Die Sorgenkinder des FC Bayern

Der FC Bayern hat in den vergangenen drei Jahren nicht nur attraktiven, sondern auch erfolgreichen Fußball gespielt. An diese Titelserie möchte Carlo Ancelotti anknüpfen. Trotz aller Erfolge gab es aber auch einige Spieler die zeitweise oder gar länger nicht zu ihrer Form fanden. In dieser Saison wird es auch darauf ankommen, ob sie in der Lage sind einen Sprung zu machen.

Die Nationalspieler

Insgesamt 11 Spieler des Rekordmeisters waren bei internationalen Turnieren im Einsatz. Bereits in der Rückrunde zeigte sich, dass einige Akteure des FC Bayern nicht mehr die nötige Frische hatten. Thomas Müller erzielte zwar weiterhin einige Tore, baute in seiner Leistungsfähigkeit jedoch stark ab. Auch David Alaba zeigte in diesem Jahr das ein oder andere Mal Schwächen und wirkte nicht immer frisch. Ancelottis Aufgabe besteht darin diese Spieler wieder an ihr Leistungsniveau zu bringen. Außer Alaba, Thiago und Götze haben alle Bayern-Spieler mindestens vier Spiele bei den Turnieren absolviert. Physisch aber vor allem psychisch müssen sie zu alter Frische finden, um in den Schlüsselspielen bis zur Winterpause zu überzeugen.

Gerade Thiago ist unter den Nationalspielern ein Sonderfall. Der Spanier steht vor einer überaus wichtigen Saison. Bei der Europameisterschaft spielte er so gut wie gar keine Rolle und auch beim FC Bayern kam nach seiner Verletzung nicht mehr viel. Guardiola setzte ihn mehrmals auf die Bank. Der 24-Jährige wirkte oft fahrig, unsicher und fand nicht zu seinem gewohnten Spiel. Unter Ancelotti muss er sich neu beweisen. Vor allem aber kann Thiago jetzt zeigen, dass er seinem Talent gerecht wird und zu den besten auf seiner Position zählt. In Form wäre er wohl absoluten Weltklasse, so zumindest die Meinung vieler Experten. Konstant zeigte er dieses Niveau nur selten. Zugegebenermaßen auch aufgrund vieler langwieriger Verletzungen, die ihn immer wieder zurückwarfen. Das war in der jüngeren Vergangenheit jedoch kein Thema mehr. Thiago war fit und hatte mehrere Monate zeit sich in die Mannschaft zu spielen. Die kommende Spielzeit wird zwei Dinge aufzeigen. Zum einen, ob Guardiolas ehemaliger Wunschspieler auch unter einem anderen Trainer funktionieren wird und zum anderen, wie gut er wirklich ist. Kann er die Leistungen aus seiner Anfangszeit konstant abliefern, wird er unumstrittener Stammspieler sein. Wiederholt sich die vergangene Rückrunde, könnte auch ein baldiger Wechsel Thema werden.

Die jungen Spieler

Kingsley Coman, Joshua Kimmich und Renato Sanches spielten nicht nur eine starke Saison in ihren Vereinen, sondern auch eine richtig gute Europameisterschaft. Nach solchen Leistungen fallen junge Spieler aber manchmal in ein kleines Loch. Das muss nicht immer so sein, wie Thomas Müller beispielsweise schon bewiesen hat, aber es kann passieren. Auch darauf muss Ancelotti vorbereitet sein. Dieser Punkt geht natürlich auch mit den erfahrenen Spielern einher. Speziell Lahm, Alonso, Robben und einige andere Akteure, die kein großes Turnier in den Knochen haben, müssen die Mannschaft in solchen Phasen dann tragen.

