FC Bayern München – RB Leipzig 3:0 (3:0)

Justin Trenner 21.12.2016

Beim Aufsteiger waren Keita und Halstenberg vor dem Spiel fraglich, doch beide wurden rechtzeitig fit. Auch Carlo Ancelotti konnte größtenteils auf seinen Kader der letzten Spiele zurückgreifen, wenngleich Boatengs Ausfall natürlich schmerzte.

Falls Ihr es verpasst habt:

Von vielen Seiten wurde spekuliert, dass Ancelotti gegen die ambitionierten Leipziger auf eine aggressive und offensive Aufstellung setzen würde, der Italiener stellte jedoch relativ verhalten auf. Vor Neuer setzte er auf Alaba, Hummels, Martínez und Lahm. Davor wurde es schon etwas spannender; Alonso durfte, trotz vieler Argumente gegen ihn, von Beginn an ran und teilte sich mit Thiago und Vidal das Mittelfeld. Vorne komplettierten Costa, Robben und Lewandowski die Elf des Rekordmeisters.

Bayern München gegen RB Leipzig, Aufstellung Bayern München vs RB Leipzig, 21.12.2016, Grundformationen.

Hasenhüttl baute ebenfalls auf das System der letzten Wochen. Im 4-2-2-2 lief die effiziente Offensive auf, bestehend aus Werner, Poulsen, Forsberg und Sabitzer. Demme und Keita bespielten die Zentrale. Die Viererkette bildete sich aus Halstenberg, Orban, Ilsanker und Bernardo, während Gulacsi das Tor der Gäste hütete.

Das Spiel begann wie erwartet; Leipzig mit mutigem und aggressiven Mittelfeldpressing und die Bayern um Kontrolle bemüht. Der Gastgeber machte dies in der Anfangsphase nicht schlecht, doch es deutete sich bereits mehrfach an, dass RB seine Kontermöglichkeiten bekommen würde. So auch in der dritten Minute, als Poulsen nach Umschaltspiel nur knapp vorbeirutschte.

In der Folge blieb es jedoch ruhiger und richtige Höhepunkte gab es zunächst nicht. Erstmals gefährlich wurde der Rekordmeister in der 14. Spielminute, als Costa mit einem schönen Dribbling in den Strafraum drängte. Seine Hereingabe konnte Gulascsi nur nach vorne abwehren, doch Leipzig klärte zur Ecke.

Ancelottis Mannschaft übernahm nun endgültig die Kontrolle. Speziell über Robbens Seite und den rechten Halbraum entstanden viele Ansätze für gute Chancen. Der Niederländer harmonierte dort mit Lahm, Thiago und Lewandowski sehr gut.

Folgerichtig belohnte sich der Rekordmeister dann auch. Lahm wurde auf rechts schön freigespielt und bediente Lewandowski. Der Pole traf zunächst nur den Pfosten, doch Thiago stand goldrichtig und netzte zur verdienten Führung ein (17.).

Es war schlicht beeindruckend, mit welcher Intensität und Entschlossenheit die Münchner begannen. Leipzig konnte sich kaum entfalten und Bayern gewann gefühlt jeden Zweikampf in den ersten 20 Minuten. Hätte Costa nicht ebenfalls nur den Pfosten getroffen (18.), hätte es sogar schon früh 2:0 gestanden.

Das holte der Tabellenführer nur sieben Minuten später nach. Einen Ballverlust von Keita nutzte Lewandowski, um Thiago zu bedienen, der wiederum fand den aufrückenden Alonso. Ausgerechnet der zuletzt so stark und zurecht kritisierte Spanier erhöhte schließlich auf 2:0 (25.). Es war bis hier eine Demonstration des Rekordmeisters.

Es dauerte bis zur 28. Minute, ehe Leipzig nach einer Ecke die nächste richtig gute Chance bekam, Neuer konnte jedoch stark parieren. Es war von Beginn an nicht das Spiel des Aufsteigers, und es wurde nicht besser – nach gut einer halben Stunde unterbrach Forsberg einen Konter der Bayern mit einer groben Grätsche und sah dafür die rote Karte.

Bis zur Pause gab es dann nur noch einen Höhepunkt: einen berechtigten Strafstoß für die Bayern. Gulácsi legte Costa im Strafraum und Lewandowski verwandelte zum 3:0 (44.). In Worten: Drei zu Null. Halbzeit.

Zur Pause kam Ribéry für Robben, Hasenhüttl nahm den angeschlagenen Keita runter und brachte stattdessen Kaiser. Wer dachte, dass die Münchner ihre Leistung jetzt dosieren, sah sich jedoch getäuscht. Sie liefen weiter hoch an und drückten die Gäste tief in deren Hälfte.

