Robert Lewandowski of Bayern Munich (L) celebrates with team mates as he scores their first goal during the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and 1899 Hoffenheim at Allianz Arena on January 31, 2016 in Munich, Germany.

FC Bayern München – TSG Hoffenheim 2:0 (1:0)

Christopher Trenner 31.01.2016

Die Bayern indes mussten kurz vor dem Anpfiff die nächste Hiobsbotschaft verdauen. Javi Martínez musste sich einem Eingriff am Knie unterziehen lassen und fällt für die nächsten zwei bis drei Wochen aus. Somit stand nur Holger Badstuber als etatmäßiger Innnenverteidiger zur Verfügung.

Falls Ihr es verpasst habt:

Der FC Bayern ging aufgrund der Verletzung von Martínez verändert in die Partie: nämlich mit einer klaren Dreierkette. Holger Badstuber rückte ins Zentrum und wurde von Alaba und Kimmich flankiert.

FC Bayern 3-2-4-1, Hoffenheim 4-2-3-1/4-4-2FC Bayern 3-2-4-1, Hoffenheim 4-2-3-1/4-4-2

Gerade Kimmichs Aufstellung war etwas überraschend, doch folgerichtig. Badstuber sollte von möglichst schnellen Spielern unterstützt werden. Dass Lahm und Alonso auf den Sechserpositionen aufgeboten wurden, verlieh diesem Dreierkettenkonstrukt die gebotene Stabilität. Beide spielten fast nebeneinander, verdichteten so das Mittelfeld und schufen gleichzeitig eine zusätzliche Option im Spielaufbau. Vorne drin setzte Pep Guardiola auf alle fünf Offensivakteure: Robben, Coman, Costa, Müller und Lewandowski. Hier stand eine Pärrchenbildung im Mittelpunkt. Jeweils auf beiden Seiten wurde der Flügel überlagert mit Müller und Robben auf der rechten sowie Costa und Coman auf der linken Außenbahn. Der Zehnerraum blieb dadurch fast ungenutzt.

Huub Stevens setzte anders als Gisdol im Hinspiel nicht auf ein Vollpressing, sondern bot seine Mannschaft relativ klassisch im 4-2-3-1 auf, dass sich in der Abwehr zu einem 4-4-2 verschob. Dabei ordnete sich Hamad phasenweise in die Mittelfeldkette ein, was bei den Gästen in der Summe eher ein 4-5-1 ergab.

Die Münchner begannen die Partie äußerst druckvoll und überlagerten immer wieder die Außenpostionen. Insbesondere Müller und Robben harmonierten in den ersten 20 Minuten sehr gut zusammen. Vereinzelt half Lahm, um auf dem Flügel Überzahl herzustellen. Robben konnte so frei gespielt werden und kam früh zwei Mal mit einem Schlenzer zum Abschluss. In Szene gesetzt wurden diese Angriffe durch gute Seitenverlagerungen von Holger Badstuber. Nach einem ersten Fehlpass, brachte Badstuber in der ersten Halbzeit vier von fünf Versuchen ans Ziel. Aber auch seine Kollegen in der Abwehr leiteten immer wieder mit einem langen Ball Aktionen auf den Flügeln ein. So zählte die Statistik bis zur Pause bei Kimmich fünf von fünf lange Bälle und bei Alaba vier von sechs erfolgreiche Versuche. Am Ende der Partie stand Kimmich bei 8/8, Alaba bei 5/8 und Badstuber bei 5/9. Der Spielaufbau von Boateng teilte sich somit zwischen allen Akteuren in der Dreierkette auf.

Das 1:0 entstand dem Spielverlauf etwas trotzend halb aus einer Kontersituation. Die Hoffenheimer, die sich sonst eher im 4-4-2 auf Höhe des eigenen Strafraums positionierten, rückten etwas raus und wurden sofort bestraft. Coman konnte auf der linken Außenbahn durchbrechen. Nach einem zunächst nicht erfolgreichen Abschluss kam der Ball zu Costa, der sich ebenfalls auf der linken Außenbahn durchsetzte. Seine flache Hereingabe fand Lewandowski auf den Punkt (32.).

