Der Status-quo des (deutschen) Frauenfußballs: Es braucht einen Aufbruch

Justin Trenner 28.09.2020

Stell dir vor, eine Nationalspielerin vom Format einer Lina Magull schreibt öffentlich über die Missstände einer ganzen Branche und keinen interessiert es. Gut, diese Aussage mag etwas überspitzt sein, doch wirklich Wellen geschlagen hat ihr Text nicht. Und das zeigt abermals, welches Problem die Medienlandschaft in Deutschland im Bezug auf Frauenfußball hat.

Worum geht es Magull? Wie sie selbst schreibt, geht es ihr nicht um Mitleid und schon gar nicht darum, dem Männerfußball in irgendeiner Form zu schaden. Vielmehr geht es um die gemeinsame Zusammenarbeit und um Anerkennung dessen, was die Frauen leisten. Und es geht darum, die Missstände klar zu benennen und sich Vorbilder im Ausland zu suchen, die progressiver und besser agieren.

Wo ist die Anerkennung für die Frauen?

Frauenfußball mag nicht so athletisch und dynamisch sein wie der Männerfußball, aber was ist das auch für ein Vergleich? Seit weit über einem Jahrhundert kann sich der Fußball der Männer nahezu ungestört weiterentwickeln, während dem Frauenfußball allein in Deutschland über Jahrzehnte hinweg Steine in den Weg gelegt wurden. Verbote, strenge Auflagen und vor allem gesellschaftliche Ablehnung erschwerten eine angemessene Entwicklung.

Hier gibt es mehr zur Geschichte des Frauenfußballs auf Klubebene in Deutschland.

Es ist unangemessen und ungerecht, den Frauenfußball vor diesem Hintergrund auf sportlicher Ebene mit dem der Männer zu vergleichen. Magull hat aber recht, wenn sie anmerkt, wie viel Aufwand die Frauen betreiben und welche Opfer sie bringen müssen, um ihre Profikarriere zu verwirklichen. Ihr ist es wichtig, das nicht als Jammern interpretiert zu wissen, aber gleichzeitig muss gesagt sein, dass viele Frauen im Profibereich nebenher studieren oder einen Zweitjob ausüben, weil die Fußballkarriere nicht ausreicht. Auch die Familienplanung ist weitaus komplizierter: Mal eben mit 25 ein Kind bekommen? Für einen Mann gar kein Problem, aber Frauen müssen dafür ihre Karriere unterbrechen, möglicherweise sogar beenden.

Die Frauen trainieren genauso hart wie die Männer, opfern genauso viel Zeit, kriegen letztendlich aber nicht mal einen Bruchteil von dem zurück, was die Männer bekommen. Magull berichtet von 1-2 Einheiten am Tag und auch von hoher Disziplin bei der Ernährung. Das verdient Anerkennung. Wenn heutzutage von Gleichberechtigung und “equal pay” gesprochen wird, dann geht es nicht darum, dass eine Frau im Profifußball genauso viel verdient wie ein Mann – auch wenn der Begriff da in die Irre führt. Es geht darum, dass der Frauenfußball so professionalisiert wird, dass es diese Hürden nicht mehr gibt. Die Fokussierung auf den Fußball als Beruf ohne die Sorge, nebenher arbeiten zu müssen oder sich bereits große Sorgen um die Zeit nach der Karriere zu machen – das ist das Ziel, das es zu realisieren gilt. Professionalisierung auf allen Ebenen.

Frauenfußball wird immer besser

Aber es geht eben auch um gesellschaftliche Anerkennung dessen, was die Frauen dort leisten. Stellt man den unfairen Vergleich mit den Männern mal beiseite und schaut sich allein die Entwicklung des Frauenfußballs in den letzten Jahrzehnten an, ist bereits ein Quantensprung zu erkennen. Eine Analyse der FIFA ergab 2019, dass sich die Intensität und das Tempo im Frauenfußball stark erhöht haben. Wie Magull schreibt, hat sich viel getan in den letzten Jahren. Gerade taktisch sind die Spiele viel unterhaltsamer und besser geworden.

Auf dem Weg zu mehr Anerkennung, aber auch zu einer weiteren Professionalisierung sieht Magull vor allem zwei Bereiche in der Hauptverantwortung: Erstens die Fußballklubs sowie zweitens die Medien und hier ganz besonders der öffentliche Rundfunk.

Auf der Ebene der Klubs gibt es spätestens seit diesem Jahr durchaus positive Nachrichten: Borussia Dortmund und Schalke 04 haben endlich eine Frauenabteilung gegründet, Eintracht Frankfurt ist mit dem 1. FFC Frankfurt fusioniert und Hertha BSC kooperiert mit Turbine Potsdam. Es sind sehr verschiedene Modelle, deren Erfolg vor allem von der Nachhaltigkeit des Interesses abhängen wird. Eine Frauenmannschaft zu unterstützen oder zu gründen, um dem Trend zu folgen, wird keine Lösung des Problems darstellen. Kurz Schulterklopfer abholen und es dann einfach so laufen lassen? Das wäre fatal. Insofern muss darauf gehofft werden, dass dieser Aufschwung anhält und etwas bewegen kann. 

