Angstgegner adé? FC Bayern schlägt Borussia Mönchengladbach auch zuhause

Daniel Trenner 03.02.2024

Der wiedergenesene Thomas Tuchel schmiss zur allgemeinen Überraschung den unter der Woche noch in Côte d’Ivoire verweilenden ebenfalls wiedergenesenen Noussair Mazraoui in die Startelf. Sacha Boey musste sich ebenfalls zum Debüt mit einem Bankplatz begnügen, wie Bryan Zaragoza.

Die Kette komplettierte Dier, de Ligt und überraschenderweise Davies. Im Mittelfeld begannen Pavlović, Goretzka und Müller, vorne stürmten Musiala, Sané und Kane.

FC Bayern: Der Spielverlauf 

Die Bayern kamen spritzig ins Spiel. Gegen Gladbachs massive Fünferkettenmauer waren die Bayern sofort bedacht, mit fluidem Spiel entgegenzuwirken. Das Münchener Spiel wirkte frisch, ihre Chancenauswertung weniger. Sané schaffte es, aus nächster Nähe den Ball daneben zu legen (10.).

Die tolle Leistung der ersten 20 Minuten konnten die Bayern nicht ganz bestätigen, Gladbach kam allmählich ins Spiel und so passierte natürlich das, was in Spielen gegen Mönchengladbach immer passiert: Gegen den Strom fiel irgendwie die Gladbacher Führung. Letztes Jahr schenkte Upamecano ihnen die ungeahnte Führung, dieses Jahr war es an Manuel Neuer mit einem steilen Pass in die heiße Sechserzone. Der Ball kam sofort als Bumerang zurück, am Ende war es am Balleroberer Elvedi seinem Team die ungeahnte Führung zu schenken.

Als alles schon nach einem Halbzeitrückstand aussah, fasste Pavlović sich ein Herz. Nach eigenem Abspiel startete er aus dem Halbraum durch, überrumpelte die Gladbacher Defensive und war so aus spitzem Winkel frei das Tor zu machen. Ein seit dem Abgang Schweinsteigers selten gewordener Laufweg in München.

Ohne Wechsel ging es aus der Pause. Pavlovićs Tor entpuppte sich nicht als Startschuss einer neuen Drangphase. Vielmehr schlief Bayerns Angriff nun richtig ein. Tuchel reagierte bedächtig, indem er zunächst nur Sacha Boey für Mazraoui debütieren ließ.

Mit Glück war mehr aber auch gar nicht nötig, da auch der Gladbacher Keeper dem Gegner ein Tor noch zu schenken hatte: Im (fairen) Luftzweikampf mit Müller und Elvedi (!) konnte er den Ball nicht ausreichend klären, das Phantom Kane nahm es dankend an und köpfte zur 2:1-Führung ein.

Kurz vor Schluss kam Gladbach noch in eine gefährliche Gleichzahlsituation, die Dier allerdings bestechend blockte, im Gegenschlag kam es zum Freistoß und aus diesem entsprang das entscheidende 3:1 durch Matthijs de Ligt.

FC Bayern: Das fiel auf

Die Bayern schießen gegen ihren Angstgegner drei Tore, doch ausgerechnet ihre beste Phase blieb torlos. Selten hat man die Bayern von Beginn an so frisch, zielstrebig, flüssig und fluide erlebt. Pavlović saugte alles auf, Müller, Musiala und Sané variierten. Davies und Mazraoui waren vorne spritzig, kurzum: Bayern spielte dominant wie lange nicht mehr. So dominant, dass Manuel Neuer gut 20 Minuten brauchte, um überhaupt einen ersten Kontakt zu erhaschen.

Die Tore allerdings fielen wann anders. Das ist Zeugnis einer insgesamt guten Leistung (abseits gut 20 Minuten um den Halbzeitpfiff herum), sollten den FC Bayern allerdings nicht täuschen, dass es gerade diese ersten 20 Minuten heute waren, an die es gegen Leverkusen und Lazio anzuknüpfen gilt. 

Spieler des Spiels: Die Spielverlagerer (Pavlović & Dier)

Auch abseits seines tollen schweinsteigeresquen Tores gefiel Pavlović als Ruhepol seiner Mannschaft. Zur Halbzeit strahlte er gar mit einer perfekten 100%igen Passquote.

Sein Tor wiederum zeigte das wichtige Mittel des punktgenauen Durchbruchsprints. Pavlović ist kein Spieler, der gewöhnlich selbst die Tiefe sucht, doch in diesem Moment erkannte er den freien Raum und stieß in ihn. Bastian Schweinsteiger beherrschte dies wie kaum ein anderer.

Auch Eric Dier überzeugte als Passgeber. Gerade seine weiten Verlagerungen waren dabei eine echte Augenweide. Überhaupt bestach Dier. Sei es durch punktgenaue Grätschen in höchster Not oder tollen Blocks. Er scheint ein weiteres Paradebeispiel dafür zu sein, wie sehr ein simpler Tapetenwechsel ungeahnte Kräfte in einem Routinier freisetzen kann. 

Luft nach oben: Manuel Neuer

Alle Jahre wieder… verliert Bayern ein Freak-Spiel gegen Mönchengladbach.

Diese Serie scheint endlich gerissen. Sechs Punkte in einer Saison gegen Gladbach gelangen zuletzt Ancelotti 2016/17. Eine andere, ähnliche Serie allerdings bleibt:

Alle Jahre wieder… schießt Manuel Neuer einen Bock gegen Mönchengladbach.

Es begann alles bei seinem Debüt für den FC Bayern 2011, als er durch einen Fehler den Fehlstart in eine letztlich verkorkste Saison besiegelte und geht auch 13 Jahre später weiter.

Neuer war seit seiner Rückkehr eigentlich die wohltuende Ausnahme der aufbauenden Spieler. Einer, der im Zweifelsfall gerne den langen Pressschlag wählt, wenn er seine Mitspieler gedeckt sieht. Heute allerdings verkalkulierte er sich, übersah die Pressingfalle der hohen Gladbacher und kassierte so prompt den Rückstand.

Viele Dinge ändern sich mit der Zeit. Manche aber auch nicht.

Die Daten zum Spiel:

Tore: 0:1 (Elvedi, 35.), 1:1 (Pavlović, 45.), 2:1 (Kane, 70.), 3:1 (de Ligt, 86.)

Gelbe Karten: Neuhaus (30.)

Aufstellung FC Bayern München: Neuer – Mazraoui (Boey, 62.), de Ligt, Dier, Davies (Guerreiro, 85.)  – Pavlović, Goretzka, L. Sané, T. Müller (Tel, 71.), Musiala – Kane
Aufstellung Borussia Mönchengladbach: Nicolas – Scally, Friedrich, Elvedi, Netz (Netz, 62.) – Weigl, Honorat (Ranos, 89.), Reitz (Fukuda, 85.), Neuhaus (Kone, 62.) , Ngoumou (Hack, 62.) – Jordan