Scouting-Report: Matteo Darmian

Tobi Trenner 11.06.2015

Bisherige Karriere

Der 25-jährige Italiener verbrachte seine Jugend beim AC Milan. Entdeckt wurde er hier interessanterweise vom Vater von Ignazio Abate, der bei der letzten WM ebenso wie Darmian die italienische Nationalmannschaft als Rechtsverteidiger vertreten durfte. Nach einigen sporadischen Kurzeinsätzen in Liga und Pokal wurde er 2009 für ein Jahr in die zweite Liga nach Padova ausgeliehen, wo er in der Rückrunde zum Stammspieler wurde und in der Relegation den Klassenerhalt feiern durfte.

Dies machte einige Vereine auf ihn aufmerksam, weshalb Milan im darauf folgenden Sommer einem Verkauf an Palermo zustimmte. Hier sammelte Darmian erste Erfahrungen im internationalen Geschäft, konnte sich aber nicht wirklich durchsetzen, woraufhin es 2011 wieder zurück in die Serie B ging, diesmal nach Turin zum FC.

Bei Torino gelang dem Rechtsverteidiger der erneute Durchbruch, er überzeugte die Vereinsführung im Aufstiegsjahr so sehr, dass sie im Sommer 2012 fast 2 Millionen Euro nach Palermo überwies, um sich die Dienste der Pferdelunge zu sichern. Eine gute Entscheidung, denn er hat sich seitdem extrem entwickelt und wird seit 2013 auch vermehrt auf der linken Seite eingesetzt.

Diese Entwicklung fand auch auf nationaler Ebene Beachtung. 2014 wurde er zunächst ins Team der Saison gewählt (übrigens zusammen mit Medhi Benatia und Ciro Immobile) und im Mai dann von Cesare Prandelli in den vorläufigen WM-Kader Italiens berufen. Dort überzeugte er im Testspiel gegen Irland so sehr, dass Prandelli ihn trotz gerade einmal 88 Minuten Länderspielerfahrung nach Brasilien mitnahm. Dabei blieb es nicht, überraschend setzte er sich auf der Rechtsverteidigerposition gegen Abate durch und verpasste keine Minute der (kurzen) WM. Er war für Italien einer der wenigen Lichtblicke dieses Turniers.

In der vergangenen Saison absolvierte Darmian 32 Ligaspiele, davon 28 in der Startelf. Hinzu kamen noch 12 Spiele in der Europa League, wobei er hier keine Minute verpasste. Auch wenn er nicht viele Scorerpunkte sammelt (5 Tore und 4 Vorlagen in 46 Partien), so scheint der Allrounder definitiv ein Mann für die großen Spiele zu sein. So sorgte er mit einem Tor und einer Vorlage für einen historischen Derbysieg gegen Juventus und eliminierte mit seinem 3:2-Siegtreffer im San Mames das favorisierte Bilbao aus der Europa League.

Stärken und Schwächen

Zu den größten Stärken von Matteo Darmian zählen wohl die Athletik und seine bemerkenswerte Polyvalenz. Ursprünglich als Innenverteidiger ausgebildet, ist seine Hauptposition inzwischen die des rechten Außenverteidigers bzw. Wing-Backs, doch auch auf links kann Darmian ohne Bedenken eingesetzt werden. Aufgrund der ausgeprägten Laufstärke ist er dafür prädestiniert, auf außen die gesamte Länge des Spielfeldes zu beackern.

Die gute Kondition und der durchaus beindruckende Antritt ermöglichen Darmian eine häufige Unterstützung der Offensive. Hierbei rennt er aber nicht nur die Linie entlang, sondern ist durchaus auch bereit, den Weg nach innen zu gehen und sogar den gegnerischen Strafraum zu betreten. Grundsätzlich sieht Darmian in keiner Position verloren aus, was für einen Außenverteidiger nicht selbstverständlich ist.

Eine saubere Technik mit beiden Füßen und ordentliches Kurzpassspiel vervollständigen das Bild eines modernen Außenverteidigers, der sich hin und wieder auch auf Dribblings einlässt. Bei langen Bällen hingegen ist oft eine seltsam hohe Flugkurve zu erkennen, die an der Qualität auf höchstem Niveau zweifeln lassen. Die Langpassquote von 51% scheint diese Sorge zu bestätigen, ein Rafinha hat im Vergleich dazu 73% seiner langen Bälle an den Mann bringen können.

Defensiv ist sofort eine sehr hohe Zweikampfbereitschaft zu erkennen. Hierbei ist Darmian nicht der Typ Grätschenkönig, er verteidigt lieber mit Auge und Geduld. Bevorzugt blockiert er den offensichtlichen Passweg und bewegt sich dann auf den Gegner zu, um ihn in den Zweikampf zu zwingen. Er will sich den Gegenspieler zurechtlegen, um ihm dann mit seiner Stärke im Eins-gegen-Eins den Ball abzunehmen. Solange sich der Gegner in Richtung Grundlinie bewegt, ist Darmian in seinem Element. Geschieht das nicht, so führt dies schnell zu einer gelben Karte, wobei sich der 25-Jährige auch hier stark verbessert hat (9 gelbe Karten in 2012/13, 2 gelbe Karten in 2014/15).

Mögliche Rolle beim FC Bayern

Bei Bayern wäre Darmian mit ziemlicher Sicherheit für den rechten Flügel eingeplant und würde in ein direktes Duell mit Rafinha gehen. Ein riesiger Vorteil ist natürlich die extreme Polyvalenz, die es ihm ermöglichen würde, zahlreiche Positionen zu besetzen: als Rechts- oder Linksverteidiger in einer Viererkette, ebenso beidseitig als Wing-Back oder sogar als rechter Innenverteidiger im System mit Dreierkette. Im absoluten Notfall könnte Darmian sogar als offensiver Flügelspieler eingesetzt werden, wobei man sich da keine große Spielkunst erwarten sollte.

Inwiefern er mit dem Münchner Pass- und Positionsspiel zurechtkommen würde, lässt sich schwer beurteilen. Eine Entwicklung hin zu einem Rafinha mit zusätzlichem Offensivdrang dürfte möglich sein. Die Frage ist hierbei, ob das für einen 15-Millionen-Transfer genug wäre, auch wenn man das Schnäppchen Bernat nicht als Maßstab nimmt. Denn eine Verstärkung in der Breite wäre Matteo Darmian ohne Frage. Ob es jedoch zur Verstärkung in der Spitze reichen würde, ist fragwürdig, weshalb Bayern nach letzten Medienberichten auch nicht völlig von einer Verpflichtung des Italieners überzeugt ist.

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