Supercup: FC Bayern – Borussia Dortmund 2:1 (2:0)

Steffen Trenner 12.08.2012

Die Generalprobe ist geglückt für den FC Bayern München. Mit einem verdienten 2:1 (2:0) im Supercup gegen den Erzrivalen aus Dortmund beweist die Elf von Jupp Heynckes eine gute Frühform. In den ersten 30 bis 45 Minuten ließ Dortmund den FC Bayern spielen und der nutzte diese Freiheiten, um mit seiner gewohnten Spielweise, einem Mix aus Ballbesitz-Fußball und Individualaktionen im letzten Spielfelddrittel, das Spiel zu dominieren. Nach em Wechsel zeigte jedoch auch Dortmund was sie in den vergangenen zwei Jahren so stark gemacht hat. Der hohe Druck auf das Aufbauspiel der Bayern zeigte Wirkung und sorgte für zu viele lange, planlose Bälle beim FCB. Mit einem Glück brachten die Gastgeber das Spiel dennoch über die Zeit und freuen sich deshalb über den wohl unwichtigsten, aber in dieser Konstellation doch prestigeträchtigen Titel.

Nicht abschließend geklärt sind zwei Wochen vor dem Saisonstart drei Dinge. Rückt Bastian Schweinsteiger zurück in die Startelf und welche Auswirkungen hat das auf Kroos und Müller? Traut Heynckes Can auch zum Saisonstart die komplexe Position des linken Verteidigers zu? Und wer bildet daneben das Innenverteidiger-Duo? Dante scheint auf Grund der gezeigten Leistungen in der Vorbereitung und auch gegen Dortmund einen Vorsprung zu haben. Badstuber könnte auch eine Alternative auf Links sein. Heynckes wird die kommenden Tage nutzen um weiter zu testen. 

Eine umfangreiche Spiel-Analyse gibt es bei den Kollegen von spielverlagerung.de.

Einzelkritik 

Manuel Neuer: Strahlte schon wieder eine enorme Sicherheit aus. Machtlos beim Gegentreffer. Stark beim Kopfball von Lewandowski in der 48. Minute. Beruhigend auch seine Präsenz bei Flanken. Note: 2,5

Phillip Lahm: Souverän wie meist. Kaum Fehlpässe, aber auch wenig Risiko im Spiel nach vorne. Note: 3 

Dante: Drängt mit Macht in die Startelf zum Saisonstart. Kompromisslos im Eins gegen Eins und mit vielen gewonnen Kopfballduellen. Note: 2 

Jerome Boateng: Boateng hatte vor allem dann Probleme wenn Lewandowski die Chance den Ball mit dem Rücken zum Tor anzunehmen. Zudem mit einigen Fouls in Strafraumnähe. Insgesamt schwächer als sein Abwehr-Partner Dante. Note: 3,5 

Emre Can: Positiv waren einige Ballgewinne im Eins gegen Eins-Duell mit Kuba. Dennoch wurde es wenn, dann über seine Seite gefährlich. Bei der gelben Karte übermotiviert und zudem ohne Akzente in der Offensive. Note: 4 

Holger Badstuber (ab 69. Minute): Muss plötzlich um seinen Platz in der Innenverteidigung kämpfen und könnte sich zum Saisonstart durchaus wie gegen Dortmund auf der linken Außenverteidigerposition wieder finden. Note: 3 

Luiz Gustavo: 60 Minuten überragend. Luiz Gustavo war der Ausgangspunkt für starke erste Hälfte der Bayern, weil er viele Bälle eroberte und viele Pässe auf Reus und Lewandowski durch geschicktes Stellungsspiel verhinderte. Ließ sich offensichtlich von einigen Fehlpässen und falschen Entscheidungen mit dem Ball am Fuß verunsichern und baute deutlich ab. Dennoch: Note 2,5 

Toni Kroos: Wie meist spielte Kroos gut so lange auch die gesamte Mannschaft gut spielt. In der zweiten Hälfte unsichtbar und ohne Akzente. Note: 3,5 

Franck Ribery: Wirkt bereits gut in Form und beeindruckte vor allem mit seinem Eifer in der Defensive. Zahlreiche gelungene Aktionen und eine schöne Vorarbeit zum 1:0. Note: 2

Anatolij Tymoshchuk (ab 81. Minute): Half mit den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Ohne Benotung 

Arjen Robben: Wirkt fit wenn auch immer noch nicht mit der gewohnten Effektivität im letzten Drittel. Im Dribbling phasenweise aber schon wieder mit hervorragenden Aktionen, die eine ganze Abwehr aus dem Gleichgewicht bringen können. Note: 3 

