FC Schalke 04 – FC Bayern München 0:2 (0:0)

Steffen Trenner 09.09.2016

Es wurde ein intensives Spiel mit einigen Problemen der Münchner, aber einem starken Schlussspurt zu drei Punkten.

Falls Ihr es verpasst habt:

Der FC Bayern begann mit einer Änderung im Vergleich zum Auftakt gegen Bremen. Neuzugang Renato Sanches begann für Arturo Vidal, der unter der Woche für Chile aktiv war. Douglas Costa stand nach überstandener Muskelverletzung ebenfalls im Kader.

Schalke-Bayern AufstellungenFC Schalke 04 vs. FC Bayern München, 09.09.2016, Grundformationen.

Bei Schalke setzte Coach Weinzierl alle Zeichen auf Neustart und veränderte die Mannschaft auf insgesamt sechs Positionen. Die Neuzgänge Bentaleb und Stambouli begannen im zentralen Mittelfeld. Konoplyanka rechts außen und Baba auf der linken Verteidigerposition. Dazu standen Nastasic und Goretzka neu in der Startelf. Mit Geis, Meyer und Embolo hatten die Hausherren einige Möglichkeiten um nachzulegen.

Bayern kam gut aus der Kabine und schon in den ersten fünf Minuten zwei Mal recht gefährlich in den Strafraum. Danach befreite sich Schalke etwas und war vor allem nach gelungenen Einzelaktionen (Choupo-Mouting) oder hohen Ballgewinnen (Naldo) in der Lage die Münchner Defensive unter Druck zu setzen. Echte Torgefahr entstand dadurch zunächst nicht.

Nach 15 Minuten entwickelte sich ein offenes Spiel mit viel Tempo. Schalke kam nun zu guten Abschlüssen durch Goretzka und Konoplyanka. Die Münchner wurden in dieser Phase mit dem ein oder anderen schnellen Gegenstoß gefährlich. So wie in der 24. Minute, als Müller nach tollem Steilpass von Thiago in der Mitte Lewandowski fand. Der Pole schob den Ball nur knapp neben das Tor.

Schalke war in der Folge die leicht bessere Mannschaft. Baba ließ in der 35. Minute vier Bayern aussteigen, bediente Konoplyanka, dessen Hereingabe Neuer und Hummels nur mit Mühe klären konnten. Hummels hatte zudem Glück, dass seine Grätsche gegen Konoplyanka im Strafraum nicht als Foul gewertet wurde.

Kurz vor der Pause vergab Alaba noch eine gute Schusschance nach schöner Kombination.

Nach dem Seitenwechsel wurde es zäher. In der 57. Minute traf Huntelaar nach einem abgefangenen Pass von Hummels aus 25 Metern die Latte. Neuer war mit den Fingerspitzen noch dran.

In der 61. Minute reagierte Ancelotti und brachte etwas überraschend Vidal für Alonso und Douglas Costa für Ribéry. Auf der Gegenseite musste wenig später Huntelaar angeschlagen runter. Meyer kam für ihn. Auch Kimmich kam wenig später für Sanches.

Auf dem Feld passierte nicht viel bis sich Alaba und Costa mit einer schönen Kombination auf dem Flügel durchsetzten. Alabas scharfe Hereingabe hebelte Lewandowski aus 5 Metern über das leere Tor. Eine Riesenchance (75.).

Es sollte der Auftakt einer spektakulären Schlussphase werden. Es war ein öffnender Pass von Javí Martínez, der den FC Bayern auf die Siegerstraße brachte. Weil Schalke in dieser Phase den Druck nicht mehr aufrecht erhalten konnte, marschierte Martínez durchs Mittelfeld und spielte einen perfekten Pass in die Schnittstelle auf Lewandowski. Der Torjäger traf freistehend vor Fährmann (81.).

