»Eigentlich freue ich mich jetzt schon auf das Spiel der Amateure«

Jan Trenner 15.08.2013

Hermann Gerland Kampfbahn Grünwalder

Ich kann mich nicht daran erinnern mit derart gemischten Gefühlen den Schal umgelegt und zu einem Fußballspiel gefahren zu sein. Seit Jahren brodelt es in München, aber in den letzten Wochen spitzte sich die Lage trotz der einmaligen Erfolge weiter zu. Inzwischen betritt man die Südkurve, also die Blöcke 112/13, durch ein Zugangssystem mit Drehkreuzen aus Edelstahl. Kleine grüne Pfeile weisen den Weg an das Gerät zum Einscannen der Karte oder leuchten bei Problemen rot auf. »Einstempeln«, durch das Drehkreuz gehen, sich wenige Meter in Richtung Rasen bewegen und die Betonstufen heruntersteigen. Eigentlich schaut alles aus wie immer, aber man fühlt sich abgegrenzter, ja fast ausgeschlossener, als irgendwo sonst in der Allianz Arena. Und dabei gehöre ich nicht zu den jahrelangen Stammgästen, deren Gefühle hier wesentlich stärker ausgeprägt sind. Vermutlich zeigen Leute auf der Gegengerade mit dem Finger in Richtung Süd und wundern sich über die Vorkommnisse. Oder über das was eben nicht passiert. Keine Fahnen, kaum Leute die sich herzlich mit einem »Ja, endlich wieder hier« begrüßen und gähnende Leere im – auch in der Vergangenheit schon beschaulichen – Block der Heimfans. So wird es auch über die gesamten 90 Spielminuten bleiben. Vereinzelt versuchen sich kleine Gruppen an einem Gesang, von links dringt mal etwas rüber, aber grundsätzlich hört man nur die Gästekurve unter ihrem Dach im Münchner Norden. Voller Scham sieht man zu wie die Fans des FC Bayern auf einen Gesang der Gäste reagieren und sich erheben. Die Gladbacher haben natürlich kein »Steht auf, wenn ihr Bayern seid« gesungen. Das Wort »Steuern« überhörten anscheinend die meisten Heimfans. Eine Antwort aus der Südkurve ist unter den gegebenen Umständen nicht möglich.

Es ist schlichtweg traurig die eigene Mannschaft vor so einer »Kulisse« zu sehen. Die Pässe können noch so wunderbar sein, Tore noch so früh fallen, der Saisonauftakt gut funktionieren, aber das Umfeld in der Allianz Arena war für den Triplesieger unwürdig. Und es wird so bleiben, denn die Gräben zwischen aktiven Fans der Südkurve und Vereinsführung sind tief und es gibt keine Signale für Veränderungen. Die Aufklärungsarbeit läuft schleppend und Aktionen, wie Petitionen oder offene Briefe, haben unnötige Spitzen. Man redet über- statt miteinander. Gleichzeitig ruhen die Verantwortlichen seitens FC Bayern gelassen auf ihren gepolsterten Sesseln. Die Hütte ist voll, Stimmung wird schon irgendwann wiederkommen und falls nicht, ja, dann sorgen sie eben selbst dafür. Es ist ein Trauerspiel.

Schon während der ersten Hälfte schaute ich meine Begleiter an und irgendwie hatten wir den selben Gedanken. Wir freuen uns jetzt schon – keine halbe Stunde nach dem Start der neuen Bundesligasaison – auf die Unbeschwertheit des Besuchs unserer FC Bayern Amateure. Junge talentierte Spieler, eine beschauliche, offene und freundliche Fankurve und Nachmittage ohne die Probleme aus der Allianz Arena. Viele Fans des FC Bayern kämpfen seit Jahren für die Verbesserung der Situation und den Erhalt ihrer Fankultur. Die Amateure sind wahrscheinlich auch ihre Zuflucht. Den aktiven Fans gehört großer Respekt für den unermüdlichen Einsatz, der derzeit an hausgemachten Problemen und dem Fehlen jeglichen Dialogs scheitert. Verbesserungen sind nicht in Sicht, aber die Bemühungen dürfen nicht eingestellt werden.

Trotz der installierten Drehkreuze, der schwachen Aussichten auf Veränderung und des komischen Gefühls im Stadion bleibt Hoffnung. Zumindest bei mir. Aber wie lange noch?

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