Der FC Bayern gewinnt das Spitzenspiel in Leipzig
Bild: Maja Hitij/Getty Images

RB geht die Energy aus: FC Bayern gewinnt Spitzenspiel

Florian 17.01.2026



Vincent Kompany war vor dem Spiel in Sachsen keinesfall zu beneiden. Mit Konrad Laimer, Josip Stanišić und Sacha Boey fehlten dem Belgier alle Kandidaten für die Besetzung der Position des Rechtsverteidigers. Auch Joshua Kimmich, der bekannterweise desöfteren rechts in der Viererkette verteidigt, konnte nach seiner Verletzung nur auf der Bank Platz nehmen.

Auf der linken Abwehrseite musste Kompany ein ähnliches Puzzle lösen. Alphonso Davies stand zwar genau wie Jamal Musiala erfreulicherweise wieder im Kader, für die beiden Akteure kam ein Startelfeinsatz allerdings noch zu früh. Neben Jonathan Tah und Dayot Upamecano vertraute Kompany beim Gastspiel in Leipzig daher auf Tom Bischof und Hiroki Ito als Außenverteidiger.

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Michael Olise nahm auf ebenfalls auf der Bank Platz und so bildeten Luis Díaz, Lennart Karl und Serge Gnabry die offensive Dreierreihe hinter Harry Kane. Die Rolle der Doppel-Sechs übernahmen Leon Goretzka und Aleksandar Pavlovic.

FC Bayern mit dezimierter Abwehr in Leipzig

Ole Werner nahm im Vergleich zum 2:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg unter der Woche zwei Veränderungen vor: Mit Nusa und Diomande anstelle von Gomis (Bank) und Ouedraogo (verletzt) setzte der Übungsleiter noch mehr auf Geschwindigkeit und Offensive.

Mit Benjamin Henrichts stand zudem ein Akteur wieder im Kader der Hausherren, der zuletzt am 20. Dezember 2024 für den Getränkekonzern zum Einsatz kam. Gegner damals: Der FC Bayern München, der sein Heimspiel mit 5:1 gewinnen konnte. Für den Nationalspieler schloss sich also an diesem Samstagabend nach Achillessehnenriss und über einem Jahr Zwangspause der Kreis.

Leipzig beginnt druckvoll und vergibt erste Chancen

Vor dem Spiel wurde Kevin Kampl im weiten Rund emotional verabschiedet. Der Mittelfeldmann hat die Sachsen kürzlich nach einem persönlichen Schicksalsschlag verlassen und den Vertrag aufgelöst.

Der FC Bayern startete die Partie mit Lennart Karl auf dem rechten Flügel, Serge Gnabry reihte sich auf der Zehn ein. Tom Bischof, Teilzeit Linksverteidiger, versuchte sich auf der rechten Seite, Ito übernahm die für ihn bekannte linke Seite.

Einen ersten Torabschluss gab es nach knapp drei Minuten als Baumgartner nach feinem Dribbling das Spielgerät über das Tor von Neuer schlenzte, wenige Zeigerumdrehungen später scheiterte Mittelstürmer Romulo am FCB-Keeper.

Die Sachsen versuchten es konsequent über die Flügel. Diomande schickte Ito ins Kino, seine Hereingabe konnte Nusa aus kurzer Distanz nicht im Tor unterbringen. Ein Horror-Start für den FC Bayern, der anfangs keinerlei Zugriffe in der Defensive hatte und einige gefährliche Aktionen überstehen musste.

Ein Spiel ohne Ruhepausen – Bayern hält mit Glück die Null

Der FC Bayern kam nach gut zehn Minuten zu einem ersten Abschluss: Díaz hatte nach einer Ecke halblinks vor dem Tor zu viel Platz, der Abschluss des Kolumbinaners war aber deutlich zu zentral. Der beste Angriff der Münchner folge in der 14. Minute als Quarterback Harry Kane Karl auf die Reise schickte. Der Youngster konnte den Ball aber weder zum mitlaufenden Díaz noch gefährlich auf das Tor der Sachsen bringen. Eine Szene, aus der die Münchner mehr machen müssen!

Auf der Gegenseite verpasste Seiwald den ersten Treffer des Spiels, Upamecano konnte vor dem Österreicher noch klären. Man merkt: Das Spiel hatte schon in der Anfangsviertelstunde mehr Höhepunkte zu bieten als so manche Samstagabend-Unterhaltungsshow.

