Bild: Jasmin Walter/Getty Images

Vier Learnings für den FC Bayern im Jahr 2026

Maurice 08.01.2026

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Der Jahresabschluss hätte nicht viel besser laufen können. Mit nur einer Niederlage in der ersten Saisonhälfte verabschiedete sich der FC Bayern als Titelaspirant in allen drei Wettbewerben in die Winterpause. Doch nicht das ganze Jahr lief nach Plan. Daher folgen vier Punkte, mit denen der Rekordmeister zukünftig noch besser aufgestellt wäre.

Learning 1 für den FC Bayern: Vertrauensvorsprung für Talente

Lennart Karl ist die Überraschung und der Gewinner der Hinrunde des FC Bayern. Über alle Wettbewerbe sammelte er acht Scorerpunkte in fast 1.000 Minuten Spielzeit. Gleich dreimal traf er zur Führung. Mit gerade einmal 17 Jahren ist er laut Transfermarkt.de bereits 60 Millionen Euro wert.

Und doch wäre der fast-magische Aufstieg von Karl beinahe nicht passiert. Erst die Kombination des Abgangs von Müller, des Ausfalls von Musiala, des späten Transfers von Jackson und der schwachen Form von Goretzka machten viele Spielminuten frei. In dieser Lücke konnte Karl glänzen und blühte beflügelt von seinem gesunden Selbstvertrauen auf.

Dieses etwas aus der Not geborene Vertrauen von Kompany in die Fähigkeiten der Offensivkraft würde für die Zukunft dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen. Die kostspielige Leihe von Nicolas Jackson hätte man so vielleicht intern auffangen können, wie in der Zukunft beispielsweise den Abgang eines Min-jae Kim oder Sascha Boey. Mit Wisdom Mike, Cassiano Kiala und anderen steht die nächste Riege an Talenten, die diese Lücken füllen könnten, bereits heute im Kader.

Learning 2: Verfügbarkeit statt Kaderbreite als Trumpf

Viel wurde in der Sommerpause diskutiert über fehlende Kaderbreite. Die allgemeine Befürchtung war, dass mit dem Ausfall von einigen Schlüsselspielern die Saisonziele in Gefahr rücken würden. Doch hier zahlte sich die Transferpolitik der Münchner in den letzten beiden Jahren aus, für die zentralen Positionen Spieler mit hoher Verfügbarkeit an die Isar zu locken.

Von den Top-5 Feldspielern nach Einsatzzeiten sind drei Spieler in den letzten beiden Jahren an die Isar gewechselt. Olise, Tah und Díaz spielen eigentlich immer. Gerade auf dem Flügel ist dies für den FC Bayern eine Neuigkeit.

Olise absolvierte seit seiner Ankunft bisher jedes Bundesligaspiel und sammelte in eineinhalb Jahren 3.519 von 4.410 möglichen Minuten. Zum Vergleich, Arjen Robben absolvierte nie mehr als 26 Bundesliga-Spiele und sammelte selbst in zwei vollen Saisons in Folge nie mehr als 3.400 Minuten. Für Ribéry und Coman gilt dies in ähnlicher Form, wenn auch nicht ganz in dieser Extreme.

Der FC Bayern tut also gut, diesen Gedanken bei der Kaderplanung im Kopf zu behalten. Auf Schlüsselpositionen, Spieler mit einer kurzen Krankenakte und diese ergänzen um mehrere Allrounder, wie Laimer oder Bischof – ganz nach der Maxime “the best ability is availability”. Denn ein Unterschiedsspieler muss im entscheidenden Moment auch auf dem Platz stehen, etwas das Robben und Ribéry gerade in späteren Jahren immer seltener gelang. 

Learning 3: Frühere Vertragsverlängerungen

Ein weiterer Spieler, der dieses Jahr noch kein Spiel verletzt verpasste, ist Dayot Upamecano. Und dennoch müssen die Münchner eventuell bald dauerhaft auf ihren dienstältesten Innenverteidiger verzichten.

Denn der Vertrag des Franzosen läuft zum Saisonende aus. Wieder einmal hat sich der FC Bayern in die Situation gebracht, dass ein absoluter Leistungsträger auf einer Schlüsselposition im Winter noch keinen Vertrag für die Folgesaison hat. 

Bereits in den letzten Jahren hatte man immer wieder diese Problematik. Im Frühjahr wurde es rund um Vize-Kapitän Kimmich hektisch. Ein Vertragsangebot für den Mittelfeldspieler wurde zwischenzeitlich zurückgezogen und erst im März unterschrieben. Besser lief es bei Jamal Musiala, dessen Arbeitspapier bereits eineinhalb Jahre vor Ablauf verlängert wurde.

Natürlich ist es vor allem bei Spielern in ihren späten Zwanzigern, die mit der Idee einer neuen Herausforderung im Ausland spielen, möglicherweise schwieriger, doch der Fall Kimmich sollte zu denken geben – und der Fall Musiala zum Vorbild dienen. In diesem Sinne, 2027 laufen die Verträge von Kane und Laimer aus. Die Drähte in München glühen hoffentlich schon.

Learning 4: Transferprofil schärfen

Die Lektion aus der Saga Florian Wirtz kann eigentlich nur lauten, dass der FC Bayern bei seinen Transferplänen einen durchgehenden Plan nicht erkennen lässt. Ganz nach der Hoeneß’schen Maxime, dass Deutschlands beste Fußballer an der Isar spielen müssen, war der Ex-Leverkusener auf der Münchner Transferliste gelandet. Aufgrund dessen spielerischer Klasse war dies, trotz aller Überschneidungen im Spielerprofil mit Musiala,  sinnvoll.

Doch als sich der Transfer von Wirtz zerschlug, zeigte sich, dass die Transferstrategie des FC Bayern nicht viel mehr als die Top-10-Liste der Spieler mit der höchsten Marktwertsteigerung im Vorjahr ist. Der nächste Kandidat Nico Williams hat mit Wirtz fast genauso viele spielerische Gemeinsamkeiten wie mit der schlussendlichen Lösung Luis Díaz.

Ein ähnlicher Verwindungsakt wie bereits bei der Verpflichtung von Kompany – oder der über das Knie gebrochenen Suche nach einem Musiala-Ersatz. Ein rationaler Ansatz wäre, die Lücken im Kader zu analysieren und gezielt einen Spielertypen zu identifizieren, der diese schließt.

Anschließend würden im Scouting drei bis vier Spieler beobachtet, die diesem Spielertyp entsprechen und in einer priorisierten Reihenfolge als Transferziele verfolgt. So würde man sich eine kopflose Suche vor den Augen der Öffentlichkeit sparen.

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