FC Bayern München – FC Schalke 04 1:1 (1:1)

Christopher Trenner 04.02.2017

Der FC Bayern war mit zwei mühevollen 2:1 Siegen ins Jahr gestartet und konnte zumindest punktetechnisch zufrieden sein mit dem Auftakt, spielerisch offenbarte die Mannschaft von Carlo Ancelotti allerdings noch viele Schwächen. Der Ausfall von Thiago, der vor seiner Verletzung in bestechender Form gewesen war, fiel schmerzhaft auf.

Falls ihr es verpasst habt:

Vier Umstellungen im Vergleich zum Bremen-Spiel hatte Ancelotti in petto. Für Kimmich (krank) und Ribéry (Muskelverletzung) rückten Costa und Vidal ins Team, Alaba und Lahm (leicht am Knie verletzt) rotierten angesichts der anstehenden Aufgaben auf die Bank. Für die beiden spielten Bernat und Rafinha. Taktisch blieb alles beim erwartbaren 4-2-3-1.

Bayern München gegen Schalke 04, AufstellungBayern München gegen Schalke 04, 04.02.2017, Grundformationen.

Bei Schalke kam nach zwei Spielen ohne Einsatz Holger Badstuber zu seinem Debüt, und auch der zweite Neuzugang Caligiuri kam zu einem Startelfeinsatz. Taktisch blieb Weinzierl beim 3-4-2-1-System der letzten Wochen.

Die Partie begann für die Münchner nach Plan mit einer frühen Führung. Robben zog mit Tempo in die Mitte und scheiterte zunächst mit einem Steilpass an Badstuber, konnte den Abpraller aber aufnehmen und auf Vidal leiten. Dieser steckte zentral den Ball zu Lewandowski. Der Pole blieb vor dem Tor cool und überlupfte sehenswert den Schalker Keeper Fährmann (9.).

Die Freude über die Münchner Führung war aber nur von kurzer Dauer. Mit ungestümer Zweikampfführung brachte Vidal auf der Gegenseite in halblinker Position Burgstaller zu Fall. Naldo trat zum Freistoß an und wuchtete den Ball als Aufsetzer flach, aber relativ unplatziert ins Netz – Manuel Neuer sah bei Gegentoren schon besser aus (14.). Zugleich war es das erste Tor nach einer Standardsituation in dieser Saison gegen die Münchner.

Im Anschluss an die beiden frühen Tore ergab sich ein intensiver Schlagabtausch, bei dem es Schalke gelang, zunehmend mehr Spielanteile zu erreichen. Dies lag an der hohen Fehlpassquote der Münchner im Spielaufbau: mit nur 84% in den ersten 45 Minuten, gepaart mit einer Zweikampfquote von 45%, kam Schalke immer wieder zu schnellen Kontersituationen. Diese konnten die Königsblauen aber nicht nutzen. Kolasinac scheiterte völlig frei vor Neuer (17.), Goretzka traf das Tor nicht (31.), und Burgstaller nur die Latte (40.).

Auf der Gegenseite taten sich die Bayern schwer, das letzte Drittel sinnvoll zu bespielen. Müller und Vidal agierten im Verhältnis zur Abwehr- bzw. Offensivreihe viel zu hoch und machten dadurch das Spielfeld extrem groß, was es Schalke erlaubte, relativ simpel die bereits erwähnten Chancen vorzutragen. Eine Passquote von 83% bei der Elf von Weinzierl unterstreicht, wie leicht die Bayern es Schalke machten.

Dennoch sprangen auch für die Münchner zwei Chancen heraus. In einer Szene gelang es den dem Team mal, Bernat frei zu spielen und er kam halblinks im Strafraum zum Abschluss, aber sein Schuss war zu unplatziert (23.). Darüber hinaus traf wenige Sekunden nach dem Lattentreffer für Schalke Robert Lewandowski ebenfalls die Latte. Müller hatte sich gegen drei Spieler durchgesetzt und brachte den Ball zu Lewandowski, doch sein Schlenzer war etwas zu hoch angesetzt (42.).