Zur zweiten Halbzeit änderte Pep Guardiola wenig. Nur die Pendelbewegungen von Lahm wurden deutlicher. Dieser ließ sich nun häufiger zurückfallen, wodurch aus der Dreierkette eine Vierkette mit Kimmich im Zentrum wurde. Insgesamt mussten die Münchner aber nur selten zu diesem Mittel greifen, da sich auch in Halbzeit 2 wenig am Spielverlauf änderte. Nach wie vor spielten sich die Münchner eine Reihe von hochkarätigen Chancen heraus. Allein Robert Lewandowski hatte an diesem Tag zwölf Torschüsse (fünf aufs Tor). Einen nutzte er in Halbzeit zwei zum Endstand. Costa stieß Tempo über den Flügel nach vorn, legte den Ball auf Robben, der abgeblockt wird, doch hinter ihm erobert Lahm die Kugel. Dieser spielt durch die Gasse auf Lewandowski und der Pole überlupft Baumann zum 2:0-Endstand (62.).

Die Münchner verpassten es, das Ergebniss noch deutlicher zu gestalten. Lewandowski, Vidal, Alaba und Robben hatten im Verlaufe der Partie noch einige vielversprechende Abschlüsse, konnten die Tordifferenz jedoch nicht weiter nach oben schrauben. Erfreulich war am Ende die Einwechselung von Bernat, der nach langer Verletzungspause seine ersten 120 Sekunden auf dem Platz genießen konnte. Für die Münchner geht es jetzt mit drei Auswärtsspielen in Folge weiter: Leverkusen, Bochum und Augsburg.

3 Dinge, die auffielen

1. Defensive Stabilität

Die Müncher ließen an diesem Abend nur fünf Torschüsse der Hoffenheimer zu und zeigten über weite Strecken der Partie einen sehr souveränen Auftritt — in Anbetracht der erzwungenen Formation nicht uninteressant. Dies lag am weitesgehend sehr aggressiv vorgetragenen Pressing. Verloren die Münchner den Ball, wurde sehr gut nachgearbeitet, um den ballführenden Hoffenheimer früh unter Druck zu setzen. Vor allem Coman, Costa und Müller zeigten sich sehr engagiert. Aber auch die hohe Positionierung von Alonso und Lahm zahlte sich gut aus. Lediglich zwei Mal verloren die Münchner ihre Ordnung. In der 41. Minute griff das Pressing von Kimmich im Mittelfeld der Münchner nicht. Auch Müller kam nicht in den Zweikampf und so bekam Kramarić einen realtiv freien Abschluss gegen Neuer, da nur noch Alonso störend eingreifen konnte. In der zweiten Halbzeit war es ein Abschlag von Baumann, den die Bayernabwehr nur zögerlich abwehrte. Schmid schickte erneut Kramarić auf die Reise. Kimmich grätschte zu früh und ermöglichte dem Hoffenheimer einen noch besseren Torschusswinkel, doch dieser verzog.

Die Dreierkette als Lösung überzeugte. Kimmich und Alaba konnten ihre Schnelligkeit gut ins Spiel einbringen und hatten auch ab der 60. Minute, als Hoffenheim ein höheres Pressing versuchte, nur wenig Mühe. Kimmich glänzte mit einer Passquote von 85 %, sowie zwei wichtigen Klärungen. Alaba gewann 83 % seiner Zweikämpfe und fing vier Bälle der Hoffenheimer ab. Die meisten auf Seiten der Münchner. Da überdies auch Alonso und Lahm gut auf der Sechserposition hamonisierten, hatten die Münchner nur wenig Mühe mit den Angriffen der TSG.

