FC Bayern München 4:1 SC Freiburg (1:0)

Justin Trenner 20.05.2017
#GraciasXabi #DankePhilipp #DankeTom #DankeTiger

Ancelotti schickte neben Starke, Lahm und Alonso auch Bernat ins Rennen. Deshalb rückte Alaba in die Innenverteidigung neben Boateng. Vorne starteten Robben, Lewandowski und Kingsley Coman.

Der SC Freiburg startete im 4-4-2. Niederlechner und Philipp begannen im Sturm, Haberer und Griffo besetzten die Flügel- und Halbräume. Auf der Doppelsechs brachte Streich Höfler und Frantz, die vor der Viererkette spielten. Diese bestand wiederum aus Günter, Kempf, Gulde und Ignjovski. Schwolow komplettierte die Startelf im Tor der Gäste.

Falls Ihr es verpasst habt

Bevor das Spiel beginnen konnte, wurde es jedoch höchst emotional. Die Abschiede von Lahm, Alonso und Starke wurden um Hermann Gerland, der in die Jugendarbeit wechselt und Schiedsrichter Dr. Jochen Drees ergänzt. Der Unparteiische wird seine Karriere ebenfalls beenden.

Ebenso emotional war die Tatsache, dass die Fans auch Holger Badstuber nochmal feierten. Die Sprechchöre blieben leider die einzige Erwähnung des 28-Jährigen.

Dann konnte die Partie beginnen. Für Freiburg ging es um Europa, für die Bayern um einen vernünftigen Abschied der genannten. Dementsprechend motiviert starteten beide Teams. Die erste große Chance des Spiels hatte Kingsley Coman, der nach rund 3 Minuten zum Kopfball kam. Schwolow parierte.

Wenig später setzte Xabi Alonso dann einen ersten Glanzpunkt. Ein sensationeller Diagonalball, einer seiner ästhetischen Pinselstriche, fand Arjen Robben, der das Gemälde mit einem für ihn typischen Tor vollendete (5.). Ein Traumstart für den Spanier und die Bayern.

Nur vier Minuten später gab es dann einen unschönen Moment. Boateng blieb nach einem Zweikampf mit Niederlechner liegen und musste ausgewechselt werden. Kimmich kam für den Nationalspieler. Das Ende einer Saison zum Vergessen für den Innenverteidiger.

Freiburg lief hoch an, doch der Rekordmeister löste die Situation gut. Müller war es, der die nächste gute Chance verpasste. Nach Alabas hohem Ball hinter die Viererkette des Gegners scheiterte der Angreifer nur knapp (12.).

Es war zunächst ein Spiel auf ein Tor. Dabei ging fast jeder Angriff der Anfangsphase über Arjen Robben, der nach einer guten Viertelstunde schon sechs Abschlüsse verbuchte. In der 17. Minute war der Ball dann erneut im Tor der Gäste, doch Lewandowski stand im Abseits, weshalb der Treffer zurecht nicht zählte.

Es folgte eine Phase, die ohne große Highlights blieb. Die Gäste versuchten alles, kamen gegen das Kombinationsspiel der Bayern aber nicht an. Ein 2:0 wäre längst verdient gewesen.

Aus dem Nichts fiel aber fast der Ausgleich. Frantz versuchte es aus ungefähr 18 Metern Entfernung, doch Starke wehrte ab (27.). Wie so oft in dieser Saison hatte man Mitte der ersten Halbzeit das Gefühl, dass die Münchner das Tempo plötzlich etwas zu sehr vermissen ließen.

Erst in der 31. Minute sollte es die nächste gute Chance für den Serienmeister geben. Nach einer Flanke legte Müller für Kimmich auf, der mit dem Kopf aber an Schwulow scheiterte. Freiburg kam nicht zu vielen, aber zu wenigen guten Möglichkeiten.

