Arijon Ibrahimovic (1. FC Heidenheim, bald wieder FC Bayern)
Bild: Alex Grimm/Getty Images

FC Bayern: Komplettiert Arijon Ibrahimović das Offensivpuzzle des FCB?

Justin 05.07.2026
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Die Karriere von Arijon Ibrahimović verlief bisher mit Höhen und Tiefen. In der Jugend des FC Bayern München galt er als eines der absoluten Toptalente. Auf Augenhöhe mit Spielern wie Paul Wanner oder Kenan Yildiz.

Es folgten ein paar schwierige Leihjahre für den heute 20-Jährigen. 2023 ging es zu Frosinone, wo er in der Serie A gegen den Abstieg spielte und auf nicht mal 600 Minuten kam. Im Winter 2025 wurde Ibrahimović an Lazio Rom verliehen und kam so gut wie gar nicht zum Einsatz.

Erst mit der Leihe zum 1. FC Heidenheim im vergangenen Sommer ging sein Stern langsam auf. In 34 Partien sammelte er zumindest 2.346 Minuten, biss sich in einer Mannschaft fest, die in der Bundesliga große Probleme hatte, die Qualität der Gegner zu matchen und hatte im Saisonendspurt großen Anteil daran, dass der FCH nochmal vom Klassenerhalt träumte.

Jetzt soll wohl die Rückkehr zum FCB erfolgen. Der richtige Schritt für alle Seiten?

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Ist Ibrahimović das perfekte Puzzleteil für die Offensive?

Auf den ersten Blick wirkt die Saison von Ibrahimović nicht spektakulär. Zumindest nicht FCB-spektakulär. Zwei Tore und fünf Assists sind erstmal nichts, was die Kaderplaner des Rekordmeisters beeindrucken würde.

Aber wie so oft ist dieser Blick auf die Zahlen unterkomplex und wird der Situation von Ibrahimović auch nicht gerecht. Wie viele junge Spieler, die mit viel Talent aus dem Jugendbereich nach oben drängen, hatte der gebürtige Nürnberger zu Beginn seiner Laufbahn einige Probleme. Es schien fast so, als hätte er Schwierigkeiten damit, sein technisches Niveau auf den Männerfußball zu übertragen. Viele Auftritte wirkten noch sehr roh oder unreif.

Bei Heidenheim hinterließ er zuletzt aber einen sehr reifen und gewachsenen Eindruck. Gerade im angesprochenen Saisonfinale übernahm er Verantwortung, indem er viele Bälle forderte, Progressivität ins Spiel brachte, ins Dribbling ging, Abschlüsse suchte und Tore sowie Torschüsse vorbereitete.

Auch FCH-Coach Frank Schmidt lobte die Entwicklung des Talents vom FC Bayern im Saisonverlauf mehrfach. Gerade die Entscheidungsfindung des U21-Nationalspielers hat sich enorm verbessert. Und so manche Statistik untermauert das.

Arijon Ibrahimović: Dribblings und Gradlinigkeit

Vergleicht man Werte eines Spielers, ist es immer wichtig, den Kontext zu beachten: Wie stark sind die Gegner? Wie stark ist die eigene Mannschaft? Ein Offensivspieler bei einem Abstiegskandidaten wird in aller Regel nicht die Spitzenwerte eines Angreifers von Bayern erreichen. Pass- und Torquoten zu vergleichen, ist daher häufig unsinnig.

Interessant ist bei Ibrahimović dennoch, dass sich seine Erfolgsquote bei Dribblings laut Wyscout erstmals im Profibereich auf über 50 Prozent verbessert hat. Fast dreimal geht er pro 90 Minuten ins Dribbling. Ein guter Wert vor dem Hintergrund, dass Heidenheim den niedrigsten Ballbesitzwert der Liga hatte.

Er wird noch besser, wenn man sich die einzelnen Situationen anschaut. Ibrahimović hat ein gutes Gespür dafür, in welchen Situationen er ins Risiko gehen kann und wo es besser ist, nicht ins Dribbling zu gehen und dieses Gespür scheint sich im Saisonverlauf verbessert zu haben.

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Stichprobe bei den Dribblings von Arijon Ibrahimović in der Saison 2025/26. Via Wyscout.

Diese Stichprobe zeigt die Bandbreite der gesamten Saison ganz gut. In den meisten Fällen führt Ibrahimović seine Dribblings direkt in der Gefahrenzone am, im und um den gegnerischen Strafraum. Nur selten kommt es vor, dass er am oder im eigenen Strafraum ins Risiko geht und dort sogar den Ball verliert.

Dass er so oft in Tornähe in gefährliche Eins-gegen-eins-Duelle kommt, spricht für ihn – weil er sich zu positionieren weiß. Ibrahimović spielt sehr zielstrebig und gradlinig. Genau das, was Kompany mag.