Der FC Bayern verpasste es in dieser Phase etwas Ruhe in die Partie zu bringen. Da man selbst mit langen Bällen operierte, die allerdings nicht immer behaupten konnte, rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Manuel Neuer zu.

In der 20. Minute war es dann soweit: Romulo brachte die Hausherren in Führung. Vorausgegangen war ein taktisches Fehlverhalten von Bischof, der zu hoch anlief, aber ohne Gegnerdruck blieb. Upamecano musste so nach außen rücken, Leipzig nutzte den freigewordenen Platz auf der linken Angriffsseite und Raum fand in der Mitte den brasilianischen Mittelstürmer.

Die Bayern veruschten es in der Folge vermehrt mit schnelleren Verlagerungen und Schnittstellenpässe. Kane war es, der einige Angriffe initiieren konnte, zu gefährlichen Abschlüssen kam die Kompany-Elf allerdings nicht. Wenn der FCB hingegen das Spielgerät verlor, konterte Leipzig blitzschnell.

Seiwald entgeht mit Glück dem Platzverweis

Den Münchnern fehlte es in diesen Situationen am Zugriff. Die offensiven Außen Karl und Díaz konnten die Leipziger-Angriffe nicht stoppen und das zentrale Mittelfeld schien angesichts der Intensität und Wucht der Hausherren überfordert und alleingelassen.

Nach gut einer halben Stunde kam es nach einem harten Einsteigen von Seiwald gegen Goretzka zu einer längeren Verletzungspause. Der Österreicher traf Goretzka an der Ferse, ein Einsteigen das mutmaßlich nur auf Grund des Trefferbilds keinen Platzverweis nach sich zog. Glück für Seiwald und auch den deutschen Nationalspieler, der das Spiel fortsetzen konnte.

Nach dieser Szene beruhigte sich das Geschehen auf dem Platz etwas. Eine gute Nachricht für den FCB, der doch große Schwierigkeiten mit dem Gegner hatte. Leipzig schaffte es immer wieder sich geschickt aus dem Pressing der Bayern zu befreien und kam besonders über die Flügel, wo Ito über die kompletten 45 Minuten überfordert wirkte, zu Torchancen.

Zur Halbzeit wechselte Vincent Kompany: Für den angeschlagenen Leon Goretzka kam Joshua Kimmich zu seinem Comeback. Die ersten Minuten nach Wiederanpfiff glichen dabei den letzten Minuten vor der Halbzeit. Der FC Bayern war um eine Antwort bemüht, fand aber nur schwer die Lücken im Leipziger Abwehrverbund.

Upamecano presst, Gnabry trifft

Ein Fehler im Aufbau der Leipziger sorgte dann in der 50. Minute für den Ausgleich: Upamecano eroberte tief in der gegnerischen Hälfte das Spielgerät von Baumgartner, der Ball sprang zu Gnabry, der Gulacsi aus spitzem Winkel überwinden konnte. Ein Tor, das etwas aus dem Nichts kam.

Der Ausgleich änderte die Statik im Spiel sofort. Díaz mit einem abgefälschten Schuss und Kane hatten in der Folge große Chancen zur Führung, während Leipzig sich schwer tat, den Rhythmus der ersten Hälfte wiederzufinden.

Die Kompany-Elf, die ab der 57. Minute mit Olise für Karl stürmte, übernahm mehr und mehr die Kontrolle in einem immer noch sehr wilden Spiel. Nach 65 Minuten sprachen die Laufleistung (87 Kilometer zu 89 Kilometer) und der Ballbesitz (46 zu 54 Prozent) für den FC Bayern. Und auch hinsichtlich der gewonenn Zweikämpfe legte der Rekordmeister zu.

So war es dann nicht verwunderlich, dass die Münchner das Spiel drehen konnten. Nachdem Romulo zuerst die Chance zur Führung hatte, war es in der 67. Minute Harry Kane, der sich in die Torschützenliste eintragen konnte. Olise konnte sich auf der rechten Seite durchsetzen und flankte nach innen wo Baku ausrutschte und Kane den Ball fulminant in die Maschen drosch.

