Julian Nagelsmann schaut einem in der Luft fliegenden Ball hinterher und lächelt.
Bild: Maja Hitij/Getty Images

Neuerscheinung – Julian Nagelsmann: Kopf trifft Herz

Justin 22.01.2026



Julian Nagelsmann ist der spannendste Trainer, den Deutschland aktuell hat.“ Mit diesem Satz eröffne ich das neue Buch, an dem ich im Jahr 2025 lange gearbeitet habe. In den vergangenen Jahren habe ich so manches Buch geschrieben. Von „Generation Lahmsteiger„, über „Zurück an die Spitze“ bis hin zu meiner Mitwirkung als Herausgeber von „Fußball der Zukunft„.

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Abgesehen von einem eher für Kinder geschriebenen „Fanbuch“ über Mats Hummels widmete ich mich dabei aber noch nie so intensiv einer einzigen Person. Nagelsmann fasziniert mich, seit er den Schritt in die Bundesliga geschafft hat. Wie kein anderer Trainer hat er in den letzten zehn Jahren bei mir dafür gesorgt, mich noch intensiver mit den Hintergründen und Zusammenhängen eines Fußballspiels zu beschäftigen.

Nicht, weil er der erfolgreichste Trainer ist. Auch nicht, weil ich ihn zwingend für den besten Trainer halte – wie könnte man hier schon eine wertschätzende und angemessene Definition finden? Sondern weil er im taktischen und kommunikativen Bereich Strategien und Methoden wählt, die in mir Prozesse des Nachdenkens auslösen. Prozesse, aus denen ich dazulerne und mein Wissen über Fußball erweitern kann.

Julian Nagelsmann: Kopf trifft Herz – ein Einblick

Schon vor der Coronapandemie flammte in mir der Wunsch auf, ein Buch über Nagelsmann zu schreiben. Erst jetzt hat es geklappt – und das ist vielleicht gut so. Weil nicht nur der heutige Bundestrainer sich seitdem nochmal entwickelt hat, sondern auch ich mich selbst. Weil die Themen in diesen fünf bis sechs Jahren nochmal breiter geworden sind und ich das Gefühl habe, Nagelsmann jetzt nochmal besser zu verstehen.

Aber lasst uns an der Stelle gleich mal einsteigen: Was ist von diesem Buch zu erwarten? Direkt im Prolog gehe ich auf diese Frage intensiv ein. Denn die Fußballwelt ist schneller, sensationslustiger und vor allem auch inszenierungsfreudiger geworden. Dazu ein Ausschnitt aus dem Prolog:

„In der heutigen Zeit geht es im Sportjournalismus oft um ein unglaublich großes Volumen an Informationen – und gleichzeitig darum, dieses Volumen mit möglichst schnellen Informationen zu vergrößern oder zumindest zu halten. Geschwindigkeit und Quantität erdrücken zunehmend Qualität. Es geht häufig nur noch darum, wer wo etwas zuerst gehört hat und daraus große News basteln kann. Leider wird dabei auch viel geteilt, was bereits in der nächsten Stunde oder spätestens am nächsten Tag keine Relevanz mehr hat oder sich gar als falsch herausstellt. Es gibt viele selbsternannte „Insider“, die in den sozialen Netzwerken ihr Geld damit verdienen, angeblich jeden Schritt eines Klubs zu kennen. Es gibt auch viele, die einem sehr gut vorgaukeln können, exakt die Person zu sein, die alles weiß.“Auszug aus Julian Nagelsmann – Kopf trifft Herz

Und genau diesen Eindruck will ich explizit nicht vermitteln. Ich habe im Entstehungsprozess des Buches kein einziges Wort mit Nagelsmann ausgetauscht. Weil es keine Biografie ist. Es ist eine bewusste Außenperspektive auf das, was in seiner Karriere bisher passiert ist – hier und da mit Hintergründen, die man im Berufsleben eines Journalisten immer aufschnappt, aber weit weg davon, ein „Insider“ zu sein.

Warum solltest du dieses Buch lesen?

Warum also sollte man dieses Buch trotzdem lesen? „Weil ich glaube, dass das öffentliche Bild von Nagelsmann zumindest in Teilen falsch ist – und selbst die oft in den Mittelpunkt gestellte analytische Ebene allenfalls oberflächlich thematisiert wird“, antworte ich in meinem Buch.

