WM 2026: Fußball oder Farce? FIFA tauscht Integrität gegen Scheinmacht
Eine Fußball-Weltmeisterschaft verspricht Emotionen und spektakuläre Momente. Fußball ist eine der wenigen Sportarten, die die Kraft hat, Menschen weltweit zu verbinden.
Doch die Vorfreude auf das diesjährige Turnier, das unter anderem in den USA stattfindet, ist bei vielen Fans eher verhalten. Was unter anderem daran liegt, dass machtbesessene Akteure die Fußballbühne für sich kapern.
Die USA, neben Kanada und Mexiko eines von drei Gastgeberländern, sind gespalten, die demokratische Kultur steht enorm unter Druck. Und ausgerechnet hier wird die Fußball-WM zu einer Bühne für Imagepflege und politische Machtinszenierung.
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Kann dieses Turnier noch als Sportevent ernst genommen werden oder ist es eine reine Farce auf dem Rücken derer, die mit der WM nur den Fußball verknüpfen wollen?
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Die Lüge von der Neutralität
Die FIFA erzählt seit Jahren dieselbe Geschichte. Der Fußball sei unpolitisch und neutral. Es gibt keinen Platz für politische Botschaften, Regenbogenbinden sollen bitte in der Kabine bleiben, eine klare Haltung ist nicht erwünscht.
Doch während diese Neutralität auf dem Platz durchgesetzt wird (zumindest dann, wenn es der FIFA gerade in den Kram passt), ist es der Organisation offensichtlich egal, dass abseits vom Rasen längst andere Regeln gelten. Nie wurde dies so deutlich wie im Vorfeld der WM 2026.
Während in der Vergangenheit die Vermischung von Sport und Politik eher im stillen Kämmerlein erfolgte, kommt das diesjährige Turnier daher wie eine offene Einladung zur Inszenierung, mit Trompeten und Posaunen, ach was, mit einer ganzen Blaskapelle. Die Verzahnung geschieht demonstrativ und fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht. An der Spitze der Inszenierung: US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino, seit Jahren eng verbunden.
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Donald Trump nutzt die Bühne für sich
Die Nähe der beiden ist grotesk und erreichte einen weiteren traurigen Höhepunkt im Dezember 2025 bei der Auslosung der Fußball-WM, als Infantino Trump mit einem eigens kreierten „FIFA Peace Prize“ ehrte, für seine angeblichen Verdienste um Frieden und Einheit. Trumps radikale Außen- und Innenpolitik spricht für sich: Das Kuscheln von Infantino ist eine Farce.
Die WM bietet dem US-Präsidenten alles, was er liebt: internationale Aufmerksamkeit, patriotische Bilder, große Inszenierungen und die einmalige Möglichkeit, sich als globale Führungsfigur zu präsentieren. Schon im vergangenen Jahr gab es einen kleinen Vorgeschmack: Bei der umstrittenen Klub-WM gewann Chelsea den Titel; doch im Mittelpunkt standen bei der Feier nicht die Spieler, sondern selbstredend Trump selbst. Kritiker*innen sprachen da schon von politischem Whitewashing – also dem Versuch, das internationale Image durch ein glamouröses Sportevent aufzupolieren.
Doch das größte Problem ist nicht einmal Donald Trump selbst. Das eigentliche Problem ist die Bereitschaft des Weltfußballs, sich für politische Inszenierungen vereinnahmen zu lassen. Die FIFA, in der Theorie ein neutraler Sportverband, akzeptiert jegliche Nähe zur Macht, solange Reichweite und Geld und Einfluss wachsen. Unter Infantino hat sich diese Stoßrichtung nochmal deutlich verschärft.
Man hat die Glaubwürdigkeit bei den Fans sowie die Integrität des Sports eingetauscht gegen vermeintlichen Einfluss. Vermeintlich, weil auch die FIFA letztlich nur ein Spielball derer geworden ist, die ihr Image in der Welt reinwaschen wollen.