Halbherzige und lieblose Berichterstattung

Die andere Ebene ist medialer Natur. Als selbsternanntes Fachmagazin ist es vor allem der Kicker, der beispielhaft für den größten Teil der gesamten Landschaft kein gutes Bild abgibt. Während die Bayern Frauen am Wochenende gegen Freiburg in der Bundesliga spielen, stehen sie auf der Homepage fast ganz unten. Wer das Ergebnis checken möchte, ist über die Navigation oben schneller am Ziel. Wer keine Ahnung von Frauenfußball hat, wird tendenziell gar nicht erfahren, dass überhaupt gespielt wird.

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Begründet wird die lieblose Einbettung des Frauenfußballs oft mit dem mangelnden Interesse der Leser*innen. Doch ist das Produkt im Supermarkt auch an seinen schlechten Verkaufszahlen Schuld, wenn es in einem Regal landet, an dem maximal 1 % der Kundschaft vorbeiläuft? Zumal oftmals so leidenschaftslos über den Frauenfußball berichtet wird, dass man es in der Tat nicht langweiliger und eintöniger tun könnte.

In dieser Form hat niemand etwas gewonnen. Auch hier gilt: Ohne nachhaltiges Interesse an der Entwicklung macht es keinen Sinn. Zumal dabei nicht selten Fehler unterlaufen, die für eine Sportredaktion schlicht peinlich sind. Die Aufstellung der Bayern Frauen wurde am Wochenende vom Kicker komplett falsch präsentiert – und sogar nochmal falsch korrigiert. Das fiel auch der sportlichen Leiterin des FC Bayern auf:

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Mittlerweile hat der Kicker angepasst – allerdings mit Rechtsverteidigerin Glas im Mittelfeld. Lieblos, ungenau und langweilig – leider ist das der Alltag in der Berichterstattung zum Frauenfußball. Wer qualitativ hochwertigen Content möchte, muss in den meisten Fällen auf unbekanntere Magazine, Blogs und/oder Podcasts ausweichen, die sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen als viele Sportjournalist*innen. “Ich muss mich schon manchmal wundern, welche Lappalien in den Medien hochgekocht werden, während andere Sportarten völlig unter dem Radar verschwinden. Wenn ein Zoff auf dem Trainingsplatz mehr medialen Raum einnimmt als das Pokalfinale der Frauen, irritiert mich das”, schreibt Magull. 

Sie sieht vor allem den öffentlichen Rundfunk in der Verantwortung, der nicht auf Klickzahlen angewiesen ist und dementsprechend aktiv etwas zur weiteren Entwicklung beitragen kann. Aber Magull kritisiert nicht nur, sie zeigt auch auf, dass es anders geht: 

Gegenbeispiel: Die BBC bringt bald die zweite Staffel einer Doku über die Frauenmannschaft von West Ham United heraus. Und auch sonst gibt es im UK zahlreiche Plattformen für den Frauenfußball, wie die App FA Player, wo alle Spiele der Frauen live gestreamt und kommentiert werden, während das Thema in Deutschland wenig greifbar ist. Ein bisschen mehr Diversität täte uns also manchmal ganz gut.Lina Magull

England als Vorbild?

Gerade England kann vielleicht als Positivbeispiel dienen. Der Frauenfußball hat dort in einer Fußballkultur, die der deutschen recht ähnlich ist, massiv an Bedeutung gewonnen. Marketing, mediale Berichterstattung und das Engagement vieler Klubs aus dem Männerbereich eignen sich als Vorbild – vielleicht nicht kritiklos als Schablone, aber durchaus als Ansatz für weitere Fortschritte. Beispielsweise hat England verschiedene Aktionstage und Veranstaltungen eingeführt, wo es den Frauen teilweise sogar ermöglicht wird, in großen Stadien vor mehreren tausend Zuschauer*innen zu spielen. 

In Deutschland befindet sich die Frauen-Bundesliga unter dem Dach des DFB, während die Männer der DFL zugehörig sind. Eine Zusammenführung innerhalb der DFL, auch das zeigt das englische Beispiel, könnte durchaus vorteilhaft sein. In England profitiert der Frauenfußball enorm von den Geldern, die durch die FA und ihre Sponsoren frei werden. Vor allem aber sind es die Strukturen und die Erfahrungswerte, die der Professionalisierung des Frauenfußballs helfen. In Deutschland könnte ein ähnlicher Effekt angestoßen werden. Ralf Kellermann, sportlicher Leiter der Frauen des VfL Wolfsburg, forderte schon 2018 eine Eingliederung der Frauen-Bundesliga in die DFL – auch mit Blick auf die Fernsehvermarktung könnte das für alle Seiten positiv sein.

Zusätzlich sind Aspekte der Terminierung und Abstimmung unter einem Dachverband deutlich einfacher und effizienter zu lösen. Auswärtsfahrten von Fans, auf denen sowohl die Frauen als auch die Männer besucht werden können, oder die Vermeidung von konkurrierenden Spielen sind nur zwei von vielen Punkten, die für eine Eingliederung sprechen. 

Zeit für einen Aufbruch

Es geht auch hier um Wertschätzung und bewusstes Marketing. Ein Extrembeispiel: Als Hansi Flick gegen Dortmund sein Bundesliga-Debüt als Cheftrainer des FC Bayern feiert, findet zeitgleich ein Spiel zwischen den Frauen-Nationalmannschaften Englands und Deutschlands im Wembley Stadion statt – vor einer Rekordkulisse. Ungefähr 77.000 Zuschauer*innen sind da, aber in Deutschland bekommt kaum jemand etwas davon mit, weil die Bundesliga-Partie der Herren alles überstrahlt. 