Juan Bernat

Als Bernat in seiner ersten Saison den lange verletzten Alaba vertreten musste, überzeugte er auf ganzer Linie. Dynamisch, zweikampfstark, schnell, solides Passspiel, gute Laufwege, überzeugende Dribblings und passable Flanken waren die Grundattribute, die ihn schnell in die Herzen der Bayern-Fans katapultierten. Im darauffolgenden Jahr gab es jedoch einen Bruch. Seine Form sank rapide und er wirkte schlicht überspielt, unkonzentriert und nicht mehr so selbstsicher. Es schien, als wäre die Leichtigkeit in seinen Aktionen weg. Seine Balance zwischen Offensive und Defensive war wie weggeblasen. Zudem kam die Problematik hinzu, dass mit Douglas Costa meist ein Spielertyp vor ihm agierte, der ihn zu diagonalen Läufen in den Strafraum zwang. Bernat ist im Strafraum meist ohne die zündende Idee und auch sein Abschluss ist schlicht ungefährlich. Es war nicht mehr ganz dasselbe Offensivspiel wie im Vorjahr. Das Hinterlaufen ging seinem Spiel ab und auch die gefährlichen Flanken wurden weniger.

Juan Bernat steht vor der dritten Bayern-Saison. Vielleicht ist es seine wichtigste.(Foto: Christof Koepsel / Bongarts / Getty Images)
Juan Bernat steht vor der dritten Bayern-Saison. Vielleicht ist es seine wichtigste.
(Foto: Christof Koepsel / Bongarts / Getty Images)

Auch bei ihm steht trotz seines jungen Alters bereits eine sehr wichtige Saison an. Kann er einen Sprung nach vorne machen, so könnte er über seine Backup-Rolle hinaus kommen. Der Spanier hat alle Grundfähigkeiten, die es für diese Position braucht und sein Potential ist sicherlich enorm. Kann er dieses aber nicht ausschöpfen, so dürfte seine Zukunft zumindest von außen in Frage gestellt werden. Bernat musste schon dieses Jahr sehr viel einstecken. Das Argument, dass er ein junger Spieler sei, dem ein solches Jahr zustehen würde, zählte zumindest bis jetzt. Doch jetzt muss er an seine erste Saison anknüpfen und sich sogar noch mal steigern.

Badstubers letzte Chance?

Es ist offensichtlich, dass der FC Bayern nicht mit einem fitten Holger Badstuber plant und auch nicht planen kann. Zu viele Rückschläge erlitt der Nationalspieler bis heute und zu unsicher ist es, sich auf seine Fitness zu verlassen. Der Satz, dass er vermutlich einer der besten Innenverteidiger der Welt wäre, wenn er konstant fit sein würde, tut wahrscheinlich nicht nur jenen weh, die es mit dem FC Bayern halten. Man hat das Gefühl, dass der Neuanfang unter Carlo Ancelotti die letzte Chance für Badstuber ist. Sollte er tatsächlich mal über einen längeren Zeitraum gesund bleiben, stünde einer Vertragsverlängerung vermutlich nichts im Wege. Sie wäre natürlich auch dann nicht ausgeschlossen, wenn es erneut nicht positiv laufen würde. Die Frage ist allerdings, ob Badstuber sich dann mit der ewigen Rolle des dritten oder vierten Verteidigers zufrieden gibt, der aufgrund seiner Verletzungen nie einen höheren Platz angreifen kann. Irgendwann wäre dann ein Punkt erreicht, an dem beide Seiten nicht mehr voneinander profitieren könnten. So bitter das auch klingen mag. Noch ist dieser Punkt aber nicht erreicht und Badstuber, wie man ihn kennt, greift erneut an. Es wäre ihm zu wünschen, dass sein Körper diesmal mitspielt.

Javi Martínez hatte in den letzten Jahren ebenfalls immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Ein richtiges Sorgenkind ist er trotz allem aber noch nicht. Seine Leistungen waren stets sehr gut und er schien zuletzt wieder stabiler zu werden. Bleibt das so, dürfte der Spanier, der bis 2021 verlängert hat, dem Rekordmeister noch sehr lange erhalten bleiben.