Guter Tiefenläufer

Exemplarisch dafür steht eine Szene aus dem Heimspiel gegen den FSV Mainz 05.

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Ein langer Einwurf ist auf den ersten Blick ungefährlich für die Mainzer. Einer der Verteidiger muss ins Kopfballduell und rückt dabei leicht aus seiner Position, anschließend entsteht eine unkontrollierte Situation, in der Heidenheim den Ball erobert. Ibrahimović ist von Beginn an auf der Lauer, läuft zunächst im leichten Bogen hinter den herausrückenden Verteidiger und bewegt sich dann genau in die Schnittstelle zweier Verteidiger.

Dort erhält er die Kugel, dribbelt einen Gegenspieler aus und bereitet eine sehr gute Chance für Heidenheim vor. Sein Gespür für solche Situationen ist gut, was ihn für eine taktische Rolle qualifiziert, wie sie Luis Díaz beim FC Bayern bekleidet.

Es geht dabei weniger darum, beide Spielertypen in Gänze zu vergleichen. Aber Ibrahimović hat gute Tiefenläufe in seinem Spiel und den Mut, Risiko am gegnerischen Strafraum zu suchen.

Wie passt Ibrahimović beim FC Bayern rein?

Eine ganzheitliche Einschätzung in Bezug auf das Bayern-System fällt dennoch schwer. Der Großteil seiner Dribblings entstand in der vergangenen Saison aus Situationen, in denen er mehr Raum hatte, als er beim FC Bayern haben wird. Oft waren es Umschaltmomente nach Ballgewinnen.

Dass er auch in engen Räumen gut zurechtkommen kann, zeigte er hin und wieder ebenfalls. Ein Paradebeispiel sind seine Dribblings in Dortmund am 20. Spieltag. Einmal tankt er sich auf dem linken Flügel gegen die halbe BVB-Mannschaft durch, um dann einen Pass in den Rückraum zu spielen, der zum 2:1 führt. Er fühlt sich links und im Halbraum wohl, kann aber auch zentraler oder rechts spielen.

Mit Explosivität und enger Ballführung ist er schwer zu stoppen, kommt er erstmal am Gegenspieler vorbei. Hinzu kommt, dass Ibrahimović sowohl mit dem Ball als auch gegen den Ball körperlich schon viel mitbringt. Das und seine gute Athletik sind wichtig für das System von Kompany, in dem eine hohe Intensität eingefordert wird.

Ibrahimović ist für den Moment kein Spieler für die Top-6 der FCB-Offensive. Dafür ist aktuell noch zu unklar, wie hoch sein Niveau wirklich ist. Aber das muss er auch gar nicht sein. Die Bayern suchen für ihren Offensivkader keinen Spieler für die Positionen 1-6. Dort sind sie spätestens mit dem Transfer von Ismael Saibari sehr gut besetzt.

Hinzu kommt mit Lennart Karl ein junger Spieler, der angedeutet hat, dass er zu Recht in den festen Planungen für viel Spielzeit mit dabei ist. Für die sportliche Leitung geht es in Bezug auf den Angriff also nur noch darum, die achte Position zu besetzen. Nicht statisch, sondern in der Ausgangslage. Da passt ein Talent perfekt rein.

Arijon Ibrahimović und seine große Chance

Für Ibrahimović ist es die Chance, nach den letzten Jahren, in denen er persönlich und sportlich sehr gereift ist, sich auf höchstem Niveau zu präsentieren. Hinter den Top-7 der Offensive ergeben sich oft noch zwischen 500 und 1.000 Minuten an Spielzeit, die meist auf zwei, drei Spieler verteilt werden.

Kann Ibrahimović überzeugen, kann er hier einen Großteil davon mitnehmen und zusätzlich vielleicht sogar den einen oder anderen überraschen, falls Karl in ein für jüngere Spieler typisches Loch fallen sollte, Musiala nicht in Schwung kommt, sich andere vielleicht verletzen und, und, und. Es gibt zahlreiche Gründe, warum jemand aus der zweiten Reihe mehr Spielzeit sammelt, als ihm zugetraut wird.

In einem für ihn guten, vielleicht sogar normalen Szenario kann er 500 bis 800 Minuten sammeln, in denen er auf sich aufmerksam macht. Von dort aus bekommt er dann entweder weitere Entwicklungschancen in München oder gute Angebote aus dem In- und Ausland.

Für beide Seiten kann diese Planung also sinnvoll sein. Ibrahimović wäre auf mehreren Positionen zur Stelle, wenn er gebraucht wird und der Spieler kämpft um seinen Durchbruch auf höherem Profilevel. Dass er das Zeug dazu hat, hat er in Heidenheim gezeigt. Vielleicht darf er es jetzt in München zeigen.

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