So auch in der 35. Minute, als Haberer frei vor Starke daneben schob. Auch Griffo vergab einige Sekunden später aus spitzem Winkel. Es entstand ein offener Schlagabtausch, in dem auch Lewandowski aus kurzer Distanz nicht treffen konnte (36.).

Der Pole hatte ja ebenfalls noch etwas zu gewinnen. Aubameyang traf im ersten Durchgang für den BVB und zog somit mit dem Bayern-Stürmer gleich, der sein Konto bereits letzte Woche auf 30 Tore aufstockte.

Bis zur Halbzeit passierte aber nichts mehr und so ging es mit der knappen Führung der Bayern in die Pause. Dort kam dann auch die Meldung, dass Boateng ins Krankenhaus gefahren wurde.

Arjen Robben zeigte erneut, dass er weiterhin auf hohem Niveau spielen kann. Nicht nur wegen des Tores.
(Foto: Guenter Schiffmann / AFP / Getty Images)

Im zweiten Durchgang begannen die Münchner wieder druckvoll und mit einer ersten guten Gelegenheit. Lewandowski brachte den Ball aber auch im fünften Anlauf nicht im Tor der Gäste unter (46.).

Für Freiburg blieb weiterhin die Hoffnung, mit einigen Kontern gefährlich zu werden. Ein ums andere Mal lief die Streich-Elf nach Ballverlusten der Bayern an, doch eine große Chance kam dabei zunächst nicht herum. Ein Versuch aus der Distanz und ein Kopfball in die Arme Starkes (62.) zählten zu den gefährlichsten Abschlüssen.

Auch das dritte Tor der Münchner sollte nicht zählen. Lahm bereitete Müller das vermeintliche 2:0 vor, stand jedoch im Abseits. Damit blieb es beim 1:0 (68.). Christian Streich wechselte direkt im Anschluss das erste Mal aus. Für Haberer betrat Ex-Münchner Petersen das Feld.

Die Bayern erhöhten folglich das Tempo. Arjen Robben schloss eines seiner Dribblings mit einem Lattentreffer ab (69.). Streich versuchte auf den Druck einzuwirken und wechselte in der Zentrale. Schuster übernahm nicht nur die Position von Maik Frantz, sondern auch die Kapitänsbinde (73.).

Helfen sollte aber auch dieser Wechsel nicht. Arturo Vidal schraubte in der 74. Minute nach Robben-Vorarbeit auf 2:0 und besorgte somit die vermeintliche Vorentscheidung. Doch Nils Petersen hatte etwas dagegen und egalisierte das Tor des Chilenen nur wenig später (76.).

Dem Freiburger gelang damit, was Lewandowski nicht so recht glücken wollte. Der Pole schloss in der 80. Minute zum siebten Mal ab, traf aber wieder nicht. Doch das wurde nur eine Minute später zur Nebensache.

Ancelotti wechselte Xabi Alonso aus. Der Spanier bekam von jedem seiner Mitspieler eine herzliche Umarmung und verließ unter großem Applaus den Platz. Dieser Moment sollte nur durch die Auswechslung Lahms getoppt werden, der kurz darauf ebenfalls ausgewechselt wurde.

Für den Kapitän kam Rafinha, doch das war egal. Einer der größten Fußballer, die je das Trikot des FC Bayern trugen, verließ den Platz endgültig. Das schlimme an diesen Wechseln war, dass danach noch Fußball gespielt werden musste.

Ein hochmotivierter Lewandowski verpasste nach Freistoß und abgeblocktem Schuss erneut (90.) und Freiburg versuchte weiterhin alles. Doch es sollte nicht reichen für die Breisgauer. Der eingewechselte Ribéry entschied die Partie nach einem Konter (90.). Vorbereiter war erneut Arjen Robben.

Den Schlusspunkt der Partie setzte Joshua Kimmich. Für die Bayern war es ein verdienter 4:1-Sieg und ein schöner Saisonabschluss. 33 Abschlüsse hatte der Meister am Ende, davon 11 aufs Tor.

