FC Bayern vs. Borussia Mönchengladbach: Drei Dinge, die das Duell entscheiden können
Die Bundesliga ist so gut wie entschieden. Mit dem 3:2-Sieg in Dortmund hat der FC Bayern seinen Vorsprung auf elf Punkte ausgebaut. Der BVB bräuchte nun ein historisches Saisonfinale, um noch Meister zu werden.
Mit Borussia Mönchengladbach ist nun ein Gegner in der Allianz Arena zu Gast, der so viele Punkte in den letzten Jahren gegen den Rekordmeister geholt hat wie kein anderer Klub. In 27 Partien gelangen der Borussia immerhin acht Siege und fünf Unentschieden.
Und auch in München waren die Gladbacher sehr erfolgreich: Aus den 15 letzten Aufeinandertreffen holten sie dort vier Siege und drei Remis. Eine beeindruckende Bilanz. In dieser Saison spielen die Fohlen gegen den Abstieg. Nur drei Punkte trennen sie aktuell vom Relegationsplatz.
Ohne Harry Kane und sicherlich mit der einen oder anderen Rotation vor dem Champions-League-Spiel gegen Atalanta am Dienstag dürfte jedoch kein Selbstläufer zu erwarten sein. Drei Dinge, die für die Bayern wichtig sein werden.
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FC Bayern wohl mit Rotation – und der Herausforderung, Kane zu ersetzen
Kanes Ausfall wiegt gegen jeden Gegner schwer. Wenngleich viele wohl zu Recht argumentieren würden, dass ein Verzicht auf den Engländer in einem Bundesliga-Spiel gegen einen Klub aus der unteren Tabellenhälfte einfacher fällt als in der Königsklasse, ist die Qualität des 32-Jährigen so groß, dass er selbst in diesen Spielen nur schwer zu ersetzen ist.
Natürlich sind da vor allem seine Tore, die oftmals den Unterschied machen. Viel mehr ist es gegen kompakt verteidigende Gegner aber seine Fähigkeit, Gegenspieler aus der Abwehrkette zu ziehen und die Angriffe selbst aus einer tieferen Spielmacherrolle heraus einzuleiten.
Zumal zu erwarten ist, dass Vincent Kompany nicht nur auf der Neunerposition rotiert. Die Partie bietet sich an, um Vielspielern eine Pause zu geben und jene einzusetzen, die in den vergangenen Wochen und Monaten weniger gespielt haben. In exakt diesen Spielen taten sich die Münchner jedoch oft besonders schwer. Wenig Rhythmus, einfache Fehler und nachvollziehbare Formschwächen führten zu wackeligen Auftritten, wenn der berühmte „zweite Anzug“ zum Einsatz kam.
Gladbachs größte Chance liegt wohl darin, die Bayern gleich in der Anfangsphase zu überrumpeln und mit mutigen Pressingaktionen und schnellen Gegenstößen ein ausgeglichenes Spiel zu erzwingen. Unmöglich ist das gegen einen FC Bayern zwischen dem BVB und Atalanta wohl nicht.
Bayern braucht Lösungen gegen einen tiefen Block
Was auch zur Frage führt, wie Eugen Polanski das Spiel angeht. „Sich nur hinten reinzustellen und 95 Minuten zu verteidigen, das wäre gegen Bayern fast Selbstmord“, kündigte er auf der Pressekonferenz vor dem Duell an: „Man muss alle Phasen des Spiels bedienen können.“ Für allzu hohes und aggressives Pressing ist die Borussia unter ihm bisher aber nicht bekannt.
Im Schnitt erlaubt Gladbach seinen Gegnern laut Wyscout in der Bundesliga fast 15 Pässe in deren ersten 60 Prozent des Spielfelds, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Das ist der vierthöchste Wert. Mit 4,7 Defensivaktionen pro Minute Ballbesitz des Gegners haben sie zudem den viertniedrigsten Wert der Liga – was ebenfalls unterstreicht, dass sie kein besonders aggressives Pressing spielen.
Wenn Polanski also Entlastung andeutet, wird er vor allem die eigenen Umschaltsituationen im Blick haben. Bayerns Aufgabe ist dahingehend simpel formuliert: So wenig einfache Ballverluste wie möglich zulassen, den Gegner hinten in dessen eigener Hälfte binden und geduldig die Angriffe bis zum Abschluss ausspielen. Die Umsetzung ist natürlich wie so oft etwas schwerer.
Je nachdem, wer in der Offensive spielt, gibt es aber sowohl individualtaktisch einige Spieler, die den Unterschied machen können. Lennart Karl zeigte bereits im Hinspiel, dass seine Abschlüsse aus der zweiten Reihe auch mal eine gute Brechstange sein können. Seine mutige und aggressive Spielweise kann am Freitagabend Fluch und Segen zugleich sein. Für den 18-Jährigen ist es vielleicht die Chance, sich wieder mehr in den Fokus zu spielen. Erwischt er einen guten Tag, ist Karl vielleicht genau das, was die Bayern gegen Gladbach brauchen. Gelingt ihm einiges nicht, könnte er ein Risiko für Ballverluste sein.
Gut möglich, dass Kompany mindestens einen aus Luis Díaz und Michael Olise auf der Bank lässt. Das könnte die Offensive zunächst etwas hemmen – oder das Gegenteil bewirken, wenn die eingewechselten Spieler sofort in ihren Flow kommen. Díaz und Olise wirkten zuletzt etwas überspielt.
FC Bayern muss links hinten aufpassen
Im eigenen Defensivverhalten muss der FC Bayern derweil vor allem auf den Flügelpositionen vorsichtig sein. Die Schwächen bei Standardsituationen und Flanken hatte Miasanrot bereits vor dem BVB-Spiel thematisiert. Gladbach ist über den rechten Flügel besonders stark. Die meisten Angriffe laufen über diese Seite.
Dort spielen meist Franck Honorat als Außenstürmer und Joe Scally als Flügelverteidiger. Beide wechseln sich als Breitengeber ab und haben gut aufeinander abgestimmte Laufwege. Wenn Honorat seinen Gegenspieler von innen nach außen zieht, ist Platz für Tiefenläufe, die entsprechend bespielt werden können.
Gegen Dortmund verteidigte Konrad Laimer auf dieser Seite. Die Frage ist, ob der Österreicher schon wieder fit genug ist, um die kommenden englischen Wochen als Stammspieler zu bestreiten oder ob er Teil der Rotation sein wird. Josip Stanišić und Tom Bischof sind die anderen logischen Optionen. In jedem Fall bietet sich Gladbach auf dieser Seite die Chance, gefährlich vor das Bayern-Tor zu kommen.
Die Form der Borussia ist in dieser Saison überschaubar. Unterschätzen sollten die Bayern dieses Heimspiel aber keinesfalls. Lassen sie im Pressing und im Ballbesitzspiel nur etwas nach, hat Gladbach die Qualität, um das Spiel auf die eigene Seite zu ziehen.