Die Flügeldribbler

Die erneute Verletzung von Arjen Robben zeigt auf, dass man auch mit dem Niederländer nicht über eine ganze Saison planen kann. Selbiges gilt für Franck Ribéry und so bleiben den Münchnern nur der derzeit ebenfalls noch angeschlagene Douglas Costa sowie Kingsley Coman, der erst 20 Jahre alt ist. Läuft es ganz schlecht für sie, steht ihnen wieder nur Coman zur Verfügung. Dieses Szenario überwand der Rekordmeister schon am Ende der Hinrunde 2015. Der Franzose übernahm sofort Verantwortung und glänzte mit einigen guten Leistungen. Zwar gab es durch die daraus resultierende Berechenbarkeit auch einige Probleme, aber doch gewann man fast alle Spiele. Wie unser Autor Steffen schon richtig analysierte, kann dahingehend also durchaus noch etwas auf dem Markt passieren, aber es muss nicht zwingend sein.

Während bei Robben nur die Fitness das große Fragezeichen ist, ist es bei Ribery auch die Leistungsfähigkeit. Der Franzose hatte einige gute Auftritte, fiel dann aber besonders auf höherem Niveau immer weider etwas ab. Diese Saison wird man beobachten müssen, ob sich dieser Leistungsabfall bestätigt. Der FC Bayern steuert auf die Zielgerade der Ära-Robbery und ist bereits dabei Lösungen ohne sie zu finden. Dabei war Douglas Costa kein unwichtiger Faktor. In der Hinrunde überzeugte der Brasilianer mit mutigen Dribblings, Tempo und vielen Torvorlagen. Schon damals zeichnete sich aber das ab, was sich in der schwächeren Rückrunde bestätigte: Costa mangelt es an Spielverständnis. Der 26-Jährige dribbelte sich vermehrt fest und sorgte für ungünstige Spielsituationen. Immer wieder verengte er unnötig den Raum für Mitspieler oder ignorierte diese um ein aussichtsloses Dribbling zu wagen. Zwar brachte dieser Mut auch viele positive Seiten mit sich, aber es wäre zu wünschen, dass er in seiner zweiten Saison etwas spielintelligenter agiert. Auch bei ihm wird sich nun zeigen, ob er ein würdiger Nachfolger für die Flügelposition ist, oder eben nicht.

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Leserkommentare
  1. Christoph

    Bei Müller würde ich mir irgendwie wünschen, dass die Bayern ihm einfach noch 2-3 Wochen Sonderurlaub zwangsverordnen. Ich denke ihm fehlte ihm zum Ende der Saison und auch bei der EM es vor allem an der geistigen Frische. Soll er ruhig etwas später in die Saison einsteigen: Wirklich gebraucht wird er im letzten Saisondrittel.

  2. Monika

    Man sagt ja, dass ein Spieler nach einer längeren Verletzung immer so lange braucht, wie die Verletzung dauerte. Dass wir noch nicht den alten Ribery in der letzten Saison gesehen habe, hängt auch damit zusammen.

  3. Marco05

    Vielleicht mal grundsätzlich, weil ich es hier wieder (mit etwas Zeitversatz) gelesen habe:

    Wirkte “überspielt”. Was ist das eigentlich. Das lese ich – gerade in Zusammenhang mit Bayern-Spielern vor allem im letzten Saison-Viertel. Überspielt.

    Ich kann damit überhaupt nix anfangen. Zum einen gibt es keine Indikatoren, an denen man das fest machen könnte, zum anderen ist es auch überhaupt kein Argument im eigentlichen Sinne. Allenfalls ein Totschlagsargument. Kommt ein Pass nicht: überspielt. Gewinnt man den Zweikampf nicht: überspielt. Passieren die gleichen Dinge in der Hinserie, was ist es dann?

    Ich meine man kann immer und niemals behaupten jemand sei oder wirke überspielt. Allein es entbehrt für mich jeglichen Inhalts, weil alle in dem Zusammenhang verwendete Indikatoren auch ganz andere Ursachen haben können. Darüberhinaus besitzt es auch null Aussagekraft oder Lösungsansatz. Wird es besser, wenn es längere Pausen gibt. Gerade Bernat hatte längere Phasen in denen er nicht gespielt hat. Müller. Bei der EM “überspielt”, bei der “WM” mit gleichem Pensum der Superstar und “taufrisch”.

    Also wie auch immer, für mich eines der unsinnigsten Attribute der letzten Zeit. Nur meine 25 Cent ;)

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