Der DFB hätte hier schlicht einen anderen Termin oder zumindest eine andere Uhrzeit anstreben sollen. Eine Woche vor diesem Spiel stand nicht mal ein Fernsehsender fest, der die Partie überträgt – am Ende erklärte sich Eurosport dazu bereit. Ein Debakel in vielen Bereichen. “Ziel muss es sein, zumindest eine Diskussion über die Bedeutung und Anerkennung des Frauenfußballs in Deutschland anzuregen”, schreibt Magull im Juli. Seitdem hat kaum ein Medium nennenswert darauf reagiert. Es ist der Status-quo eines Sports, der in Deutschland – wie eigentlich alle Sportarten, die nicht Männerfußball sind – stark unter dem Radar läuft. 

Und das, obwohl er sich trotz aller ihm im Weg stehenden Hürden außerordentlich gut entwickelt hat. Es ist Zeit für einen Aufbruch. Der gelingt nicht, wenn man die Zustände einfach akzeptiert und mit Klickzahlen für Nichtigkeiten im Männerfußball argumentiert. Seiten wie der Kicker werden nicht daran kaputtgehen, wenn sie den Frauenfußball prominenter bewerben – und zwar mit fachlich korrekter und angemessener Berichterstattung. Im Gegenteil: Sie haben viel zu gewinnen. Das zeigt auch der Blick ins Ausland. Und vielleicht wäre es der Anstoß für gesellschaftliche sowie mediale Veränderung, wenn große Sportmedien den ersten Schritt machen. Der Frauenfußball hat mehr verdient als das, was er zurückbekommt.  

Die FA schafft den Durchbruch in den USA.
Sportdirektor des SC Sand über das Wachstum des Frauenfußballs.
Mareike König – Frauenfußball und Gesellschaft in Deutschland seit 1900
Fußball spielende Frauen vor 1970
Die graue Spielzeit

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Mit Dank an Petra Tabarelli und Sebastian Buch.



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  1. Sehr schöner und wichtiger Artikel!
    Es muss Anspruch des FCB sein, auch hier international oben mit zu mischen. Das Potential dieses Bereiches zeigt sich m.E. in den mitspielenden Vereinen. Während bis vor wenigen Jahren noch viele Vereinsnamen auftauchten, deren Heimatstädte man zunächst googlen musste, sind es heute Paris, Lyon, Barcelona etc. und jetzt auch Dortmund und Schalke.
    (Vor drei oder vier Jahren war ich bei einem Vortrag von Carsten Cramer, dem Mitgeschäftsführer in Dortmund. Hier hat er sich äußerst despektierlich und in wahrer Stammtischmanier zum Thema Frauenfussball geäußert. Dieser ansonsten sehr clevere Marketingstratege hat bei diesem Thema deutlich daneben gegriffen.)
    Ich erinnere mich gerne an den gemeinsamen Auftritt auf dem Balkon des Rathauses zur doppelten Meisterschaft. Das Trainingslager in Qatar halte ich für eine Wertschätzung des Vereins an seine Spielerinnen (interessanter Podcast zu diesem Thema vor längerer Zeit mit dem Focus auf das Thema Qatar).
    Schlussendlich muss man von diesen elenden Vergleichen wegkommen, aber auch von der zwanghaften Durchmischung, wie beim aktuellen holländischen Vorstoß, und den Sport als solches “subventionieren”, und ich meine nicht ausschließlich monetär, sondern marketingtechnisch u.v.m. Das Geschäftsmodell Fussball boomt derzeit. Dies war nicht immer so. Ich erinnere mich durchaus an gähnende Leere im Olympia Stadion. Spiele gehören in die Hauptsendezeit, eine gemeinsame EM, WM u./ o. CL, um die Zuschauer schon im Boot zu haben. Vielleicht gibt es sogar die Möglichkeit für sinnvolle Regeländerungen und Regelunterschiede zwischen Männern und Frauen.

