FC Bayern spielt unentschieden gegen Heidenheim
Bild: Adam Pretty/Getty Images

Zum 3:3 rotiert und gerumpelt: FC Bayern enttäuscht gegen Heidenheim

Lennart 02.05.2026

Acht Tage der Kontraste. Zwischen den beiden Spielen gegen die Weltstar-Auswahl aus Frankreich steht auf einmal der Tabellenletzte aus Heidenheim auf dem Rasen und fordert den FC Bayern heraus. Eine vermeintliche Pflichtaufgabe für das Team um Vincent Kompany, doch die Bayern hatten große Probleme.

Die Rotationsmaschine wurde beim Rekordmeister kräftig angeschmissen, und so wurden im Vergleich zum Kracher gegen Paris Saint-Germain sieben Positionen ausgetauscht. Die einzigen übrig gebliebenen Startspieler waren Jamal Musiala, Jonathan Tah, Josip Stanišić sowie Aleksandar Pavlović. Auffällig: Sapoko Ndiaye durfte zum zweiten Mal in Folge starten.

Die Rollenverteilung war interessant. Der Dreieraufbau bestand aus Hiroki Ito, Min-jae Kim und Tah, die letzte Linie wurde von Ndiaye, von der Sechs kommend, unterstützt. Währenddessen hat sich Stanišić abwechselnd mit Nicolas Jackson die rechte Seite geteilt. Noch zu erwähnen wären Konrad Laimers Ausflug auf die linke Offensivseite sowie Musialas Kameo-Auftritte im Sturm.

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FC Bayern vs. Heidenheim: Der Spielverlauf

Die sehr fluiden Bayern waren in den ersten 20 Minuten spielbestimmend, während Heidenheim auf seine Chance zum Kontern wartete. Trotzdem kamen außer zwei Abschlüssen von Ito und Leon Goretzka von außerhalb des Strafraums kaum Offensivaktionen.

Bis auf der anderen Seite in der 21. Minute der Heidenheimer Budu Zivzivadze nach der Ecke von Bayern-Leihgabe Arijon Ibrahimović das 0:1 im Fallen erzielte. Die Ecke kam über Umwege zu Marnon Busch, dieser schlug den Ball danach hoch in den Strafraum auf Zivzivadze – und dann stand es 1:0.

In der 30. Minute fiel dann sogar das 0:2 für die Heidenheimer. Nach einem starken Pass von Busch und einem viel zu passiv agierenden Tah konnte Eren Dinkçi den Ball ohne Gegenwehr von Jonas Urbig einschieben, nachdem ihm der Ball zuvor unglücklich vorbeigerutscht war.

Kurz vor dem Pausenpfiff konnten die Bayern dann aber durch einen schön geschossenen Freistoß von Goretzka anschließen. Ein wichtiges Signal vor der Pause, das den erneuten Rückstand knapper machte als in der Woche zuvor gegen Mainz.

2. Halbzeit: Neue Gesichter, aber immer noch zu behäbig

Halbzeit zwei begann mit einer Ansage Kompanys. Vier Wechsel, namentlich Michael Olise, Luis Díaz, Harry Kane und Joshua Kimmich – 315 Millionen Euro im Marktwert. Die Veränderungen waren spürbar. Offensiv war Bayern endlich in der Lage, sich Chancen zu erspielen. So dauerte es nur zwölf Minuten bis zum 2:2-Ausgleich, wieder erzielt von Goretzka. Nach einer scharf vors Tor geschlagenen Olise-Ecke hielt der Mittelfeldspieler den Fuß hin und erzielte somit seinen zweiten Treffer am Nachmittag.

Auch danach war Bayern die deutlich aktivere Mannschaft, während sich Heidenheim bewusst zurückhielt. Gefahr war da, trotzdem nicht in komplett zwingender Manier. Schüsse von Olise oder Kimmichs Pfostentreffer in der 66. Minute waren die gefährlichsten Aktionen. Oft kamen diese aber aus der Distanz – das Offensivspiel war ein wenig zu behäbig.

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Bis es dann in der 76. Minute wieder im Kasten der Münchner klingelte: Ibrahimović mit einer weiteren Vorlage auf Zivzivadze. Dieser ging einige Meter auf der linken Seite, ehe er nach einem Wackler einen satten Abschluss in den rechten Knick setzte. Für die Heidenheimer, die dieses Wochenende hätten absteigen können, ein Traumszenario.

