Schaulaufen zur 9. Meisterschaft

Georg Trenner 08.05.2021

Falls Ihr es verpasst habt

Durch die Niederlage von Leipzig im Nachmittagsspiel bei Borussia Dortmund fuhr der FC Bayern die Meisterschaft bereits auf der Couch ein. Das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach wurde zur Kür. Mit einem 6:0-Sieg setzten die Münchner ein Statement zum Gewinn der Meisterschaft. 

Aufstellungen

Hansi Flick reagierte mit zwei Umstellungen auf die Niederlage in Mainz. Der frischgebackene Miasanrot Spieler des Monats Lucas Hernández und Jamal Musiala rückten für Leon Goretzka und Leroy Sané in die Startelf. Vor Neuer verteidigten Pavard, Boateng, Lucas und Davies in der Viererkette. Alaba nahm Goretzkas Position neben Kimmich ein. Musiala und Coman besetzten die Flügel neben Müller und hinter Lewandowski.

Marco Rose vertraute im Wesentlichen seiner formstarken Elf, die vor der Pokalpause beim 5-0 gegen Bielefeld überzeugte. Einzig der Matchwinner des Hinspiels Jonas Hofmann kam neu in die Mannschaft. Er ersetzte Hannes Wolf.  

1. Halbzeit: Lewandowski auf Rekordjagd

Beide Teams pressten von Beginn an hoch und versuchten, in Ballbesitz schnell und vertikal nach vorne zu spielen. Die spielfreudigen Bayern nutzten konsequent die Lücken und fehlende Kompaktheit in Gladbachs defensivem Umschaltspiel aus und gingen verdient mit einer 4:0-Führung in die Pause.

Bereits nach zwei Minuten führte einer der vielen Schnellangriffe zur Führung für den neuen und alten deutschen Meister. Müller bediente Alaba auf dem linken Flügel, dessen Flanke Lewandowski auf dem zweiten Pfosten erreichte, wo dieser freistehend den Ball annehmen und dann unhaltbar für Sommer ins lange Eck verwandeln konnte. 

Nach einigen Chancen auf beiden Seiten erhöhte Müller in der 23. Minute auf 2:0. Pavard kam in der eigenen Hälfte zu einem einfachen Ballgewinn, als Bensebaini stolperte, und bediente Coman. Coman dribbelte in den Sechzehnmeterraum und fand Musiala auf dem zweiten Pfosten, der uneigennützig für Müller ablegte.

Mit seinem zweiten Treffer des Tages erhöhte Lewandowskis in der 34. Minute auf 3:0 (Saisontor 38). Er verwandelte Müllers Flanke sehenswert per Seitfallzieher. Kurz vor dem Halbzeitpfiff bediente Lewandowski dann Coman, der zum 4:0 einschoss. 

Auffällig: Bei drei der vier Bayerntore begann der Angriff mit einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte, und die Münchner überbrückten das Spielfeld jeweils innerhalb weniger Sekunden bis zum Torerfolg. Ebenfalls fiel auf, dass die Bayern gezielt versuchten, durch Flanken oder Pässe die Mitspieler am jeweils zweiten Pfosten zum Abschluss zu bringen.

2. Halbzeit: souverän bis zum Ende

In der zweiten Hälfte nahmen die Teams verständlicherweise den Fuß vom Gas. Den Gladbachern war klar, dass es nichts mehr zu gewinnen gab, den Münchnern reichte die komfortable Führung.

Hansi Flick schenkte Sané, Gnabry, Goretzka und später Nianzou und Javi Martínez noch Spielzeit. Wermutstropfen auf Seite der Bayern waren die frühe Auswechslung des kurz zuvor eingewechselten Goretzka, die wohl auf eine Verletzung zurückzuführen ist und eine rote Karte gegen Nianzou, die den talentierten Verteidiger potentielle Spielzeit im Saisonfinale kosten wird.