  2. AdvocatusDiabolus Seite 28.09.2020 - 18:48

    Gibt viele Aspekte, die es bei diesem Thema zu diskutieren lohnt. Sinnvoll ist mit Sicherheit eine Integration. Warum man Frauen und Männer WM trennen sollte erschließt sich mir nicht. Lässt man beides zusammenlaufen kann man Synergien nutzen. Lässt man vor dem Mainevent des Herrenfußballs die Damen im TV laufen finden sich bestimmt auch neue interessierte für den Sport.
    Eine Regeländerung etwa in Bezug auf Spielfeld- und Torgrößen wäre mit Sicherheit ebenfalls sinnvoll und würde der Dynamik und Attraktivität des Frauenfußballs gut tun. Gibt es in anderen Sportarten wie Volleyball auch, lässt sich aber wohl in dieser Form nicht durchsetzen. Zu groß wäre die Furcht den Anschein zu erwecken, die Damen zu einer Art Kleinfeldfußball zu degradieren. Die anderen Probleme wären lösbar, Markierungen lassen sich setzen und Tore kann man auch mit einem größenverschiebbaren Stangensystem bauen.
    Es ist unbedingt notwendig, dass der Frauenfußball gleichberechtigt wird. Dazu gehört natürlich auch die mediale Aufmerksamkeit der öffentlich-rechtlichen. Jedoch sollte man bei all der sinnvollen Beseitigung der von außen herbeigeführten Unterschiede nicht dem Fehler verfallen, eine Gleichstellung von außen herbeiführen zu wollen. Dass Frauen wie Männer von ihrem Sport leben können, ist ein Privileg, kein Naturgesetz. Die Gehaltsstruktur der Herren ist absolut von allen guten Geistern verlassen und an dieser Stelle kein Vorbild. Viele andere Profiportler, gleich welchen Geschlechts, würden sich allerdings nach den Gehältern wie sie in Frauenbundesliga ausbezahlt werden verzehren (im Schnitt immerhin 43.730 €). Ob mit dem Job Profifußballerin mehr Entbehrungen verbunden snd als mit dem als Alleinerziehende Putzfrau ist nochmal Basis für eine ganz andere Diskussion. Die Spielerinnengehälter werden wohlgemerkt auch keineswegs durch die Einnahmen gegenfinanziert.
    Letztlich kann ich auch anmerken, dass in meinem außerordentlich progressiven und emanzipierten Umfeld das Interesse der Frauen an Sport im Allgemeinen schlicht geringer ist als das der Männer. Dafür beschäftigen sich die Damen, in meiner subjektiven kleinen Stichprobe, auffallend mehr mit Kunst, Klassik aber auch Mode (die sich nicht auf Kleidung beschränkt). Die Henne Ei Frage für diese Unwucht ist nicht klar zu beantworten. Es ist allerdings meiner Meinung nach auch kein inhärent schlechter Vorgang. Es muss keine Parität in den Interessen herrschen. Auch dass eine Sopranistin wie Netbretko das Einkommen eines studierten Baritons um eine ähnliche Größenordnung übertrifft wie bei Herren und Damenfußball ist per se kein Zeichen von Sexismus, sondern von Marktwirtschaft.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Die Integration, bzw zeitgleiche Durchführung von bspw Frauen- und Männer-WM wäre eine ziemlich schlechte Idee, und vermutlich auch nicht im Interesse der Frauen. Jahrelang war das Pokalfinale der Frauen im Berliner Olympiastadion einige Stunden vor dem Männerfinale. Dadurch hat man sich ein größeres Publikumsinteresse erhofft. Letztlich blieb das Frauenspiel aber nie mehr als ein Seitenevent zur Bespaßung derjenigen, die halt etwas früher ins Stadion gekommen waren. Speziell für das Frauenendspiel war fast niemand da. Das hat sich vermutlich so angefühlt, wie wenn eine lokale, weitgehend unbekannte Rockband als Vorgruppe für U2 im Olympiastadion auftritt. Haufenweise Leute dabei, die meisten interessiert es aber nicht. Konsequenterweise spielen die Frauen seit einigen Jahren autark, an einem anderen Termin, und haben dann auch Publikum, das sich für ihr Spiel interessiert. Das stellt auf jeden Fall eine Verbesserung dar.

      Hinzu kommt das, was JOB unten schreibt: Frauenfußball ist im Moment nicht nur körperlich auf einem niedrigeren Niveau als vergleichbarer Männerfußball. Wenn nur Frauen-WM läuft, würde ich normalerweise schauen, in Konkurrenz zur Männer-WM eher nicht.

      Insgesamt wirken solche Appelle etwas schwierig. Möglicherweise ist es “ungerecht”, daß die Frauen speziell im Fußball so viel weniger verdienen als die Männer. Der Hauptgrund dafür ist aber in meinen Augen, daß der Männerfußball einen ziemlichen Ausnahmefall im internationalen Sport darstellt. Gehälter, Fernsehgelder, Medienpräsenz sind da derart aufgebläht, daß einfach kein sinnvoller Vergleich möglich ist, weder geschlechterübergreifend noch zu anderen Sportarten. Der Frauenfußball sollte sich eher andere Vorbilder nehmen, z.B. das Damentennis. In Bezug auf die Medienpräsenz steht der Frauenfußball im übrigen gar nicht so schlecht da. Es gibt regelmäßig Live-Spiele im Free-TV, Spiele der Nationalmannschaft werden in den ÖR-Nachrichten thematisiert, internationale Meisterschaften bekommen nicht wenig Medienaufmerksamkeit.

      Das große Verbesserungspotenzial liegt vermutlich in einer stärkeren Professionalisierung der Bundesliga, mehr Konkurrenz zu Wolfsburg (deren Vorsprung vor der Konkurrenz viel größer als der von den Bayern-Männern ist – eine 4:1-Niederlage wäre in den letzten Jahren für das Team quasi undenkbar gewesen wäre), mehr Teams, die international konkurrenzfähig sind. Dabei sollte man tunlichst aufpassen, daß man sich im Vergleich zu England und Spanien nicht abhängen lässt. Speziell an dieser Stelle wäre auch der FC Bayern gefordert, der da in meinen Augen in den letzten Jahren eine etwas schwache Rolle gespielt hat. Dazu vielleicht in einem Extra-Beitrag mehr.

