lupfer spielte der Morata frei. Der Spanier vergab jedoch die größte Chance seines Teams und so blieb die Partie weiter torlos (60.). Real wurde nun gefährlicher. Mit einem Fernschuss gelang Isco nur zwei Minuten später fast der Führungstreffer, doch der Pfosten verschonte die Bayern. Zidane wechselte weiter und brachte Danilo, Ødegaard und Lienhart für Carvajal, Isco und Ramos (63.).

Die erste gute Chance für die Münchner hatte David Alaba in der zweiten Halbzeit. Der Österreicher setzte einen Schuss aus spitzem Winkel am Tor vorbei (68.). Das Spiel wurde nun zerfahrener. Es war den Münchnern anzumerken, dass die Kraft noch nicht für die volle Distanz reicht und so kam Real zu immer mehr Ballbesitzphasen. Auch die vielen frischen Kräfte auf Seiten der Spanier machten sich bemerkbar. Große Chancen waren allerdings auf beiden Seiten Mangelware. Während Zidane Llorente, Tejero und Mariano brachte, wechselte Ancelotti Pantovic für Martínez ein (78.).

Aus dem Nichts ging dann Real Madrid in Führung. Thiago kam zu spät und zog schlussendlich nicht das Foul gegen Danilo. Der Brasilianer erzielte aus ca. 18 Metern Entfernung das Führungstor (79.). In der 81. Minute wäre anschließend fast der Ausgleich gefallen, doch Thiagos Freistoß ging knapp am Tor von Casilla vorbei. Der Spielstand entsprach zwar nicht dem Spielverlauf, doch Real wurde in der zweiten Halbzeit etwas besser. Insgesamt waren die Bayern dennoch das bestimmende Team, aber sie schafften es nicht sich dafür zu belohnen.

Ein Fernschuss von Benko (84.) eröffnete die Schlussoffensive der Münchner. Vidal (86.) schaffte es aus guter Position ebenfalls nicht das Tor zu erzielen. Ancelotti wechselte unterdessen erneut aus. Der engagierte Thiago verließ den Platz und dafür durfte Öztürk noch ein paar Minuten bei den Profis sammeln. Da Mariano die letzten beiden Chancen des Spiels vergab (91. und 92.), blieb es beim 0:1 für Real Madrid. Letztendlich war es dennoch ein sehr guter Auftritt der Bayern. Speziell wenn man bedenkt, wie viele potentielle Stammspieler dem Rekordmeister noch fehlen.

3 Dinge, die auffielen:

1. Kontrollierter Auftritt

Der Auftritt des FC Bayern erinnerte an eine leicht abgewandelte Version von Guardiolas Positionsspiel. Der Katalane ließ den Gegner gnadenlos mit Ballbesitz kontrollieren und so war es auch im Spiel gegen Real Madrid. Allerdings gab es auch wieder die von uns zuletzt häufiger angesprochenen Ruhephasen. Die Münchner fielen wieder das ein oder andere Mal in ein tieferes Mittelfeldpressing zurück und versuchten dann über Ballgewinne zu kontern. Letzteres funktionierte noch nicht allzu gut, aber es war spannend zu beobachten, wie der FC Bayern die Madrilenen auch ohne Ball über weite Strecken kontrollierte.

Zidanes Elf hatte fast keine Chance im ersten Durchgang und konnte mit den wenigen Ballbesitzphasen nur wenig anfangen. Obwohl der amtierende deutsche Meister mit einer Viererkette antrat, die so in einem Pflichtspiel wohl nicht mehr zusammen auflaufen wird, schaffte es Real nicht zu klaren Gelegenheiten zu kommen. Ein wichtiger Faktor war hier Feldhahn. Der 29-Jährige überzeugte nicht zum ersten Mal mit einer engagierten und soliden Leistung. Auch Alonso war extrem wichtig gegen den Ball. Er war der Fixpunkt in der Zentrale. An ihm orientierten sich seine Mitspieler.

Auch mit Ball wirkt das Auftreten der Bayern immer strukturierter. Vidal sowie Thiago besetzten die Halbräume. Sie kippten auch mal diagonal nach hinten ab, während Alonso die richtige Balance zwischen tieferer und höherer Positionierung fand. Die Außenverteidiger schoben diesmal sehr hoch und agierten in Ballbesitz eher als Flügelstürmer. Das wird auch der Grund dafür gewesen sein, dass Alaba als Linksverteidiger begann. Bernat und Lahm rückten als nominelle Außenspieler immer wieder ein und waren so häufig im Halbraum positioniert. Mit Vidal und Thiago als Bindeglied waren alle wichtigen Räume auf dem Spielfeld immer gut besetzt. Das Positionsspiel von Pep Guardiola scheint also noch nicht vergessen zu sein, wenngleich die Mannschaft dem Gegner deutlich mehr Ballbesitz überlässt. Am Ende waren es nur 53,7% für den FC Bayern.

