Magdalena Eriksson, Pernille Harder und Linda Sembrant mit der Meisterschale und goldenem Konfetti. Sie tragen die Trikots des FC Bayern, hinter ihnen sind Banner von Fans zu sehen.
Bild: Jan Hetfleisch, Getty Images for DFB

FC Bayern Frauen: Zu gut für die Bundesliga, zu schlecht für die Champions League?

Georg 19.05.2026



Auf die Meisterschaft folgte der Pokalsieg. Die Frauen des FC Bayern machten das Double perfekt. Das zweite in Folge. In der Champions League kam das Team in der Debütsaison von Trainer José Barcala bis ins Halbfinale. Auf dem Papier war es wahrscheinlich die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte.  Sportdirektorin Bianca Rech und Team dürften rundum zufrieden sein.

Wäre da nicht die gläserne Decke in Europa, an der die Bayern regelmäßig scheitern. Diesmal war im Halbfinale gegen den FC Barcelona Schluss. Auch wenn das Gefühl bleibt, dass mit einer mutigeren Herangehensweise mehr drin gewesen wäre, war es in Summe über beide Spiele eine klare Angelegenheit, wie bereits im Vorjahr gegen Lyon.

Zu gut für die Bundesliga, dennoch zu weit weg vom Titel in der Königinnenklasse? Miasanrot ordnet die Großwetterlage des FC Bayern ein.

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FC Bayern dominiert in Deutschland

Seit 14 Jahren gibt es in der Bundesliga nur zwei Meisterinnen: Je sieben Mal ging die Schale nach Wolfsburg und München. In den letzten zwölf Jahren standen die beiden dabei immer auf Platz eins und zwei in der Abschlusstabelle.

Während in den ersten Jahren dieser Periode meist die Wölfinnen vorne waren – Champions-League-Titel inklusive –, ist mittlerweile eine Wachablösung durch den FC Bayern erfolgt. Viermal in Folge ging der Titel an die Säbener beziehungsweise Ingolstädter Straße.

In der aktuellen Saison blieb José Barcalas Team in der Bundesliga ungeschlagen. Am Ende stehen 24 Siege und zwei Unentschieden aus 26 Spielen. Dabei ließ die Bayerndefensive nur neun Gegentore zu. 90 geschossene Tore bedeuten einen Durchschnitt von 3,5 zu 0,3 Toren pro Spiel, ein herausragender Wert. 

Der wachsende Vorsprung auf die Wolfsburgerinnen verdeutlicht die Nachhaltigkeit des Wechsels an der Spitze des deutschen Frauenfußballs. 

International stößt der FC Bayern an eine gläserne Decke

So erfolgreich die Bayern mittlerweile in Deutschland sind, so schwer tun sie sich weiterhin in der Champions League – spätestens dann, wenn die ganz großen Gegnerinnen kommen. 

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Das Weiterkommen im Viertelfinale gegen Manchester United war das erste in einem K.-o.-Duell seit 2021 und das erste überhaupt gegen ein englisches Team. Auf einen Erfolg gegen spanische oder französische Vereine wartet der FC Bayern bisher vergeblich.

In bisher zwölf Teilnahmen schafften die Bayern es nie ins Finale. Von 21 K.-o.-Duellen kamen sie zehnmal in die nächste Runde. Die meisten dieser Erfolge gelangen allerdings gegen Gegnerinnen aus der zweiten oder dritten Reihe Europas. Vor Manchester schlugen die Münchnerinnen zuletzt den FC Rosengård, BIIK Kazygurt, BK Häcken, Slavia Prag, den FC Zürich und Spartak Subotica.

Sobald Barcelona, Chelsea, Lyon und Co. zugelost werden, endet die Champions-League-Reise. Trotz Halbfinaleinzug fühlt sich der Champions-League-Titel derzeit weiter entfernt an als nur zwei Siege.