Drei Dinge, die auffielen:

1. Ein schöner Saisonabschluss

Die Saison des FC Bayern wird sehr unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite stehen die großen Enttäuschungen in den Pokalwettbewerben, auf der anderen die fünfte Meisterschaft in Folge. Doch auch ab von Titeln zeigten die Münchner recht unterschiedliche Leistungen. Schlussendlich resultierte das in viel Kritik und etwas Unzufriedenheit.

Gegen Freiburg zeigte sich der Rekordmeister allerdings noch ein weiteres Mal von seiner besten Seite. Dies war nicht selbstverständlich, denn theoretisch ging es um nicht mehr viel. Für den SC hingegen zählten nur Punkte, um Europa noch zu erreichen.

Dem hohen Pressing der Gäste setzten die Bayern aber ihre ganze Spielstärke entgegen. Alonso positionierte sich stets gut im Aufbau und verteilte die Bälle vertikal. Auch die Passstärke von Alaba und später Kimmich half dem Deutschen Meister sehr. Vidal, der eine durchwachsene Saison erlebte, spielte ebenso gut auf wie Thomas Müller, der zeigte, dass er auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird.

Am beeindruckendsten war allerdings Arjen Robben. Der Niederländer untermauerte, dass er immer noch Spiele entscheiden und in die Hand nehmen kann. Er ging voran, kreierte viele Chancen (3 Torschussvorlagen, zwei Assists) und schloss selbst unglaubliche 13-Mal ab. Sein Tor krönte eine Leistung, die dem FC Bayern zeigt, dass Robben auch in der kommenden Saison zurecht Ansprüche melden wird.

Die gesamte Mannschaft zeigte sich geschlossen, strukturiert und über weite Strecken sicher im Passspiel. Wenige Ausnahmen gab es aber auch gegen die Breisgauer. An dieser Inkonstanz gilt es in der Zukunft zu arbeiten.

Dennoch bleibt am Ende ein guter Auftritt, der Lahm, Alonso und Starke einen würdigen Abschied verschaffte und die historische fünfte Meisterschaft eindrucksvoll unterstrich. Dass Lewandowski die Torjägerkanone am letzten Spieltag noch verlor, ist nur ein kleiner Makel eines ordentlichen Spieltags und einer guten Saison.

2. Ihr werdet fehlen.

Abschiede fallen immer schwer. Besonders schwer fallen sie aber, wenn zwei Menschen gehen, die dem FC Bayern, aber auch dem gesamten Fußball viel gegeben haben. Wir haben in unseren Abschiedstexten für Xabi Alonso und Philipp Lahm eigentlich alles gesagt, was es zu sagen gibt, doch all das reicht nicht, um ihre Wertigkeit in Europa und auf der Welt auszudrücken.

Auf der einen Seite ist da dieser Spanier mit Stil. Ein Maestro auf dem Feld, der das Geschehen lesen konnte wie nur wenige andere. Als dieser große Spieler, der alles erlebt hat, 2014 zum FC Bayern kam, rieben sich viele Fans die Augen. Es war wie ein Traum, dass die Münchner in der Lage waren, einen der besten Fußballer dieses Planeten zu holen.

Zugegeben, Alonso war nicht auf dem Zenit, aber er war immer noch ein Spieler von Weltklasseformat. Er hat dem Rekordmeister über die letzten Jahre eine Lücke gefüllt, die im Mittelfeld durch den alternden Schweinsteiger und den viel verletzten Martínez hinterlassen wurde. Dem Kader hätte ohne Xabi Alonso jemand gefehlt, der das Spiel lenken, diktieren und lesen kann, gleichzeitig aber auch in der Lage ist, Zweikämpfe zu führen.

Seine Diagonalbälle, wie jener, der gegen Freiburg das erste Tor einleitete, werden fehlen. In der neuen Saison wird der Kader, wenn man sich die aktuelle Lage auf dem Transfermarkt ansieht, so einen Spieler wahrscheinlich nicht mehr hergeben. Die Bayern müssten sich dann neu erfinden, den Spielaufbau anders fokussieren und die Dominanz auf dem Platz anders kreieren. Auch Lahms Karriereende ist dafür nicht förderlich.

