Edna Imade (FC Bayern) im Trikot der spanischen Nationalelf.
Bild: Angel Martinez/Getty Images

Hype um Edna Imade: Wer ist die Nachfolgerin von Lea Schüller?

Justin 30.12.2025



Dieser Artikel wurde am 21. November veröffentlicht und nun nochmal überarbeitet.

Edna Imade ist für viele Fans des FC Bayern München noch ein Mysterium. Ein Grund dafür liegt auf der Hand: Informationen über den Fußball der Frauen sind deutlich schwerer zu erhalten als über den Fußball der Männer. Deutlich schwerer. Und auch unzuverlässiger. Ein gutes Beispiel: Während wir für nahezu jeden Drittligaspieler eine große Auswahl an Bildern in unserem Paket haben, gab es kein einziges von Imade – bis sie jüngst für Spaniens Nationalteam debütierte.

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Viele Falschinformationen erschweren zudem meist die Recherche – das geht bei Geburtsorten los und geht bis hin zu falschen Vertragsdaten oder Statistiken. Ein anderer Grund dafür, dass sie vielen noch nicht bekannt ist, ist, dass die Bayern die 25-jährige Stürmerin im vergangenen Sommer aus Spanien verpflichtet, sie anschließend aber wieder direkt in die Liga F verliehen haben. Nun kehrt sie zurück, um den Abgang von Lea Schüller zu kompensieren. Gut möglich, dass einige Bayern-Fans sie noch gar nicht auf dem Schirm haben.

Geboren wurde Imade am 5. Oktober 2000 – einige Seiten schreiben von Benin City, Nigeria als Geburtsort – so auch der FC Bayern. Laut dem spanischen Verband kam sie jedoch in Marokko zur Welt. Debütiert hat sie allerdings in der spanischen Nationalelf, für die sie Ende November erstmals nominiert wurde – und anschließend zweimal kurz vor Schluss gegen Deutschland in der Nations League eingewechselt wurde. Auf der iberischen Halbinsel verbrachte sie ihre Kindheit.

Eine spanische Nationalspielerin, die dazu auch noch eine Offensivposition besetzt, die durch den Wechsel von Lea Schüller zu Manchester United vakant geworden ist? Und die in der Liga F mit zahlreichen Toren auf sich aufmerksam macht? Klingt nahezu perfekt. Miasanrot hat sich die Stürmerin genauer angesehen.

Wer ist Edna Imade?

Zunächst ein Blick auf die Zahlen: In der vergangenen Saison lief Imade noch für den Granada CF auf. Mit 16 Toren in 29 Einsätzen wurde sie zur Torschützenkönigin unter den Menschen, wenn man es etwas flapsig formulieren möchte. Denn Ewa Pajor lieferte mit 25 Toren in 28 Partien galaktische Werte.

Direkt dahinter folgten dann Imade und Alexia Putellas, die ebenfalls 16 Tore erzielte. Das brachte Imade auf den Zettel diverser größerer Klubs – darunter der FC Bayern, der sie unter Vertrag nahm und direkt wieder nach Spanien verlieh. Seit dieser Saison läuft die Offensivspielerin für Real Sociedad auf.

Und wieder ist sie auf bestem Wege, die beste Torjägerin außerhalb des alles dominierenden FC Barcelona zu werden. Acht Treffer erzielte sie in elf Partien, nur Claudia Pina (10) und Pajor (11) haben mehr auf ihrem Konto. Am 9. Spieltag der aktuellen Saison sorgte sie jedoch für einen außergewöhnlichen Moment.

Ihr Elfmetertor zum 1:0 bedeutete zugleich den Endstand gegen Barça – und beendete einige Serien des übermächtigen Gegners. Nach über sechs Jahren blieb Barcelona erstmals ohne eigenes Tor in der Liga. Die letzte Niederlage gab es zuvor Ende März im Clásico. Imade war der Endgegner, wenn man so will. Der Hype um sie ist mittlerweile also so groß, dass sie sogar für Spanien eingesetzt wurde. Immerhin acht Minuten bekam sie in den beiden Spielen gegen Deutschland und gewann dort die Nations League.

Ihr aktueller Aufschwung ist auch in München nicht unbemerkt geblieben, wo Schüller im Winter auf die Insel wechselt und eine Lücke hinterlässt. Die deutsche Nationalspielerin hatte einen nur noch bis Ende Juni 2026 gültigen Vertrag. Ist Imade bereits die perfekte Nachfolgerin?

Edna Imade: Was sind ihre Stärken?

Wie so oft lautet die unbefriedigende Antwort: Das kommt drauf an. Umschreiben lässt sich Imade als eine klassische Nummer neun. Manche sprechen bei der Rollenumschreibung auch von einer „physischen Neun“. Ihre physischen Attribute fallen sofort auf. Sie ist groß (1,79 Meter) und athletisch, kann sich teilweise mit Leichtigkeit gegen Gegenspielerinnen behaupten.

Schirmt sie den Ball mit ihrem Körper ab, ist dieser für die Verteidigerin kaum zu erreichen. Sprintet sie hinter die Abwehrkette, ist es für Gegenspielerinnen schwer, sie aus der Balance zu bringen oder sie vom Ball zu trennen. Ihre Durchschlagskraft ist vor allem in der Liga F auffällig. Denn in Spanien ist der Fußball eher technisch geprägt und physisch nicht ganz so intensiv wie in England oder Deutschland.