Die Großen spielen finanziell in einer anderen Liga als Bayern 

Der Abstand zur absoluten Elite ist keineswegs überraschend. Zu groß sind die wirtschaftlichen Unterschiede.

Laut Deloitte Money League erwirtschaften die Frauenteams von Barcelona, Chelsea und Arsenal 22 bis 25 Millionen Euro jährlich. Für Lyon dürften die Zahlen in ähnlichen Dimensionen liegen. 

Ein großer Teil der Erlöse fließt in die Kader. Laut Capology investiert Arsenal rund 13 Millionen Euro allein in Gehälter für Spielerinnen und Staff, Chelsea sogar über 16 Millionen. Damit können die Frauen des FC Bayern nicht mithalten.

Selbst mit der Teilnahme am lukrativen „World Sevens Football“-Turnier, für die Bayern über zwei Millionen Euro erhalten haben soll, lag der Umsatz 2024/25 laut Deloitte bei 7,2 Millionen Euro. Da der FC Bayern gemäß Aussagen von Vorstandchef Jan-Christian Dreesen für sein Frauenteam nicht mehr ausgeben will, als er einnimmt, und eine gesunde Quote für Personalkosten bei 50 bis 60 Prozent beträgt, liegen die Kaderkosten des FC Bayern vermutlich irgendwo zwischen zwei und vier Millionen Euro.

Die finanziellen Dimensionen sind prozentual vergleichbar mit dem Unterschied zwischen den Männern des FC Bayern und jenen von Eintracht Frankfurt oder dem VfB Stuttgart. Vor diesem Hintergrund wäre es unfair, von Bianca Rech und Barcala zu erwarten, sportlich mit den Superclubs mitzuhalten.

Bayerns Gretchenfrage: Wie hältst du’s mit dem Gelde?

Das bringt den FC Bayern in eine Zwickmühle. Soll er aggressiv investieren, um die Lücke zur europäischen Spitze zu schließen oder soll er mit seiner moderaten Wachstumsstrategie weitermachen?

Einerseits scheint es sowohl verlockend als auch notwendig, mehr zu investieren. Die vorhandene Substanz ist gut, das Team und das Team ums Team herum funktionieren. Mit dem sukzessive anstehenden Umzug ins Unterhachinger Stadion wäre das Timing für eine neue Raketenstufe perfekt geeignet.

Mit weiteren zehn Millionen Euro pro Saison könnte Bayern an Kaderkosten zu den großen vier bis fünf Teams aufschließen, mit zwanzig könnten sie sich an die Spitze setzen. Gemessen am Gesamtumsatz der FC Bayern AG wären das nur ein bis zwei Prozent des jährlichen Umsatzes, ein anteilig überschaubarer Aufwand, um in einen Wachstumsmarkt zu investieren und die Chance auf den renommiertesten Titel signifikant zu erhöhen. 

So leicht wird es in Zukunft wahrscheinlich nie wieder sein, diese Lücke zu schließen. Auch wenn es noch keine Titel-Garantie wäre – dafür sind K.-o.-Wettbewerbe zu zufällig und die Konkurrentinnen zu stark: Man stelle sich aber vor, die Frauen und Männer der Bayern würden eines Tages auf dem Münchner Rathausbalkon nicht nur das doppelte Double, sondern das doppelte Triple feiern… 

Unterschätzt der FC Bayern den Wachstumsmarkt Frauenfußball?

Ohnehin wirft die zurückhaltende Strategie des FC Bayern Fragen auf. Laut Deloitte wuchs der Umsatz der Top-15-Frauenclubs im letzten Jahr um 35 Prozent, verglichen mit 11 Prozent bei den größten Männerclubs. Das Wachstum im Frauenfußball ist längst keine Theorie mehr, sondern in der Realität angekommen. In der Wirtschaft ist es normal, in Wachstumsmärkte zu investieren und später die Früchte zu ernten. Die von Dreesen geäußerte Strategie, nur in den Frauenfußball zu investieren, was auch erwirtschaftet wird, passt nicht zu einem Wachstumsmarkt. 

