Unverhoffte Chance? Warum eine Rückkehr von João Palhinha für den FC Bayern sinnvoll sein könnte
Das Chaos bei Tottenham Hotspur geht weiter. Mit Igor Tudor steht der nächste Trainer vor seiner Ablösung. Sportlich ging es für die “Spurs” zuletzt steil bergab, selbst der Abstieg aus der Premier League ist mittlerweile ein realistisches Szenario.
Mittendrin: Der vom FC Bayern ausgeliehene João Palhinha. Aus Sicht der Münchner war der Plan klar: Leihe und anschließend Verkauf an Tottenham. Der angestrebte und zwischendurch sicher geglaubte Verkauf könnte durch die sportlichen Turbulenzen und mögliche Wechsel auf für den Spieler wichtigen Positionen aber unwahrscheinlicher werden.
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Auf den ersten Blick eine schlechte Nachricht für den FC Bayern. Doch tatsächlich steckt darin auch eine große Chance. Miasanrot erklärt, wie ausgerechnet die Rückkehr des bald 31-jährigen Palhinhas eine entscheidende Weichenstellung zugunsten der Talente im Kader und am Campus sein könnte.
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João Palhinha trotz guter Saison mit ungewisser Zukunft in Tottenham
Palhinha war beim FC Bayern unter Vincent Kompany nie das, was Thomas Tuchel sich ursprünglich erhofft hatte. Die Kombination aus Ablöse, Gehalt und sportlicher Rolle passte nicht zusammen.
Die Leihe nach London im Sommer 2025 war daher vor allem eines: kurzfristige Schadensbegrenzung. Und die Hoffnung darauf, dass Tottenham die Kaufoptionen ziehen wird. Diese soll zwischen 25 und 30 Millionen liegen.
Die Spurs spielen eine enttäuschende Saison. Aus den drei Pokalwettbewerben sind sie ausgeschieden. In der Premier League stecken sie im Abstiegskampf. Nach Thomas Frank und Igor Tudor dürfte in Kürze ein dritter Cheftrainer übernehmen.
Trotz dieser Umstände läuft die Saison für Palhinha selbst bisher gut. In den 45 Pflichtspielen der Spurs wurde Palhinha 38-mal eingesetzt. Nach Spielzeit steht er auf Rang sechs im Kader. Ob seine Leistungen für eine dauerhafte Beschäftigung reichen, steht dennoch in den Sternen. Zu unsicher ist die Zukunft von Tottenham. Zu groß sind die Fragen, wie und in welcher Liga es im Sommer an der White Hart Lane weitergeht.
Die Fragezeichen und Optionen im Bayernzentrum
Leon Goretzka wird den FC Bayern im Sommer verlassen. Obwohl er in der Hierarchie hinter Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović steht, wird sein Abgang eine Lücke im Bayernkader hinterlassen. Goretzka stand in der laufenden Saison in 20 der 42 Pflichtspiele des FC Bayern in der Startelf und belegt mit 1775 gespielten Minuten Rang 12 im Kader nach Einsatzzeit.
Bayern könnte für die Goretzka-Nachfolge auf interne Lösungen wie Noël Aséko, David Santos Daiber und Tom Bischof setzen. Das würde den Sparministern im Aufsichtsrat ebenso gefallen wie der “Mehr Campus wagen”-Fraktion rund um den Club. Aber es wäre eine sehr mutige, durchaus riskante Kaderplanung, untypisch für den FC Bayern.
Denn für zwei Positionen in der Startelf braucht der FC Bayern erfahrungsgemäß drei Spieler mit Stammelfpotenzial. So wie in der laufenden Saison das Trio Kimmich (33-mal in der Startelf), Pavlović (28-mal) und Goretzka (20-mal) zusammen auf 81 der 84 Startelfeinsätze im Mittelfeldzentrum kommt.
Auf Bischof vertraut Kompany bisher nicht in der Rolle im Mittelfeldzentrum. Das Gros seiner Minuten sammelte er als Außenverteidiger, während er im Zentrum nur zweimal in der Startelf stand. Insofern wäre die “Beförderung” Bischofs zur Nummer drei zumindest ein Schritt, der sich jetzt gerade noch nicht andeutet. Bischof wird sich diese Rolle erobern müssen.
Typisch für den FC Bayern war hingegen in der Vergangenheit eher, einen gestandenen Spieler oder ein Top-Talent mit mehr Erfahrung als Aséko oder Daiber für die Rolle des dritten Mannes zu kaufen. Das wird wohl auch davon abhängen, wie Bischofs Standing intern wirklich aussieht. Immerhin kam er als solches Top-Talent und als bereits gestandener Bundesliga-Spieler.
Die Chance: Palhinha als Brücke für die Talente
Diesmal könnte sich ein solcher Transfer für die Goretzka-Nachfolge für Max Eberl als kompliziert gestalten. Erstens stellt sich die Frage, welcher arrivierte Spieler sich der Konkurrenzsituation mit Kimmich und Pavlović stellen würde. Mit Blick auf die anhaltenden Sparvorgaben an den Sportvorstand stellt sich zweitens die Frage, ob die Millionen für Ablöse und Gehalt im Mittelfeldzentrum optimal investiert wären oder ob Eberl andere Prioritäten sieht.
Und drittens stellt sich mit Blick auf die Talente-Pipeline, die auch hinter Aséko, Bischof und Daiber mit einer Reihe an Leihspielern und Campus-Spielern gut gefüllt ist, die Frage, ob es aus Kaderplanungsicht klug wäre, hier einen weiteren etablierten Spieler Mitte 20 in den Weg der Talente zu stellen.
Deshalb könnte ausgerechnet der bisherige Flop Palhinha plötzlich eine überraschend passende Zwischenlösung werden. Der Portugiese wird im Sommer 31. Er würde die Perspektive für die Talente weder langfristig verbauen. Noch würde er kurzfristig eine zu starke Konkurrenz im Wettbewerb um die Goretzka-Minuten bedeuten.
Gleichzeitig brächte er Erfahrung und ein spezielles Profil in den Kader. Auch wenn Kompany im Zentrum in erster Linie auf Spielstärke statt auf Physis setzt, könnte es interessant sein, einen physisch starken Palhinha als Alternative für Spezialaufgaben im Kader zu haben. Und sollte der Trainer doch die spielerische Lösung bevorzugen, ist er gezwungen dazu, einen der jungen Spieler einzusetzen.
Noch ist völlig unklar, wie es in Tottenham generell und für Palhinha individuell weitergeht. Auch ist unklar, ob er sich eine Rückkehr nach München überhaupt vorstellen kann. Aber sollte es so kommen, könnte mit Blick auf die Kaderkonstellation darin eine unerwartete Chance liegen: Für Palhinha selbst, für den Sparkurs und für die Talente im Kader und am Campus.



