Josip Stanišić und Alphonso Davies jubeln im Trikot des FC Bayern
Bild: Alex Grimm/Getty Images

Tempo oder Konstanz? Wer verteidigt die Außenbahnen des FC Bayern gegen PSG?

miasanrot 28.04.2026

Dieser Artikel wurde von Lennart geschrieben. Lennart hat sich bei Miasanrot beworben.

Am Dienstagabend trifft der FC Bayern in der Champions League auf Paris Saint-Germain. Doch Vincent Kompany gehen die Optionen aus.

Die Verletzungssituation sieht zumindest für das Hinspiel herausfordernd aus. Umso paradoxer, dass das Trainerteam des FCB auf einer Position im Kader die Qual der Wahl hat.

Auf den Außenverteidigerpositionen stehen drei Spieler zur Verfügung, für die es jeweils gute Argumente gibt, sie einzusetzen. Konrad Laimer dürfte dabei gesetzt sein. Die einzige offene Frage ist, ob der Österreicher rechts oder links verteidigen wird.

Das wiederum hängt davon ab, ob Kompany schon ausreichend Vertrauen in einen Einsatz von Alphonso Davies hat – oder ob er erneut Josip Stanišić den Vorzug gibt. Miasanrot vergleicht die beiden Spielertypen mit Blick auf die Herausforderungen, die gegen PSG warten.

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Josip Stanišić: Mr. Zuverlässig beim FC Bayern

Stanišić gehört zu den Stammspielern dieser Saison. In 49 Saisonspielen stand der kroatische Nationalspieler 30-mal in der Startelf. Ein Wert, der auch mit Blick auf seine elf mit Verletzungen verpassten Spiele beeindruckt und seine Rolle in der Mannschaft unterstreicht.

Der 26-Jährige ist ein Defensiv-Allrounder: auf beiden Seiten einsetzbar sowie im Zentrum. Das liegt unter anderem an seinem ausgeglichenen Spielerprofil. Er ist gut in jeder Disziplin. Mit knapp 34 km/h gehört er zu den stärkeren Sprintern des Teams, ist körperlich robust, defensiv aufmerksam und zweikampfstark. Auch in der Luft weist der 1,87 Meter große Verteidiger für einen Außenverteidiger starke Werte auf.

Das unterstreicht seine Stärke, allerdings auch seine größte Schwäche. Stanišić ist in jedem Bereich gut, aber in keinem überragend. In einem Champions-League-Halbfinale, das man mit gutem Gewissen als höchstes Niveau im Fußball beschreiben kann, lässt das immer Restzweifel offen.

Allerdings sind ausgerechnet das bisher Spiele gewesen, in denen Stanišić oft gute Leistungen gezeigt hat. Man erinnere sich an die Spiele gegen Paris 2023, in denen er Kylian Mbappé gut in den Griff bekam, oder als die Bayern es am eigenen Leibe erfahren mussten, als Stanišić mit einer Man-of-the-Match-Performance zu Leverkusens Sieg und der 3:0-Demütigung der Bayern beitrug.

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Alphonso Davies: Mehr Tempo, aber auch mehr Risiko

Davies dagegen liest sich wie das genaue Gegenteil von Stanišić. Man weiß nicht so richtig, was man vom Kanadier bekommt. In den letzten Jahren hatte Davies viele Aufs und Abs, und diese Saison ist bisher noch schwierig zu bewerten.

Nach seiner langen Verletzungspause hat Davies natürlich Zeit gebraucht, um wieder reinzukommen, ähnlich wie Jamal Musiala. Aber wie besagter Musiala hat man das Gefühl, dass „Phonzie“ wieder reinkommt. Gegen Stuttgart startete er im Meistermacher-Spiel und schoss die Bayern mit einem Tor unter anderem zum Sieg. Dabei zeigte er insgesamt eine gute Leistung.

Dazu hatte Stanišić im Rückspiel gegen Madrid einige Probleme und wurde durch Davies ersetzt, der anschließend eine stabilere Leistung zeigte. Beim Linksfuß spielt das Wort Potenzial eine große Rolle. Ein athletisches Monster, das ohne Frage zu den schnellsten Spielern der Welt gehört – eine Fähigkeit, die auf den Außenverteidigerpositionen bei Bayern in dieser Qualität nicht vorhanden ist.

