Nach großem Kampf: Bayern Frauen verpassen Finale

Justin Trenner 02.05.2021

In einem packenden Halbfinale setzt sich am Ende der Chelsea FC mit 4:1 gegen die Bayern Frauen durch. Das Ergebnis klingt zunächst höher, als es der Spielverlauf aussagt. Lange Zeit hatten die Münchnerinnen einen großen Kampf geboten, sich aber nicht ausreichend belohnt. Sowohl in der Anfangsphase des Spiels als auch in der gesamten zweiten Halbzeit gab es genug Chancen, um das Finalticket zu buchen. Chelsea zeigte sich deutlich effizienter und machte mehr aus ihren Möglichkeiten.

Schon in der Anfangsphase wurde deutlich, dass die Blues etwas vorhaben würden. Scheuer stellte etwas überraschend wieder auf Viererkette um, während Chelsea deutlich zielstrebiger nach vorn spielte als noch im Hinspiel. Nach zehn Minuten brachte Kirby die Engländerinnen bereits in Führung. Bayern tat sich in der Folge schwer, ins Spiel zu finden. Umso wichtiger war dann der Ausgleich aus dem Nichts. Zadrazil nahm allen Mut zusammen und wuchtete das Leder anspruchsvoll und sehenswert aus der zweiten Reihe in den Winkel. Doch kurz vor der Pause gelang Chelsea wieder die Führung durch Ji.

Das Hinspielergebnis war damit egalisiert. Allerdings hatten die Bayern den Vorteil, dass jedes ihrer Tore aufgrund der Auswärtstorregel nun deutlich mehr Gewicht haben würde. Chelsea war die Angst vor Gegentoren insbesondere in der Schlussphase anzumerken. Bayern kam immer besser in die Partie und ließ dabei einige gute Angriffe liegen. Kurz vor dem Ende wurde es dann dramatisch: Erst bekommen die Bayern einen klaren Elfmeter nicht für sich gepfiffen (Dallmann wurde gefoult), kurz darauf bekommt Chelsea einen Freistoß auf der anderen Seite. Harder steht im Strafraum sträflich frei und macht das 3:1.

Die Entscheidung war das aber noch nicht. Den Bayern boten sich gleich mehrere Möglichkeiten, das zweite Tor zu erzielen und somit das Finale zu buchen. Aber sie ließen sie allesamt auf teils tragische Art und Weise liegen. Und so war es Kirby, die in der fünften Minute der Nachspielzeit allein auf das freie Bayern-Tor zulief und den Schlusspunkt setzte. Das gilt es aus Sicht der Bayern erstmal zu verdauen.

Dinge, die auffielen

1. Taktikwechsel ohne Not?

Oft genug wurde Jens Scheuer dafür kritisiert, dass er in großen Partien zu defensiv und passiv an die Sache heranging. Ausgerechnet heute hat er dann all seinen Mut zusammengenommen und das im Hinspiel erfolgreiche 5-3-2 gegen ein 4-5-1 (teils 4-4-2 oder gar 4-4-1-1) getauscht. Schon in der Anfangsphase zeigte sich, dass Chelsea diese Umstellung in die Karten spielte. Gerade auf dem rechten Flügel entlarvte sich Caro Simon als defensive Schwachstelle, weil ihr die Unterstützung fehlte, die sie im Hinspiel noch hatte. Bayerns Breitenverteidigung war schlechter, aber auch die Positionierung der Innenverteidigerinnen war naturgemäß anfälliger für Schnittstellenpässe.

Chelsea bekam so nicht nur viel Ballbesitz, sondern auch entschieden mehr Druck im Spiel nach vorn, während die Bayern insbesondere im ersten Durchgang viel hinterherliefen. Womöglich wäre es die bessere Entscheidung von Scheuer gewesen, hätte er zunächst auf die Grundordnung aus dem Hinspiel vertraut. Auch aus einem 5-3-2 ist es möglich, aktiv und mutig zu spielen, dafür wäre die Absicherung aber eine andere gewesen. Zumindest hat sich Scheuers Mut zur Viererkette nicht bezahlt gemacht. Auch weil seine Mannschaft es nur selten schaffte, den Ball selbst mal laufen zu lassen und sich so aus dem Druck der Gegnerinnen zu befreien.