„Er gilt als scharfsinniger Analytiker, der jeden Zentimeter des Spiels mit Daten und Innovationen unter Kontrolle haben will. Berechnend und modern, aber auch oft in der Kritik dafür, das Spiel zu sehr an sich reißen zu wollen, indem er zu viele Veränderungen vornimmt. Zwischen Arroganzvorwürfen und frischem Wind für den deutschen Fußball, zwischen Modernisierung und Verwissenschaftlichung, zwischen neuen Methoden und traditionellem Widerstand – Nagelsmann hat in seinen noch nicht mal zehn Jahren als Profitrainer bereits für ordentlich Wirbel gesorgt. Im Schatten der analytischen Ebene, die auch in diesem Buch eine gewichtige Rolle spielen soll, kommt der Mensch aber oft zu kurz.“Auszug aus Julian Nagelsmann – Kopf trifft Herz

Im Buch möchte ich Erklärungsansätze dafür liefern, warum Nagelsmann so einen Aufstieg hinlegen konnte, wie seine Idee von Fußball aussieht und welche Methoden aus welchen Gründen dahinterstehen. Das Buch hangelt sich zwar chronologisch an seiner bisherigen Karriere entlang, liefert dabei aber keine simplen Nacherzählungen, sondern ist immer auf der Suche nach Hintergründen und spannenden Diskussionen aus der Zeit.

So geht es im ersten Teil um seine kurze Zeit als Spieler, seine ersten Schritte als Jugendtrainer und das große Debüt bei der TSG Hoffenheim. Thema ist hier beispielsweise seine Methodik, mit der er einen Klub übernimmt, der vor dem Abstieg steht. Eine Methodik, die mit vielen deutschen Fußballweisheiten bricht – und erfolgreich ist. Nagelsmann zeigt schon damals, dass er anders ist als die meisten Trainer.

Im zweiten Abschnitt des Buchs wird die Etablierungsphase auf hohem Niveau analysiert. Wie Nagelsmann die TSG zu einem deutschen Top-Team formte, wie er die Red-Bull-Filiale in Leipzig transformiert hat – und wie von außen damals auf ihn geblickt wurde. Es geht um „absurde Debatten“ und eine Berichterstattung, die das Bild vieler von ihm bis heute fälschlich geprägt hat.

Generell war es mir wichtig, den Boulevard Boulevard sein zu lassen und mich mit dem zu beschäftigen, was mich rund um Nagelsmann fasziniert – und das ist der Sport sowie die Faktoren, die diesen direkt beeinflussen. Tiefe Analysen der Farben seiner Mäntel haben es jedenfalls nicht ins Buch geschafft.

Wie sieht der Nagelsmann der Zukunft aus?

Im dritten Abschnitt wird ausführlich seine Zeit beim FC Bayern beleuchtet. Neben taktischen Erklärungen und Einblicken geht es hier auch um seine Kommunikation als „Außenminister“ des FC Bayern sowie die Gründe und Hintergründe zu seinem Rauswurf. Nagelsmann als „der Ungescheiterte“, der trotzdem seinen Hut nehmen musste.

Auch der vierte Abschnitt, in dem es um sein aktuelles Amt als Bundestrainer geht, ist keine reine Nacherzählung, sondern blickt beispielsweise auf die Strukturen des deutschen Fußballs, Nagelsmanns Verständnis vom „Leistungsprinzip“ und die Erfolge und Rückschläge, die er in kurzer Zeit beim DFB-Team erlebt hat.

Das Buch schließt ab mit einem Ausblick. Einerseits mit einem Kapitel, dessen Titel in den letzten Wochen nicht allzu gut gealtert ist, der Inhalt aber kaum an Wert verloren haben dürfte: „Wagner, Toppmöller und Co. – die Nagelsmann-Schule“. Dort geht es um den Einfluss Nagelsmanns auf andere deutsche Trainer und den deutschen Fußball insgesamt. Auch seine offene Rechnung mit dem Klubfußball wird thematisiert.

Im Epilog widme ich mich dann dem „Nagelsmann der Zukunft“. Wie könnte dieser aussehen? Wo gibt es Optimierungsbedarf und wie könnte sein weiterer beruflicher Weg aussehen. Zugegeben: Viel Spekulation, aber auch interessante Gedankenspiele.

„Julian Nagelsmann: Kopf trifft Herz“ ist im Verlag die Werkstatt bereits erschienen und kann ab sofort überall bestellt werden, wo es Bücher gibt.

Ein tolles Projekt, bei dem ein paar Cent mehr bei mir hängen bleiben, ist die Autorenwelt. Bestellt das Buch also gern hier.

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