Die Saison bei den Frauen ist noch lang – und doch schon fast vorbei

Christian Trenner 21.11.2019

Es war der Gegner vom verlorenen Pokalfinale 2018 und verlorenen Pokal-Halbfinale 2019, der in der Liga bereits wieder einsam seine Kreise an Platz Eins zieht und in allen Wettbewerben noch ungeschlagen ist.

Das vorweggenommene Finale der beiden besten deutschen Frauenfußballteams fand ohne Svenja Huth (Wolfsburg) und bei Bayern krankheitsbedingt ohne die deutschen Nationalspielerinnen Melanie Leupolz, Giulia Gwinn und Nicole Rolser statt. Ein Verlust an Qualität, den man sich bei einem derartigen Gegner eigentlich nicht erlauben kann. 

Das Spiel begann mit intensiv geführten Zweikämpfen, und dem beiderseitigen Versuch, die Kontrolle zu übernehmen. Bayern war zunächst sehr laufstark, wollte schnell und mutig spielen.

Mit dem zweiten Torschuss der Wolfsburgerinnen dann in der 21. die Führung für die Gäste: Torhüterin Laura Benkarth kam zu spät raus, der Lupfer von der überragenden Ewa Pajor ging zunächst an den Pfosten, den Abpraller verwandelte sie dann per Kopf.

Mit dem Tor änderte sich das Spiel: Die Wolfsburgerinnen agierten nun mit viel mehr Ballkontrolle, aber auch mehr Platz, da die Bayern längst nicht mehr so intensiv dagegenhielten. 

Doch kurz vor Ende der Halbzeit kam plötzlich Linda Dallmann links über außen vorbei, konnte flach nach innen flanken, wo sich die wieder sehr kampfstarke Jovana Damnjanović geschickt durchsetzte und das Tor erzielte.

Ein Tor aus dem Nichts, das den FC Bayern Frauen frisches Selbstbewusstsein gab. Aktiver und mutiger begannen sie die zweite Halbzeit, schafften oft Überzahl in Ballnähe und gewannen die Spielkontrolle. In der Folge kamen die Bayern zu einigen gefährlichen Szenen vorm Tor, ohne wirklich zwingend zu werden. Bei Wolfsburg lief zu dem Zeitpunkt nicht mehr viel zusammen. In der 75. Minute kam Simone Laudehr frei zum Kopfball – Zentimeter vorbei. Eine Großchance, der die Bayern noch hinterhertrauern sollten.

In der 85. konnte Torfrau Benkarth zunächst einen gefährlichen Schuss von Ex-Bayerin Fridolina Rolfö zur Ecke klären. Aber dann faustete sie den Eckball halbgar in die Mitte, wo Wolfsburg dann nachsetzen und aus dem Getümmel das Tor schießen konnten.

In der Nachspielzeit setzte Sydney Lohmann eine weitere Kopfballchance an die Latte, im Gegenzug war das Bayerntor leer, sodass Wolfsburg zum 1:3-Endstand einschieben konnte.

Die Chance, die favorisierten Wolfsburgerinnen zu besiegen, war da. Am Ende setzte sich die cleverere Mannschaft durch. Bitter für die FCB Frauen. Beim FC Bayern müssen sich die Verantwortlichen fragen, wohin sie eigentlich mit der Frauenabteilung wollen. Jahr für Jahr in der Liga nicht an Wolfsburg vorbeizukommen und auch in der CL nicht zum engen Favoritenkreis zu gehören, kann nicht der Anspruch des FC Bayern sein.

Nichtsdestotrotz gibt es bereits am Wochenende die Chance auf eine Revanche. Denn am Samstag ist man bei den Wölfinnen zu Gast.

»Eier, wir brauchen Eier!«

— Oliver Kahn

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  1. Vorbei ist die Saison nicht. Es ist sehr wichtig, die TSG Hoffenheim noch abzufangen und die erneute Qualifikation für die CL sicherzustellen. Zugegebenermaßen ein ungewohntes Ziel für diesen Verein, aber für die weitere Entwicklung der Frauen-Abteilung wichtig. Gegen Olympique Lyon in der CL kann es natürlich nur um Schadensbegrenzung gehen.