Hinzu kommt bei Imade aber, dass sie auch noch schnell ist. Diese Mischung macht sie vor allem bei Umschaltsituationen zu einer gefährlichen Waffe. Ob bei Granada oder Real Sociedad: Einige ihrer Tore erzielte sie als Zielspielerin von Kontern, wo sie klug in die Schnittstelle der Restverteidigung startete und dann schlicht nicht mehr zu stoppen war.

Ähnlichkeiten zu Schüller und Damnjanović

Mit ihrem starken rechten Fuß hat sie einen sehr präzisen und festen Abschluss. Auch aus höchstem Tempo heraus ist die Schussqualität in der Regel gut. In der Umschaltbewegung erinnert sie mit ihrem Gespür für die richtigen Laufwege und der physischen Wucht an Jovana Damnjanović – nur ist Imade deutlich schneller.

Im Kopfballspiel wiederum erinnert sie etwas an Schüller. Zwar ist die Deutsche eine Klasse für sich, wenn es um Kopfbälle geht, doch Imade hat hier ebenfalls Qualitäten. Besonders eindrucksvoll ist ihr Timing beim Absprung und wie sie aus verschiedenen Positionen Druck hinter den Ball bekommt.

Theoretisch bringt Imade mit ihren physisch-athletischen Attributen auch alles mit, um eine hervorragende Pressingspielerin zu sein. Allerdings spielte sie bisher nicht wirklich in Teams, die regelmäßig hohes und aggressives Pressing spielen. Trotzdem fällt auf, dass sie in der Arbeit gegen den Ball sehr engagiert ist, teilweise auch sehr tief verteidigt und sich nicht zu schade für die Laufwege ist.

Edna Imade: Was sind ihre Schwächen?

Gerade die Frage danach, wie gut sie ins System des FC Bayern passt, ist trotz ihrer Stärken schwer zu beantworten. Denn Imade hat vor allem im technischen Bereich einige Schwierigkeiten, die sich nochmal verschärfen könnten, sobald sie in einem Team spielt, das mit deutlich weniger Raum agieren muss.

Genau das wird sie beim FC Bayern erwarten, weil die meisten Gegner sehr tief und kompakt verteidigen. Theoretisch bringt Imade auch hier einige Ansatzpunkte mit, die interessant sind. Aufgrund ihrer Athletik könnte sie beispielsweise eine hervorragende Wandspielerin sein, die mit ihrer Präsenz Räume für die wendigeren Spielerinnen um sich herum öffnet.

Allerdings ist ihre Ballverarbeitung noch ein gutes Stück vom höchsten Niveau entfernt. FBref hat in den letzten 365 Tagen 2.182 Minuten von ihr erfasst, in denen die Passquote bei nur 54,5 Prozent lag – selbst bei Kurzpässen (56,8 Prozent) und mittellangen Pässen (65,8 Prozent) ist die Quote schlecht. Vor allem ihr erster Kontakt und ihre Entscheidungsfindung in Drucksituationen sind zu oft nicht ausreichend gut.

Das führt dazu, dass sie mit dem Rücken zum Tor bisher nicht sonderlich positiv aufgefallen ist. Exakt in diesem Bereich wird sie in München aber gefordert sein. Allerdings wird sie dort auch von stärkeren Mitspielerinnen umgeben sein. Ihre Kurzeinsätze für Spanien gaben noch keine Einblicke, ob sich ihr Spiel dadurch verändert. Bei den Bayern könnte sie zudem von der Erfahrung und Qualität Harders profitieren und von ihr lernen.

Wie geht es jetzt weiter im Sturm der FC Bayern Frauen?

Die schnelle Rückkehr nach München lässt darauf schließen, dass die Bayern eine Klausel mit Real Sociedad vereinbart hatten.

Gleichzeitig ist es wohl nach wie vor sinnvoll, sich mit Alternativen zu befassen. Sowohl Selina Cerci als auch Nicole Anyomi haben ihre Verträge in Hoffenheim und Frankfurt bisher nicht verlängert. Beide könnten womöglich ablösefrei zu haben sein. Gerade Cerci hat zudem ein sehr komplettes Profil und auf Bundesliga-Niveau in verschiedenen Teams nachgewiesen, dass sie nicht nur zuverlässig treffen kann, sondern auch technisch in der Lage ist, eine Rolle zu spielen, wie sie beim FCB von ihr verlangt werden würde.

Imade ist nach aktuellem Stand kein klares Upgrade zu Schüller, hat aber Potenzial, die Lücke zu füllen, wenn sie an ihren Schwächen arbeitet. Technisch fehlt ihr noch zu viel. Ihre Entwicklung in Spanien ist dennoch bemerkenswert – und sie kann mit ihrem Tempo grundsätzlich auch eine Rolle auf der Außenbahn spielen. Dort würde sie in der Regel mehr Räume vorfinden, die sie mit intelligenten Läufen hinter die Kette ausnutzen könnte.

Ihr Profil wird den Kader in jedem Fall um die eine oder andere Qualität ergänzen, die im Moment fehlt. Ob sie aber mehr sein kann als eine schnellere Damnjanović, muss sich zeigen.

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