2. Lewandowski

Vier Tore in zwei Spielen bescheren Robert Lewandowski nun wieder eine Quote von 1.0 Toren je Bundesligaspiel. Damit traf der Stürmer allein häufiger als Ingolstadt und die TSG und steht zumindest auf einer Stufe mit Hannover 96 und Darmstadt. Durch seine zwei Tore gegen Hoffenheim übertrumpft er bereits seine 25 Tore aus 49 Spielen aus der Vorsaison. Gegenwärtig steht der Pole bei 27 Toren in 28 Pflichtspielen. Ohne Frage spielt Robert Lewandowski eine überragende Saison. Verglichen mit der Hinrunde pendelte Lewandowski auffällig häufig vertikal zwischen Strafraum und Mittelfeld, statt wie man es aus vielen anderen Partien von ihm im Bayerntrikot kennt, häufig auf die Flügel zu stoßen. Das sehr flügellastige Spiel der Münchner gegen die TSG war dabei sehr auf ihn zugeschnitten. Immer wieder segelten Flanken oder scharfe Flachpässe in den Strafraum der Gäste. 12 Torschüsse drücken deutlich aus, wie sehr das Spiel zur Zeit auf seinen Schultern liegt. So avanciert er immer mehr zum Schhlüsselbaustein dieser Mannschaft — und ist neben Boateng, Neuer und Müller wohl der wichtigste Bestandteil des Teams.

3. Harte Entscheidung

Keine 24 Stunden bleiben dem FC Bayern zu entscheiden, ob der Verein nochmals auf dem Transfermarkt zuschlagen will. Neben Jérôme Boateng fällt nun auch Javi Martínez für einige Wochen aus. Mit Badstuber stand nur ein nomineller Innenverteidiger auf dem Platz — und dieser kann in der jetzigen Situation die Belastung nicht alleine tragen. Da Hoffenheim selbst den Fokus eher auf Schadensbegrenzung gelegt hat, kann dieses Spiel nicht der Maßstab für die Qualität der Abwehr sein. Der erste Gradmesser für die neue Dreierkette ist wohl das Spiel gegen Bayer Leverkusen. Dieses kann aufgrund des schließenden Transferfensters aber nicht mehr als Referenz dienen. Es bleibt fraglich, wie gut diese Aufstellung wirklich funktionieren kann gegen Spieler, die wesentlich besser den Ball halten. Hier könnte Badstuber zumindest an die gläserne Decke seiner momentanen Leistungsfähigkeit stoßen. Selbst wenn er sich steigert, muss seine Fitness halten. Erster wirklicher Härtetest ist die englische Woche mit Leverkusen, Bochum und Augsburg. Diese Partien dürften für Benatia vielleicht noch einen Tick zu früh kommen. Umso ärgerlicher, das sich in der Jugend kein Talent aufdrängt, in die aktuelle Mannschaft zu stoßen.

Die sportliche Führung wird sicherlich einige Anrufe von Beraten bekommen haben und noch immer erhalten. Sinn macht ein Transfer nur, wenn sich kurz vor Ende eine Ergänzung findet, die die Mannschaft stärkt. Auf eine 1c-Lösung sollte sich der Verein nicht einlassen, sondern auf die Kräfte im Kader setzen, die das System über Monate mittrainiert und sich ihre Einsatzzeiten verdient haben.

FC Bayern München – TSG 1899 Hoffenheim 2:0 (1:0)
Bayern Neuer – Alaba, Badstuber, Kimmich – Alonso, Lahm – Coman (62. Thiago), Costa (88. Bernat), Müller (67. Vidal), Robben – Lewandowski
Bank Starke, Rafinha, Rode
Hoffenheim Baumann – Kim, Süle, Bičakčić, Kadeřábek – Strobl, Rudy – Vargas, Hamad (68. Amiri), Schmid (77. Volland) – Kramarić (68. Zuber)
Bank Grahl, Schär, Toljan, Joelinton
Tore 1:0 Lewandowski (32.), 2:0 Lewandowski (64.)
Karten Gelb: Costa (28.) / Strobl (28.)
Schiedsrichter Dr. Jochen Drees (Münster-Sarmsheim)
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)

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