MUNICH, GERMANY - JANUARY 21: Thomas Mueller of FC Bayern Muenchen scores his team's first goal during the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and SV Werder Bremen at Allianz Arena on January 21, 2018 in Munich, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Bayern – Bremen 4:2 (1:1)

Tobias Trenner 21.01.2018

Der Sieg gegen Leverkusen war für Bayern äußerst wichtig. In der Tabelle konnte der Vorsprung ausgebaut werden und außer Leipzig finden alle Duelle gegen die Top-6 nach dem 18. Spieltag vor heimischer Kulisse statt. Folglich war es also ein wichtiger Schritt Richtung Meisterschaft.

Falls Ihr es verpasst habt:

Im Vergleich zum Spiel gegen Werder Bremen rotierte Jupp Heynckes nur wenig. Diesmal startete Juan Bernat für David Alaba, der aufgrund einer Krankheit nicht dabei sein konnte. Joshua Kimmich übernahm wieder seine Position rechts hinten, während Robert Lewandowski im Sturmzentrum auflief.

Grundformationen FC Bayern - SV Werder BremenGrundformationen FC Bayern 4-1-4-1 – SV Werder Bremen 4-2-3-1

Sandro Wagner musste also weiter auf seinen ersten Einsatz von Beginn nach seiner Rückkehr im Winter warten.

Jupp Heynckes wählte wie immer ein 4-1-4-1. Vor Torhüter Sven Ulreich bildete die Viererkette die bereits angesprochenen Juan Bernat und Joshua Kimmich auf den Außenverteidigerpositionen. Boateng und Süle liefen wieder als Innenverteidiger-Duo auf.
Vor der Abwehr agierte diesmal nur ein Sechser nämlich Javi Martinez. Der Baske wurde meist von James unterstützt, der im linken Halbraum agierte und sich die Bälle sehr tief abholte. So hatten die Bayern im Aufbauspiel mit Martienz und James immer zwei Anspielstationen für Boateng und Süle.

Gegen Bremen ließ Heynckes mit Robben, Ribery, Müller und James hinter Sturmspitze Lewandowski dennoch sehr offensiv spielen.
Bremens Trainer Kohfeldt wählte eine sehr spannende Aufstellung. Vor der Abwehr bestehend aus Augustinsson, Moisander, Veljkovic und Bauer liefen gleich fünf nominell zentrale Mittelfeldspieler auf. Davor Bagfrede als tiefster Sechser, während Eggestein und Delaney auf den Achterpositionen waren. Eine interessante Herangehensweise. Junuzovic agierte rechts und Gondorf links, beide unterstützen die einzige Sturmspitze Max Kruse.
Bremen versuchte die Bayern in den ersten Minuten in einem 4-4-2/4-4-1-1 mit kurzen Mannorientierungen unter Druck zu setzen. Die Bayern konnten dieses Pressing aber gut umspielen, da Martinez und der sehr tiefe James sich immer wieder hinter Bremens erster Linie anboten.

Bayerns erste kleinere Chance entstand aus einem Freistoß von James, und einem Kopfballversuch von Lewandowski, nachdem sich Ribery links durchsetzte und nur durch ein Foul von Bauer gestoppt werden konnte (4.).
Eine Minute später hatte Bremen die riesen Chance durch Max Kruse, der nur den Pfosten traf. Die Bayern konnten nach einem Ballverlust nicht sofort ins Gegenpressing gehen, Augustinsson nutzte die offene Mitte der Bayern, um den Ball nach vorne zu treiben. Letztendlich erhielt der angesprochene Augustinsson den Ball auf dem linken Flügel und flankte sehr präzise auf den völlig freien Kruse.

Bayern gestaltete die Angriffe in der Folge mit schnellen Ablagen. Meist versuchten die Offensivspieler durch schnelle Kombinationen die Abwehr der Bremer vor Probleme zu stellen. Beispielsweise bewegte sich Ribery kurz auf die rechte Seite und konnte dort Überzahl herstellen.

Die Bayern hatten das Spiel zwar nach Bremens erster Chance unter Kontrolle, allerdings war der Übergang vom zweiten ins Angriffsdrittel nicht optimal. Im letzten Drittel schafften es die Bayern nur vereinzelt Tempo aufzunehmen und die Seite schnell zu verlagern. Deswegen ergaben sich in den ersten 20 Minuten auch nur Halbchancen für die Bayern, da das Spiel im letzten Drittel zu statisch war.

In der 24 Minute waren die Bayern nach einem Einwurf für Bremen nicht aggressiv genug. Eggestein konnte den Ball in den Zehnerraum spielen. Dort befreite sich Kruse unter Druck und bedient den startenden Gondorf, der den Ball nur noch ins Tor schieben musste. Die Führung 1:0 für Bremen.