Xherdan Shakiri (ab 86. Minute): übte schon mal die Rolle als Edeljoker. Ohne Benotung 

Thomas Müller: Fühlt sich in der Mitte wohl. Hatte so viele Strafraumszenen wie lange nicht und krönte eine starke erste Hälfte mit seinem Tor. Danach wie die ganze Bayern Mannschaft schwächer. Note: 2,5 

Mario Mandzukic: Er ist angekommen im Bayern-Trikot. Von der ersten Minute ein unangenehmer Gegenspieler für die Dortmunder Innenverteidigung. Ein Tor gemacht und am Zweiten indirekt mit einem öffnenden Pass auf Robben beteiligt. Viel mehr kann man von einem Stürmer nicht erwarten. Note: 2 

5 Lehren des Spiels: 

1. Bayern kann noch gegen Dortmund gewinnen!

2. Die Verpflichtung von Mario Mandzukic, die anfangs von vielen mit leichtem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wurde, entpuppt sich schon jetzt als Glücksfall für den FCB. Gerade jetzt wo Mario Gomez verletzt und Claudio Pizarro physisch im besten Fall auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist, füllt Mandzukic die entstandene Lücke exzellent. Mandzukic wirkt in jeder Phase des Spiels präsent und ist in der Lage mit seiner enormen Lauf- und Zweikampfstärke Bälle zu behaupten und vor allem auch zu gewinnen. Seine Stärke im Torabschluss im Strafraum ist ohnehin bekannt. Bayern braucht sich trotz des Gomez-Ausfalls zum Saisonstart keine Sorgen über die Situation in der Angriffsspitze machen.

3. Müller muss ins Zentrum! Das Spiel gegen Dortmund war in den ersten 60 Minuten eins der besten von Müller in den vergangenen Monaten. Müller ist dann wertvoll wenn er mit Tempo und dem Gefühl für den gefährlichen Raum mit oder ohne Ball in den Strafraum zieht. Der Weg von Rechtsaußen wo Müller in der vergangenen Saison meist zum Einsatz kam, in diesen gefährlichen Bereich ist zu weit. Er stößt außerdem im Tempodribbling auf der Außenbahn im Eins gegen Eins häufig an seine Grenzen. Wenn Müller effektiv sein soll muss er in die Mitte. Dort hat er auch die Möglichkeit sich seine Räume selbst zu suchen statt an der Außenlinie zu kleben. Denkbar wäre in der kommenden Saison von Spiel zu Spiel zu entscheiden ob ein echter Offensivspieler wie Müller oder Shaqiri hinter der Spitze agieren soll, oder eher ein Ballverteiler wie Kroos.

4. Es bleibt eine Denksportaufgabe wer am ersten Spieltag links hinten verteidigt. Emre Can hat die Position gegen Dortmund ordentlich ausgefüllt. Das ist für einen Spieler seines Alters ohnehin schon bemerkenswert. Dennoch war Can in der Gesamtbetrachtung die Schwachstelle in der Defensive. Kleine, wendige Außenspieler wie Blaszczykowski bereiten ihm Probleme – das wurde phasenweise gegen Dortmund deutlich. Die Alternativen heißen Lahm, Luiz Gustavo oder Badstuber, der diese Position unter Luis van Gaal ein Jahr lang spielte. Eine Abwehr mit Lahm, Boateng, Dante und Badstuber klingt auf den ersten Blick jedenfalls nicht ganz schlecht.

5. Keine Lösung gegen aggressives Gegenpressing. Der BVB erhöhte in der zweiten Hälfte merklich den Druck. Gerade nach dem Anschlusstreffer gelang es den Münchenern kaum noch ein geordnetes Aufbauspiel aufzuziehen. In dieser Phase erinnerte das Spiel stark an die Duelle der beiden Vorsaisons. Gerade in dieser Phase wird ein Ballschlepper und Verteiler als Fixpunkt wie es Bastian Schweinsteiger sein kann, vermisst. Kroos tauchte wie schon häufiger in dieser Phase ab – auch weil ihn Heynckes nach der Hereinnahme von Tymoshchuk weiter nach vorne schob. Tymoshchuk und Luiz Gustavo teilten sich somit die Rolle als erste Anspielstation im Spielaufbau. Das ist nicht ihre Stärke – insbesondere wenn der Druck durch die Dortmunder so hoch gehalten wird.

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