Sommer-Round-Up: Auftakt bei EM und Copa

Während bei der Europameisterschaft der erste Spieltag in der Gruppenphase vorbei ist, sind in den USA bei der Copa America bereits die ersten Entscheidungen gefallen. Für die meisten Bayern-Akteure läuft es bisher gut und eine ganz besondere Geschichte schrieb ein Ex-Spieler des Rekordmeisters.

Im Sommer-Round-Up halten wir euch wöchentlich über die Nationalspieler des FC Bayern auf dem Laufenden.

Vidal rettet Chile

Den Auftakt machte vor einigen Tagen Arturo Vidal bei der Copa America. Der Chilene verlor mit seinem Team verdient mit 1:2 gegen Argentinien. Chile zeigte dabei eine eher bescheidene Leistung. Die schlechte Struktur im Aufbau und einfache Ballverluste im Mittelfeld, an denen auch Vidal beteiligt war, stellten dabei die größten Probleme dar. Vidal ist meist sehr hoch positioniert und hat so keinen großen Anteil am Spielaufbau in der ersten Linie. Bei den Bayern hatte der 29-Jährige das Spiel vor sich, weil er oft als alleiniger Sechser oder neben Xabi Alonso agierte. In der Nationalmannschaft beschäftigt er sich in Ballbesitz aber eher mit dem Zehnerraum. Speziell unter Druck trifft Vidal dort nicht immer die klügsten Entscheidungen. Gewohnt stark sind allerdings sein Gegenpressing und die Laufwege in die Spitze, die stets für Gefahr sorgen. Vidal ist überall zu finden und versucht alles um die Formschwachen Chilenen voranzutreiben.

Im zweiten Gruppenspiel avancierte der Bayern-Akteur zum Matchwinner und zeigte eine stark verbesserte Leistung. In der 46. Minute verwertete er eine Hereingabe überlegt mit der Innenseite zur 1:0-Führung. Doch Bolivien glich durch einen sehenswerten Freistoß aus. Alles deutete auf ein Unentschieden, doch in der langen Nachspielzeit war es erneut Vidal der diesmal vom Elfmeterpunkt einnetzte (98.) und Chile so alle Möglichkeiten für das letzte Spiel gegen Panama offen hielt.

In jenem Spiel konnte sich der Chilene dann erneut steigern. Zwar ging Panama in Führung, doch Vidal und Sanchez sorgten mit einer schönen Kombination dafür, dass Vargas zum Ausgleich abstauben konnte. Selbiger war es dann auch der das Spiel kurz vor der Pause drehte. Vidal verzeichnete bei beiden Treffern den Pre-Assist. In der zweiten Halbzeit wurde sein Spiel etwas unauffälliger. Sanchez erzielte das 3:1 und fortan verlor die Partie an Tempo. Erst in der Schlussphase, als Panama nochmal auf 3:2 herankam, wurde es wieder etwas spannender. Der Außenseiter nutzte seine Halbchancen aber nicht und so war es schließlich erneut Sanchez der mit dem 4:2 den Einzug in die nächste Runde perfekt machte.

Im Viertelfinale trifft Chile nun auf Mexico. Es wird eine weitere große Leistung von Vidal, aber auch von Vargas und Sanchez brauchen, um diesen Gegner zu bezwingen.

Coman mit Rekord, Lewandowski blieb blass

Am vergangenen Freitagabend startete dann auch die Europameisterschaft. Im Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Frankreich und Rumänien stand jedoch zunächst kein Bayern-Spieler auf dem Feld, weil Kingsley Coman nur auf der Bank saß. Didier Deschamps entschied sich für Griezmann, Giroud und Payet. Letzterer war der mit Abstand stärkste Franzose auf dem Platz. Die L’Équipe schrieb dennoch dass Coman gegen Albanien in der Startelf stehen könnte. Der Flügeldribbler, der am Montag 20 Jahre alt wurde, stellte zudem einen Rekord auf. Mit 19 Jahren, elf Monaten und 28 Tagen ist er der jüngste Spieler der jemals für eine französische Nationalmannschaft bei einem großen Turnier eingesetzt wurde. Nachdem er in der 66. Minute für Griezmann eingewechselt wurde, konnte er jedoch nur noch für kleinere Impulse sorgen. Ein starkes Dribbling auf der rechten Außenbahn, das er mit einer zu kurzen Flanke abschloss und der Pre-Assist zum entscheidenden 2:1 von Payet blieben seine beiden Höhepunkte. 24 Ballkontakte sammelte der von Juventus ausgeliehene Franzose bei seinem Europameisterschafts-Debüt.