    Weil du so schonungslos sagst, dass die momentane Frauschaft nicht den Anforderungen des FCB genügt: hast du einen Überblick darüber, wie viel größer der Etat des VfL Wolfsburg (oder gar Olympique Lyons oder Chelseas) ist? Angesichts der unfassbaren Überlegenheit der Wölfinnen, die die Dominanz des FCB bei den Herren ja um ein Vielfaches überstrahlt, haben sie offensichtlich gigantisch viel mehr Geld zur Verfügung als jeder andere Verein. Wie viel mehr ist das konkret und wo kommt dieses Geld genau her? Wär da wirklich mal gespannt auf ein paar Antworten…

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Das aktuellste was ich mich erinnern kann gelesen zu haben:
      FCB 3,5 Mio €
      Wolfsburg 4,5 Mio €
      Lyon/PSG um die 8 Mio €

      Woher das Geld kommt? Ohne Gewähr, aber ich kann mir da nur Querfinanzierung aus dem Herrenbereich vorstellen.

      1. Danke für die Antwort. Zwischen Bayern und Wolfsburg hätt ich mir die Differenz sogar größer vorgestellt. Zu Lyon/PSG ist es das Erwartbare, ein Gegner mit dem doppelten Budget kann man kaum bezwingen.

      2. “ein Gegner mit dem doppelten Budget kann man kaum bezwingen”
        Bemerkenswerter Satz.

    2. Es ist halt die Frage, ob sich der deutsche Frauen-Vereinsfußball langfristig mit nur einer international konkurrenzfähigen Mannschaft entwickeln kann (wobei auch Wolfsburg realistisch betrachtet langsam den Anschluß verliert). Denn mehr als CL-Quali und dann im KO-System warten, bis man gegen ein Topteam aus Frankreich/Spanien chancenlos ist, ist im Moment wohl nicht drin. Aber es stimmt natürlich, daß ohne Querfinanzierung nicht die nötigen Gehälter gezahlt werden können, um die Spitzenspielerinnen zu halten.

      Meiner Ansicht nach war das Jahr 2017 sowas wie ein Knackpunkt für die Bayern-Frauen. Die 2 Meisterschaften noch frisch im Gedächtnis und eine Mannschaft mit sehr viel Potenzial. Anstatt zu versuchen, dieses Team zusammenzuhalten und zu verstärken, ließ man mit Miedema und Holstad zwei Leistungsträgerinnen gehen, und versuchte offenbar nicht mal, bspw Lieke Martens, die Entdeckung der EM 2017 nach München zu lotsen.

      Jedenfalls wird es dieses Jahr sehr schwer, den 2. Platz in Deutschland zu verteidigen. Mit der zu erwartenden Niederlage in Wolfsburg sind es schon 4 Punkte auf Hoffenheim. Man wird sehen.

  2. […] Die Saison bei den Frauen ist noch lang – und doch schon fast vorbei | Christian […]

  3. Provokativ gesagt: Geld raus aus dem Basketball, rein zum Frauenfußball!

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Und welchen Grund sollte es geben, unsere Basketballer (Zuschauerschnitt: 5.614) zugunsten des Frauenteams (Zuschauerschnitt: 697) fallen zu lassen? Grad in Deutschland interessiert Frauenfußball halt nach wie vor (fast) keinen. Wozu sicher auch der extreme Leistungsunterschied in der Liga beiträgt, die 12 Teams der Frauen-Bundesliga verkörpern einen Niveauunterschied, wie es ihn bei den Männern zwischen 1. Liga und den Regionalligen kaum gibt.
      Davon abgesehen trägt sich unsere Basketballabteilung selbst. Das heißt, dass wir da kein Geld reinstecken, sondern sogar was rauskriegen.

  4. Lustiger Beitrag. Aber völlig daneben. Wo bleibt der Artikel zum wichtigsten Spiel des Wochenendes? Nix Frauen. Bayern Amateure gegen Turn und Sportverein?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Also mich hat dieser Artikel deutlich mehr interessiert, als ein Vorbericht zum Derby für Kleine…

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