  3. Im Artikel und den beiden Kommentaren viele, wahrscheinlich sogar ausschließlich „richtige“ und diskussionswürdige Aspekte (witzigerweise habe ich mir erst am Wochenende bei der Kicker App im Fußball-Auswahlmenü gedacht, krass wie weit unten (nach Junioren et al) die Frauen kommen. Dabei wollte ich doch nur schnell das FCB Ergebnis checken).
    Aber: ich sehe schon noch einen anderen Aspekt, der bei der gib-ihnen-mehr-Raum-und-Aufmerksamkeit-und-das-Interesse wird steigen nicht berücksichtigt wird. Mir als großen und Jahrzehnte -langen Fußballfan, dessen Auge und Hirn an Männerfußball gewöhnt ist, macht es schlicht keinen Spaß, selbst Länderspiele der Frauen anzuschauen. Ich versuche es immer wieder, mit bestem Willen – ich will mich ja gut unterhalten! Aber es klappt nicht. Jetzt könnte man sagen: das ist Sehgewohnheit, einfach mehr schauen. Oder: erkläre doch deinem Belohnungszentrum im Hirn einfach, dass es falsch liegt. Aber so funktioniert das nicht. Mit der selben Begründung könnte ich mich ja anderen Sportarten, die mich nicht so interessieren, nähern. Eine Kopplung/Integration Frauen/Männer EM/WMwäre aus meiner Sicht eher kontraproduktiv, weil der (Tempo/Athletik) Kontrast dann noch stärker ins Auge springen würde und der Fernsehkonsum dann eh schon zu hoch ist…. für welches Viertelfinale entscheide ich mich dann wohl? Die Länderspiele, die ich gesehen habe, habe ich ja gerade angestellt, weil zu der Zeit keine anderen Spiele liefen. Klingt hart, ist aber (leider) so. Jetzt kann ich Einzelfall sein – oder Repräsentant einer Nicht-Zielgruppe. Ich denke, wen man erreichen will, für wen man Frauenfußball attraktiver machen will, ist eine entscheidende Frage (um beim Supermarkt Beispiel zu bleiben: dort findet sich kein Produkt, für das keine Marktanalyse Und Zielgruppen-spezifische Altionen gibt). Noch mal: Das Anliegen, die Forderungen etc finde ich hundertprozentig berechtigt. Die ein oder andere implizite Schlussfolgerung aber diskutabel.

  4. Zwei Anmerkungen:

    1) der Verweis auf die Anstrengungen und Leistungen, die Fußballerinnen erbringen, läuft meiner Meinung nach ins Leere. So gesehen kann sich auch jede Randsportart beschweren, z.B. Leichtathleten. Diese trainieren extrem hart, leben können sie davon auch nicht. Der Markt bzw. das Zuschauerinteresse regelt nun mal, was ein Sportler verdienen kann.

    2) Medial wurde Frauenfussball in der Vergangenheit teilweise extrem gepusht, zumindest auf Nationalmannschaftsebene. WM zu besten Sendezeiten und viele Artikel auf den führenden Nachrichtenseiten (z.B. Spiegel Online). Genutzt hat es damals halt wenig bzw. das Interesse war vergleichsweise gering.

  5. Dass die N11 so extrem gepuscht wurde in den letzten Jahren, kann ich nicht erkennen, auch wenn es anlässlich der WM Übertragungen mit zusätzlicher Berichterstattung gab. Das sackte dann sehr schnell ab. Beim Länderspielevent in Wembley fand sich schon kein öffentlich-rechtlicher Sender mehr, der das übertragen wollte.
    Das kann man/frau nicht einfach einem mangelnden Interesse aufseiten von Zuschauer und Zuschauerinnen zuschreiben. Und es liegt auch nicht nur am DFB. Hellman, einer der wenigen, die regelmäßig über den FF schreiben, hat in der Heimspielsendung des HR vom 31.8. zu Recht und aus eigenen Erfahrung darauf hingewiesen, dass es in den Redaktionen wenig Interesse am und reichlich Widerstände gegen den Frauenfußball gibt. Das zeigen auch die wenig kompetenten und stereotypen Fragen und Kommentare der jeweiligen Moderatoren bei Länderspielen wie z.B. Sven Voss – „Wo steht jetzt der deutsche Frauenfußball“.

    Ein aktuelles Beispiel für die mediale Behandlung des FF auch beim öffentlich-rechtlichen Flaggschiff Sportschau kann man/frau gestern bzw. heute sehen. Wer den direkten Weg über die Navigation die Startseite “Fußball > Frauenfußball > Übersicht” geht, landet nur bei einem Interview mit Almut Schult und zu Informationen zum letzten Länderspiel gegen Montenegro. Zum Spieltag der Liga findet sich nichts außer den Ergebnissen. Wer etwas über den Spieltag bei der ARD erfahren will, muss Umwege über die “Region” gehen
    (sportschau. de/regional/hr)
    “https://www.sportschau.de/regional/hr/hr-remis-gegen-hoffenheim-eintracht-frankfurt-frauen-bleibt-ungeschlagen-story100.html”
    Diesen Weg kann man/frau allerdings gar nicht direkt über die Navigation auf der Hauptseite finden.
    Das sind vielleicht Kleinigkeiten aber dennoch symptomatisch.

  6. Interessanter Artikel. Ich sehe durchaus Potential. Man bräuchte noch drei, vier Vereine mehr die Geld in ihre Mannschaft stecken, um einen wirklich interessanten Kampf um die Meisterschaft zu haben. Streaming-Plattformen wie MagentaSport sind gerade für weniger beachtete Sportarten/Ligen extrem wichtig (hier ist ein erster wichtiger Schritt schon gemacht worden). Sicher nicht um die Massen zu erreichen, aber um sich eine kleine aber treue Fanbasis aufzubauen. Ist das Fundament in der Basis gelegt (interessanter Wettkampf, konstante Medienpräsenz und sei es auch nur in der Nische) können grössere Events wie Weltmeisterschaften oder Pokalfinale auch einen nachhaltigen Effekt entfalten (ansonsten verpufft das Ganze sofort wieder). Steigen Vereine wie Dortmund und Schalke ernsthaft ein, wäre das ein weiterer Meilenstein. Es ist ein langsamer Prozess, aber gerade so scheinbare Kleinigkeiten wie kurze Spielberichte auf Youtube kann man gar nicht hoch genug bewerten.