2. Starkes Zentrum

Es war beeindruckend wie diese Bayern-Mannschaft in der ersten Halbzeit einen Gegner dominiert hat, der mit einer Elf antrat, die vermutlich in jeder Liga um den Titel spielen würde. Großen Anteil daran hatte das bereits erwähnte Zentrum der Münchner. Xabi Alonso als Taktgeber vorne weg. Der 34-Jährige deutet zurzeit an, dass auf ihn noch Verlass ist. Auch unter Druck traf er kluge Entscheidungen. In den richtigen Augenblicken wählte der Ex-Spieler von Real Madrid die vertikalen Pässe, beruhigte aber auch immer wieder hektische Phasen. Sein Abkippen zwischen die Innenverteidiger dosierte er genau richtig. Verteidigte der Gegner höher, bildete Alonso mit Feldhahn und Martínez eine Dreierkette. Ließ Real sich in ein tieferes Pressing fallen, positionierte der Spanier sich deutlich offensiver.

Thiago steht vor einer wichtigen Saison. Seine bisherigen Leistungen lassen hoffen. (Foto: Alexandra Beier / Bongarts / Getty Images)
Thiago steht vor einer wichtigen Saison. Seine bisherigen Leistungen lassen hoffen.
(Foto: Alexandra Beier / Bongarts / Getty Images)

Auch Vidal und Thiago zeigten eine ansprechende Leistung. Während der Chilene auf bekannte Art und Weise überall auf dem Feld zu finden war, überzeugte der Spanier wie zu seiner Anfangszeit bei den Bayern. Der 25-Jährige scheint seine Situation verstanden zu haben. Er wirkte spielfreudig, traute sich wieder mehr zu und ging auch wichtige Wege nach hinten. Besonders wichtig waren aber die vielen engen Spielsituationen die er auflösen konnte. Zwar muss man abwarten wie er sich in den Pflichtspielen präsentiert, aber seine bisherigen Leistungen lassen hoffen, dass Thiago begriffen hat wie wichtig diese Saison für ihn ist. Er kommt nun in das perfekte Alter für einen Fußball-Profi und muss beweisen, dass er diese Leistungen auch konstant abrufen kann. Bleibt er von Verletzungen verschont, hat er gute Chancen einer der wichtigsten Spieler des Rekordmeisters zu werden.

3. Ohne echte Flügelspieler bleibt es zäh

Wenn man etwas an der Leistung der Bayern kritisieren möchte, dann die fehlenden Strafraumdurchbrüche. Das Fehlen der vier Flügeldribbler war trotz des meist dominanten Auftritts zu spüren. Ohne diese Spielertypen wird die Zentrale noch wichtiger. Immer wieder haben die Münchner versucht Alaba sowie Rafinha zu isolieren. Anschließend boten sich Bernat auf der einen und Lahm auf der anderen Seite in den Halbräumen an, um über schnelle Kombinationen zu Chancen zu kommen. Das funktionierte das ein oder andere Mal ganz gut, doch es fehlte an der letzten Genauigkeit. Außerdem waren Eins-Gegen-Eins-Situationen fast nicht existent. Die wenigen daraus resultierenden Chancen wurden zudem nicht genutzt.

Natürlich spielt hier auch das Fehlen von Müller und Lewandowski eine Rolle, aber es ist trotzdem notwendig sich für gute Leistungen zu belohnen. Gerade Mannschaften wie Real Madrid bestrafen diese ausgelassenen Chancen sofort. Mit zwei Außenverteidigern und Julian Green in der vordersten Linie war das diesmal schwierig. Die Bayern haben es dennoch zu einigen guten Situationen gebracht, wenngleich sie meist nicht gut ausgespielt wurden. Es wird vermutlich auch in Zukunft zäh bleiben, wenn Ancelotti auf seine vier Eins-gegen-Eins-Spieler verzichten muss. Sein Lösungsansatz mit offensiven Außenverteidigern und einrückenden Flügelspielern scheint aber einer mit Zukunftspotential zu sein.

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