Die Leipziger waren direkt um eine Antwort bemüht. Der fleißige Diomande scheiterte nach 72 Minuten aber aus kurzer Distanz und spitzem Winkel an Neuer. Erneut was der Ivorer Ito auf der rechten Seite entwischt.

Mit der Führung im Rücken gelang es dem FC Bayern minütlich mehr und mehr Kontrolle über das Spielgeschehen zu übernehmen. Geschickt ließ man Ball und Gegner laufen und erarbeitete sich so mehr Räume und Torchancen.

Musiala kommt und legt vor: Bayern brilliert in Halbzeit zwei

In der 83. Minute machten die Bayern dann den Deckel auf die Partie. Nach einem Eckball von Olise setze sich Tah im Kopfball-Duell durch und köpfte zur Entscheidung an. Noch mehr Grund zum Jubeln gab es wenige Sekunden später als Kane in Bedrängnis einen überragenden Dialogball auf Olise spielen konnte.

Der Franzose kontrollierte das Leder und wartete auf den heranstürmenden Pavlovic, der aus kurzer Distanz zum 4:1 einschob. Nach dem Tor kam mit Jamal Musiala der dritte Spieler zu seinem Comeback. Die bayerische Nummer 10 war auch gleich offensiv beteiligt, als er bei einem Münchner Konter einen Pass von Díaz direkt zu Olise weiterleitete, der ansatzlos zum 5:1 abschloss.

Danach plätscherte das Spiel dem Ende entgegen, bis auf einen Pfostenschuss der Leipziger passierte nicht mehr viel. Die Münchner zeigten in der zweiten Halbzeit eindrucksvoll was sie zum leisten imstande sind. Die Leipziger schafften es nur 45 Minuten lang, die Bayern im Schacht zu halten.

Dem FCB, bei dem Musiala, Davies und Kimmich ihr Comeback feierten, gelang ein Rückrunden-Auftakt nach Maß. Am 11. Februar kommt es bereits zum Wiedersehen der beiden Teams: Im DFB-Pokal-Viertelfinale treffen die Münchner dann zuhause auf die roten Bullen aus Leipzig.

FC Bayern in Leipzig: Drei Dinge, die auffielen

Defensiver Blechschaden in der ersten Halbzeit

Die Personalsituation des FC Bayern vor dem Topspiel war nicht die einfachste und die Personalprobleme in der Abwehr machten sich von Minute eins an bemerkbar. Besonders Ito hatte auf seiner linken Seite großen Probleme mit Diomande, der beinahe in jedem Dribbling am Japaner vorbeikam.

Auf der rechten Seite war Bischof entscheidend beteiligt am ersten Gegentor. Doch unabhängig von den Außenverteidigern hatte der FCB seine Probleme mit der Intensität der Bullen.

Gnabry weiter eiskalt

Vier Torbeteiligungen in den letzten vier Bundesliga-Spielen: Serge Gnabry hat zurzeit einen kleinen Lauf. Der Nationalspieler, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, gelang nicht nur in Köln der wichtige Ausgleichstreffer sondern brachte die Bayern auch in Leipzig zurück ins Spiel.

Gegen Mainz und Heidenheim sorgte der 30-Jährige jeweils für eine Torvorlage. Empfiehlt sich der Offensivspieler so noch auf den letzten Metern für einen neuen Vertrag? Klar ist: Gnabry ist, wenn fit, immer noch ein wichtiger Bestandteil des Rekordmeisters. Wenn er finanziell zu Einbußen bereit ist, könnte er, hinter Díaz und Olise, auch in Zukunft eine wichtge Rolle einnehmen. Die spielerichen Fähigkeiten dazu hat er allemal.

FC Bayern strotzt allen Widerständen

Zahlreiche Stammspieler verletzt? Die Abwehr unsortiert? Verdient mit 1:0 in Rückstand? Kein Problem. Der FC Bayern hat erneut bewiesen, dass er auch schwierige Spiele gewinnen kann und sich keinen großen Kopf macht.

Egal, wie das Spiel steht. Egal, wie schwer die Aufgabe zu sein scheint: Der Rekordmeister vertraut auf seine Stärken und zieht sein Spiel bis zum Schluss durch. Eine Erkenntnis, die dem FCB in dieser Saison noch weiterhelfen kann.

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