Der FC Bayern hatte es am Samstagabend mit dem HSV zu tun.
Bild: Selim Sudheimer/Getty Images

Der Motor stottert: HSV ärgert FC Bayern

Florian 31.01.2026



Zum ersten Mal seit Oktober 2017 gastierte der FC Bayern am Samstagabend wieder mal im Hamburger Volksparkstadion. Gegen den Aufsteiger aus der Hansestadt wollte Vincent Kompany, einst selbst als Profi 51-mal für den HSV am Ball, wieder zurück auf die Erfolgsspur, nachdem man zuletzt gegen Augsburg unerwartet stolperte und drei Punkte liegen ließ. Die Rothosen erkämpften sich im Stadtduell bei St. Pauli ein torloses Unentschieden.

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Kompany veränderte seine Elf im Vergleich zum Champions-League-Duell in Eindhoven auf einigen Positionen. In der Viererkette erhielt nur Upamecano erneut ein Startelf-Mandat, Stanišić feierte sein Comeback auf der rechten Seite, Kim verteidigte innen und links durfte Davies sein Können unter Beweis stellen.

HSV von Beginn an angriffslustig

Während die Doppelsechs (Pavlovic und Kimmich) unverändert blieb, bildete sich um Lennart Karl ein neues Angriffstrio. Gnabry, Olise und Kane rückten zurück in die erste Elf, Manuel Neuer hütete wieder das Tor.

Die Bayern erlebten an diesem bitterkalten Abend in der sechsten Minute die erste Schrecksekunde als Vušković nach einem Eckball knapp vorbei köpfte. Der HSV mauerte in der Folge keineswegs, sondern zeigte sich angriffslustig und agierten mit einer hohen Intensität.

Der FCB kam in der neunten Minute zum ersten Mal gefährlich in den Strafraum der Hausherren als Olise sich auf dem Flügel durchsetzen konnte und in den Strafraum eindrang, dort aber zu leicht zu Fall kam – der Elfmeterpfiff blieb aus.

Wenige Augenblicke später lag Harry Kane am Boden, das kompromisslose Einsteigen von Vušković wertete Schiedsrichter Osmers nicht als Foul und auch der VAR korrigierte den Referee nicht. Da der Kroate letzter Mann war, hätte eine Korrektur der Entscheidung einen Platzverweis zu Folge haben müssen.

Der FC Bayern tut sich schwer beim HSV und liegt zurück

Die Münchner kamen nun besser ins Spiel, Olise und Karl hatten in der Anfangsviertelstunde die ersten gefährlichen Abschlüsse. Der FCB versuchte nun über schnelle Verlagerungen die vielbeinige HSV-Abwehr auseinanderzuziehen. Der HSV, bei dem Heuer-Fernandes ähnlich wie Neuer sehr aktiv im Spielaufbau beteiligt ist, hatte nach 24 Minuten eine große Chance zur Führung als Capaldo aus kurzer Distanz zu einer Parade zwang.

Wenige Minuten später beinahe das 1:0 für den FC Bayern: Joshua Kimmich kam aus gut zwanzig Metern frei zum Abschluss, das Spielgerät klatschte an die Querlatte. Der Nationalspieler stand wenige Augenblicke später erneut im Fokus – allerdings auf anderer Seite.

Nach einem schönen Angriff des HSV über die rechte Seite fand Muheim in der Mitte Capaldo, dessen Abschluss geblockt wurde, der Abpraller landete bei Remberg, der nach minimalem Kontakt von Kimmich zu Boden ging. Elfmeter für den Aufsteiger, Arsenal-Leihgabe verwandelte den Strafstoß souverän zur Führung.

FC Bayern dreht das Spiel in Hamburg

Kurz vor der Halbzeit kam der FC Bayern zum verdienten Ausgleich. Ein schneller Seitenwechsel brachte das Spielgerät zu Stanišić, der am linken Flügel Gnabry fand. Der deutsche Nationalspieler brachte das Leder nach innen, wo Kimmich erst verpasste, Kane aber aus kurzer Distanz vollenden konnte.

Zur Pause wechselte Kompany einmal: Für Karl kam Díaz auf den Platz, der so gleich für Furore sorgte. Die Bayern kombinierten sich in den ersten Sekunden der zweiten Halbzeit an den HSV-Strafraum, wo Gnabry zu Olise ablegte, der mit einem Schnittstellenpass den Kolumbianer fand. Díaz kontrollierte das Spielgerät und schloss zur 2:1-Führung ab. Ein Traumstart für die Münchner!