2. Chancenverwertung

Was von Anfang an hingegen gut war: Die Bayern kamen zu Chancen. Am Ende hätte auch ein 3:4 aus Bayern-Sicht stehen können und die Kritik an Scheuers Ausrichtung wäre wohl eine andere. Dass letztendlich nur der wunderschöne Distanzschuss von Zadrazil auf dem Torekonto der Münchnerinnen steht, ist eigentlich absurd. Insofern hatte Scheuer einen Punkt auf seiner Seite: Für zwei bis drei Auswärtstore waren die Bayern trotz einer im Vergleich zum Hinspiel wackligen Defensive gut.

Allerdings ist es auch ein unter Scheuer schon länger bekanntes Problem, dass den Bayern im letzten Drittel die Kaltschnäuzigkeit fehlt. Der letzte Pass, das letzte Dribbling, der Abschluss – kurz vor dem Tor treffen die Spielerinnen plötzlich falsche Entscheidungen. Ein Grundproblem ist, dass sie es sich selbst zu kompliziert machen. Statt die einfachen Passwege zu sehen, sind die Angriffe regelmäßig zu verkopft. Beispielsweise wird über die Dritte gespielt statt eine offene Schnittstelle zu erkennen. Dadurch wird das Spiel immer wieder verschleppt und es fehlt an Zug zum Tor.

3. Erfahrung und Abgezocktheit sind der Unterschied

Chelsea war über 180 Minuten nicht zwingend besser als die Bayern. Aber sie waren abgezockter. Wenn man einen großen Unterschied im Grundniveau beider Teams feststellen konnte, dann war es die Entscheidungsfindung. Fußballspiele werden in vielen kleinen Momenten entschieden. Wer mehr dieser kleinen Momente auf die eigene Seite ziehen kann, hat einen großen Vorteil. Chelseas Spielerinnen sind verlässlicher, wenn es darum geht in Drucksituationen die richtige Entscheidung zu treffen. Sie sind aber auch geübter darin. Allein schon, weil sie Topspielerinnen in ihren Reihen haben, die solche Spiele schon mehrfach erlebt haben. Aber auch, weil sie im Alltag häufiger gefordert werden.

Die Bayern haben mit der Bundesliga aktuell ein Handicap, das muss man so klar sagen. Nur in den Duellen mit dem VfL Wolfsburg werden sie so richtig gefordert. In allen anderen Spielen kommt es meist darauf an, was sie selbst zulassen. Leider zeigte der DFB in den letzten Monaten und Jahren zu wenig Interesse daran, den Wettbewerb zu stärken. Spätestens nach diesem Erlebnis in der Champions League sollten sich der FC Bayern und auch andere Klubs noch intensiver dafür einsetzen, einen Weg ohne den DFB zu gehen. Der Verband hat genügend Chancen liegen lassen. Eigene Strukturen müssen her. Entweder selbstständig oder eben unter dem Dach der DFL. Fakt ist aber: So kann es nicht weitergehen. Die Bayern sind zwar vorrangig über sich selbst gestolpert, aber würden sie national regelmäßiger gefordert werden, hätten sie jetzt womöglich schon ein anderes Niveau. Gegen Chelsea mussten aber selbst so starke Fußballerinnen wie Sydney Lohmann oder Lina Magull regelmäßig Lehrgeld zahlen.

4. Chapeau, FC Bayern!

Dass die Bayern sich überhaupt so lange eine Tür zum Finale aufhalten konnten, verdient große Anerkennung. Ein derart ausgeglichenes Halbfinale gegen diese Topmannschaft hätte vor der Saison wohl jede:r beim FCB unterschrieben. Im Moment tut das Ausscheiden noch weh. Weil man nah dran war. Weil letztendlich auch mit der Fehlentscheidung der Schiedsrichter:innen kurz vor dem 1:3 gehadert wird, als die Bayern einen Elfmeter hätten kriegen müssen. Weil diese Leistung hätte belohnt werden müssen. Letztendlich hatten sie es selbst in der Hand und haben sich das Ausscheiden selbst zuzuschreiben.

