Fünferpack-Kolumne: Eine Hinrunde in Zahlen

Maurice Trenner 04.01.2021

Disclaimer: Alle dargestellten Statistiken sind nur bis einschließlich der Partien im Dezember. Die Auftaktpartie gegen Mainz Anfang Januar ist nicht berücksichtigt.

1. Effiziente Offensive

Mit einem 8:0-Auftaktsieg starteten die Münchner furios in die neue Saison 2020/21. Acht Tore zum Auftakt, wenn auch gegen desolate Schalker, waren eine Ansage. Auch an den folgenden Spieltagen brachen die Bayern eine historische Höchstmarke nach der nächsten. Zur Weihnachtspause standen 39 Tore in 13 Spielen zu Buche. Erst zweimal zuvor hatte man diesen Wert in der Bundesliga überboten (1976/77 mit 44 Toren und 2015/16 mit 40).

Obwohl die Münchner ab dem sechsten Spieltag keine Offensivfeuerwerke mehr entzündeten und kein Spiel mit mehr als zwei Expected Goals (xG) abschlossen, war die Flick-Elf bemerkenswert effizient.

In der Torschussquote liegt man mit 21,8 % erfolgreichen Torschüssen deutlich vor dem engsten Verfolger Union Berlin. Der Abstand zum Zweiten ist mit 3,8 % so groß wie von den Eisernen zu den neuntplatzierten Adlern.

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch bei der Quote in Bezug auf xG. Hier kann lediglich Bayer Leverkusen die Münchner noch übertreffen. Der Rekordmeister erzielt aus zwei erwarteten Toren fast drei Treffer. Damit liegt man deutlich vor den vermeintlichen Verfolgern Gladbach, Dortmund und Leipzig, die nur knapp unter einem Tor pro xG stehen.

Das ist sicherlich auch ein Verdienst aus dem in der Spitze hochklassigen Kader der Münchner, in dem einzelne Spieler auch aus 50%-igen Chancen ein Tor erzielen können.

2. Wackelige Defensive

Die zweite Storyline der Saison ist allerdings die schwache Defensivleistung des Herbstmeisters. Die Münchner mussten bereits 19 Gegentore hinnehmen. Ein Wert, den man seit 2012 bereits drei Mal unterbieten konnte – wohlgemerkt zum Saisonende!

Ein Hauptgrund dafür ist die anfällige Defensive der Münchner, die im Schnitt etwas mehr als 10 Torschüsse pro Spiel zulässt. Im Liga-Vergleich liegt man damit nur auf Rang Sechs. Der Rückstand auf Spitzenreiter Leipzig ist mit 2,7 Torschüssen so groß wie der Vorsprung auf Abstiegskandidat Werder Bremen.

Zudem kassiert Bayern auch noch besonders viele Gegentore pro gegnerischen Abschluss. 14,2 % der feindlichen Schüsse landen im Netz von Manuel Neuer. Dabei spielt der Keeper sogar noch eine hervorragende Saison und rettete die Münchner mehrfach.

Die beiden Statistiken verdeutlichen, dass die Bayern-Abwehr nicht nur viele Chancen zu lässt sondern diese auch noch hochprozentige Gelegenheiten für den Gegner sind. Sicherlich eine Folge der hochstehenden Viererkette, der vielen Fehlpässe im Aufbauspiel und individueller Aussetzer.

3. Intensive Arbeiter

Die vielbesungene Storyline der Corona-Saison ist der vollgepackte Spielkalender. Dieser trifft auch die Münchner hart. Vor allem seitdem der Spielstil unter Trainer Hansi Flick sehr intensiv wurde. Das aggressive Pressing, das die Münchner in der Vorsaison auszeichnete erfordert viele Sprints.

Diese Grafik zeigt die durchschnittliche Sprintdifferenz pro Spiel. Es ist erstaunlich zu sehen, dass die Münchner trotz aller Belastung hier auf den vordersten Plätzen landen. Lediglich Leipzig und Mainz liegen in dieser Kategorie – zugegebenermaßen recht deutlich – vor dem Rekordmeister.