Kurze Zeit später die nächste Großchance. Wieder tauchte Lewandowski nach tollem Pass von Costa vor Fährmann auf – vergab jedoch kläglich. So blieb es Joshua Kimmich vorbehalen den Schlusspunkt einer intensiven Partie zu setzen. Nach einer Balleroberung von Vidal machten die Münchner das Spiel schnell. Über Lewandowski kam der Ball zu Kimmich, der aus spitzem Winkel entschlossen zum 2:0 einschob.

2:0. Ein Tor zu hoch. Nicht alle Fragezeichen beseitigt. Aber doch ein perfektes Ergebnis gegen einen über 70 Minuten sehr starken Gegner.

3 Dinge, die auffielen:

1. Schwaches Positionsspiel sorgt für Probleme

Es war ein ungewohntes Bild in den ersten 60-70 Minuten. Die Münchner hatten über weite Strecken der Partie enorme Probleme die richtigen Räume zu besetzen. Das Positionsspiel mit optimaler Raumnutzung gehörte zum Markenzeichen der Guardiola-Ära. Das Spiel gegen robuste und gut vorbereitete Schalker legte offen, dass Ancelottis direkteres Spiel nicht automatisch funktioniert.

Mehrfach wogte das Spiel hin und her ohne, dass die Münchner Kontrolle über Ball und Spielgeschehen erlangten. Mehrfach fehlten dabei nach Balleroberung auch die Anspielstationen, weil die Mannschaft sich schlecht positionierte oder die Wege in den Rücken des Schalker Mittelfelds zu weit waren. Dabei entstanden merkwürdige 6-3-1 oder 2-3-3-2-Staffelungen, die eher zufällig wirkten. Fehlte dann die Ruhe, um drauf zu treten, nutzten das die Hausherren mehrfach, um vertikale Bälle abzufangen und Gegenangriffe einzuleiten. Gern auch im Rücken der weit aufgerückten Außenverteidiger.

Schalke schien genau darauf vorbereitet, denn immer wieder antizipierten Naldo, Höwedes und Co. Vertikalpässe der Münchner Hintermannschaft und rückten frühzeitig in den Passweg. Drei Schalker Chancen entstanden aus diesen Situationen. Unter anderem der Lattenschuss von Huntelaar. Neun abgefangene Bälle in der ersten Hälfte sind Beleg dafür. Am Ende waren es sogar 22. Erst in der 75. Minute mit Vidal und Kimmich an der Seite von 6er Thiago kam deutlich mehr Struktur herein.

Thiago steigert sich auf der 6. (Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP/Getty Images)
Thiago steigert sich auf der 6.
(Foto: Patrik Stollarz / AFP / Getty Images)

All das ist die Kehrseite dessen was in den vergangenen Tagen unter dem Stichwort “mehr Freiheit” diskutiert wurde. Die Automatismen, die Guardiola der Mannschaft im Positionsspiel eingeimpft hat, sind enorm hilfreich wenn es darum geht Drucksituationen zu lösen und einen Gegner müde zu spielen, weil dieser trotz hohem Aufwand selten an den Ball kommt. Gegen Schalke wurde deutlich, dass etwas mehr Unordnung im Spiel einen lauf- und zweikampfstarken Gegner stark machen kann. Das Spiel zeigte aber auch, dass die Münchner trotzdem in der Lage sind genug Chancen heraus zu spielen, um solche Partien zu gewinnen.

Für Ancelotti muss es trotzdem darum gehen eine bessere Balance zwischen direktem Spiel und notwendiger Spielkontrolle zu finden.

2. Ancelottis Wechsel gehen voll auf

Es klingt wie eine Binsenweisheit wenn die entscheidenden Tore nach drei Auswechslungen fallen. Aber Ancelottis Wechsel hatten in der Tat enormen Einfluss auf das Spiel der Bayern. Die letzte Viertelstunde war die beste und strukturierteste Münchner Phase. Ancelottis Entscheidung Thiago, der zuvor vor allem mit Ballgewinnen auffiel, nach Alonsos Auswechslung auf die Sechs zu ziehen, zahlte sich sofort aus. Das Zusammenspiel mit Vidal und Kimmich wirkte eingespielter und gab den Gästen die zuvor vermisste Struktur zurück. Ein Beleg? Ab der Hereinnahme von Kimmich in der 70. Minute betrug die Passquote der Münchner 93%. Bis zu seiner Einwechslung gerade einmal 81%. Das Trio sorgte für Sicherheit im Zentrum gegen die giftige Schalker Combo Bentaleb, Goretzka und Stambouli. Thiago und Kimmich brachten ab de Umstellung 50/52 Pässen zum Mitspieler. Thiago spielte überhaupt keinen Fehlpass in den letzten 20 Minute. 8 der 18 Torschüsse des FC Bayern entstanden in den letzten 20 Minuten.