Auch im Thema Ballführung und Balltragen kann Davies herausstechen. Der offensive Background des pfeilschnellen Außenverteidigers ist deutlich erkennbar. Besonders gegen Paris könnte Davies die größeren Räume zwischen den Ketten der Franzosen ausnutzen und vor allem defensiv die Highspeed-Offensive des Champions-League-Siegers besser zulaufen als es ein Stanišić könnte. Seine Dribblings sind zudem eine echte Waffe gegen hohes Pressing.

Trotzdem ist es bei Davies immer noch ein Fragezeichen, wie und ob er seine Stärken ausspielen kann. Ein Kreuzbandriss ist, besonders für athletische Spieler, eine nicht zu unterschätzende Verletzung, und die Auftritte des Linksverteidigers unterstreichen das auch. Die Leichtigkeit, Routine und das Vertrauen sind noch nicht ganz wieder da, und das ist auch verständlich. Seine Spielweise ist zudem sehr riskant, wenn er nicht auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist.

Davies vs. Stanišić: Wer sollte gegen PSG spielen?

Insgesamt ist die Situation auf der Linksverteidigerposition am Dienstagabend knifflig für Kompany. Davies hat sich gegen Real und Stuttgart auf höchstem Niveau zurückgemeldet und gute Leistungen gezeigt. Stanišić hingegen hat das alles auch schon gemacht und war über die gesamte Saison eine Konstante, die der Mannschaft immer Sicherheit und Mentalität gegeben hat.

Gegen Paris kommt es aber nun mal auf Nuancen an. Wenn die beiden besten Mannschaften der Welt gegeneinander spielen, ist das Potenzial für Fehler enorm. Trotzdem steht Kompany vor einer Luxusfrage, da beide auf ihre eigene Art und Weise zu den besten Spielern ihrer Position gehören.

Prinzipiell ist es nicht unfair zu sagen, dass die Saison von Stanišić mit einem durchweg fitten Davies wohl anders verlaufen wäre – und das hat auch seine Gründe. Der 25-jährige Kanadier ist ein Paket, das es im Weltfußball so kaum gibt, und hat Fähigkeiten, die in manchen Situationen den Unterschied machen können.

Besonders wenn man sich anschaut, wie das Real-Spiel verlaufen ist, heißt es gegen Paris mehr denn je aufzupassen, dass die sehr hohe Linie der Bayern nicht überspielt wird und die teilweise sehr großen Lücken geschlossen werden. Genau dort kommt Davies ins Spiel: Mit seiner Geschwindigkeit kann er Lücken schließen, die sonst kaum zu schließen wären. Besonders gegen eine Offensive bestehend aus Dembélé, Kvaratskhelia und Doué ein vielleicht spielentscheidender Faktor.

Sein aktueller Fitnessstand ist von außen aber schwer zu beurteilen. Dazu kommt, dass Davies seit seinem Kreuzbandriss überhaupt erst zweimal 90 Minuten durchgespielt hat, und das noch vor seiner erneuten Verletzung. Vielleicht ist es für Davies also noch zu früh, das bisher wichtigste Spiel der Saison von Anfang an zu bestreiten. Außerdem spricht der Startelfeinsatz am Wochenende vielleicht auch für eine bewusste Schonung von Stanišić.

Es ist ja auch eine altbewährte Taktik, schnelle, athletische Spieler erst zum Ende der Partie zu bringen und damit neue Dynamik ins Spiel zu bringen – eine Idee, die naheliegt und sinnvoll ist. Zumal die Bayern auch mit Stanišić ein gutes Bauchgefühl haben können. Der gebürtige Münchner sollte aufgrund seiner Konstanz, defensiven Stabilität und besseren Fitness im Vergleich zu Davies die Nase vorn haben.

Damit hat die Bayern-Bank zusätzliches Late-Game-Potenzial. Denn besonders an Einwechseloptionen, die noch einmal Speed und offensive Gefahr bringen können, mangelt es den Bayern in dieser Phase enorm. Und so kann Davies vielleicht sogar dazu beitragen, dass die mangelnden Optionen auf der Bank nicht ganz so schwer wiegen, wie es aktuell den Anschein macht.

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