Nicht mit Links! FC Bayern Frauen schlagen Manchester United mit 2:1 und stehen im Halbfinale
Champions-League-Kracher in Fröttmaning! Im Kampf um den ersten Halbfinaleinzug seit 2021 empfingen die FC Bayern Frauen zum Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals am Mittwoch die Red Devils aus Manchester. Nach dem 3:2-Auswärtssieg auf der Insel in der vergangenen Woche gingen die Münchnerinnen mit einer guten Ausgangsposition ins Rückspiel in der heimischen Allianz Arena.
Die Generalprobe vor dem Rückspiel verlief für die Doublesiegerinnen nach Plan: Mit dem 2:0-Erfolg in der heimischen Liga am Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg stellten die Münchnerinnen den Vereinsrekord aus 18 Liga-Siegen in Folge ein und machten eine weiteren Schritt in Richtung Titelverteidigung.
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Die Skinner-Elf musste am vergangenen Wochenende einen herben Dämpfer in der englischen Women’s Super League hinnehmen: Gegen Tabellenführer Manchester City verloren die Red Devils mit 0:3 und rutschten somit von Rang zwei auf Rang vier ab.
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FC Bayern strauchelt wieder in der Arena
Chefcoach Jose Barcala tauschte im Vergleich zum Hinspiel in Manchester in der vergangenen Woche nur auf einer Position: Matchwinnerin Momoko Tanikawa durfte von Beginn an für Arianna Caruso ran. Auf der anderen Seite wechselte Marc Skinner im Vergleich zum Spiel in Old Trafford zweimal. Die ehemalige Münchnerin Lea Schüller musste genauso wie Lisa Naalsund erstmal auf der Bank Platz nehmen. Dafür rückten Jayde Riviere und Simi Awujo in die Startformation.
Die Partie begann zunächst ruhig, doch die erste richtige Chance hatten die Gästinnen aus Manchester. Auf der linken Abwehrseite schlief Caro Simon und ließ Miyazawa hinter sich ziehen. Die legte überlegt in die Mitte auf Malard, die nur an Mahmutovic scheiterte.
Diese Schwäche in der FCB-Defensive hatte sich United augenscheinlich ausgeguckt. Immer wieder attackierten sie über Park, Miyazawa und Riviere die Tiefe. Von der kanadischen Rechtsverteidigerin kommt dann auch in der 11. Minute ein Killerpass.
Aus dem freien Fuß kommt ein langer Ball in den Lauf von Melvine Malard, den Vanessa Gilles und die herauseilende Mahmutovic eigentlich erlaufen. Im Tandem behindern die beiden Münchnerinnen sich dann gegenseitig und Malard darf den Ball ins leere Tor einschieben.
Ein wenig wachte der FC Bayern dann langsam auf, lief aber trotzdem gleichzeitig immer wieder in Konter. Nach einem dieser Gegenangriffe kam wieder Aktivposten Malard zum Abschluss – diesmal von der Strafraumkante – und zwang Mahmutovic zur nächsten Parade.
Auf der anderen Seite überluden Harder, Dallmann, Gwinn und Tanikawa immer wieder in verschiedenen Kombinationen die rechte Seite und sorgten für Gefahr, allerdings ohne Ertrag. Von der linken Simon-Kett-Seite kam auch offensiv nichts.
Das Spiel wurde nach 20 Minuten etwas ruhiger, auch wenn dem FC Bayern weiterhin viele Ungenauigkeiten im Spiel mit Ball unterliefen. So gestaltete sich eine Phase, in der United etwas passiver blieb und die Gastgeberinnen bemüht, aber erfolglos waren.
Das änderte sich in der 33. Minute, als Kett an Le Tissier vorbei in den Strafraum zog und klar zu Fall gebracht wurde. Man könnte darüber streiten, ob das Foul im Strafraum war, aber der Fuß des Beins, das Kett zu Fall bringt, steht glasklar auf der Linie. Das Schiedsrichterinnengespann sah kein Vergehen.
Immer wieder strahlte der FCB auch von Ecken Gefahr aus. Vor allem Vanessa Gilles kam mehrmals gefährlich mit dem Schädel an die Kugel. Doch es reichte nicht zu einem Treffer. Es ging mit einem 0:1 (2:2) in die Pause.
FC Bayern dreht in der zweiten Halbzeit plötzlich auf
Unverändert kamen beide Mannschaften aus der Pause. Trotz der Probleme auf der linken Seite stellte Barcala auch positionstechnisch nicht um. Im Gegenteil zur ersten Halbzeit nahmen die FC Bayern Frauen direkt das Zepter in die Hand und spielten mutiger nach vorne.
Nach einer Ecke von rechts faustete Tullis-Joyce am Ball vorbei, sodass Park am zweiten Pfosten unerwartet das Leder im Schulterbereich abbekam. Doch während Bayern einen Handelfmeter forderte, ließ die Unparteiische weiterlaufen und winkte ab.
In der 53. Minute hatten die Bayern dann die erste große Chance der Partie: Ein abgeprallter Schuss von Amani trudelte in aussichtsreicher Position zu Pernille Harder, die sich gekonnt eindrehte und aus wenigen Metern den Ball unter Bedrängnis aufs Tor jagte. Die United-Keeperin konnte den relativ zentralen Schuss mit einem starken Reflex jedoch gerade noch so abwehren.