Aber diese Erfahrung muss möglichst schnell in Energie umgewandelt werden. Die Frauen können stolz auf ihre Leistung sein und müssen die negative Erfahrung für zukünftige Topspiele in einen Lerneffekt verwandeln. Gerade junge Spielerinnen wie Lohmann haben die Chance, an solchen Spielen zu wachsen und so noch stärker zu werden. Dieses Ausscheiden ist kein Ende. Es ist im Idealfall der Anfang.



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  1. Chelsea war zu abgezockt für das junge FCB-Team. Wenn sich die Mannschaft mit ein, zwei internationalen Klassespielerinnen verstärken kann, sollte in den nächsten fünf Jahren das Finale schon mal drin sein.
    Insgesamt muss die Bundesliga aufpassen, nicht dauerhaft hinter Frankreich, England und Spanien zurückzufallen. Gerade beim derzeitigen Zustand des DFB wäre eine rasche Gründung einer Frauen-DFL zu wünschen (hatte auch Lena Goeßling ja im DoPa angesprochen).

  2. Großer Kampf und auch Nachweise für die Schauspielschule von Chelsea wurde wieder erbracht. Ich weiß, warum ich diesen Verein überhaupt nicht leiden kann. Ich vermute, dass die Herangehensweise zu offensiv war. Der Ball ist immer von der einen Hälfte in die andere geflogen. Oft auch der lange Schlag nach vorne, weiß nicht ob das so gewollt war. Aber war recht ausrechenbar.

    Schade Mädels, Kopf hoch

  3. Danke für den Artikel, ich hätte in so kurzer Zeit das nicht so sachlich zusammenfassen können. Meine Zähne hatten sich noch in der Tischkante verbissen :-)

    Zur Aufstellung und Taktik, ich fand auch gut (wie vorhin schon auf Twitter geschrieben), dass Scheuer nicht in den “Panik-Defensiv-Modus” gegangen ist. Doof nur, wie das dann umgesetzt wurde. Zum einen wäre m.E. Ilestedt links die sicherere Spielerin gewesen, und sie aus der Innenverteidigung nach links zu ziehen, wäre kein Problem gewesen. Mit Ilestedt links und dafür Wenniger zentral, haben die Bayern diese Saison viele und vor allem auch defensiv gute Spiele gemacht. Zum anderen nervte mich auf der linken Seite, dass Klara Bühl über rechts und nicht über links kam. Sie ist m.E. links deutlich stärker, rechts hatte ich gelegentlich das Gefühl, dass sich Bühl und Glas gegenseitig im Weg standen.

    Aber daran lag es nicht und die Idee von Jens Scheuer fand ich (wie man unter dem anderen Artikel hier nachlesen kann) auch nicht wirklich falsch. Denn eigentlich hätten die FCB-Frauen das gewinnen können, wenn nicht sogar müssen.
    Das fängt bei einigen nicht gut zu Ende gespielten Kontern im Hinspiel an und setzte sich jetzt in den letzten 15 Minuten fort. Bei so vielen Chancen muss (!) der Ball auch mal ins Tor. Hinzu kam natürlich dann noch Pech mit dem nicht gegebenen Elfmeter.

    Und da bin ich dann ganz bei Dir Justin, das ist Erfahrung und Wettkampfhärte, die fehlt und die die FCB Frauen in der Liga auch nicht wirklich bekommen können. Außer Wolfsburg kann im Normalfall keine andere Mannschaft die Bayern wirklich richtig fordern. Und das merkt man dann in solchen Spielen, wo viele kleine nicht optimale Entscheidungen dann am Ende dazu führen, dass man verliert, obwohl man es eigentlich in der Hand hatte zu gewinnen. Denn nochmal, Respekt für die Leistung der FCB Frauen in diesen beiden Spielen (und für die ganze Saison), das war schon richtig klasse. Ich verfolge die Mannschaft schon seit einigen Jahren und man sieht wirklich, wie sich die Mannschaft immer weiter gesteigert hat (ja, trotz der beiden Meisterschaften 14/15 und 15/16).