Ein genauer Blick auf die Spiele zeigt, dass die Münchner zwar oft mehr sprinten als der Gegner (markiert durch rote Balken), dies aber nicht zwingend mit Ergebnissen (grün = Sieg) korreliert. Auch gegen Hoffenheim, Bremen und Köln war man die aktivere Mannschaft, konnte aber keins der Spiele gewinnen.

Interessanter ist hingegen, dass generell der Trend für die Sprints der Münchner nach unten zeigt. Für die Topspiele gegen Dortmund und Leverkusen war das Team allerdings sichtbar motiviert und lieferte Saisonbestwerte in der Anzahl von Sprints. Beide Partien wurden gewonnen.

Beim Ausreißerspiel gegen Stuttgart musste man zwangsläufig häufig sprinten, da man den pfeilschnellen Schwaben an diesem Tag nur hinterherlief.

4. Zu Müde für Dominanz?

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den insgesamt gelaufenen Kilometern. Fast schon traditionell liegen die Münchner hier oft hinter ihrem Gegner. Man lässt lieber den Ball und damit den Gegner laufen als selbst. Erneut stechen die Spiele gegen Leverkusen und Dortmund hervor.

Es zeigt sich aber auch, dass die Münchner auf dem Zahnfleisch gehen. Der Laufwert von 111,2 Kilometern gegen Bremen sagt viel über das Spiel aus, das teilweise den Eindruck eines Nicht-Angriffs-Paktes vermittelte. Ohne die vielen kleinen Extraläufe leidet auch das Positionsspiel der Münchner.

Die drei Partien mit der niedrigsten Laufleistung fielen entsprechend auch alle in die Phase ohne Duracell-Häschen Joshua Kimmich.

Analog zu der Laufstatistik kann man auch die Ballbesitzquote betrachten. Diese ist mit 59 % geringer als in Vorjahren. Bei zwei Partien ging der Rekordmeister sogar mit unter 50 % Ballbesitz aus dem Siel. Die Roten führen auch nicht mehr die Liga im Ballbesitz an. Der BVB liegt tatsächlich ein paar wenige Punkte vor den Münchnern.

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass man die drei Spiele mit dem höchsten Ballbesitz allesamt nicht gewinnen konnte. Der Flicksche FCB im Corona-Jahr ist ein neuer Verein.

5. Tiefpunkt unter Flick

Und damit kommen wir zur letzten Grafik, die unser Miasanrot-Statistiker Lukas erstellt hat. Die Darstellung zeigt die rollierende xG-Differenz über zehn Spiele für den FC Bayern seit Pep Guardiola. Diese Metrik wurde in Episode 3 von The Football Pod mit Data-Analyst David Sumpter – The Football Pod empfohlen.

Dem gegenübergestellt ist die tatsächliche Tor-Differenz und der Punkteschnitt unter den jeweiligen Trainern.

Aktuell befindet sich der Verein unter Hansi Flick in einer xG-Krise. Seit dem sechsten Spieltag hatte man in vier Spielen weniger xG als der Gegner. Entsprechend ist die xG-Differenz aktuell so niedrig wie noch nie seit Beginn der Erfassung von xG. Lediglich in einer kurzen Periode zum Ende der Amtszeit von Pep sank man in ähnliche Sphären.

Zum Zeitpunkt ihres Rauswurfs standen sowohl Carlo Ancelotti also auch Niko Kovač beide deutlich besser.

Der große Unterschied zeigt sich jedoch beim Blick auf die tatsächliche Tordifferenz. Hier mussten die Münchner unter Flick zuletzt zwar ebenfalls eine Delle hinnehmen, zuvor war man jedoch für fast die gesamte Amtszeit bei einem Wert von deutlich über zwei Toren pro Spiel. Unter Kovač fiel der Wert sogar für einen kurzen Zeitraum auf Null.

Noch beeindruckender ist allerdings der Punkteschnitt bei dem Flick sich keine Blöße erlaubt. Sein Plateau mit dem Maximalwert von drei Punkten pro Spiel ist beeindruckend.

Die Mannschaft schafft es also scheinbar auch trotz einem weniger dominanten Spielstils weiterhin beste Ergebnisse zu erzielen. Auch das kann die Qualität eines Trainers unterstreichen.

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