Philippe Coutinho (ehemals FC Bayern) verzieht das Gesicht.
Bild: Wagner Meier/Getty Images

„Auf psychische Gesundheit konzentrieren“: Ex-Bayern-Profi Philippe Coutinho verlässt Heimatklub

Justin 20.02.2026

Philippe Coutinho wird kein Spiel mehr für seinen Heimatklub Vasco da Gama absolvieren. Der Brasilianer, der in der Triple-Saison 2019/20 beim FC Bayern München tätig war, hat ein emotionales Statement veröffentlicht.

KEINEN ARTIKEL MEHR VERPASSEN – JETZT UNSEREN WHATSAPP-KANAL ABONNIEREN!

Auf Instagram schrieb der 33-Jährige, dass er „mental sehr erschöpft“ sei: „Ich war immer sehr zurückhaltend, daher fällt es mir nicht leicht, das hier zu sagen, aber ich muss ehrlich sein.“

Er habe zwar eine „Liebesbeziehung“ zu Vasco aufgebaut, die für immer bestehen bleibe, dennoch müsse er einen Schlussstrich ziehen: „Mit schwerem Herzen verstehe ich, dass es jetzt an der Zeit ist, einen Schritt zurückzutreten und diesen Zyklus bei Vasco zu beenden. Ich bin dankbar für alles, was ich hier erlebt habe.“

Weitere Artikel zum FC Bayern München:

Philippe Coutinho will sich auf „psychische Gesundheit konzentrieren“

2009 debütierte Coutinho für die Profis von Vasco, nachdem er dort jahrelang verschiedene Jugendstationen durchlief. 2010 folgte dann sein Wechsel zu Inter Mailand. An die Italiener war er bereits 2008 verliehen worden. Später lief der Offensivspieler auch für den FC Liverpool und den FC Barcelona auf. Mit den Bayern gewann er 2020 die Champions League und kam in 38 Einsätzen auf 20 Torbeteiligungen.

2024 folgte die Rückkehr nach Brasilien und zu seinem Jugendklub. Als er zuletzt beim Heimspiel gegen Bahia ausgewechselt wurde, setzte er sich nicht auf die Ersatzbank, sondern ging direkt in die Kabine. Das löste Diskussionen aus.

„Ich würde niemals die Fans, meine Mitspieler und Vasco respektlos behandeln. Das habe ich noch nie getan“, nahm Coutinho Bezug darauf: „In diesem Moment, auf dem Weg in die Umkleidekabine, spürte und erkannte ich, dass meine Zeit bei diesem Verein vorbei war, und ich kehrte nicht zurück, um mich auf meine psychische Gesundheit zu konzentrieren.“

Mentaler Druck im Leistungssport ist enorm

Der mentale Druck und Depressionen sind im Leistungssport in der jüngeren Vergangenheit ein wichtiges und immer größeres Thema geworden. Die neue ARD-Dokumentation „Die Last der Spiele“ zeigt beispielsweise, dass etwa ein Viertel der Olympia-Top-Athlet*innen nach den Olympischen Spielen mit massiven psychischen Problemen zu Kämpfen haben.

Vor allem Erfolg scheint die „Post-Olympia-Depression“ zu begünstigen. Bei Olympia geht es allerdings weniger um den Druck von außen, als viel mehr um den Verlust des Leistungsdrucks. Trainings-Routinen, Zielsetzung, konstante Adrenalin-Ausschüttung und eben die Erwartungshaltung von außen und an sich selbst – all das ist dann erstmal weg oder nicht mehr so ausgeprägt.

Mehrere Studien haben in der Vergangenheit aber auch in anderen Leistungssportarten festgestellt, dass depressive Episoden ein Problem für zahlreiche Sportler*innen sind. Im Profifußball und vor allem in Deutschland sind die Geschichten von Sebastian Deisler und Robert Enke bekannt. Zuletzt sprach Barcelonas Ronald Araújo von mentalen Problemen.

Sportpsychologie: Auch beim FC Bayern mittlerweile Standard

Im modernen Fußball sind Sportpsycholog*innen, Aufklärungsangebote und konkrete Hilfsangebote deshalb präsenter geworden. Darüber hinaus gibt es Projekte wie die Robert-Enke-Stiftung, die wichtige Aufklärungsarbeit leisten. Beim FC Bayern war zwischen 2021 auf Wunsch von Julian Nagelsmann Dr. Maximilian Pelka als Teampsychologe der Profis. 2023 endete die Zusammenarbeit.

Ob es eine direkte Nachfolgelösung gab, ist unbekannt. Aber die Münchner haben mit Christian Luthardt beispielsweise seit 2017 einen Sportpsychologen am Campus und auch die FC Bayern Frauen und auch die Frauen verfügen mit Martin Walz über einen Sportpsychologen. Im Interview mit Miasanrot sprach Alexander Straus im Sommer 2025 über seine Entscheidung, das Team zu verlassen, weil er sich immer wieder leer und müde fühlte.

„Ich hätte nicht einen Tag mehr aushalten können. Ich war platt. Also habe ich Urlaub gemacht, habe mit niemandem im Club und auch niemand anderem für die nächsten drei Wochen gesprochen, um meine Batterien wieder aufzuladen“, erzählte er damals über eine psychisch anspruchsvolle Phase. Die Zusammenarbeit mit Walz habe ihm dabei enorm geholfen.

Kreisen deine Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Leidest du unter Depressionen? Du bist nicht allein und jedes Leben ist es wert, gelebt zu werden. Sprich bitte mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge unter telefonseelsorge.de bzw. über die kostenlosen Hotlines 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 kann ein guter erster Anlaufpunkt für dich sein.

Hat dir der Artikel gefallen?

Unterstütze unsere Arbeit, damit wir auch morgen noch unabhängig berichten und analysieren können. Schon 2 Euro machen einen großen Unterschied.

Hier weiterlesen

Miasanrot ist für alle da!

Wir finden: Fußball muss bezahlbar sein. Deshalb bieten wir unseren Content frei zugänglich für alle an. Unser Konzept baut auf die finanzielle Unterstützung von Menschen wie dir. Damit wir auch morgen wieder kritischen, fairen und sachlichen Journalismus rund um den FC Bayern betreiben können, brauchen wir dich!

Ich unterstütze MIASANROT bereits.
Jetzt unterstützen!