    Eine Frauen DFL und dass sich noch mehr Vereine richtig für den Frauenfußball engagieren, wäre wirklich wünschenswert, sonst ist die BuLi bald gegen England, Frankreich und Spanien abgehängt. Mit allen daraus resultierenden (und jetzt schon teilweise sichtbaren) Folgen. Spielerinnen wie Leupolz oder Maroszan spielen nicht (nur) in England/Frankreich, weil sie mal etwas anderes sehen wollten. In den Ligen ist mehr Spannung, mehr Zuschauer sind in den Stadien (England) und ja, man verdient auch mehr. Ich fand schon krass, dass nicht mal der FCB Spielerinnen wie Leupolz, Zinsberger, Däbritz oder Leo Meier halten konnte (wollte?).

    Noch kurz zum Spiel, das Tor von Sarah Zadrazil war der absolute Hammer! Ich fand Sarah schon bei Potsdam und in der Österreichischen Nationalmannschaft klasse, und ich finde, sie hat sich in der Saison nun nochmal gesteigert. Extrem gute Spielerin und ein Powerpaket mit unbändigem Willen. Hut ab!

    Und trotz des Ausscheidens eine klasse Leistung der Mannschaft in beiden Spielen. Da liegt noch viel Potential in diser Mannschaft!

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. “Spielerinnen wie Leupolz oder Maroszan spielen nicht (nur) in England/Frankreich, weil sie mal etwas anderes sehen wollten.”
      Nö…die spielen da, weil sie da mehr verdienen. Aus dem gleichen Grund spielen aber auch nicht wenige männliche deutsche Spieler in England, ohne dass die wegen der Existenz der DFL sofort zurück nach Deutschland wechseln, deswegen seh ich den Zusammenhang nicht… In England kann man nunmal als Fußballspieler(in) mehr Geld verdienen als in Deutschland-teilweise wegen größerer Investorenfreundlichkeit (dafür ist Chelsea ja das beste Beispiel), teils, weil auch “normale” Leute mehr Geld in Fußball investieren (weil es dort eine größere Rolle spielt und die Leute generell wohlhabender sind)

      1. Das ist nur eine vereinfachende Schlussfolgerung. Bayern haben eine der besten Einrichtungen für Frauen im Fußball. Und sie bieten hohe Löhne. Ich glaube, Bayern zahlen genauso viel wie Chelsea. Nur 2-3 Spieler bei Chelsea werden mehr bezahlt. Auch Chelsea (wie wir gestern herausgefunden haben) hat keine angemessenen Bedingungen in seinem Stadion. Keine Umkleideräume für Gastmannschaften. Bayern versorgten Chelsea mit Umkleideraum und guten Bedingungen. Ich denke, die englische Liga ist nicht ganz professionell. Nur Chelsea und City bieten gute Löhne, aber Arsenal, Bristol, Reading und Spurs haben nicht für alle Spielerinnen die gleichen Löhne. Einige Spielerinnen müssen noch Teilzeit arbeiten. Ich denke, es war bei Spurs. Leupolz ging zu Chelsea, weil sie mehr Medienaufmerksamkeit wollte. Und will in London leben. Und ihr Freund ist da. Bayern wollten Leupolz einen besseren Lohn geben, aber sie lehnte immer noch ab.
        Bayern, Wolfsburg, Frankfurt, Turbine, Bayer haben in den letzten Jahren in ihre Teams investiert. Bayern haben im vergangenen Sommer das Budget für ihre Frauenmannschaft erhöht.
        Im Frauenfußball sind hohe Löhne immer noch nicht üblich, so dass viele Spielerinnen nicht die gleiche Einstellung haben wie Spieler im Männerfußball. Sie streben nach neuen Erfahrungen oder um Titel zu gewinnen. Es ist immer noch ungewiss, ob englische Männerclubs (Man United, Chelsea, City, Arsenal) Millionen in ihre Frauenmannschaften investieren würden. Frauenclubs bringen keine Gewinne, daher macht es keinen Sinn, Millionen für sie auszugeben. Es ist kein Start-up. Es ist Fußballverein. Frauenclub. Und es ist schwieriger, in einer bestimmten wirtschaftlichen Situation zu verkaufen. Es war zu jeder Zeit schwer zu verkaufen. Es ist also sehr riskant, nur Millionen in Frauenclubs zu investieren, um in den nächsten Jahren mehr zu erreichen. Weil es kein digitales Unternehmen oder so etwas ist. In Deutschland gibt es viel Reichtum. Es ist also kein Problem, in den Club zu investieren.