  7. Die Engländer haben das Potential erkannt und ziehen in kürzester Zeit eine
    Profiliga hoch die alles andere weltweit in Grund und Boden stampft.

    Sogar die unbedeutende Damenmannschaft von den Spurs holt einen Weltstar Alex Morgan.
    Levy ist clever , er analysiert, versteht und handelt.

    Davor war es der alte Patron in Lyon Aulas der das schon sehr früh erkannt hat.

    Hainer hat bisher schön geredet aber eben mMn nicht konsequent gehandelt denn sonst hätten wir nicht unsere Kapitänin an Chelsea verloren.

    Die EPL und Profivereine zeigen wie es geht und wir sind wie schon bei dennHerren auf lange Zeit abgehängt. Aber wir bleiben bei 50+1 und ergötzen uns an halb gegärten Strukturen des Mittelalters….

    Anderes Beispiel Hockey.
    Da schaffen es sogar Belgier und Holländer in kurzer Zeit Profistrukturen zu schaffen von denen Spielern leben können…..

  8. Sehr guter Bericht und vor allem ein sehr guter Denkanstoß von Lina Magull – der übrigens auch an mir komplett vorbei gegangen ist.
    Zunächst einmal müssen wir aufhören Männer- und Frauenfußball miteinander zu vergleichen. Niemand würde in der Leichtathletik auf die Idee kommen, die 100m Zeiten von Männern und Frauen zu vergleichen. Die sind beide jeweils sauschnell.
    Magull hat einige wichtige Dinge aufgegriffen: Verzahnung unter dem Dach der DFL, gemeinsame Marketingaktionen und mehr “Traditionsvereine”, die Frauenfußball implementieren.
    Warum nicht bei der nächsten Fernsehrechteverhandlung sagen: eine Stunde Bericht über den Frauenspieltag muss dabei sein.

    Denn eines ist klar: die “Opfer” der Frauen sind deutlich größer. Und wir dürfen uns nicht wundern, wenn der Zuspruch in Deutschland schwindet und die besten Spielerinnen ins Ausland gehen.

    Machbar ist es – wenn man denn will…

  9. Dies ist der ACHTE Kommentar…

    Das sagt doch fast alles.
    Ich bin ehrlich, mich interessiert Frauenfußball auch nicht.
    Ich kenne keine einzige Spielerin, egal ob FCB oder N11.

    Tut mir leid für die Mädels, ist aber so.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Natürlich wird das geringere Interesse am Frauenfußball im Vergleich zu den Männern, das sich u.a. in deutlich geringeren Zuschauerzahlen im Stadion äußert, hier in der Anzahl der Kommentare gespiegelt. Deswegen wird die Diskussion ja nicht überflüssig.

      1. Ja natürlich ist die Diskussion sehr wichtig. Wie gesagt, die Frauen haben meinen vollsten Respekt.

        Bibi Steinhaus hat mal ein Spiel unserer Amas gepfiffen.
        Wenn ich dann an die ganzen unterirdischen Kommentare denke, die ich sehr oft im Stadion gehört haben wird mir beim Gedanken an ein reines Frauenspiel schlecht. Hoffentlich haben die ein besseres Publikum.

        .

  10. Speziell Bayern hat in den letzten Jahren in meinen Augen nicht genug getan, um den Frauenfußball hierzulande weiterzubringen. Wenn man Umsatz und Gewinn des Vereins betrachtet, könnte man problemlos höhere Gehälter zahlen, um Schlüsselspielerinnen zu halten. Es geht da ja nicht um 5-10 Millionen pro Jahr und Person wie bei den Männern, sondern um vielleicht 100.000 pro Jahr und Spielerin. Und da fallen mir spontan 4 Personalien ein:
    – Vivianne Miedema: das weibliche Äquivalent zu Lewandowski, und das schon mit 20 Jahren. So eine Spielerin muß ein Verein eigentlich um fast jeden Preis halten, wenn das langfristige Ziel auch mal ein internationaler Titel sein soll.
    – Sara Däbritz & Melanie Leupolz: 2 Stützen sowohl der Bayern, als auch der NM, die man an besserzahlende Vereine im Ausland verloren hat
    – Lieke Martens: neben Miedema und Spitse die Spielerin der EM 2017, wo mit den Holländerinnen eine Mannschaft die internationale Bühne betreten hat, die ähnlich wie die holländische Männer-NM der frühen 70er die Fußballwelt ein wenig aufgerollt hat. Bayern hatte offenbar kein Interesse.

    Die Entscheidungen, nicht zu versuchen, die Spielerinnen zu halten bzw zu verpflichten, mag in jedem Einzelfall natürlich sinnvoll sein, aber insgesamt zeigt sich doch, daß das Mindset im Verein deutlich anders ist als in Bezug auf die Männermannschaft.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Man muss da schon differenzieren: Grundsätzlich hat der FC Bayern mehr für den Frauenfußball getan als nahezu jeder andere Klub aus dem Männerbereich. Und das schon seit Jahrzehnten, nicht erst in diesem Jahrzehnt, wo sich das “Investment” sicher nochmal stark erhöht hat. Andererseits stimme ich dir zu, dass ein Klub dieser Qualität durchaus Möglichkeiten hat, Spielerinnen länger an sich zu binden und nicht als Sprungbrett für andere Klubs zu dienen. Da muss man sich in Zukunft besser aufstellen.

