Aleksandar Pavlović jubelt für den FC Bayern
Bild: Lars Baron/Getty Images

FC Bayern: Wie Aleksandar Pavlović im Schatten von Kimmich zum Unterschiedspieler wird

Janet 05.05.2026

Luis Enrique wollte sich vor dem Hinspiel nicht festlegen, als er danach gefragt wurde, wer das Herz der Bayern-Mannschaft sei. „Alle“, antwortete er ausweichend und gleichermaßen respektvoll. „Kimmich, Díaz, Kane, Laimer, Olise, Stanišić… alle“, war die exakte Antwort darauf. Und auch wenn das nicht seine Intention war, offenbarte er damit ein kleines Ranking.

Denn so funktioniert das menschliche Gehirn: Zuerst fallen einem die Spieler ein, die besonders präsent sind. Ohne Enrique etwas unterstellen zu wollen, ist es spannend, dass der Name Aleksandar Pavlović nicht fiel.

Als dieser einst im Profiteam des FC Bayern München ankam, war schnell klar: Das ist mehr als nur ein weiteres Talent. Der 22-Jährige bringt eine Qualität ins Spiel der Münchner, die seit dem Abgang von Thiago Alcântara gefehlt hat – aber auf eine andere, vielleicht modernere Art. 

Damit ist Pavlović im Moment auch einer der Faktoren, die dazu beitragen, dass der Champions-League-Titel in Reichweite zu sein scheint.

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Aleksandar Pavlović entlastet Kimmich beim FC Bayern

Dass Pavlović in dieser Saison immer häufiger als zweite Aufbaulösung im zentralen Mittelfeld von Bayern fungiert, ist kein Zufall. Der Spitzenverein hatte über Jahre ein strukturelles Problem im Spielaufbau, das sich besonders auf höchstem Niveau deutlich zeigte.

Seit dem Abgang von Thiago Alcântara war das Spiel im Zentrum oft stark darauf angewiesen, dass Joshua Kimmich unter Druck Lösungen findet. Wurde er konsequent zugestellt, verlor Bayern schnell an Kontrolle und Struktur.

Genau daraus ergibt sich für Pavlović eine besondere Ausgangslage, denn auch heute noch richten sich gegnerische Pressingstrukturen in der Regel klar auf Kimmich aus. Auch Paris konzentrierte sich im Pressing stark auf den Champions-League-Sieger von 2020.

Pavlović agiert in der Folge häufig außerhalb des unmittelbaren Fokus dieser Aufmerksamkeit. In diesem Umfeld öffnen sich ihm Räume, die bei anderen Bayern-Spielern zuletzt konsequent geschlossen wurden. Diese scheinbar kleine Verschiebung hat spürbare Auswirkungen: Bayern ist im Aufbau weniger berechenbar geworden.

Pavlović macht für Bayern einen großen Unterschied

Genau hier setzt Pavlović an – nicht als spektakulärer Heilsbringer, sondern als Spieler, der das System erweitert. Seine größte Qualität liegt in der Ruhe unter Druck. Er bietet sich konstant an, löst sich clever aus Deckungsschatten und findet auch unter Gegnerdruck Lösungen, die das Spiel am Laufen halten. Das mag unscheinbar wirken, ist aber auf diesem Niveau von enormem Wert. 

Ein Beispiel dafür lieferte er auch im Hinspiel gegen Paris Saint-Germain, als er einen präzisen vertikalen Ball auf Michael Olise spielte, der mit großen Schritten mehrere Gegenspieler hinter sich ließ und die Aktion schließlich mit einem wuchtigen Abschluss veredelte. Eine Szene, die zeigt, dass er nicht nur Ballzirkulation ermöglicht, sondern auch den entscheidenden Impuls in die Tiefe geben kann.

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Allerdings ist auf diesem Niveau auch sichtbar, dass Pavlovićs Spiel noch Schwankungen aufweist. Sowohl gegen Real Madrid als auch gegen Paris Saint-Germain gab es Phasen, in denen ihm die Intensität und das Tempo Probleme bereitete und Fehler unterliefen, die man von ihm im Alltag so längst nicht mehr gewohnt ist.

Allerdings ist das kein Widerspruch zu seiner Entwicklung, sondern ein notwendiger Bestandteil. Sein Spiel ist mutig – und genau dieser Mut verschafft Bayern gleichzeitig neue spielerische Lösungen.

Aleksandar Pavlović: Unterschiedspieler in den Lehrjahren

Gerade mit Blick auf das Rückspiel gegen Paris wird seine Rolle deshalb besonders spannend. PSG könnte erneut versuchen, das Zentrum zu kontrollieren, indem sie Kimmich aus dem Spiel nehmen. Im Hinspiel folgte Vitinha dem 31-Jährigen überall hin. In diesen Momenten braucht Bayern eine zweite stabile Aufbauoption – jemanden, der sich nicht versteckt, sondern den Ball fordert.

Pavlović kann genau dieser Spieler sein. Wenn es ihm gelingt, die ersten Pressinglinien zu überspielen und Ruhe ins Spiel zu bringen, verschiebt sich das Kräfteverhältnis im Zentrum zugunsten des FC Bayern.

Ist das eine der zentralen Erkenntnisse dieser Saison? Pavlović verändert nicht alles, aber genug. Noch ist er kein dominanter Champions-League-Spieler, der Spiele allein kontrolliert. Doch er gibt Bayern etwas zurück, das lange gefehlt hat – Variabilität im Aufbau.

Und genau darin liegt sein Wert: nicht als fertige Lösung, sondern als strukturelle Erweiterung, die dem Spiel der Münchner neue Wege öffnet. Wege, die in entscheidenden Momenten den Unterschied ausmachen können. Der nächste Schritt für ihn wird es sein, exakt in die Rolle zu schlüpfen, in der Kimmich aktuell ist.

Dann wird er derjenige sein, dem die Gegenspieler auf Schritt und Tritt folgen. Vermutlich wird es dann auch nicht mehr vorkommen, das gegnerische Trainer fünf oder sechs andere Bayern-Spieler nennen, bevor sein Name fällt. Die Qualität dafür, so viel ist klar, hat er.

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