      2. Ja, schrieb ich ja, dass auch Geld/Verdienstmöglichkeit durchaus eine Rolle spielt. Wobei das im Frauenfußball tatsächlich in vielen Fällen nur einer von mehreren Gründen ist.

        In dem Zusammenhang empfehle ich das Interview mit Marina Hegering auf FCB-TV (wer es denn sehen kann). Hegering arbeitete bis zur ihrer Verpflichtung durch den FCB völlig normal neben dem Fußballerleben, teilweise eine ganz normale 40 Stunden Woche. Und ihr erster Gedanke bei der Anfrage vom FCB war nicht “Super, nun werde ich reich” sondern sie sie sprach erstmal mit ihrer Familie und ihrem Arbeitgeber (!) und entschied dann. Und ist nun zum ersten Mal tatsächlich “nur” Fußballprofi – mit 30 Jahren.

        Für die Generation Melly Leupolz, extremer noch bei den noch jüngeren (Lena Oberdorf), sieht das schon ein wenig anders bei den absoluten Spitzenspielerinnen aus. Die können tatsächlich als Profi leben, aber auch hier gilt, für nach der Karriere muss ein Plan B her.

        In der Spitze gibt es in Frankreich, England und Deutschland einige wenige Vereine, die so gut zahlen, dass ihre Spielerinnen Vollprofis sind. Aber selbst diese studieren im Regelfall nebenher und/oder machen eine Berufsausbildung. Denn selbst in der Spitze ist klar, dass man danach als ehemalige Fußballerin ganz normal arbeiten muss. Insofern spielen da immer noch andere Faktoren mit, die im Männerfußball keine Rolle spielen und Geld ist nicht der (allein) entscheidende Faktor. Mehr zu verdienen stört natürlich sicher niemanden, wenn denn auch der Rest zur Lebensplanung passt :-)

  4. Das war ein tolles Spiel, einfach Werbung für den Fußball. Leider mit bitterem Ende.
    Jetzt wollte ich mir ManUnited Liverpool anschaun und was sehe ich. United Fans mit 91+8, ähm 50+1 Plakaten. Zu spät,liebe Engländer :-)

  5. Ich fand die individuelle Verteidigung bei den Gegentoren ungenügend.

    Gegentor 1: 2 Blaue gegen 5 Rote. Respektabstand wird eingehalten. Kurz vor dem Pass macht Caro Simon noch 1,2 Schritt von der Torschützin weg.
    Gegentor 2: ohne Worte…
    Gegentor 3: Pernille Harder stand frei. Sie musste nicht mal freigeblockt werden. Sie stand 3 Meter vor der Kette und lief dann zum kurzen Pfosten.

    Mich hat das an Europapokalspiele deutscher Herrenmannschaften seit 20 Jahren erinnert.
    Bemüht, aber die anderen sind besser. Die Teams machen zu viele Fehler. In der (Herren-)Bundesliga steht dauernd einer frei vorm Tor. Abgezockte Teams (in der Bundesliga nur FC Bayern) sagen da freundlich danke, und schicken dich nach Hause.

  6. Es ist ein eigenartiges Phänomen, dass große Erfolge – jedenfalls im deutschen Sport – nicht dafür genutzt werden (können?), zukunftsfähige Strukturen aufzubauen. Obwohl genau dies immer wieder mantraartig beschworen wird. Was waren das für goldene Perspektiven nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 mit dem entscheidenden Treffer von Simone Laudehr gegen die starken Brasilianerinnen um Marta! Der Zuschlag, die nächste WM dann 2011 austragen zu dürfen. Der aus all den Erfolgen resultierende Motivationsschub für Mädchen, den bewunderten Vorbildern nachzueifern. Etc. Aber auch die Notwendigkeit, die Bundesliga zu stärken mit ihren schwachen Zuschauerzahlen. Alles tausendmal gehört. Und was ist passiert? Gemessen an den tollen Möglichkeiten und den erkannten Aufgaben vergleichsweise wenig. Schade!