In der 52. Minute verpasste es Lewandowski, auf Ribéry quer zu legen und schloss selbst ab – ohne Erfolg. Leipzigs erste Chance im zweiten Durchgang war ein abgefälschter Schuss, der aber nur zu einer Ecke führte (57.). Wenig später reagierte Hasenhüttl erneut und wechselte Davie Selke für den blassen Timo Werner ein (59.).

RB schien die Hoffnung auf mehr endgültig verloren zu haben und beschränkte sich nur noch auf das Nötigste. Das führte zu weiteren guten Gelegenheiten für den FCB. Nach schöner Kombination zwischen Ribéry und Lewandowski verwehrte Gulacsi dem Polen einen weiteren Treffer (65.), und auch Thiagos Fernschuss brachte nicht das 4:0 (69.).

Die beiden letzten Wechseloptionen nutze Ancelotti, indem er Bernat (67.) und Kimmich (75.) für Alaba und Vidal brachte. Das Spiel verlor jedoch immer mehr an Intensität. Bernats harmloser Abschluss (79.) brachte ebenso wenig ein wie Ribérys missglückte Aktion in der 80. Minute.

Auch Hasenhüttl versuchte noch ein letztes Mal frischen Wind zu bringen und wechselte Burke für Sabitzer ein (82.). Ändern sollte aber auch diese Maßnahme nichts mehr. Im Gegenteil: Die Bayern erhöhten noch ein letztes Mal die Schlagzahl. Costas Freistoß (85.), Ribérys Lattenschuss (87.) und Kimmichs gefährlicher Kopfball (88.) waren jedoch genauso erfolglos wie Bernats Abschluss aus kürzester Distanz (89.). Leipzig konnte zufrieden sein, dass sie nicht mehr Gegentore kassierten.

Carlo Ancelotti hat alles richtig gemacht, seine Mannschaft perfekt auf den Gegner eingestellt und aus den Fehlern der vergangenen Spiele gelernt. Leipzig hatte überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel und Bayern verdiente sich das 3:0, das am Ende sogar noch zu wenig war. Ein versöhnlicher Abschluss zum Ende des Jahres.

(Statistik & Grafik: Lukas)

3 Dinge, die auffielen:

1. Vidal und Alonso sind auf den Punkt da

Vor dem Spiel gab es große Fragezeichen von allen Seiten, was die Aufstellung von Carlo Ancelotti anging, auch und besonders von meiner Seite. Doch der Trainer behielt Recht und vertraute sowohl Vidal, der zuletzt physisch überhaupt nicht fit wirkte, als auch Alonso, der Fehlpass um Fehlpass gespielt hatte, vollkommen zurecht.

In der beeindruckenden Anfangsphase hatten die Münchner nach 20 Minuten eine Zweikampfquote von 70%, die auch und vor allem wegen der beiden genannten Spieler zustande kam. Vidal kam zur Pause auf fünf Balleroberungen, Alonso auf vier. Vidal überzeugte zudem mit gutem Passspiel und überragendem Stellungsspiel. Gefühlt war der Chilene die Endstation jedes Leipziger Konters.

Gerade Alonso überraschte aber, war er doch in den vergangenen Wochen fahrig und leicht unter Druck zu setzen gewesen. Leipzigs aggressives Pressing brachte den Routinier nicht aus der Ruhe und so kam er in den ersten 45 Minuten nur auf drei unwichtige Fehlpässe. Alonso setzte seine Mitspieler vertikal in Szene, half seinen beiden Innenverteidigern enorm im Aufbauspiel und krönte seine eigene Leistung sogar mit einem Treffer.

Es scheint als könne der 35-Jährige doch noch auf höchstem Niveau agieren, auch wenn man nach nur einem Spiel mit einer Bewertung vorsichtig sein muss. Alonso wird sich in der Winterpause hinterfragen müssen, um dann in der Rückrunde an dieser Leistung anknüpfen zu können. Schafft er das, wird er auch 2017 noch eine wichtige Rolle für den Rekordmeister spielen.

2. Dreiecke, hohe Intensität und Douglas Costa

Mats Hummels forderte vor dem Spiel Höchstleistung, da eine ordentliche nicht reichen würde. Seine Mannschaft lieferte ab und so blieb die neue Haarfarbe des 28-Jährigen, die Folge einer verlorenen Wette war, nicht die einzige Änderung im Spiel des Spitzenreiters. Auch das bayrische Offensivspiel bekam einen neuen Anstrich. Leipzigs Pressing wurde komplett wirkungslos, weil Ancelottis Elf für ständige Verbindungen sorgte, sich viel bewegte und gefühlt auf dem ganzen Feld Überzahlsituationen schuf – schon vor dem Platzverweis.