Fünf Minuten später dann die nächste Top-Chance für die Münchnerinnen: Dallmann bediente Tanikawa rechts im Strafraum per Außenrist. Die Japanerin legte intuitiv mit der Hacke ab auf Harder, die gerade noch von Le Tissier geblockt werden konnte. Das Spiel hatte nun teilweise den Charakter eines Handballspiels – Manchester United kam kaum noch über die Mittellinie und die Münchnerinnen hatten fast 90 Prozent Ballbesitz.
Die FC Bayern Frauen kamen nun immer wieder zu kleineren Halbchancen ohne jedoch richtig gefährlich zu werden. Auffällig war die lange Leine der Schiedsrichterin, die teilweise trotz eklatanten Zeitspiels von United keine gelben Karten zeigte und diese Praxis auch nicht unterband.
In der 81. Minute dann endlich die Erlösung! Nach einer Simon-Ecke kam Glodis Viggósdóttir am ersten Pfosten zum Kopfball und konnte den Ball aus kurzer Distanz aufs Tor setzen. United-Keeperin Tullis-Joyce kam zwar noch dran, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern.
Wenige Augenblicke später dann die Entscheidung im Kampf um die besten vier Teams Europas und erneut war es eine Ecke: Der Kopfball von Viggósdóttir wurde zunächst von Malard noch auf der Linie weggeköpft, doch Dallmann kam am Elfmeterpunkt an die Kugel und setzte das Leder ansatzlos unter die Latte. Das Stadion explodierte!
Am Ende ein verdienter Sieg – weil die 2. Halbzeit dann doch überzeugend war.
FC Bayern – Manchester United: Dinge, die auffielen
Die linke Seite wurde wieder zum Problem
Dass Barcala nach den Problemen im Hinspiel die linke Seite wieder exakt so aufgestellt hat, verwunderte. Kett startete auf der linken Offensivposition, Simon defensiv. Allein in der Anfangsvierstelstunde hatte Manchester United vier Angriffe über diese Seite, die allesamt gefährlich wurden. Darunter auch das Tor zum 1:0 für die Gäste.
Simon wurde dabei von ihren Gegenspielerinnen häufig weit ins Zentrum gezogen und hatte anschließend klare Tempodefizite, wenn das Spiel von den Engländerinnen schnell verlagert wurde. United ging dabei sehr clever vor, positionierte die Stürmerinnen Malard und Park weit auf der rechten Seite, um diese zu überladen und auch Riviere agierte sehr offensiv. Offensiv war die bayerische Besetzung ebenfalls suboptimal. Kett bekam kaum Räume und war nicht ausreichend ins Spiel eingebunden, um ihre Qualitäten einbringen zu können.
Auch im Hinspiel waren diese Probleme bereits sichtbar. In der zweiten Halbzeit im Old Trafford wurde es deutlich besser, als Kett nach hinten rückte und Caruso offensiv übernahm. Simon ist technisch immer noch eine herausragende Linksverteidigerin, aber auf diesem Niveau reicht es defensiv nicht mehr.
Viel zu wenig Kontrolle für den eigenen Anspruch
Eine weitere Parallele zum Hinspiel war, dass die Bayern zu wenig Spielkontrolle hatten. Dass Manchester United technisch gut ist und den Ball laufen lassen kann, ist offensichtlich. Es ist daher kaum möglich, sie über 90 Minuten komplett zu kontrollieren.
Vom FC Bayern muss dennoch erwartet werden, dass sie dominanter und ballsicherer auftreten. Wenn United auf den Flügel presste, gab es bis auf Tanikawa kaum Auflösungsoptionen. Meist wurde der Ball verloren oder blind lang geschlagen. Und auch das Offensivspiel hatte zu wenig Tempo und Überraschungseffekte, um Durchschlagskraft zu erzeugen, die dann wiederum den Gegner in die Defensive zwingt. Zu statisch, zu langsam – das war die erste Halbzeit.
In der zweiten Halbzeit kamen die Münchnerinnen deutlich besser in ihr Spiel. Das lag wieder mal an einer starken Tanikawa, die das Spiel an sich riss und auch an Dallmann, die mehrere Situationen mit angebtrieben hat und clever auflöste. Trotzdem fehlte der Punch in der Offensive. Viele Großchancen gab es nicht. Eine Standardsituation brachte die Wende. So wird es gegen Barcelona schwer.
Schon wieder Tanikawa
Ja, Viggósdóttir hat das entscheidende Tor zum 1:1 gemacht. Ja, es war Dallmann, die das Tor zum 2:1 machte. Aber wieder war es Momoko Tanikawa, die wie im Hinspiel den Unterschied gemacht hat. Mit all den kleinen und großen Aktionen, die sie im Spielverlauf hatte. Mit all den technisch anspruchsvollen Ballannahmen und wie sie Gegenspielerinnen ins Leere laufen ließ, enge Situationen auflöste.
Bei Tanikawa sind es so viele Details, die sich allesamt zu analysieren lohnen. Wie sie Gegnerinnen mit Körpertäuschungen verlädt und manipuliert, wie sie sich frei läuft, wie der Ball an ihrem Fuß klebt und wie sie in schwierigen Phasen als fast einzige Bayern-Spielerin Tempo und Vertikalität gesucht hat.
Der Gesamtauftritt der Bayern hinterlässt mit Blick auf das Halbfinale gegen den FC Barcelona Fragen. Aber Tanikawa hat für viele Ausrufezeichen gesorgt. Beeindruckend für ihr Alter und die Tatsache, dass sie erst vor gar nicht so langer Zeit aus Japan nach Europa kam.