Der restliche Spielfilm waren anlaufende Bayern sowie eine vergebene Großchance von Dinkçi, die stark von Urbig pariert wurde. Föhrenbach rasselte derweil mit Keeper Ramaj zusammen und musste lange behandelt werden. Obwohl der Heidenheimer benommen wirkte, wurde er von den Verantwortlichen mit gefühlt einer ganzen Packung Taschentücher in den Nasenlöchern zurück aufs Feld geschickt. Bis dann in der 99. Minute der mittlerweile unvermeidbar wirkende Olise-Abschluss auf das linke lange Eck kam.

Außerhalb des Strafraums nahm der Franzose Maß und hatte dann Glück, dass der Ball, der zunächst an den Pfosten knallte, Ramajs Rücken traf und daraufhin doch noch in das Tor rollte. Damit stand der 3:3-Endstand fest, da der Schiedsrichter kurz danach abpfiff. 

FC Bayern vs. Heidenheim : Dinge, die auffielen

Qualitätsunterschiede auf der Bank sind zu groß

Die verletzungsgeplagten Bayern kamen heute im zweiten Anzug. Dieser Anzug ist aber nach wie vor nicht genug, um seine Funktion zu erfüllen. Die Rotation erschwert sich, wenn die A-Elf jedes Mal zur Rettung kommen muss. Zumal es auch mehr Energie kostet, das Spiel noch drehen zu müssen, als einen komfortablen Vorsprung zu verwalten.

Olise, Kane und Díaz wurden schon beim Warmmachen frenetisch bejubelt. Ein schönes Bild – die personifizierte Hoffnung auf ein erneutes Comeback der Bayern. Trotzdem ist es bedenklich, dass die Hoffnung überhaupt da sein muss. Egal wie: Der Rekordmeister muss in der Lage sein, gegen den Tabellenletzten der Bundesliga eine Mannschaft aufzustellen, die in irgendeiner Form Gefahr ausstrahlen kann.

Zumal die Startaufstellung nominell nicht schlecht besetzt war. Nur ein nicht etablierter Spieler stand in der Anfangsformation. Es bleibt auch die Frage, ob Spieler, die nicht die größten Rollen in der Mannschaft spielen, sich nicht engagierter zeigen sollten. Auch wenn fairerweise erwähnt werden sollte, dass die Mannschaft in dieser Form bisher noch nicht gespielt hat. Trotzdem kam insgesamt zu wenig.

Die Comeback-Bayern schlagen wieder zu

Wieder einmal lag Bayern zur Halbzeit hinten, und wieder einmal wurde das Ergebnis noch gerettet. Die Selbstverständlichkeit, mit der in den letzten Wochen auf teils hohe Rückstände reagiert wird, ist beeindruckend. Wenn die bayerische Offensivreihe eingewechselt wird, besteht in der ganzen Bundesliga die berechtigte Angst, hier noch zwei, drei oder vier Dinger zu kassieren.

Wie so oft hat die Offensive das Comeback entscheidend angeführt. Olise war mit Tor und Vorlage direkt an beiden Treffern beteiligt, zudem war allgemein eine ganz andere Dynamik im Spiel der Bayern. Auch nach dem erneuten Rückstand zeigte sich kein Bruch im Spiel. Die Mentalität dieser Mannschaft ist schlicht beeindruckend. Zumindest die der Bestbesetzung.

Olise weiterhin in absoluter Weltklasse-Form

Der Franzose hat auch heute wieder entscheidenden Anteil am Bayern-Comeback gehabt. Auffällig ist, dass Olise in den letzten Wochen in einer Form ist, die noch einmal ein Level über dem anzusiedeln ist, was ihn zuvor schon zu einem der besten Spieler in der Bundesliga gemacht hat. Die Gefahr, die aktuell von der rechten Seite ausgeht, ist bei Bayern in den letzten Jahren unerreicht.

Mit sechs erfolgreichen Dribblings (SofaScore) in 45 Minuten hat Olise seine Gegenspieler wie Hennes Behrens wieder komplett eingedreht. Eine Qualität, die in den letzten Wochen bei ihm heraussticht und selbst Nuno Mendes von Paris Saint-Germain verzweifeln ließ.

Kein Wunder, dass genau dieser Olise mit seinem fast schon zum Markenzeichen gewordenen Abschluss das 3:3 machte. Ein weiterer Move, der seit Wochen von keinem Spieler auf der Welt aufgehalten werden kann – egal ob Real, Paris oder Heidenheim.

Jetzt stehen die Bayern nach dieser intensiven Partie vor dem Rückspiel gegen Paris Saint-Germain. Das Spiel am Samstagnachmittag sagt natürlich nichts darüber aus, in welcher Verfassung die Münchner am Mittwoch antreten. Trotzdem muss man seine Lehren ziehen und vor allem defensiv einen großen Schritt nach vorn machen.

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