  11. Um ein auch im Männerbereich weit verbreitete These aufzunehmen: Das Premiumprodukt des Frauenfußballs, die Bundesliga, ist einfach stinklangweilig.
    Ja, das kennen wir alle. Wobei das im Männerbereich, wenn wir die Provokation mal annehmen, eben nur für die letzten Jahre gelten könnte und zu der Zeit war dieses Produkt mehr als erfolgreich etabliert und auf dem Zenit.
    In der Frauen-BL aber, wo noch so unendlich viel an Aufmerksamkeit aufzuholen wäre? Da hat in den letzten 10 Jahren gerade mal eine Mannschaft die nicht Bayern oder Wolfsburg hieß einen Pott geholt. Und auch die Bayern-Erfolge sind ja auch eher rare Ausnahmen.
    Im Grunde gibt es doch an der Spitze nur die beiden Spiele der Dominatoren untereinander, die einen gewissen Kitzel vermitteln. Ansonsten wartet man darauf, ob die beiden in den restlichen 40 Partien tatsächlich vielleicht mal ein oder zwei Spiele nicht gewinnen. Und wie oft kommt das dann vor? Das ist wie DFB-Pokal, bei dem die Überraschungen durch die Kleinen fast vollständig ausbleiben.
    Und die 10 Jahre davor war es auch nicht wesentlich anders. Da musstest du nur die Namen austauschen und Potsdam und Frankfurt hinschreiben.
    Eine gewisse Hoffnung auf Verbesserung könnte es in der Hinsicht geben, wenn mehr Traditionsvereine aus dem Männerbereich beginnen eine größere Rolle zu spielen. Ein Duell z.B. zwischen Bayern und dem BVB könnte auch in diesem Bereich wesentlich mehr mediale Funken schlagen als alles andere.

    Was mir gefällt ist die Aussage von Magull, Frauen wären Marketingaktionen gegenüber offener und bereiter als Männer.
    Diese Möglichkeit, dass der Frauenfußball nicht diesen Reichtum, oder anders formuliert, diesen Ballast an Traditionen mit sich schleppt, gälte es zu nutzen.

    Mir würde z.B. der Gedanke an Playoffs gut gefallen. Der einzige Termin der auf Vereinsebene national wirklich Beachtung findet ist das Pokalfinale. Weil es da tatsächlich in einem Spiel um etwas geht. Ich würde da eine Möglichkeit sehen, dass Spannungsdefizit zumindest in Teilen etwas aufzubrechen.

    Ich würde auch mal über den Spielkalender nachdenken. Warum es nicht mal im Rhythmus eines Kalenderjahres versuchen. Sollen doch die Männer im Winter frieren (-;
    Das hätte auch und vor allem den Charme, dass man z.B. die fußballfreie Zeit im Sommer im Männerbereich nutzen könnte, um für einmal unangefochten und allein die Szene zu beherrschen.

    Auch im Regelbereich könnte man sich einiges einfallen lassen, um so etwas wie Alleinstellungsmerkmale zu schaffen,
    Ich würde dabei nicht den Charakter des Spiels selbst antasten, es sollte nicht der Gedanke aufkommen, es handele sich um eine Light-Variante des “richtigen” Fußballs.
    Aber es sollte etwas sein das anzeigt: Das hier ist Frauenfußball.

    Spontan fällt mir so etwas ein wie Auszeiten für die Trainer, oder z.B. Zeitstrafen während des Spiels. Ich würde vielleicht auch ein Element aus den Geisterspielen aufgreifen, dass überall sehr positiv ankam. Nämlich die Möglichkeit die Kommunikation innerhalb der Mannschaft, auch mit dem Trainer mitzubekommen.
    Warum also nicht die Trainer oder einzelne Spielerinnen verkabeln und das in geeigneter Weise verwenden.

    Wie schon gesagt, das würde einiges an Offenheit verlangen. Einiges wäre sicher schwer oder gar nicht umsetzbar. Aber wie heißt es so schön im Neusprech: Einfach mal “out of the box” denken (-;

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Ja, den Gedanken hatte ich auch, dass man deutlich progressiver und innovativer vergehen könnte als im Männerbereich. Dafür bräuchte es wahrscheinlich einen sehr starken Ligaverband, der eine eigene Identität schafft und sich versucht ein bisschen vom altbackenen DFB-Image abzugrenzen. Wahrscheinlich sind das alles aber nette Ideen, die schwierig in der Praxis umzusetzen sind. Letztlich bräuchte es wohl vor allem ein paar Schwergewichte (wie es im Männerfussball zum Beispiel Investoren a la Red Bull und Manager a la Uli Hoeness gab), um eine Entwicklung voranzutreiben.

  12. Ich muss sagen ich habe auch null Interesse am Frauenfußball, die wenigen Spiele die ich gesehen habe waren da auch keine Werbung. Der Unterschied ist viel offensichtlicher als z.B. beim Skifahren oder sonstigen Sportarten bei denen ich beide Geschlechter mit gleichem Interesse verfolge.
    Auch meine Frau interessiert sich nur für Männerfußball und die einzigen beiden Frauen die ich kenne welche Frauenfußball verfolgen sind beide selbst Spielerinnen.