    Im Männerfußball ist es ja nicht so viel anders. Nach der WM 1990 wurden die taktische Weiterentwicklung und die Nachwuchsförderung zehn Jahre lang verschlafen. Und wie hat man den Titelgewinn 2014 genutzt? Heute sind wir schon wieder hinten dran. Im Handball ist es z.B. ähnlich. Nach der erfolgreichen Heim-WM 2007 hörte man all die tollen Parolen in wortwörtlicher Übereinstimmung mit denen, die Monate später der Erfolg der Fußballerinnen verursachte. Nichts passierte. Das Problem liegt womöglich tiefer. Erfolg macht womöglich satt und unkreativ, selbst dann wenn man die Gefahr kennt. Erst der Misserfolg weckt neue Kräfte und Ideen. Jetzt sind mehrere europäische Ligen, aber auch Nationalteams dem einst extrem erfolgreichen deutschen Frauenfußball enteilt, und man kann ohne weiteres Handlungsbedarf identifizieren. Das weckt Hoffnungen, auch weil die Erfahrung zeigt, dass in einer solchen Situation ein Zuwachs an Tatkraft zu beobachten ist.

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Naja. Erfolg im Sport verläuft aber immer wellenförmig. Die Idee einer langfristigen Entwicklung hin zu immer größerem Erfolg kann im Sport gar nicht funktionieren, weil man sich gar nicht weiter steigern kann. Titelgewinne wie 1990 oder 2014 sind ein Selbstzweck und Endpunkt, nicht eine Ausgangsbasis für eine Entwicklung. Wohin willst du dich auch nach einem Weltmeistertitel noch entwickeln? Meister des Sonnensystems, der Galaxie, des Universums? Von einem Weltmeistertitel (oder einem Triple ;) ) geht es zwangsläufig nur nach unten. Womit ich ausdrücklich nicht die fußballerische Entwicklung der N11 in den letzten Jahren verteidigen will, geht mir nur ums Prinzip.

      1. D’accord. Allerdings kontrastiert diese Sichtweise mit den Reden von den großen Perspektiven und Möglichkeiten, die gerade solche Erfolge angeblich bieten. Und vielleicht nicht nur angeblich, sondern tatsächlich; sie werden üblicherweise nur nicht genutzt. Andererseits gibt es eben auch Phasen, in denen wirklich Bahnbrechendes geschieht. Zum Beispiel nach der desaströsen Männer-EM 2000.

        Ob ein Wechsel der Frauen-BL zur DFL jetzt das richtige ist, weiß ich nicht. Aber in England, Spanien und Frankreich sieht man, dass das Engagement mehrerer Großklubs offenbar eine Dynamik in den Frauenfußball gebracht hat, die sich positiv auswirkt.

    2. Ein interessanter Aspekt ist auch, dass Erfolge auf Klubebene nicht immer mit ebensolchen der jeweiligen Nationalelf korrespondieren: Bei den Männern lieferte die DFB-Elf ums Jahr 2000 Rumpelfußball ab, während FCB (1996, 1999, 2001), BVB (1997, 2002), Schalke (1997), Stuttgart (1998) und Leverkusen (2002) reihenweise Europacupfinals erreichten. Englische Teams gewannen zwischen 1968 und 1985 20 Europacuptitel, während die Three Lions bei großen Turnieren immer enttäuschten (zwischen WM 1970 und EM 1980 scheiterte man gar stets in der Quali). Und die Erfolgsserie von Lyons Frauen hat auch nicht wirklich auf Frankreichs Nationalteam abgefärbt.

      1. Ja, das ist interessant. Nun geht es bei dieser Betrachtung eher um die große Linie. So verhinderten die bekannten Versäumnisse nach 1990 nicht den Gewinn der EM 1996 und den 2. Platz bei der WM 2002. Alles paletti also damals? Mindestens mit dem zeitlichen Abstand weiß man: nein, absolut nicht.