Die Abschiede in der Allianz Arena waren hochemotional.
(Foto: Guenter Schiffmann / AFP / Getty Images)

In den letzten Jahren hat er mit seiner Diagonalität und seinen ständig einrückenden Bewegungen dafür gesorgt, dass die Bayern mehr Kontrolle in ihre Ballzirkulation bekamen. Darüber hinaus wird es spannend zu sehen, wie Arjen Robben sich in der neuen Saison macht.

Der Niederländer hat natürlich die Qualität, weiter auf höchstem Niveau zu spielen, profitierte aber enorm vom Kapitän, der viele Läufe machte, ohne anschließend einen Ball zu bekommen. Ohne Kopfschütteln, ohne Meckern, denn er wusste, wofür es gut war.

Beide Spieler haben gegen Freiburg die große Bühne verlassen und freuen sich jetzt auf die Karriere danach. Auf ihrem Weg wünschen wir ihnen das Beste, viel Gesundheit und dass man sich hoffentlich bald wiedersieht. Servus, Philipp. Adiós, Xabi. Und an dieser Stelle auch ein großer Dank an Holger Badstuber, Tom Starke und auch Hermann Gerland, die letztgenannten bleiben dem Verein immerhin in anderer Funktion erhalten. Wir wünschen allen viel Erfolg für die Zukunft.

3. Spannender Sommer, spannende Zukunft

Der letzte Auftritt gegen den SC Freiburg hatte keine Aussagekraft mehr. Dennoch wurde in den vergangenen Wochen immer klarer, dass sich etwas dem Ende neigt. Eine goldene Generation, die nur noch durch ihre Ausläufer repräsentiert wird.

Schweinsteiger, Lahm, Ribéry und Robben zählten zu den Gesichtern dieser erfolgreichen Zeit, die man als den erfolgreichsten Zyklus seit den Siebzigern bezeichnen kann. Zwei von ihnen sind weg, die anderen beiden haben an Qualität eingebüßt. Der eine mehr, der andere weniger.

Fakt ist dennoch, dass der FC Bayern vor den vielleicht spannendsten Jahren seit Ewigkeiten steht. Nach dem Europapokal-Triple von 1974 bis 1976 folgte ebenso eine Verschnaufpause wie nach dem Champions-League-Sieg 2001.

Für die Münchner gilt es deshalb herauszufinden, wie sie auf einen der erfolgreichsten Zyklen einen weiteren folgen lassen können, der das Niveau halten kann. Diese Herausforderung werden sie ab Sommer annehmen.

Die Fans sollten die Sommerpause nutzen, um sich bewusst zu machen, wie einzigartig und großartig das alles war. Wer weiß, wann die nächste Bayern-Mannschaft so viele historische Jahre aneinander reiht.

3.1. Danke, liebe Leser!

Dieser Spielbericht schließt die fünfte Pflichtspielsaison des FC Bayern ab, die Miasanrot komplett begleitet hat. In diesen Jahren ist der Blog gewachsen. Vieles hat sich professionalisiert, einiges wurde ausprobiert, neue Gesichter kamen hinzu.

Immer dabei waren einige von euch und sehr viele neue Leser sind gefolgt. Wir wollen uns am Ende dieser Spielzeit, die mit der fünften Meisterschaft in Folge eine erneut historische ist, bei euch bedanken. Für euer Interesse, für eure Diskussionsansätze, für eure Kritik und dafür, dass ihr uns stets begleitet.

Innerhalb der nächsten Tage wird es für euch die Möglichkeit geben, uns ganz konkret im Rahmen einer Umfrage Kritik zu geben. Wir hoffen auf eine rege Beteiligung und freuen uns auf viele weitere unvergessliche Augenblicke mit euch und dem FC Bayern.

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