Die zweite Halbzeit verlief zunächst, wie die erste geendet hatte: mit einem zum Teil wilden Fußballspiel und vielen Ungenauigkeiten auf Seiten des FC Bayern. In den wenigen guten Momenten verzettelten sich die Münchner aber selber. Hummels spielte einen seiner gefürchteten Außenristpässe auf Müller, dieser stand nicht im Abseits, aber statt auf das Tor zu gehen, wählte er den viel zu weiten Rückpass auf Lewandowski. Diese Szene war sinnbildlich für die letzten Wochen des Thomas Müller.

Auf der Gegenseite zappelte der Ball nach einem Konter im Netz, als Bentaleb zu einem Volleyschuss aus 15 Metern kam. Der im Abseits stehende Caligiuri fälschte den Schuss ab und das Tor zählte nicht (54.).

Ab der 60. Minute verflachte die Partie spürbar. Carlo Ancelotti versuchte, über Wechsel neue Impulse zu geben, in der 70. Minute kam Coman für Robben, fünf Minuten später kamen noch Alaba und Lahm für Bernat und Rafinha. Es war das 500. Pflichtspiel für den FC Bayern für den Kapitän.

In der 83. Minute kam der FC Bayern durch einen Fernschuss von Alonso nochmal zum Abschluss, ansonsten schaffte man es nicht, sich nachhaltig nach vorne zu kombinieren. Eher durch Zufall landete der Ball in der 86. Minute nochmal vor Martínez’ Füßen, der im Strafraum völlig freistehend zum Schuss kam. Sein Schuss ging aber deutlich am Tor vorbei. Es war die letzte gute Möglichkeit für die Münchner, denn die Schalker zogen sich jetzt weit zurück und verteidigten das 1:1 geschickt über die Zeit.

Für den FC Bayern geht es bereits am Dienstag weiter; um 20:45 Uhr kämpft die Mannschaft im DFB-Pokal gegen Wolfsburg um den Einzug ins Viertelfinale.

Drei Dinge die auffielen:

1. Strukturelle Löcher

Selten hatte der FC Bayern im Zentrum so große Löcher wie bei diesem Heimspiel gegen Schalke 04. Dies hatte mehrere Gründe. Zum einen spielten Vidal und Müller viel zu hoch; Müller positionierte sich zum Teil fast als zweite Spitze und Vidal ließ sich zu sehr in 50:50-Szenen hineinziehen. Dadurch rissen die beiden riesige Löcher im Mittelfeld auf. Verstärkt wurde dieser Effekt durch die relativ tiefe Position der Bayernabwehr. Die Folge war, dass Alonso zum Teil der einzige Bayernspieler im Mittelfeld war – in einem Radius von 30 auf 30 Metern.

Schalke konnte dies gelegentlich durch Bentaleb, aber überwiegend durch Goretzka hervorragend ausnutzen. Über die eigene halbrechte Seite wurde der Ball meist diagonal über das Spielfeld nach vorne getragen. Rafinha fand nur wenig Unterstützung von Robben und war obendrein auch meist nicht ideal positioniert. Der Übergang von Mittelfeld zu Angriff war für Schalke dadurch meist problemlos, eine Reihe von Chancen in der ersten Halbzeit waren die Folge.

In der zweiten Halbzeit konnte Schalke dies nicht mehr so gut bestätigen, das Spiel war in den ersten 60 Minuten zu kräftezehrend. Dennoch behielt Schalke über fast die gesamte Partie die Kontrolle über das Spiel im Mittelfeld.