Bereits vor dem Tor waren die Bremer mutig und wurden schon durch eine Flanke gefährlich, auch direkt nach dem Tor schafften es die Bremer durch schnelles vertikales Spiel auffällig zu werden. Eine Minute nach dem Tor prüfte Delaney nochmal Ulreich. Bayern erhielt in dieser Phase keinen Zugriff und bot den Bremer zu viel Platz an.

In der Folge lief das Spiel dann aber wieder wie zu Beginn. Bremen versuchte etwas tiefer im 4-4-2 die Führung zu verteidigen, während die Bayern zwar immer wieder schnelle Kombinationen startete, diese aber in Bremens engem Verteidigungsverbund untergingen und zu keinen Torchancen führten.

In der 41. Spielminute gelang Thomas Müller der Ausgleich. Boateng bediente Müller mit einem langen Ball aus dem Mittelfeld heraus. Durch die schlechte Positionierung von Veljkovic konnte Müller nach der Ballannahme sofort und äußerst sehenswert abschließen.

Zur zweiten Halbzeit gab es bei Bayern keine Wechsel. Bremen hingegen wechselte einmal. Gebre Selassie ersetzte den Gelb vorbelasteten Bauer.

Die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit verlief ereignislos. Bayern spielte sich keine Chancen heraus und glänzte nur durch technische Fehler und Abstimmungsproblemen bei allen Akteuren. Auch von Bremen kam weniger. Einzig in einer Situation konnte Gondorf wieder für etwas Gefahr vor dem Tor von Ulreich sorgen.

In der 58. Minute nahm Heynckes gleich zwei Wechsel vor. Für Martinez kam Arturo Vidal und Kingsley Coman ersetzte Robben.

In der 61 Minute prüfte Arturo Vidal dann nach einem Freistoß Bremens Torhüter Pavlenka. Zwei Minuten später machte es Lewandowski besser. Nachdem Bernat eine Ecke herausholte, fand James Lewandowski, der mit einem sauberen Kopfball das 2:1 erzielte.

In der Folge ergaben sich auf beiden Seiten mehr Räume. Bremen merkte man an, dass die erste Halbzeit doch sehr viel Kraft gekostet hatte. Aufgrund der vielen Ungenauigkeiten bei den Bayern nutzten diese die freien Räume nicht immer konsequent. Ribery hatte in der 68 Minute die Chance zu erhöhen, nachdem sich Coman im Mittelfeld gut durchsetzte.

Nachdem Ulreich sehr unsouverän gegen Kruse zur Ecke klärte, beförderte Niklas Süle letztendlich den Ball ins eigene Tor. Abermals schenkten die Münchner im Laufe der zweiten Halbzeit durch Unkonzentriertheiten ein Gegentor her. Das 2:2 war gänzlich unnötig aus bayerischer Sicht.

Eine Minute später konnten die Bayern, nach einer Flanke von Müller, allerdings die Führung wieder herstellen. In der 76. Minute flanke Müller den Ball aus dem Halbfeld auf Robert Lewandowski, der den Ball ins lange Eck köpfte.
Direkt nach seinem Tor hatte Robert Lewandowski dann Feierabend, Sandro Wagner gab sein Comeback in der Allianz Arena.

In der 83. Minute machten dann die Bayern alles klar. James lupfte den Ball wunderbar über Bremens Abwehr und fand Thomas Müller, der sein zweites Tor in diesem Spiel und sein 100 Tor in der Bundesliga erzielte.

Am Ende gewannen die Münchner die Partie nicht unverdient gegen Werder Bremen mit 4:2. Defensiv überzeugten die Bayern allerdings nicht über die kompletten 90 Minuten. Hier wird Jupp Heynckes nach wie vor Arbeit haben. Am kommenden Wochenende kann er diese Arbeit gegen Hoffenheim bereits unter Beweis stellen.

Drei Dinge, die auffielen:

1.Bayerns schwaches Positionsspiel

Heynckes ließ gegen die Bremer zwar Offensiv spielen, allerdings hatten die Bayern Probleme ihre Position sauber zu halten. James und Ribery agierten beide meist in den Halbräumen und wichen sehr oft aus. Besonders Ribery hielt seine Position selten und war überall zu finden.