Coman war noch vor Martial die erste Wechsel-Option von Didier Deschamps.(Foto: Martin Bureau / AFP / Getty Images)
Coman war noch vor Martial die erste Wechsel-Option von Didier Deschamps.
(Foto: Martin Bureau / AFP / Getty Images)

Robert Lewandowski hatte mit Polen am Sonntag einen eher enttäuschenden Auftakt. Zwar waren die Polen gegen sehr defensiv aufgestellte Nordiren die klar bessere Mannschaft, doch Ertrag gab es nur selten. Lewandowski selbst hatte kaum Zugriff auf das Spiel und kippte so immer wieder ins Mittelfeld ab, um von dort für mehr Impulse zu sorgen. Sein Sturmpartner Milik war es aber, der das einzige Tor des Spiels erzielte und auch die meisten Abschlussmöglichkeiten hatte (5). Lewandowski machte aus seiner Situation jedoch das beste und fokussierte sich deshalb mehr darauf, sein Pendant im Sturm mit klugen Laufwegen zu unterstützen. Eine Passquote von 77%, nur 18% gewonnene Zweikämpfe und kein eigener Abschluss sind jedoch ausbaufähig. Immerhin konnte der Bayern-Stürmer mit drei Torschussvorlagen für etwas offensive Gefahr sorgen.

Deutschland startet ordentlich

Die meisten Nationalspieler stellen die Bayern für den DFB ab. Mit Neuer, Boateng, Müller und Götze standen gleich vier der fünf nominierten Münchner von Beginn an auf dem Platz. Kimmich spielte nicht. Neuzugang Mats Hummels, der offiziell erst ab dem 1.7.2016 zum Kader des FC Bayern zählt, stand aufgrund seiner Verletzung noch nicht im Kader. Der 27-Jährige trainierte unter der Woche allerdings schon wieder mit der Mannschaft und könnte gegen Polen zum ersten Mal eingesetzt werden.

Dass Manuel Neuer und Jérôme Boateng zu den besten Spielern der Partie zählten zeigt ein bisschen, dass Deutschland nicht ganz nach Plan gestartet ist. Zwar kontrollierte die Elf von Jogi Löw über weite Strecken das Geschehen, doch gerade am Ende der ersten Halbzeit brauchte es die Qualität der beiden Bayern-Spieler. Neuer parierte gleich mehrere Großchancen der Ukrainer, während Boateng 100% seiner Zweikämpfe gewann und ein Mal artistisch auf der Linie klärte. 113 Ballkontakte hatte der Abwehrchef, der das Spiel nach kleinen Anfangsschwierigkeiten gewohnt sicher eröffnete (89% Passquote, eine Torschussvorlage). Boateng war der wichtigste Defensivspieler auf dem Feld und bügelte mehrmals die Fehler seiner Mitspieler aus. In der unruhigen Phase ab der 25. Spielminute fehlte dem DFB-Team die Kontrolle im Zentrum. Viele lange Bälle der Ukrainer sorgten für schnelle Gefahr und eine schwimmende Abwehr.

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Vielleicht die Szene des Spiels: Boateng klärt artistisch auf der Linie.(Foto: Denis Charlet / AFP / Getty Images)
Vielleicht die Szene des Spiels: Boateng klärt artistisch auf der Linie.
(Foto: Denis Charlet / AFP / Getty Images)

Thomas Müller und Mario Götze fielen im Auftaktspiel kaum auf. Beide waren bemüht, doch viel gelungen war ihnen nicht. Götze wurde von seinen Mitspielern kaum in Szene gesetzt. Der Torschütze vom WM-Finale 2014 wirkte zudem etwas träge. Dennoch ist dem 24-Jährigen kein großer Vorwurf zu machen, da seine Mitspieler nicht in der Lage waren ihn in Position zu bringen. Götze spielte nur 27 Pässe von denen aber immerhin 25 ihr Ziel fanden. Zwei Torschussvorlagen und nur 43 Ballkontakte untermauern den unauffälligen Auftritt. Müller war zwar etwas häufiger am Ball (69), konnte dem Spiel aber auch nicht seinen Stempel aufdrücken. Die meisten Angriffe fuhr das deutsche Team über Draxlers linke Seite (41%). Wollen die Deutschen gegen Polen etwas zählbares holen, muss die Offensive besser harmonieren. Trotz Götze im Sturm versuchte man es zu oft mit Flanken. Strafraumdurchbrüche gab es zu selten und so blieben Khediras Chance nach langem Ball von Kroos, Mustafis Führungstreffer, Özils Kontergelegenheit kurz vor dem Ende und das 2:0 die einzigen Abschlüsse aus guter Position.