Das Pressing der Bayern war so aggressiv und wirkungsvoll wie lange nicht mehr. Es gab viele hohe Balleroberungen, die aus einer wirkungsvollen Staffelung resultierten, aber auch aus einem Thiago auf der Zehn, der sich immer mehr als starker Zweikämpfer präsentiert. Die Nummer 6 der Münchner gab seinen Mitspielern Anweisungen, lief selbst klug an und hob so die Arbeit gegen den Ball auf ein besseres Level. Thiago war zudem auf beiden Seiten eine wichtige Anspielstation im Halbraum und überragte erneut. Vermutlich ist der Spanier der Spieler der Hinrunde.

Doch auch Douglas Costa, bei dem man sich nicht immer sicher war, ob er allerhöchsten Anforderungen entsprechen würde, blüht am Ende des Kalenderjahres nochmal auf. Der Brasilianer kam am Ende auf 5 Torschussvorlagen, 4 eigene Abschlüsse und 6/7 gewonnenen Offensivzweikämpfen. Er positionierte sich stets richtig, glänzte mit hervorragenden Diagonalläufen und auch seine Hereingaben waren immer gefährlich. Douglas Costa meldete nicht zuletzt mit der Leistung gegen Leipzig Ansprüche auf weitere Startelfeinsätze an. Es sieht so aus, als könne Franck Ribéry sich warm anziehen. Gut für die Bayern.

Carlo Ancelotti hatte Grund zum Jubeln. (Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)
Carlo Ancelotti hatte Grund zum Jubeln.
(Foto: GUENTER SCHIFFMANN/AFP/Getty Images)

3. Herbstmeister, aber noch lange nicht Meister

Der FC Bayern ist Herbstmeister und bringt damit eine schwierige Hinrunde erfolgreich zu Ende. Dass sie dieses Zwischenziel mit einem so deutlichen Ergebnis gegen den bisher besten Verfolger erreichen, ist überdies ein klares Zeichen an die Konkurrenz: auch in dieser Saison geht der Titel nur über den FC Bayern. An sich sollte das keine große Überraschung sein, zwischenzeitlich jedoch wurde es – berechtigterweise – hinterfragt.

Das hatte Gründe. Der Rekordmeister konnte in vielen Spielen nicht die Leistung bringen, die es braucht, um am Ende ganz oben zu stehen. In manchen Begegnungen half das Glück, in anderen ließ man sich von hohem Pressing überrennen. Die größte Baustelle war das Mittelfeld. Ancelotti musste mehrfach an der Besetzung und am System justieren, um schlussendlich bei einem 4-2-3-1 zu landen, das nicht nur den Zehner-Raum endlich abdeckte, sondern auch den Aufbau vereinfachte.

Gegen Leipzig umspielte die Mannschaft die Pressingfallen des Gegners gekonnt und brachte sich so immer wieder in gefährliche Zonen. Hummels fand kontinuierlich seine Mitspieler und brachte sich so mit gefährlichen Vertikalpässen ein, doch auch Alonso profitierte enorm von der Unterstützung. Die Bayern zeigten die bisher beste Leistung unter Carlo Ancelotti und brachten diese erstmals über die volle Distanz.

Meister ist die Mannschaft des Italieners aber noch lange nicht. Die Ausgangsposition ist gut und der Vorsprung auf die Teams ab Platz 3 riesig. Dennoch gilt es, den Fokus aufrecht zu erhalten, noch mehr Kontinuität aufzubauen und so eine Rückrunde zu spielen, die eine klare Steigerung zum bisher Gesehenen darstellt. Die Art und Weise, mit der die Bayern ihren Konkurrenten aus Leipzig auseinander genommen haben, macht Mut, Hoffnung und Lust auf das Jahr 2017.

FC Bayern – RB Leipzig 3:0 (3:0)
FC Bayern München Neuer – Lahm, Martínez, Hummels, Alaba (67. Bernat) – Thiago, Alonso, Vidal (75. Kimmich) – Robben (46. Ribéry), Lewandowski, Costa
Bank Ulreich, Rafinha, Müller, Sanches
RB Leipzig Gulacsi – Bernardo, Ilsanker, Orban, Halstenberg – Keita (46. Kaiser), Demme – Sabitzer (82. Burke), Forsberg – Werner (59. Selke), Poulsen
Bank M. Müller, Schmitz, Burke, Kalmar, Khedira
Tore 1:0 Thiago (17.), 2:0 Alonso (25.), 3:0 Lewandowski (45./Foulelfmeter)
Karten Gelb: Vidal / Sabitzer, Rot: Forsberg (30.) wegen groben Foulspiels
Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin)
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)

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