WM 2026: Überteuerte Tickets, Einreiseprobleme und Halbzeitshow
Wenn Funktionäre fragwürdige „Friedenspreise“ verteilen und autoritäre Tendenzen bewusst ignorieren, müssen sie sich nicht über den Vorwurf wundern, dass „Werte“ nur noch als PR-Begriffe gebraucht werden. Der Fußball behauptet, Menschen zu verbinden. Aber eigentlich verbindet er vor allem Macht, politische Interessen und Geld.
Die Kommerzialisierung des Fußballs ist, so scheint es, nicht mehr aufzuhalten. Die WM 2026 wird nicht nur größer, sondern auch teurer denn je. Tickets für die Stadien in den USA erreichen Rekordpreise, die viele Fans abschrecken. Ursprünglich plante der Weltverband sogar, den Menschen zu untersagen, eigenes Wasser mit in die heißen Stadien zu nehmen. Nach einem Aufschrei korrigierte man die Entscheidung.
Hinzu kommen mögliche Einreiseprobleme für Menschen aus bestimmten Ländern aufgrund von Visa-Beschränkungen. Jüngstes Beispiel: Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia wurde die Einreise in die USA verweigert und verpasst somit das Turnier. Die US-Regierung sprach von „guten Gründen“ und brachte ihn mit Mitgliedern einer Terrororganisation in Verbindung. Ein Statement, das so vage formuliert wurde, dass Fragen aufkommen.
Trumps Polarisierungsstrategie: Sind alle Gegner „Terrororganisationen“?
Eines, das gut zur Polarisierungs-Strategie von Trump passt. Der US-Präsident stufte im vergangenen Jahr die „Antifa“ als Terrororganisation ein. Auch hier blieb er vage: Was ist die Antifa überhaupt? Wer gehört dazu? Wer entscheidet, wer dazugehört? Reicht ein kritischer Post auf Social Media mit viel Reichweite bereits aus, um zur „Antifa“ zu gehören? Die „Antifa“ an sich ist keine zentral organisierte Gruppierung. Trump nutzt den Begriff, um Gegnern den Garaus zu machen.
Sind also alle Gegner Teil einer Terrororganisation? Sein Handeln und seine Rhetorik zielen darauf ab, zu polarisieren. Kommt die Bedrohung vermeintlich nur aus einer Richtung, lässt sich leichter handeln. Deportationen zahlreicher Menschen in Lager, brutale Einsätze der „ICE“ (Immigration and Customs Enforcement) und das starke Einschränken der Pressefreiheit sprechen beispielsweise für sich.
Die Frage, zu welcher Terrororganisation die Mitglieder zählen, zu denen Artan angeblich Kontakt habe, bleibt damit offen. Und die Antworten bleiben zweifelhaft. Dazu passt es, dass Infantino sich machtlos zeigte. Man könne nicht alles im Griff haben, sagte er.
Hey, wir haben Musik!
Aber schön, dass es eine Halbzeitshow geben wird, ganz im Stil des Super Bowl: Hauptsache bombastisch und aufwendig. Madonna, Shakira und BTS sollen auftreten, das Ganze wird von Coldplay-Sänger Chris Martin kuratiert.
Dass solch ein Spektakel von vielen Fußballfans aber gar nicht gewollt ist – who cares? Mal ganz abgesehen davon, dass eine Halbzeitshow gegen die offiziellen Spielregeln des Fußballs verstoßen würde, in denen es heißt: „Den Spielern steht eine Halbzeitpause von maximal 15 Minuten zu.“
Eine musikalische Darbietung würde diese Viertelstunde allerdings erheblich verlängern. Es ist jedoch nur der kleinste Teil eines Akts, der insgesamt nur als Farce bezeichnet werden kann. Die musikalische Begleitung einer politischen Situation, die die älteste Demokratie der Welt längst ins Wanken gebracht hat. Im Mittelpunkt ein Mann, der sie endgültig zu Fall bringen möchte.
Die FIFA macht sich abermals zum Handlanger eines Autokraten. Neu mag das alles nicht sein. Aber gerade weil die USA in der Welt ein besonderes Standing haben, lässt sich dort besonders gut Sportswashing betreiben. Also ja, es ist eine reine Farce auf dem Rücken derer, die die WM einfach nur aus sportlichen Gründen genießen wollen. Vorwerfen kann man den Fans das nicht. Der FIFA und Infantino hingegen schon.