Wer jetzt aber glaubte, dass der HSV aufsteckte, sah sich getäuscht. Der HSV blieb mutig und offensiv und wurde nach 49 Minuten beinahe belohnt als Vieira einen katastrophalen Fehlpass volley nahm und das Tor knapp verfehlte. Von dieser Szene motiviert spielte der HSV weiter nach vorne. Einen fantastischen Diagonalball über das halbe Feld verwertete Mikelbrencis gekonnt, konnte im direkten Duell nicht von Stanišić gestoppt werden und flanke nach innen wo der aufgerückte Innenverteidiger Vušković zum 2:2 einköpfte.

Ein Tor voller Überzeugung, das die Bayern auf dem falschen Fuß erwischte. Der Rekordmeister hatte das Spiel zwar gedreht aber kurzzeitig etwas das Tempo rausgenommen. Ein Umstand, der sofort bestraft wurde.

Vincent Kompany reagierte auf den Ausgleich und brachte mit Tah für Kim und Musiala für Gnabry frisches Blut. Und Tah war nach einem Eckball direkt mittendrin im Geschehen, im Getümmel landete der Ball aber nur am Querbalken der Hamburger, Glück für den HSV.

Neuer patzt, Davies rettet für den FC Bayern

Auf der anderen Seite hatte der FC Bayern dann Dusel, nicht erneut in Rückstand zu geraten. Der HSV spielte schnörkellos und direkt nach vorne, der aus dem Tor herausstürmende Neuer wurde überspielt, doch Davies konnte das Leder nach vor der Torlinie klären.

In der Schlussphase wurde das Aufeinandertreffen der beiden Teams spürbar intensiver und hektischer. Diskussionen und kleinere Verletzungspausen hemmten den Spielfluss, die Münchner reagierten zunehmen genervt.

Den Hamburgern muss man zugutehalten, das sie ihr hohes Tempo über 90 Minuten gehen konnten, die Intensität war über die komplette Spielzeit auf Anschlag. Nur so ist es möglich, den FC Bayern zu ärgern. Denn offensiv war das vom Rekordmeister zwar kein überragendes, aber auch kein schlechtes Spiel.

Der FCB spielte zwar keinesfalls souverän, erbarbeitete sich aber auch einige Torchancen. So auch zu Beginn der neunminütigen Nachspielzeit als Capaldo nach einem Eckball einen Kimmich-Abschluss blocken konnte. Osmers verweigerte den Münchnern den geforderten Handelfmeter.

Danach war Schluss. Ein ernüchternder Abend für die Münchner, die nun aus den letzten beiden Bundesliga-Spielen nur einen Punkt holen konnten. Besonders bitter ist, dass man erneut die eigene Führung nicht ausbauen oder verteidigen konnte. So kann Borussia Dortmund morgen auf sechs Punkte an die Münchner ran rücken, die Bundesliga könnte aus bayerische Sicht nun noch unnötig spannend werden..

HSV gegen FC Bayern: Dinge, die auffielen

Das Angriffspressing der Bayern lahmt

Der FC Bayern hat in den letzten Spielen immer häufiger das Problem, dass die Gegner das Pressing überspielen können. Auch gegen den HSV gelang es den Münchnern nicht in der gewohnten Häufigkeit, das Spielgerät tief in der gegnerischen Hälfte zu gewinnen. Im Gegenteil: Geht das Pressing schief und wird der ballferne Flügelspieler gefunden ergeben sich in der Münchner Defensive einige Löcher.

Die Abwehr des FC Bayern hat große Schwierigkeiten

So geschehen in Hamburg, wo die FCB-Defensive mehr gefordert war als zuvor vermutet. Der Aufsteiger spielte mutig und konnte seine schnellen Außenspieler wie Jatta immer wieder in Szene setzen. Die Bayern schaffen es zurzeit nicht, ihre Gegner defensiv in Schach zu halten. Sei es aus dem Spiel heraus oder nach Standards.

Von den letzten 10 Pflichtspielen konnte man nur drei ohne Gegentor bestreiten. Ob ein Zusammenhang mit dem Fehlen von Konrad Laimer besteht? Fakt ist, dass die Außenverteidiger, ob zuletzt Ito auf links oder Stanišić auf rechts nicht an ihr Leistungsmaximum kamen.

Mutige Hamburger Taktik bei FCB-Eckbällen

Der HSV schaffte durch einen einfachen taktischen Kniff, die Standardstärke der Bayern abzuschwächen. Bei jedem Eckball der Münchner positionierten sich zwei Hamburger an der Mittellinie um zum einen zwei Bayern-Spieler zu binden und bei Ballgewinn einen Konter einleiten zu können.

Hier profitierte man von der Passgenauigkeit von Heuer-Fernandes, der nicht nur mit Abschlägen sondern auch mit weiten und genauen Bällen aus dem laufenden Spiel heraus einige gefährliche Situationen einleiten konnte. Der Mut von Merlin Polzin zahlte sich aus.

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