Gerade das 2:0 entschädigte aber aus Bayern-Sicht für die sonst dürftige Offensivleistung. Kein geringerer als Bastian Schweinsteiger erzielte das entscheidende Tor nachdem er in der 90. Minute für Mario Götze eingewechselt wurde. Dennoch bleiben einige Fragen für die nächsten Auftritte der Löw-Elf offen. Kann Khedira mit Kroos so funktionieren, dass es keine zu großen Lücken im Mittelfeld gibt? Wird Löw eine Lösung für die Außenverteidiger-Positionen finden? Schafft es die Mannschaft mehr Abschlüsse im Strafraum zu kreieren? Gegen Polen muss die Nationalmannschaft eine bessere und vor allem konstantere Leistung abrufen um den Einzug ins Achtelfinale vorzeitig perfekt zu machen.

Thiago und Sanches nur Ersatz, Alaba ohne Glück

Thiago Alcantara startete am Montag in das Turnier. Spanien tat sich dabei lange Zeit sehr schwer gegen gut verteidigende Tschechen. Als Gerard Piqué kurz vor Schluss das entscheidende 1:0 köpfte, stand Thiago schon auf dem Feld. Großen Einfluss nahm Spaniens Nummer 14 aber nicht.

Am Dienstagabend komplettierten Alaba mit Österreich und Sanches mit Portugal den ersten Spieltag der EM. David Alaba wusste dabei durchaus in einigen Szenen zu überzeugen, hatte aber auch mit viel Pech zu kämpfen. Bereits nach ungefähr 30 Sekunden scheiterte der 23-Jährige mit einem Fernschuss am Pfosten und auch ein Abschluss im Strafraum blieb erfolglos. Alaba zeigte aber Führungsspieler-Qualitäten indem er stets den Ball forderte, sich immer anbot und voran ging. Das ganze Team enttäuschte jedoch und so hatte auch der Bayern-Akteur einige einfache Ballverluste. Am Ende verlor Österreich verdient mit 0:2 gegen Ungarn.

Renato Sanches erging es ähnlich wie Thiago. Der 18-Jährige Neuzugang von Benfica saß nur auf der Bank, was angesichts der letzten Spiele Portugals aber zu erwarten war. In der 71. Minute wurde er dann beim Stand von 1:1 eingewechselt. Anschließend konnte sich Sanches nur in Ansätzen beweisen. Mit sicherem Passspiel und einigen dynamischen Dribblings bei Umschaltmomenten half er der Mannschaft nur noch marginal. Schlussendlich blieb es dabei dass Sanches sein Potential nur andeuten konnte und Portugal trotz ansprechender Leistung nicht über ein 1:1 gegen Island hinaus kam.

Bayern-Spieler der Woche

Arturo Vidal ist der erste Bayern-Spieler der Woche. Mit seinen starken Leistungen bei der Copa America sorgte der Chilene fast im Alleingang dafür, dass sein Team noch im Wettbewerb ist. Nach anfänglichen Problemen gegen Argentinien fand Vidal seine gewohnte Stärke aus dem Kalenderjahr 2016. Der 29-Jährige zeigte sich dynamisch, gewann viele Zweikämpfe, war präsent und wird zudem immer sicherer im Passspiel. Arturo Vidal stellt derzeit eindrucksvoll unter Beweis, dass er zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zählt.

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Leserkommentare
  1. wipf1953

    Bin mal gespannt, wie sich das Turnier entwickelt. Momentan hat man den Eindruck, dass bei vielen Spielern der Akku etwas leer ist. Nachdem es aber sieben Spiele sind, bis man Europameister wird, gibt es sicher einige, die jetzt Kräfte schonen und in der ko-Runde dann aufdrehen.

  2. pitvonbonn

    Wenn man die deutsche Mannschaft so spielen sieht, dann kann man sehen, warum die Bayern
    Schweinsteiger, Can, Podolski und Kroos abgegeben haben
    und warum sie Götze gerne abgeben würden
    und warum sie sich nicht um den ablösefreien Kedira und um Ösil bemüht haben.

    Welch ein Vergleich mit Vidal, Sanches, Costa, Costa und Thiago.

    1. Welche Form von Bashing ist das denn jetzt?

      Can und Podolski haben bislang gar nicht gespielt, Schweini dagegen hat ein klasse 5-Minuten-Comeback gegeben ;-) (ist aber trotzdem nicht zu werten) – Costa spielt verletzt gar nicht, Thiago und Sanches mit Kurzeinsätzen …. und du ziehst einen derartigen Vergleich?

      Ich nehme an, dass du – wie viele andere auch, typisch deutsch eben – nichts mit der Nati (des Weltmeisters) anfangen kannst. Indiz ist, dass du auch die Namen nicht richtig schreiben kannst …. Ansonsten macht dieser Beitrag noch weniger Sinn!

      Und wenn diese “deutschen Pfeifen” am Schluss Europameister werden – was sagst du dann?

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