Nach einem von Neuhaus verursachten Handelfmeter erhöhte Lewandowski in der 66. Minute gewohnt sicher vom Punkt auf 5:0. Fünf Minuten vor Schluss setzte den Sané nach Zuspiel von Gnabry den Schlusspunkt zum 6:0.

Dinge, die auffielen

1. Alle Augen und Pässe auf Lewandowski

Durch seine Ende März erlittene Bänderdehnung verpasste Robert Lewandowski vier Bundesligaspiele, und der historische Rekord von Gerd Müller rückte in weite Ferne. Heute wartete ausgerechnet sein bisheriger Angstgegner Mönchengladbach, gegen den er bis dato in 17 Spielen erst fünfmal getroffen hatte. Doch Lewandowski wäre nicht der derzeit beste Mittelstürmer der Welt, wenn er sich davon aufhalten ließe. Von der buchstäblich ersten Minute an war er voll da und zielstrebig wie immer. Am Ende wurden es acht Schüsse, zwei Torschussvorlagen, drei Tore und ein Assist. So bricht man Rekorde.

Im Rennen mit Gerd Müller steht er nun bei 39 Toren. Zwei Spiele bleiben ihm noch, um den Rekord des Bombers zu egalisieren oder gar zu übertreffen.

2. Against some odds: #miasanmeister

Zu den üblichen Wettbewerben gesellten dich diese Saison die Klub-WM in Katar und zwei Supercups, so dass der kleine Kader des FC Bayern seit Mitte September 48 Pflichtspiele absolvieren musste. Dazu die wiederbelebte „FC Hollywood“-Attitüde und Machtkämpfe, die im Abgang von Trainer Flick mündeten sowie Abgänge von Eckpfeilern des Teams mit Nebengeräuschen und Coronafälle im Team. 

Demgegenüber ging der ewige Konkurrent aus Westfalen mit Haaland, Sancho, Hummels und Co. und ohne nennenswerte Abgänge optimistisch in die Saison. Und der neue brausestarke Konkurrent schien ebenfalls reif für eine Meisterschaft zu sein. Zwar verloren die Leipziger vor der Saison ihren Torschützen vom Dienst Timo Werner, aber Trainer Nagelsmann und der junge und breite Kader – Leipzig kann auf 22 Spieler mit einem Marktwert von mindestens 10 Millionen Euro zurückgreifen, der FC Bayern nur auf 19 – hätten in der eng getakteten Corona-Saison ein entscheidender Vorteil sein können.

Es hätte viele Erklärungen für eine anderen Namen auf der begehrtesten Salatschale Deutschlands gegeben. Hätte, hätte, Dreierkette.

Der FC Bayern trotzte allen Herausforderungen und setzte sich am Ende wieder in beeindruckender Weise durch. Es wäre übertrieben, die Meisterschaft wegen dieser Herausforderungen zu einer Überraschung zu verklären. Es wäre aber vermessen, die Leistung dieses Teams nicht zu würdigen.

Chapeau FC Bayern! Das gesamte Team von Miasanrot gratuliert zur Meisterschaft!

3. Alle neune – der Rekordlauf geht weiter

Neun in Folge. Die Serien von Juventus und Celtic rissen in der laufenden Saison nach ebenfalls neun Titeln in Serie, während Ludogorez Rasgrad dieses Jahr zum zehnten Mal in Folge Meister wurde. Der FC Bayern hält damit die zweitlängste aktive Meisterserie. 

Den europäischen Rekord hält Skonto Riga mit 14 Titeln in Serie von 1991 bis 2004. Den Weltrekord hält der Tafea F.C. aus Vanuatu mit 15 in Folge von 1994 bis 2009. Die Ziele gehen dem FC Bayern also auch nach der neunten Meisterschaft nicht aus.

Auf Spielerseite sind die jeweils zehnten Meistertitel für Thomas Müller und David Alaba erwähnenswert, ebenfalls Rekorde in Deutschland. Kingsley Comans persönliche Serie mit dem neunten Meistertitel in Folge inklusive der Titel mit Paris und Juventus hält ebenfalls an.

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