Stille Wasser sind tief – Hopfner äußert sich in der „Sport Bild“

Als langjähriger Finanzvorstand stand Karl Hopfner selten im Rampenlicht, diese Rolle überließ er vielmehr seinen Kollegen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Als designierter Präsident äußerte er sich in der „Sport Bild“ zu den Aussagen von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezüglich eines Darlehens aus dem Jahr 2004.

Kurz zur Vorgeschichte: Lange Zeit, vor allem in den Jahren des Dortmunder Sturm und Drangs 2010 und 2011, herrschte unter Bayernfans die Meinung vor: „Nur der Uli hat die Schwarz-Gelben damals gerettet mit seinem Kredit!“. Auf diese, zugegebenermaßen etwas einfältigen, Aussagen bezog sich Hans-Joachim Watzke in Interviews mit der „tz“ und der „Bild“ vom 1. bzw. 2. April. „In der kolportierten Form ist das eine Legende“, meinte der BVB-Geschäftsführer darin: „Er hat meinen Vorgängern zwei Millionen Euro geliehen, wohlgemerkt zu acht Prozent Zinsen – Mutter Teresa war da also nicht im Spiel“. Der „Bild“ gegenüber sagte er sogar, der Kredit wäre sinnlos gewesen, schließlich wäre der BVB ohnehin Bankrott gewesen.

Dieser „absoluten Unwahrheit“ widerspricht Hopfner im Interview mit der „Sport Bild“. Der designierte Präsident erklärt, der damalige BVB-Geschäftsführer Michael Meier habe ihm im September 2004 mit einer Anfrage über einen kurzfristigen Überbrückungskredit in Höhe von zwei Millionen Euro kontaktiert. Zum 13. September hätten Hoeneß und er das Geld überwiesen – das eigentlich nur einen Monat später zurückgezahlt werden sollte. Doch es kam anders: „Herr Meier hat uns am 2. November 1,3 Millionen Euro zurückgezahlt“, stellt Hopfner klar. Man habe diese Summe mit ausstehenden Zahlungen für Eintrittskarten in Höhe von 206.000 Euro verrechnet, sodass noch circa 500.000 Euro Schuld seitens des BVB bestanden. Auf Nachfrage der „Sport Bild“, ob sich Watzke möglicherweise auf eine achtprozentige Verzinsung dieser Summe beziehe, erwidert Hopfner:

„Nein, auch auf diese Summe bezogen stimmt Herrn Watzkes Behauptung nicht.(…) Er (Meier) bat uns daraufhin, ob wir diese 494.000 Euro bis Saisonende kreditieren könnten. Dieser Bitte kamen wir nach“.

Dann spricht er den entscheidenden Punkt an. Der Vorschlag auf eine Verzinsung von damals üblichen 5 Prozent kam nicht von Bayern-Seite, sondern ging vielmehr von Meier aus. Auch Watzkes Behauptung, seine erste Aufgabe wäre eine Rückzahlung an den FC Bayern gewesen, widerlegt Hopfner. Man habe die übrigen rund 500.000 Euro mit einer Zahlung an den BVB verrechnet, die aufgrund einer Klausel im Vertrag des im Vorjahr verpflichteten Torsten Frings von Nöten war. Watzke hätte somit zu keinem Zeitpunkt Geld in die Hand nehmen müssen, um „irgendwas zurückzuzahlen“. Trotz allem finanziellen Geplänkel: Hopfner ärgert sich am meisten über die öffentliche Verbreitung von Unwahrheiten und die ungerechtfertigte „Diskreditierung“ von Uli Hoeneß.

Das Interview kommt natürlich zu einem gelegenen Zeitpunkt, am Samstag treffen die Bayern auf die Dortmunder. Dennoch sind die Aussagen, die der neue Präsident tätigt, fundiert, und, laut seiner Aussage, auch in Briefen belegbar. Hopfners knallharter Konter auf die provokativen Aussagen vom Geschäftsführer des BVB zeigt jedoch vor allem eines: Die Abteilung Attacke lebt weiterhin, auch nach Hoeneß’ Ende. Denn ganz ohne Einladung auf eine Antwort seitens der Dortmunder kommt Hopfner nicht aus: Auf die Frage von Redakteur und Bayern-Kenner Christian Falk, ob er Watzke für einen Baron Münchhausen halte, antwortet er:

„Das wird ihm nicht gerecht. Eine Unwahrheit bleibt eine Unwahrheit. Den Baron von Münchhausen sehe ich da schon als eine andere Figur. Damit wäre Herrn Watzke ja schon geschmeichelt. Und das will ich in diesem Falle absolut vermeiden“.

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Leserkommentare
  1. Irgendwie geht mir diese ganze FCB vs. BVB, “Wir sind besser als ihr”, “Aber ihr habt doch damals – nein, so war es nicht” Thematik inzwischen gehörig auf die Nerven. Ständig gibts irgendwelche – mit Verlaub – kleingeistigen Nebenkriegsschauplätze, um Jahre zurückliegende Geschehnisse. Und wenn nicht, dann macht in perfekter Regelmäßigkeit irgendjemand in den sozialen Netzwerken ein Thema auf.

    So ja auch heute vom Marc Quambusch auf Twitter…

    Ein magischer Abend den die Kunden von Leverkusen, VW oder den Bayern nie erleben werden. Danke @BVB (@MauriciusQ)

    Absolut unnötig sowas. Und da gehen auch allerhand Bayernfans nicht gerade als tolles Beispiel voran. Ich verstehe es einfach nicht. Bei aller Antipathie, die man nach den sportlich unerfolgreichen zwei Jahren haben kann, macht das für mich keinen Sinn. Egal obs nun über Transfertechtelmechtel, irgendwelche Kredite oder die Ansicht “ich bin ein besserer Fan als du” geht.