        Nehmen wir mal die deutschen Kluberfolge in den Jahren nach 1996, dann fragt sich auch: wären sie möglich gewesen ohne z.B. Chapuisat (BVB ’97), Wilmots (S04 ’97), Balakov (VfB ’98), Lizarazu, Elber, Salihamidzuc (FCB ’99, ’01), Lucio (Leverkusen ’02), Rosicky (BVB ’02), um nur einige ausländische Stützen dieser Teams zu nennen?

        Da darf man – spaßeshalber natürlich – Hansi Flick auch fragen, ob er bei seinen mutmaßlichen Plänen wohl bedacht hat, dass ihm ein Robert Lewandowski dann nicht mehr zur Verfügung steht.

  7. Wenn man die gesamten 180 Minuten nimmt, ist es kaum möglich zu sagen, wer denn der verdiente Sieger hätte sein sollen.
    Jede Mannschaft hatte ihre Phasen, gute und schlechte, ihre Chancen, gute und schlechte.
    Von daher geht der Ansatz die clevere und abgezockte Mannschaft hätte gewonnen, zwar nicht fehl. Der Tatbestand an sich steht so.
    Vielleicht sollte man aber auch ein ganz simples Quentchen Glück oder Pech, einfach Zufall mit einkalkulieren. Rutscht am Schluss noch irgendein Schuss durch, sprechen wir vielleicht von der jugendlichen Unbekümmertheit oder Dynamik, die sich durchgesetzt hätte.

    Im Endeffekt ist es eine schwierige Situation, in der man sich jetzt befindet. Im Grunde steht nächste Woche gegen Wolfsburg die ganze Saison auf dem Spiel. Gewinnt man und holt die Meisterschaft ist alles gut und alles passt. Verliert man das Spiel und damit wohl auch die Meisterschaft, bleibt das nach diesem Saisonverlauf nur ein ziemlich bitteres Fazit.
    Keine einfache Ausgangsposition um in dieses Spiel zu gehen.

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    1. Dennoch sollte die Ausgangslage gegenüber dem Pokalspiel sich zumindest in psychologischer Hinsicht verbessert haben. Denn die Performance in beiden Spielen gegen das internationale Top-Team Chelsea war sehr gut, praktisch auf Augenhöhe, und damit deutlich besser als diejenige der Wolfsburgerinnen gegen denselben Gegner im Viertelfinale. Das sollten die Bayerinnen sich bewusst machen und dementsprechend optimistisch ins Spiel gehen.

  8. Unglaublich bitteres Ausscheiden. Man kann nur hoffen, dass die Mädels schnell wieder den Kopf hoch bekommen für das Spiel in Wolfsburg. Ohne sagen zu wollen, dass es daran lag, hatte ich schon bei der Auswechslung meiner Lieblingsspielerin Lea Schüller ein schlechtes Gefühl…

    Zu den Kommentaren bzgl einer “Frauen-DFL”: was würde das denn eurer Meinung nach bringen? Die wirtschaftliche Stärke einer Liga hängt doch nicht an der Organisationsform, sondern an den Zuschauern (sowohl vor Ort als auch im Stadion) und an den verkauften Fanartikeln. Glaubt ihr im Ernst, dass die Frauenbundesliga künftig die großen Arenen füllt, nur weil sie von einer Ligagesellschaft statt dem DFB vermarktet wird? Und auch bei den Männern ist es so, dass in England oder Spanien mehr Geld zu verdienen ist als in Deutschland…DFL hin oder her.

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    1. Es hat ja Gründe, dass sich Verantwortliche immer wieder in diese Richtung äußern und es wird auch nicht mehr allzu lange dauern, da bin ich sicher. Der DFB blockiert die Entwicklung seit Jahren und wird früher oder später die Rechnung dafür kassieren. Ob es nun unter die DFL geht, oder ob man eigene Strukturen gründet: Mal sehen. Aber es muss einiges passieren, was Marketing, Sichtbarkeit, TV-Rechte und vieles mehr anbelangt. In England und auch in anderen Nationen ist zu sehen, dass es riesiges Potenzial für Aufschwung im FF gibt. In Deutschland wird dieses nicht mal annähernd ausgeschöpft.

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