Willkommen Lucho & Kanes Antwort an Yamal – FC Bayern 6:1 RB Leipzig in der Analyse
Zwei Punktverluste hintereinander musste der FC Bayern erleiden. Das Wort Krise wurde schon in den Mund genommen, obgleich meistens mit dem Präfix „Mini“ davor.
Der FC Bayern trat heute offenkundig an, diese Zweifel in den Wind zu schießen. Trotz forschem Beginn Leipzigs zeigten sie sich in allen Punkten verbessert. Es war alles in allem die beste Saisonleistung. Erst in den letzten Minuten ließen sie es schweifen aber gut – da stand es schon 6:0.
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FC Bayern 6:1 RB Leipzig: Drei Dinge, die auffielen
Willkommen in der Saison 2026/27, Luis Díaz!
Luis Díaz hat turbulente Monate hinter sich. Als Verlegenheitslösung verschrien, ließ er zunächst die Kritiker verstummen, ehe er sie alle in einer atemberaubenden Rückrunde zu regelrechten Fans bekehrte. Im Sommer musste er dann für Kolumbien die Kohlen aus dem Feuer holen, spielte immer fast jede mögliche Minute.
Dass das selbst für einen Dauerläufer wie Díaz zu viel ist, war wenig überraschend. Die Formprobleme Anfang der Saison konnte man kommen sehen. Glücklicherweise sah der Cheftrainer der kolumbianischen Nationalmannschaft die Dinge ähnlich und verzichtete darauf Díaz zwei Wochen um die halbe Welt zu jagen. In den beiden Spielen nach der Länderspielpause schien ihm das nicht geholfen zu haben, doch heute strahlte er förmlich Spielfreude aus.
Dabei half es natürlich, einen völlig überforderten Gegenspieler zu haben: Die ganze Leipziger Mannschaft war nicht gut, aber Lukas Klostermann erwischte möglicherweise das schlechteste Spiel seiner Karriere, gewann nicht einen einzigen Zweikampf, bekam nie einen Fuß dazwischen und durfte trotzdem eine ganze Stunde mitspielen.
Aber es war nicht nur der Silbergewinner von Rio, der Díaz diese Leistungsexplosion ermöglichte: Alles was er tat, hatte Hand und Fuß. Er nahm sich keine wilden Abschlüsse heraus, sondern schoss, wann es es sich anbot und hatte endlich wieder Zielwasser getrunken, bolzte den Keeper nicht einfach ab. Dazu spielte er Pässe in einer gelungenen Schärfe, wenn sich dies anbot, siehe dem 5:0.
Kurzum: Es war die erste richtig gute Leistung Luis Díaz in der laufenden Spielzeit. Lange genug hatte es gedauert. Herzlich Willkommen zurück, Lucho!
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Mittelfeld-Kimmich cosplayt als Rechtsverteidiger
Joshua Kimmich hatte einen überragenden Nachmittag, bereitete das wichtige 1:0 mit einem seiner typischen patentierten Kimmich-Chips™ vor und hätte sich in der 30. Spielminute auf fast identische Art und Weise einen weiteren Assist eingeheimst.
So weit, so gut und unüberraschend, wobei man Kimmichs Stärken im Schatten der bizarren öffentlichen DFB-Diskussion vielleicht nach solchen Spielen auch allgemein mal mehr in den Vordergrund stellen sollte.
Einzigartiger war dafür allerdings Kimmichs zeitweise Positionierung. Der Kapitän stand gerade am Anfang des Spiels derartig weit rechts, dass es mit einem nominellen Mittelfeldspieler nicht mehr viel zu tun hatte, einmal am Ball trieb er den Ball dann auch mehrfach höchstselbst nach vorne, anstatt das Spiel mit Pässen schnell zu machen. In diesen Szenen erinnerte er mehr an sich selbst als Rechtsverteidiger. Eine Art Halbraum Box-to-Box-Spieler.
Gefährlich waren diese Angriffe auch tatsächlich, wobei mit echtem Erfolg war dann doch “nur” der klassische Kimmich gekrönt, der den Raum hinter Díaz blitzartig erkannte und nach 12 Minuten zum 1:0 assistierte. Vielleicht eine Neuerung im Spiel des FC Bayerns, wir bleiben am Ball.
Freigeist Kane deckt Yamals infame Falschheit auf
In neun Tagen wird der Ballon d’Or verliehen. Harry Kanes Name wird darauf nicht zu finden sein, zu stark sind andere Lobbys. Ein wahrscheinlicher Sieger konnte die letzten Wochen die Klappe nicht halten und gab ein fragwürdiges Statement nach dem anderen ab. Hier soll es freilich nicht um Lamine Yamal gehen, doch sah man das Spiel gegen Leipzig, konnte man kaum anders, als daran zu denken, wie Yamal diesen Harry Kane zu einem simplen Torjäger herunterputzen versuchte.
“Ich finde, der Ballon d’Or sollte an den besten Spieler der Welt gehen, Punkt. Nicht an einen Spieler, der 80 Tore geschossen hat […]. Der beste Spieler der Welt ist derjenige, bei dem man als Kommentator ein Spiel verfolgt und Spaß daran hat.”
Freilich ist Harry Kane ein Torjäger, auch heute durfte er mal wieder aus fünf Meter einschieben. Doch sein 5:0 war das uninteressanteste an Kanes Nachmittag. Spannender war dafür, wie er vor dem 2:0 als Libero zwischen die Innenverteidiger pendelte und wie der weltbeste Sechser einen Alonso-esquen Pass auf Díaz schlug. Spannender war, wie er vor dem 3:0 sich dieses Mal “nur” ins Mittelfeld fallen ließ, um wie der weltbeste Zehner Olise zu assistieren.
Sein schlussendliches Tor ist dann mehr ein Wink, dass er trotz all seiner Ausflüge nach hinten trotzdem sein Tor macht und er eben beides ist: Torjäger und kompletter, wenn nicht gar totaler Fußballer.