  2. Nun ja. Das ist aber ein anderes Thema aus meiner Sicht. Hier geht es um eine Richtigstellung, schließlich waren Watzkes Aussagen offenbar schlichtweg falsch. Und dann ist es Hopfners Aufgabe das richtig zu stellen.
    Ich denke aber grundsätzlich hast du Recht. Speziell das affige Geplänkel zw. Sammer und Aki vor einigen Wochen (“Wir trainieren härter…”) war einfach nur peinlich.

  3. Mario

    Watzke braucht das Rampenlicht. Zumindest weiß man jetzt das er gerne mal lügt. Da ist der Schuss nach hinten losgegangen.
    Die Aussage vom Quambusch hat ihn viel Kredit gekostet. Bei aller berechtigten Emotionalität nach dem Spiel.

    1. Christian

      naja das auch unser Kalle gerne mal falsch und sich unnötig äußert, konnte ich mir wochenlang jetzt von einigen Fußballkollegen anhören. Wenn von uns erzählt wird, das wir niemals über ehemalige Ma. schlecht reden würden und dann muß ich Herrn Watzke recht geben, anscheinend vergessen wurden, wie Uli über Magath, Klinsmann und auch Matthäus im nachhinein geredet haben – ich sag nur Greenkeeper! Also die tun sich alle nichts! Ich segne nicht alles ab, was unsere Verantwortlichen von sich geben. Und auch jetzt von Hopfner völlig unnötig – hätten die am Samstag locker beim Wiener Schnitzel klären können. Alles Kindergarten von anscheinend nicht ausgelasteten Führungskräften!

  4. Jake1965Blues

    Zitat “SPORT BILD”: “Hopfner, … , sagt außerdem: “Die Geschichte hat inzwischen ein Niveau angenommen, das weder dem Verhältnis von Dortmund zu Bayern noch dem Fußball an sich guttut.””

    Dann haltet doch auch endlich die Klappe. Alle! Dieses ganze Hick-Hack nervt mich nur noch! Da wünsche ich mir einfach mehr Souveränität. Auf beiden Seiten. Von mir aus soll sich jeder für die Eiche halten und den anderen für die Sau. Das kann man sich aber auch einfach nur denken, statt es jedesmal vor den Medien auszubreiten. Da muss man nicht gleich die Abteilung Attacke rufen.

    Oder um es mit den Worten eines großen alten Mannes zu sagen: “Geht’s raus und spielt’s Fußball”. Denn das interessiert mich!

    1. Word! War gestern als ich die Überschrift des Artikels gelesen habe auch sehr überrascht, wieso Hopfner jetzt so scharf formuliert. Für mich war er immer der ruhige & souveräne Typ, den sowas nicht interessiert. Muss er sich in seiner (höchstwahrscheinlichen) neuen Präsidentenrolle ein wenig in Stellung bringen…? Bitte nicht – das soll er Sammer und KHR überlassen.

  5. Wie erwartet bleibt die Reaktion des BVB nicht aus: Watzke sagt dem Kicker (Do.-Ausgabe):

    Ich bleibe bei meiner Kernaussage, auf die Herr Hopfner nicht eingegangen ist. Der FC Bayern hat keinen Beitrag zur Rettung von Borussia Dortmund im Frühjahr 2005 geleistet. Wir haben dieses Darlehen, das damals wie von Zauberhand und sicher nicht von ungefähr an die Öffentlichkeit gelangte, sehr zeitnah restlos zurückgeführt. Die letzte Rate wurde am 6. Juni 2005 in meiner Amtszeit beglichen. Der Zinssatz war in der Tat niedriger als ich ihn irrtümlicherweise in einer spontanen Reaktion auf eine Frage angegeben habe. Ich kann ehrlich gesagt mit Blick auf unsere Geschichte und die Vita der handelnden Personen allerdings in keiner Weise erkennen, dass Borussia Dortmunds Verantwortliche – im Vergleich mit denen des FC Bayern München – ein Glaubwürdigkeitsdefizit aufweisen würden.

    Das soll jeder für sich beurteilen, manchmal wünsche ich mir auch einfach nur Ruhe. Seitens des BVB mit der ständigen Betonung, wie unterlegen man doch allen sei und wie schwer es fällt mit dem Gigantismus im Fußballgeschäft mitzuhalten. Unsererseits, weil wir einfach die Leistungen sprechen lassen sollten. Das tun sie für mich. Bestes Beispiel: Hat sich Pep Guardiola schon einmal zu einem Kommentar in Richtung BVB bringen lassen? Nein.
    In dieser spezifischen Sache ist meine Beurteilung ähnlich: Der BVB sollte nicht auch noch drauf rumreiten und mit falschen Zahlen um sich rumzuwerfen, wir sollten einfach für uns behalten, dass wir gerne deutsche Traditionsvereine retten.

    1. Fritz

      tja wie und mit welchem Geld Ihr Traditionsvereine gerettet habt, werden wir ja hoffentlich irgendwann noch rausbekommen – Ihr Gutmenschen ;-)

  6. […] niedriges Niveau erreicht. Und so fehlte gerade noch, dass sich auch der designierte Präsident Karl Hopfner unter der Woche einschaltete und seinen Kommentar zu den Kreditgeschäften 2004 abgab. Prädikat: Unnötig. Ebenso unnötig auch […]

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