Dies kann positive Effekte auf das Spiel haben, allerdings war Ribery zu präsent. Dies führte dazu, dass er sich nicht immer richtig anbot und so die Struktur der Bayern im Ballbesitzspiel oft sehr unsauber war.
Bayern schaffte es selten das Spiel vorne zu verlagern und so die Bremer Abwehr in Bewegung zu bringen. Außerdem fehlte den Innenverteidigern Boateng und Süle im Übergang ins letzte Drittel die Anspielstationen. Sehr häufig waren die Abstände zwischen Martinez und den Innenverteidigern nach vorne zu groß. Nicht verwunderlich war die Vorlage durch Boateng bei Bayerns Ausgleich. Boateng hatte kaum Anspielstationen und musste den langen Ball schlagen.

Im Allgemeinen gab es viele Rochaden in der Offensive und die Positionen wurden flexibel besetzt. Allerdings fehlte den Bayern doch recht oft die Balance im Offensivspiel. Die Bayern waren dadurch nicht in der Lage Räume zu öffnen und Lücken zu nutzen. Man merkte in diesem Spiel, dass ein Spieler wie Thiago, der das Spiel dirigiert und die Balance im Kombinationsspiel geben kann, der Mannschaft heute fehlte.

2. wackelige Defensive

Nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch als Mannschaft verteidigten die Bayern gegen Bremen schwach. Bremen erzielte nicht nur zwei Tore, sondern hatte auch einige weitere Chancen. Alle vier Verteidiger und auch Sven Ulreich hatten einen schwachen Tag. Alle zeigten immer wieder Unkonzentriertheiten und wirkten alles andere als souverän.

Aber nicht nur die Verteidiger arbeiteten in der Defensive nicht gut, auch der Rest des Teams erledigte seine Defensivaufgaben alles andere als gut. Besonders in der ersten Hälfte gab es sehr viel Raum rund um Martinez. Der Baske bekam selten Unterstützung von James und Müller, auch Bernat und Kimmich wurden auf den Außenbahnen einige Male allein gelassen.

Gegen Bremen nutzten die Bayern wie so oft unter Heynckes ein 4-1-4-1 Pressing, das immer wieder zu einem 4-1-3-2 wurde. Hier erhielten die Offensivspieler im Pressing kaum Zugriff und Werder konnte dieses recht oft überspielen und dann Räume neben Martinez nutzen. Jupp Heynckes wird mit der Defensivleistung alles andere als zufrieden sein, denn in der Champions League werden solche Fehler noch konsequenter bestraft.

3. Kein Empfehlungsschreiben von Robbery

Franck Ribery und Arjen Robben haben beide nur noch einen Vertrag bis zum Sommer. Beide konnten gegen Bremen kein Empfehlungsschreiben abgeben. Arjen Robben war schlecht eingebunden und fand nie richtig ins Spiel. Selten wurde er auf dem rechten Flügel freigespielt, um mit seinen Dribblings für Gefahr zu sorgen.

Im Gegensatz zu Arjen Robben war Franck Ribery sehr auffällig, allerdings überdrehte er besonders in der ersten Halbzeit meist. Er hielt seine Position kaum, bot sich fast schon zu viel an und traf am Ball nicht immer die richtigen Entscheidungen. Auf der linken Seite nutzte er die Probleme, die Bauer gegen ihn hatte, zu selten aus. Zu oft lief er sich fest oder spielte die Pässe im falschen Moment. Einzig wenn er auf der rechten Seite mit Müller und Robben Überzahl schaffen konnte, half er dem bayrischen Offensivspiel, indem er sich für schnelle Kombinationen anbot.

Auch in der Defensivarbeit waren beide nicht sonderlich stark. Um dieses Jahr eine gute Rolle in der Champions League zu spielen, müssen aber beide Akteure nochmal in Form kommen, um die bayrische Offensivabteilung wieder gefährlicher zu machen.

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Bayern – Bremen
Bayern Ulreich – Bernat, Süle, Boateng, Kimmich – Martínez (58. Vidal) – Ribéry, James, Müller, Robben (58. Coman) – Lewandowski (77. Wagner)
Bank Starke, Rafinha, Rudy, Tolisso
Bremen Pavlenka – Augustinsson, Moisander, Veljković, Bauer (46. Gebre Selassie) – Bargfrede (80. Belfodil), Eggestein – Gondorf (73. Kainz), Delaney, Junuzović – Kruse
Bank Drobný, Sané, Jacobsen, Johannssón
Tore 0:1 Gondorf (25.), 1:1 Müller (41.), 2:1 Lewandowski (63.), 2:2 Süle (74., Eigentor), 3:2 Lewandowski (77.), 4:2 Müller (84.)
Karten Gelb: – / Bauer (5.), Bargfrede (65.)
Schiedsrichter­ Dr. Robert Kampka (Mainz), Robert Kempter (Stockach), Benedikt Kempkes (Thür), Dominik Schaal (Tübingen), Felix Zwayer (Berlin), Arne Aarnink (Nordhorn)
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)

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