Andererseits geben der Erfolg und die positive Entwicklung der letzten Jahre der Bayernführung recht. Ihre Strategie der „kontrollierten Investitionsoffensive“ geht auf. Unter Bianca Rechs Führung gewann das Team vier Deutsche Meisterschaften in Folge und etablierte sich als Nummer eins in Deutschland. In Europa ist Bayern zusammen mit einer Handvoll anderer Vereine gut genug, um je nach Auslosung ins Viertel- oder Halbfinale der Champions League einzuziehen. Auch wenn Bayern dort an die gläserne Decke stößt, haben sie es unter die besten zehn, vielleicht die besten fünf Teams Europas geschafft. Das alles, ohne den Geldspeicher über die Maßen anzuzapfen. 

Zudem, und das macht die Zwickmühle zu einem großen Dilemma: Für die Bundesliga wären noch stärkere Bayern sportlich ein Problem. Schon jetzt ist man sehr dominant, wie die aktuelle Saisonbilanz zeigt. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz aus Wolfsburg und Frankfurt stagniert, bisweilen sogar leicht schwächer geworden ist.

Zehn Meisterschaften in Folge wie bei den Männern täten der Liga in ihrer aktuellen Entwicklungsphase nicht gut. Auch wenn es Bayern nicht gefällt: Die Liga braucht spannende Titelkämpfe und abwechselnde Meisterinnen, um auch an anderen Standorten das volle Potenzial des Frauenfußballs zu heben. 

Die Bundesliga muss investieren – kann sie? 

Vielleicht liegt die größte Aufgabe für den FC Bayern darin, den DFB, die FBL und die Konkurrentinnen zu ermutigen, ebenfalls mutig zu sein und zu investieren. Mehr als bisher passiert und geplant ist. 

„Setzt uns unter Druck!“, müsste Bayernpräsident Herbert Hainer seinem Dortmunder Kollegen Aki Watzke und Co. zurufen. Zwar haben Watzkes Dortmunderinnen Siebenmeilenstiefel geschnürt, aber noch sind sie zwei oder drei Jahre vom Bundesligaaufstieg entfernt. Das „Start-up-Projekt“ Viktoria Berlin mit großem Potenzial steckt noch in der zweiten Liga fest. Frankfurt hat derzeit damit zu kämpfen, den Status quo zu halten. Bremen oder Köln haben kaum Mittel für große Investitionen. 

Sind es am Ende die Werksclubs, die für einen Sprung sorgen werden? Wo zehn Millionen Euro für den FC Bayern rund ein Prozent vom Umsatz ausmachen, läge ein solcher Betrag für den Volkswagen-Konzern im kaum messbaren Promillebereich. Allerdings hat Wolfsburg damit zu kämpfen, dass andere Topklubs deutlich attraktivere Standorte haben und ebenfalls gut oder sogar deutlich besser bezahlen. Daneben haben sich Leverkusen, Leipzig und Hoffenheim in der Bundesliga etabliert. Auch sie hätten die Mittel für eine Investitionsoffensive. Ausgerechnet die ungeliebten Werksclubs. 

Will der Frauenfußball das? Es könnte die Lösung für ein Dilemma sein, würde aber ein neues aufmachen. Die Entwicklungen gleichen schon jetzt zu sehr denen des Männerfußballs.

Vorerst steckt der FC Bayern in der Zwickmühle fest. In der Bundesliga ist er der Hai im Fischteich. International steht er als kleiner Hai einem kleinen Schwarm an Killerwalen gegenüber. Die Auswege aus der Zwickmühle sind keine einfachen.

Und doch ist genau jetzt der Zeitpunkt, an dem die Münchner aktiv werden sollten. In welcher Form auch immer. Abwarten und reagieren könnte mittelfristig all das beschädigen, was man sich zuletzt erfolgreich aufgebaut hat.

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