    Sehr sinnvoll wäre es die WM/EM mit der der Männer zu koppeln so würde man die allgemeine WM/EM Stimmung und Aufmerksamkeit nutzen und sicher würden sich einige dann auch ein paar Frauenspiele ansehen. Evtl gäbe es auch Public Viewing usw wenn das Zeug eh schon aufgebaut ist…
    Im Moment ist das doch eher so dass man irgendwann beiläufig mitbekommt dass das Turnier gerade läuft. Ich wüsste nichtmal wo die letzte WM war und wer wie abgeschnitten hat.

  13. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, mit welchem Recht Frauenfußball darauf pocht, künstlich Aufmerksamkeit zu erhalten.

    Meiner Meinung nach läuft die Verteilung von Aufmerksamkeit für Sportarten in einem sehr demokratischen, Marktwirtschaftlichen Verfahren ab. Wen es interessiert, der konsumiert es. Die große Menge an weltweiten Konsumenten führt im Übrigen auch zu den riesigen Geldbeträgen, die im Männerfußball den Besitzer wechseln.

    Was durchaus unfair ist an der Sache: Als Platzhirsch hat man hier einen deutlichen Vorteil, die Karten werden nicht jedes Jahr neu gemischt. Dennoch verstehe ich nicht, warum Frauenfußball mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte als 3. Liga Männerfußball, 1. Liga Basketball, 1. Liga Frauenhandball oder die Fortnite Weltmeisterschaft? Wer entscheidet das und nach welchen Kriterien?

    Auch wenn sich das im ersten Moment sehr kritisch anhören mag, ist das in keinster Weise despektierlich gemeint. Ich bin absolut dafür, dass Frauen dieselben Chancen erhalten, wie Männer in allen Bereichen des Lebens – und umgekehrt. Warum Frauenfußball hier eine exponierte Stellung im Vergleich zu anderen Sportarten (Frauen/Männer) einnehmen soll, verstehe ich allerdings nicht und bin dankbar für Denkanstöße und Erläuterungen.

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    1. Die meisten Sportarten sind potenziell interessant (man nehme nur Cricket, dass in England, Indien und Australien Millionen begeistert) und jede versucht sich weiterzuentwickeln und mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Das heisst nicht im Umkehrschluss, dass man sich über andere stellt oder ihnen was wegnehmen möchte. Hier nimmt sich der Autor dem Frauenfussball an, weil er ihn für förderungswürdig hält und weil der FC Bayern eine Frauenmannschaft hat. Ein gewisser Solitaritätsgedanke zwischen Männer- und Frauenfussball ist naheliegend. Künstliche Aufmerksamkeit funktioniert ohnehin nicht, aber ein Verbesserung des Status Quo ist im Bereich des Möglichen. Leider regelt der Markt nicht immer alles und Förderung hilft um etwas entstehen zu lassen. Grundsätzlich kann ich Deinen Gedankengang aber schon nachvollziehen. Nur aus Solidarität etwas künstlich am Leben zu halten macht irgendwann keinen Sinn mehr.

      1. In England ist ja auch nicht künstlich etwas entstanden. Dort hat der Frauenfußball einen riesigen Aufstieg erfahren. Es geht nicht darum, ihn auf das Level Männerfußball zu bringen, aber ist es nicht traurig, dass das Privileg Profisportler*in in so vielen guten und spannenden Sportarten nicht möglich ist? Da bedarf es eben der Förderung. Und einer Anpassung. Das Argument, dass die Gesellschaft sich eben nur für Fußball (Männer) interessiere, greift mir da viel zu kurz. Dann können wir die Diversität des Sports hier auch abschaffen.

      2. Dass man (ob Mann oder Frau) nicht vom Sport leben kann ist aber in sehr vielen Sportarten so, da steht der Frauenfußball ja nicht alleine. Sportsoldaten gibt es im Prinzip nur, weil man Medaillen in Sportarten möchte, die sich im Profibereich nicht selbst tragen.
        Ich finde das nicht per se traurig, vom Sport leben zu können ist eine Ausnahme, ein Privileg und kein Grundrecht.
        Ohne die Gelder der Clubs aus dem Herrenfußball wäre der finanzielle Stand bei den Frauen sogar noch ein völlig anderer, insofern ist die Förderung des Frauenfußballs ja bereits viel größer als bei anderen Sportarten die noch nicht im Fokus der Masse stehen.

      3. Ich vermute, dass Sport als Unterhaltungsindustrie einen gewissen Plattformcharakter hat. Das heißt alle profitieren davon, wenn möglichst viele Personen denselben Sport verfolgen. Das befeuert Sport als gemeinsames Gesprächsthema und als Gruppenaktivität. Eine außerordentlich große Diversität wäre dann eher kontraproduktiv, wenn wir annehmen, dass der Großteil der Menschen nur eine Sportart intensiv verfolgen. Zeigt sich in meinen Augen auch daran, dass sogar innerhalb des Männerfußballs eine starke Konzentration auf wenige Vereine und natürlich die höchste Liga (Berichterstattung, TV-Zahlen, Merchandise) erkennbar ist.

  14. […] Insbesondere die Rolle der Außenverteidigerinnen spielt hier eine Rolle. Während Simone Laudehr häufig eher tiefer steht und in der Spielaufbauphase mit den Innenverteidigerinnen eine Dreierkette bildet, schiebt Hanna Glas häufig sehr weit nach vorn – womöglich stellt der Kicker sie deshalb immer wieder fälschlicherweise im Mittelfeld auf, aber and… […]

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