Auch Douglas Costas Hereinnahme machte sich sofort bemerkbar. Der hyperaktive Brasilianer schaffte in 30 Minuten drei Torschussbeteiligungen und zwei erfolgreiche Dribblings. Ribéry in 60 Minuten zuvor eine Torschussbeteiligung und drei Dribblings. Costa war zudem an Lewandowskis Großchance in der 75. Minute und dem 2:0 direkt beteiligt.

Vor dem Spiel war im Vergleich der beiden Bänke nicht unbedingt abzusehen welche die Stärkere sein wird. Auch Schalke kann inzwischen mit Spielern wie Embolo, Meyer und Geis von der Bank nachlegen. Die Münchner Wechsel gingen allerdings komplett auf und machten am Ende in einem Vergleich zweier bis dahin gleichwertiger Mannschaften den Unterschied.

3. Sanches muss sich an das Tempo gewöhnen

Es war gewiss kein optimaler Auftakt für den 19-jährigen Neuzugang. Sanches wirkte unruhig und ließ sich von 2-3 Fehlpässen in der Anfangsphase aus dem Rhythmus bringen. Auffällig war, dass der junge Portugiese immer wieder auf den Flügel driftete, um sich etwas mehr Zeit bei der Ballan- und mitnahme zu verschaffen.

Sanches brachte 85% seiner 48 Pässe zum Mitspieler, gewann nur 35% seiner Zweikämpfe und blieb insgesamt eher wirkungslos. Kimmich verbuchte in 20 Minuten beinahe genau so viele Sprints und intensive Läufe wie Sanches in 70 Minuten zuvor. Diese durchwachsene bis schwache Laufleistung macht ein wenig nachdenklich. Abstimmungsprobleme sind erklärbar, aber Sanches zeichnete sich in Lissabon und in der Nationalmannschaft vor allem durch sein enormes Volumen und sein raumgreifendes Spiel aus. Auf dieser Grundlage baut sein Spiel im Normalfall auf. Gegen Schalke war davon noch nicht allzu viel zu sehen. Vor allem der Vergleich zum viel aktiveren und aggressiverem Kimmich war auffällig.

Immerhin in Ansätzen zeigte Sanches die Fähigkeiten, die den FC Bayern von ihm überzeugten. Er ist robust, schafft intuitiv gute Sichtachsen und hat gute Ideen im Passspiel. An Tempo und Handlungsschnelligkeit seiner Mitspieler muss er sich definitiv noch gewöhnen.

FC Schalke 04 – FC Bayern München 0:2 (0:0)
FC Schalke 04 Fährmann – Höwedes, Naldo, Nastasic, Baba – Stambouli (86. Kolasinac) – Bentaleb, Goretzka – Choupo-Moting, Konoplyanka (55. Embolo) – Huntelaar (67. M. Meyer)
Bank Nübel – Riether, Aogo, Geis
FC Bayern München Neuer – Lahm, Hummels, Javi Martinez, Alaba – Xabi Alonso (61. Vidal) – Thiago, Renato Sanches (71. Kimmich) – T. Müller, F. Ribery (61. Douglas Costa) – Lewandowski
Bank Ulreich – Juan Bernat, Rafinha, Green
Tore 0:1 Lewandowski (81.), 0:2 Kimmich (90.)
Karten Gelb: Höwedes, Baba / Hummels, Renato Sanches, Vidal, Thiago
Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer 62.271 (ausverkauft)

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