2. Keine Alternativen?

Der Doppelwechsel in der 75. Minute, als Alaba und Lahm für Bernat und Rafinha kamen, hatte Symbolcharakter. Viel mehr Optionen hatte Carlo Ancelotti auch nicht mehr; mit Coman hatte er bereits fünf Minuten vorher die Alternative für die Offensive gezogen. Das Spielmuster des recht statisch vorgetragenen 4-2-3-1 wollte Ancelotti nicht verändern, weshalb die in Punkt 1 beschriebenen Probleme über das ganze Spiel präsent waren.

Das Flügelspiel im 4-2-3-1 kann unter anderem nur dann funktionieren, wenn die Außenspieler sich durchsetzen und über Flanken oder flache Hereingaben Chancen kreieren. So hat Ancelotti das Spiel in den letzten Wochen angelegt, gewinnbringend scheint es jedoch nicht zu sein; die Zahl der Torschüsse ging merklich nach unten. Waren es gegen Freiburg und Bremen noch je 13 Versuche, gab es gegen Schalke nur 12 Abschlüsse – fünf davon in einer verzweifelten Schlussoffensive in den letzten Spielminuten. Die Gegner der Münchner haben sich auf die Anpassungen von Ancelotti aus dem Spätherbst eingestellt. Die Außenbahnspieler der Münchner sind weitestgehend isoliert und werden konsequent gedoppelt.

Ancelotti hätte in der Halbzeit bzw. spätestens nach 60 Minuten deutlich aggressiver reagieren können, indem er zum Beispiel das Mittelfeld verstärkte. Ein Wechsel von Sanches oder sogar Lahm für Müller hätte vielleicht mehr Kontrolle im Mittelfeld gebracht. Taktisch will der Italiener scheinbar keine Alternativen suchen.

Costa gewann zwei, Robben und Coman nur je ein Dribbling, auf der Gegenseite stehen je vier einfache Ballverluste von Robben und Costa. Zu viel – auch das ist die Wahrheit. Die Form passt gegenwärtig bei keinem Offensivspieler, lediglich Robert Lewandowski trifft das Tor noch in regelmäßigen Abständen. Hinzu kommt eine Teamlaufleistung von nur 110,44km. Deutlich zu wenig – gemessen an Ballbesitz und gegnerischer Leistung, die 7 Kilometer höher lag.

3. Javi Martínez

Javi Martínez ist einer der wenigen Gewinner unter Carlo Ancelotti. Der Spanier spielt in einer bewundernswert unterkühlten Art einen äußerst soliden Part in der Abwehr. Vier gewonnene Zweikämpfe, drei abgefangene Bälle und fünf Klärungen zählte am Ende des Tages die Statistik. Auch in engen Situationen, als Schalke versuchte hoch zu pressen, fand er immer eine Lösung. Der Spanier liefert konstant Leistung ab, auch oder sogar insbesondere dann, wenn ihn seine Vorderleute so sehr ‘im Stich lassen’ wie heute in der ersten Halbzeit. Dass er Bayerns größte Chance in der zweiten Halbzeit vergab, sei ihm verziehen. Ein Abwehrspieler ist eben kein Stürmer, das gilt auch für Martínez. Dennoch war er einer der wenigen Lichtblicke in einem sonst ernüchternden Bundesliganachmittag.

FC Bayern – FC Schalke 04 1:1 (1:1)
FC Bayern Neuer – Rafinha (77. Lahm), Martínez, Hummels, Bernat (77. Alaba) – Xabi Alonso, Vidal – Robben (72. Coman), Müller, Douglas Costa – Lewandowski
Bank Ulreich – Thiago, Sanches, Benko
FC Schalke 04 Fährmann – Höwedes, Naldo, Badstuber (59. Nastasic) – Stambouli – Schöpf, Goretzka (86. Kehrer), Bentaleb, Kolasinac – D. Caligiuri, Burgstaller (73. Choupo-Moting)
Tore 1:0 Lewandowski (9.), 1:1 Naldo (13.)
Karten – / Bentaleb
Schiedsrichter Marco Fritz (Korb)
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)

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